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Warum kein Treffen zwischen Putin und Selenskyj?

Foto: Shutterstock

Eigentlich sollten sich Kremlchef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Friedensgesprächen treffen. So wollte es US-Präsident Donald Trump. Aber eine baldige Zusammenkunft ist nicht in Sicht.

Das letzte persönliche Treffen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Kremlchef Wladimir Putin vom Dezember 2019 in Paris dürfte beiden in keiner guten Erinnerung sein. Damals lächelte der ehemalige Schauspieler und Komiker bei einer Pressekonferenz und schüttelte den Kopf, als Putin die im Rahmen des Verhandlungsprozesses von Kiew umzusetzenden Punkte aufzählte.

Zwar will Selenskyj Putin, der an diesem Sonntag erst einmal eine viertägige China-Reise begonnen hat, dringend treffen, um den Krieg zu beenden. Auch der deutsche Kanzler Friedrich Merz sieht nun kein baldiges Treffen der beiden. Es gibt einige Knackpunkte, die eine solche neue Begegnung eher unwahrscheinlich machen:

Die Bildkombo zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin (l) und den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (r). Foto: Gavriil Grigorov/Pool Sputnik Kremlin via AP/Stephanie Lecocq/Pool Reuters/dpa

– Streit über Legitimität Selenskyjs: Putin wirft Selenskyj vor, nach Ablauf seiner regulären Amtszeit im Mai vorigen Jahres als Präsident seine Legitimität verloren zu haben, weil er keine Wahlen abhält. Allerdings gilt in der Ukraine das Kriegsrecht, das keine Abstimmungen zulässt.

In Kiew heißt es, dass Selenskyjs Machtbefugnisse damit so lange gelten, bis Frieden ist und Wahlen wieder möglich sind. US-Präsident Donald Trump kritisiert die Legitimitätseinwände Moskaus klar als „Blödsinn“. Gescheitert ist er aber vorerst mit dem Ziel, die beiden zusammenzubringen.

Moskaus Zweifel an der Legitimität reichen aber weiter zurück. Russlands Staatsführung sieht Selenskyj als ein Ergebnis der Maidan-Proteste in der Ukraine von 2014, die den Sturz des russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch zur Folge hatten. In Moskau wird Selenskyj immer wieder als „Marionette“ russlandfeindlicher Eliten im Westen dargestellt, die die Ukraine nur als Instrument benutzten, um die Rohstoffmacht Russland zu zerschlagen.

09.12.2019, Frankreich, Paris: Emmanuel Macron (M), Präsident von Frankreich, geleitet Wolodymyr Selenskyj (l), Präsident der Ukraine, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, zu ihren Plätzen für ein gemeinsames Gespräch mit Bundeskanzlerin Merkel im Pariser Schloss Elysée. Foto: Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Im russischen Machtapparat ist die Hoffnung verbreitet, dass Selenskyj wie der lange von den USA unterstützte georgische Revolutionsführer und Präsident Michail Saakaschwili endet, der einen kurzen Krieg 2008 mit Russland führte und der später den Rückhalt des Westens verlor.

– Schwieriges persönliches Verhältnis: Im Jahr seiner Wahl mit einem historisch hohen Ergebnis traf Selenskyj im Dezember 2019 in Paris unter Vermittlung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der damaligen Kanzlerin Angela Merkel mit Putin zusammen.

Russische Staatsmedien zeigen bis heute immer mal wieder die von ihnen als abschätzig bezeichnete Mine Selenskyjs in Gegenwart Putins. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, dass der ukrainische Präsident sich in den stundenlangen Verhandlungen mit Putin bei einigen Fragen «unseriös» verhalten habe.

Bei dem Treffen in Paris ging es um die Minsker Friedensvereinbarungen für die Ostukraine, wo nach den politischen Umbrüchen in Kiew 2014 in weiten Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk prorussische Separatisten mit Hilfe aus Moskau die Macht übernahmen. Vollständig umgesetzt wurden die Vereinbarungen, die eine Autonomie für den Donbass vorsahen, nie. Selenskyj machte immer wieder deutlich, dass er die Vereinbarungen kritisch sehe.

Putin bescheinigte Selenskyj zwar als Komiker und Schauspieler Talent, nahm ihn aber als Präsident lange nicht ernst. Auch aktuell verbreitet die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, ein Video, in dem der Künstler Selenskyj 2014 im bereits von Separatisten kontrollierten Horliwka in seiner Muttersprache Russisch spricht und erklärt, dass die Russen ein Brudervolk der Ukrainer seien, er die Russen liebe und selbst nicht das Zeug habe für einen Politiker. Dies trägt zur Verunglimpfung Selenskyjs bei.

29.08.2025, Ukraine, Kiew: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj legt Blumen an einer behelfsmäßigen Gedenkstätte für die 22 Bewohner nieder, die getötet wurden, nachdem russische Raketen in zivilen Wohnhäusern eingeschlagen waren. Foto: Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa

– Fehlender Friedenswille? Selenskyj wirft Putin vor, so viele Bedingungen für einen Frieden zu stellen, dass es schwer sei, da durchzusteigen. Er will deshalb neben einem raschen Treffen erst einen Waffenstillstand und dann Verhandlungen. Putin wiederum lehnt einen umfassenden und bedingungslosen Waffenstillstand wie in der Vergangenheit und ein Einfrieren des Konflikts ab; er wirft Kiew vor, solche Phasen für die Neubewaffnung durch den Westen und die Neuaufstellung der ukrainischen Streitkräfte zu nutzen.

Nach dem Gipfel im Weißen Haus mit US-Präsident Trump und den Europäern bekräftigte Selenskyj zudem, den von Moskau geforderten Verzicht auf Gebiete kategorisch abzulehnen. Er verweist auf die ukrainische Verfassung, die das verbiete. Selenskyj forderte vielmehr noch stärkeren Sanktionsdruck auf Putin, den Krieg zu beenden und eine Aufrüstung der Ukraine durch westliche Militärhilfe.

Von russischer Seite heißt es, Selenskyj wolle sich durch eine Fortsetzung des Krieges an der Macht halten, weil er so Wahlen vermeiden könne. Es gibt durchaus das Risiko von Machtkämpfen. Der populäre ukrainische Nationalist Serhij Sternenko drohte dem Staatschef bereits unverhohlen: „Wenn Selenskyj unbesetztes Land abgibt, dann wäre er eine Leiche – zuerst politisch und dann auch real€, sagte Sternenko in einem Interview der britischen «Times».

– Organisatorische Probleme: Während US-Präsident Trump nach seinem Telefonat mit Putin Anfang voriger Woche mitteilte, dass der Kremlchef einem Treffen mit Selenskyj zugestimmt habe, sprach Moskau nur von einer Bereitschaft, die bisherigen bilateralen Verhandlungen über einen Frieden auf eine höhere Ebene zu stellen. Also könnten etwa statt der bisherigen Delegationen künftig die Außenminister Kiews und Moskaus verhandeln. Russland sieht ein Treffen der Präsidenten allenfalls am Ende eines Verhandlungsprozesses, wenn es um die Unterzeichnung einer Vereinbarung geht.

31.08.2025, China, Tianjin: Der russische Präsident Wladimir Putin (l) und der chinesische Präsident Xi Jinping schütteln sich während einer Zeremonie zur Begrüßung der Staatsoberhäupter des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) die Hände. Foto: Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa.

Mit Befremden nahm der Machtapparat in Moskau auch die Diskussionen um einen möglichen Verhandlungsort in Europa, darunter Genf oder dem Vatikan, auf. Da der Internationale Strafgerichtshof Putin wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen zur Fahndung ausgeschrieben hat, dürfte er kaum auf Zusicherungen der Europäer vertrauen, dass der Haftbefehl ausnahmsweise nicht vollstreckt wird.

Der kremlnahe Politologe Sergej Markow behauptete sogar, dass die Ukraine oder Großbritannien einen Anschlag auf Putin verüben könnten. „Putin darf nicht nach Europa fliegen“, sagte er und meinte, dass der Kremlchef dort um sein Leben fürchten müsse. Dagegen dürfte Putin gegen ein Treffen mit Selenskyj im Kreml nichts haben, was aber wiederum der Ukrainer kategorisch ablehnt. Allerdings sind auch Vermittler wie die Türkei oder die arabischen Staaten bereit, einen solchen Gipfel auszurichten.

– Putins angebliche Bereitschaft: Putin betont zwar seine Bereitschaft zum Treffen auch mit Selenskyj. Ein Interesse daran zeigt er aber nicht, weshalb ihm Trump und die Europäer vor allem eine Verzögerungstaktik vorwerfen – und das Ziel, in der Ukraine weiter vorzurücken. Unter dem Strich kritisieren die Ukraine und der Westen, dass Putins Bedingungen für einen Frieden auf eine Kapitulation der Ukraine hinauslaufen. Womöglich könnte das Eingeständnis einer Niederlage Putin dazu bringen, einem Treffen zuzustimmen. Ein Aufgeben Kiews und einen Diktatfrieden lehnen aber auch die europäischen Verbündeten der Ukraine ab.

Putin wiederum will kein neues Einfrieren des Konflikts wie unter Selenskyjs Vorgänger Petro Poroschenko im Zuge der Minsker Friedensvereinbarung zulassen. Er will den Konflikt diesmal dauerhaft gelöst sehen – zu seinen Bedingungen. (dpa)

12 Antworten auf “Warum kein Treffen zwischen Putin und Selenskyj?”

  1. Hugo Egon Bernhard von Sinnen

    Wer feste Verträge mit der Rüstungsindustrie hat, kann an Friedensgespräche nicht interessiert sein. Erst recht nicht, wenn diese Verträge auf, sowohl als auch, unter dem Tisch unterschrieben wurden.
    Wer hätte gedacht, das Schauspielerei in unserer Generation, noch zur größten Gefahr werden kann ? Und wer hätte gedacht, das Korruption, auch unser größter Feind ist ?

  2. Pensionierter Bauer

    Wäre ein Treffen zwischen den beiden total verfeindeten Staatsmännern überhaupt möglich? Zwischen Winsten Churchill und Adolf Hitler hat es doch auch nie ein Treffen gegeben!

  3. Wir wollen und dürfen uns nichts weismachen. Putin ist in einem Krieg gegen den Westen, gegen unsere demokratischen Werte und gegen unsere Lebensweise. Er führt diesen Krieg gegen uns, mehr oder weniger offen, mehr oder weniger verlogen.
    Je eher wir uns alle dessen bewußt werden und je eher wir bereit sind die passende Antwort zu geben, desto schneller und kräftiger können und müssen wir reagieren. Zu unser aller Sicherheit und Schutz. Es ist alleine Putin der uns unvermeidbar in diese kriegerische Bereitschaft hineindrängt, nicht unsere Regierenden und schon gar nicht unsere Waffenindustrie.

  4. Der Feind der Europäer ist die EU, der Feind der Russen ist Putin, Trump genau wie Biden ist(war der Feind der Amerikaner, Nethanjahu ist der Feind der ganzen Menschheit, und Zelinsky ist eine Mariomette ihrer aller. Alle Herrscher dieser Welt sind die Feinde Gottes und der Menschen die sie „beherrschen“, denn an erster Stelle geht es um ihr eigenes „Wohl“. Alle folgen dem gleichen Ziel und dienen dem gleichem Herrscher,… sei es mit Digitaler ID, ZwangsImpfung, digitalen Geld, SmartCities, totale Überwachung, usw…ihr Ziel ist dass es den Menschen als Individum nicht mehr gibt und Gott seine Schöpfung des Lebens tot ist. Alles gesteuert, kontrolliert und überwacht durch eine Zentraleinheit.
    Für alles was wir hier zulassen von unseren sogenannten „Volksvertreter“ müssen unsere Kinder für zahlen…
    In jeden Konflikt den du begegnest, stell dich in der Mitte. Du findest den Teufel, du findest den Frieden und du findest Jesus Christus der dich rettet.

  5. „Streit über Legitimität Selenskyjs“

    Welche Legimität ?

    Fakt ist, Selnskyjs Presidentschaft ist genao wenig Legitim wie das Kanzlermandat von Merz !
    Ich mein, klar wer will schon mit Kriegsverbrechern nem Lügenbaron und nem Bettler wie Selenskj und Merz verhandel ?

  6. Churchill hat nicht alleine gegen einen Diktator gekämft. Da waren noch ein Paar andere Nationen mit auf dem Schlachtfeld.
    Selenskyj muss sich alleine gegen den Schlächter aus Moskau behaupten.
    Alle andern schauen zu und ein Tuppes aus den USA gießt ständig Öl ins Feuer.

  7. Joseph Meyer

    Im Text wird schreibt der Reporter von dpa, dass „der Internationale Strafgerichtshof Putin wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen zur Fahndung ausgeschrieben hat“. Bei diesem Verbrechen soll es sich um Kindesentführungen aus der Ukraine ach Russland handeln, hier dazu ein Bericht.
    21.08.2025
    Raubt Russland Kinder?
    Sind die Kinder, die aus umkämpften ukrainischen Gebieten nach Russland gebracht wurden, „geraubt“ – oder einfach nur in Sicherheit gebracht worden? Helmut Scheben ist den Spuren nachgegangen.
    https://www.emma.de/artikel/raubt-russland-kinder-341985

    Zum möglichen Ende des Krieges äußert sich der bekannte Politikwissenschaftler
    Prof. John Mearsheimer: «Der Ukraine-Krieg wird auf dem Schlachtfeld enden»
    https://www.youtube.com/watch?v=h8Qa70-UaHU

    Hier eine weitere Stimme:
    22.08.2025
    „Deutschlands Kriegskurs krachend gescheitert“ – Punkt.PRERADOVIC mit Dr. Erich Vad
    „Deutschlands Kriegskurs ist krachend gescheitert“, sagt der ehemalige Brigadegeneral und Merkel-Berater Dr. Erich Vad. Er begrüßt die diplomatische Offensive von Donald Trump in Sachen Ukraine und rät Deutschland und Europa, diesem Kurs zu folgen. „Es bleibt uns eh nichts anderes übrig, nie waren wir so abhängig von den USA wie jetzt“, so der Mitautor des Buches „Krieg oder Frieden – Deutschland vor der Entscheidung“. Ein Gespräch über die Unmöglichkeit deutscher Friedenssoldaten in der Ukraine, die unsinnige Behauptung, Putin wolle die ganze Ukraine einnehmen, die Aussichtslosigkeit des Krieges und darüber, dass der NATO-Beitritt der Ukraine jetzt endgültig vom Tisch ist.
    https://www.youtube.com/watch?v=t–08B16rok

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