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Mit „dreckigen Siegen“ wie dem gegen Portugal können die Roten Teufel Europameister werden [Kommentar]

27.06.2021, Spanien, Sevilla: Belgische