Politik

Nach der Reform: „Freiwillige Feuerwehr kann so nicht überleben“

Verantwortliche verschiedener Hilfeleistungszonen bei der Diskussion in Kelmis.

Zum Abschluss der vierten Auflage der „Liberalen Woche“ lud die PFF am Mittwoch zum Thema „Feuerwehr-Reform: Welche Zukunft für die freiwillige Feuerwehr?“ ins Select nach Kelmis ein. Vor allem die Mitglieder der hiesigen Feuerwehren waren der Einladung gefolgt, um ihren Unmut über die aktuelle Situation kundzutun.

Die PFF kündigte indes an, sich mit einer Resolution an die Föderalregierung zu wenden. Die föderale Feuerwehr-Reform sorgt seit ihrem Inkrafttreten im Januar 2016 für viel Ärger und Frust bei den freiwilligen Feuerwehrleuten.

Der Grund: Sie sind den Berufsfeuerwehrleuten neuerdings statutarisch gleichgesetzt und müssen den gleichen Vorgaben gerecht werden. Das sorgt nicht nur für Unvereinbarkeiten mit Beruf und Familie, sondern erschwert darüber hinaus die Rekrutierung neuer Freiwilliger.

Publikum und Diskussionsteilnehmer am Mittwochabend im „Select“ in Kelmis.

„Es sind vermehrt Schwierigkeiten und Hindernisse in Bezug auf die Reform an uns herangetragen worden“, sagt Kattrin Jadin, föderale Abgeordnete und Vorsitzende der PFF: „Deshalb haben wir beschlossen, den Feuerwehrleuten endlich die Gelegenheit zu bieten, ihre Anliegen vorzubringen und ihre Sorgen und ihren Unmut kundzutun. Wir sind auf diese freiwilligen Helfer, die nicht selten ihr eigenes Leben für das Allgemeinwohl in Gefahr bringen, dringend angewiesen. Sie haben es mehr als verdient, dass man ihnen zuhört und ihre berechtigten Einwände ernst nimmt.“

Gesetzlich festgelegte und entschädigte Freistellungen, eine schnellere Übersetzung der Schulungen und Weiterbildungen in die deutsche Sprache und angepasste Arbeitsbedingungen: Die Liste der Forderungen und Vorschläge ist lang.

„Wenn sich nichts ändert, wird die freiwillige Feuerwehr nicht überleben“, so Philippe Boury, Bürgermeister von Theux und Leiter der Hilfeleistungszone 4, der gemeinsam mit Quentin Gregoire, Kommandant der Zone 4, Luc Burette, Kommandant der Zone 5, Francis Bairin, Vorsitzender der Zone 5, Holger Pip, Kommandant der ostbelgischen Zone 6 und Karl-Heinz Klinkenberg, Vorsitzender der Zone 6, an der Diskussion teilnahm: „Die Art und Weise, wie mit den freiwilligen Feuerwehrleuten umgegangen wird, ist unsäglich und respektlos. So kann und darf es nicht weitergehen!“

Resolution an Föderalregierung

Damit das nicht passiert, kündigten die PFF-Fraktion im Anschluss an die Veranstaltung an, sich in einer Resolution an die Föderalregierung zu wenden.

„Es reicht nicht, den Feuerwehrleuten bloß ein offenes Ohr zu schenken. Wir müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten handeln“, kommentiert Gregor Freches, Fraktionsvorsitzender der PFF. „Deshalb werden wir einen Resolutionsvorschlag an die Föderalregierung im Parlament der DG abstimmen lassen. Wir brauchen die freiwillige Feuerwehr. Und es ist unsere Pflicht, unser Bestmögliches zu tun, um ihre Arbeit so zu würdigen, wie sie es verdient.“

  1. Ich finde es gut, dass die PFF sich des Themas in dieser Weise angenommen hat. Wichtige Informationen wurden zusammengetragen, Meinungen eingeholt, Probleme aufgelistet und den Betroffenen Gelegenheit gegeben, ihre Situation zu schildern. Auch dass die PFF mit Gregor Freches auch erste Schritte unternommen hat, um dem Problem zu Leibe zu rücken, finde ich begrüßenswert. Das Thema darf man in unser aller Interesse nicht auf die lange Bank schieben!

    Gut gemacht, PFF!

    Und bevor das Gemecker gleich wieder los geht: Ich bin NICHT von der PFF, habe kein Regierungsamt noch wurde mir irgendein Vorteil versprochen. Ich strebe auch kein Amt oder dergleichen an.

    • Eine sehr gute Bemerkung! Erst werden die Gemeinden und Feuerwehren vom Föderalstaat zu einer Reform gezwungen, die niemand gefragt hat und von der keiner profitiert. Und jetzt kommt die Vorsitzende der Partei, die das im Föderalen Parlament mit entschieden hat und spielt den großen Menschenversteher!

  2. Komisch Komisch

    Aber Hallo ! Bitte keine Euphorie ! Neuwahlen stehen vor der Tür und plötzlich tun Politiker so als ob die sich sorgen machen würden um die lokale Feuerwehren . So Naïv können nur Politiker sein, wir aber nicht. Die rechnung ist doch schnell gemacht : +/- 200 Wehrmeute in der Zone DG + Frauen + einige 18. Jährige Kinder = mehr als 400 “ potenzielle “ Stimmen. Wetten dass sich nichts tut bis zu den Wahlen ?

  3. Alte Liebe rostet nicht

    Da schaute der Präsident K-H Klinkenberg aber verdutzt als die Dotation pro Einwohner angesprochen wurde. Der Betrag in der Hilfeleistungszone 6 beträgt ja nur die Hälfte von den Nachbarzonen 4 und 5. Wie soll das den funktionieren bitte?

    Kein Wunder, das man in Ostbelgien mit alten Karren Brände löscht und alten verbeulten Ambulanzen leben rettet.

    Die von der PFF können Resolutionen schicken so viele sie wollen, das wird nichts ändern!

    Als Herr Boury Präsident der Zone 4 ein regelmäßiges Treffen der Zonenpräsidenten und -kommandanten vorschlug, versteckte sich K-H Klinkenberg hinter dem Zonenrat. „Das muss ich erst nachfragen“. Um Probleme zu lösen und mich bei Anderen zu inspirieren muss ich nicht erst um Erlaubnis bitten, wenn ich ein richtiger Präsident bin. Herr Boury brauchte nicht die Zustimmung seines Zonenrates um sich an den Tisch zu setzen. Wegen dieser nicht Entscheidungsfreudigkeit läuft es auch NICHT in der Hilfeleistungszone 6.

    Bestes Zitat, “wir haben angeordnet die Aufkleber mit den Gemeindenamen zu entfernen”. Eine solche Entscheidung 3 Jahre nach der Reform ist das eine stolze Leistung und Vorausschau. Großartig wie Herr Klinkenberg und die anderen 8 Bürgermeister die Zone leiten.

    Nach der Pest kommt die Cholera, die nächsten Wahlen stehen im Oktober an und die bisher bekannten Spitzenkandidaten lassen auch nichts Gutes erahnen.

    In diesem Sinne waren diese 1 1/2 Stunden nur Augen Wischi Waschi für die Feuerwehrleute und Sanitäter. Frau Jadin hatte geschickt zum „verre de l’amitié“ eingeladen damit alle friedlich blieben.
    Die Veranstaltung hätte länger dauern müssen, dann wäre die Stimmung und Interpellationen des Personals sicher etwas angeheizter und intensiver gewesen. Die Fragen aus dem Publikum waren nur ein „warm-up“. Geschickt gemacht Frau Jadin.

  4. Tatütata

    Das ist doch wohl ein Witz, oder? Ausgerechnet die PFF! Deren Bgm. Klinkenberg und deren „Finanzschöffe“ Hunger haben doch 2015 aus Kostengründen die Dispatching-Zentrale der Zone 6 aufgelöst und abgesetzt. Seitdem kämpft die Feuerwehr bei jedem großen Einsatz mit Kommunikationsproblemen und die (vor allem älteren und zugezogenen) Mitbürger der DG mit Sprachproblemen beim Anruf!! Die Zone 6 dürfte wohl landesweit die einzige Hilfeleistungszone sein, die ohne Zentrale arbeiten muss. DAS ist ein Skandal und nicht die Auflagen der Reform, die können andere Zonen locker erfüllen! Nur die Zonen, die völlig unvorbereitet und mit einem viel zu aufgeblasenen Verwaltungskader in die Reform gegangen sind, stecken jetzt in Schwierigkeiten. In anderen Zonen wurde nach der Reform die komplette Infrastruktur geändert, auch um das Ganze für den Nachwuchs attraktiver zu machen. Die Regierung hatte den Weg geebnet und man hätte nur geltendes Gesetz anwenden müssen, das hätte schon gereicht. In Eupen geschah jahrelang….gar nichts. Da vertraute man auf einen Zonenkommandanten, der mit der neuen Situation völlig überfordert war und das finanzielle Ungleichgewicht wollte man ganz simpel mit ein paar Kündigungen ausgleichen. Und die Leichen dieses inkompetenten, aber selbsterschaffenen, Führungsstiles liegen heute noch im Keller und werden täglich vom neuen Kommandanten und dessen Offizieren überall in der Zone ausgegraben. Und wer damit nicht genug hat, der sollte sich mal speziell bei den Feuerwehrleuten in Eupen erkunden, wieviele Monate sie ohne Leiter dagestanden haben. Eine Stadt mit knapp 20.000 Einwohner, die größte der DG, und die Feuerwehr monatelang ohne Drehleiter!!! Und das Ding, das sie jetzt erhalten haben, ist eine AUSGELIEHENE und GEBRAUCHTE Drehleiter aus zweiter oder sogar dritter Hand! Und so geht es nicht nur Eupen. Die PFF führt mit ihrem überaus fähigen Bürgermeister den Vorsitz im Zonenrat und dort heißt das Motto: „Feuerwehr? Hauptsache billig“. DAS ist ein Skandal. Und DAS ist es, was den Feuerwehrleuten schlichtweg die Motivation raubt. Nicht die Reform, hinter der man sich jetzt versteckt. Kaum zu glauben, dass „Klinkenbergs Ahnen“ à la Evers das Ding mal mit viel Liebe aufgebaut hatten….
    Und jetzt aus dieser unsäglichen Situation auch noch politischen Profit schlagen? Glückwunsch PFF. Demnächst reicht ihr sicher auch eine Petition für das Wiederaufforsten des Friedensparks ein, oder macht das schon Ecolo? Käme doch auch gut…

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern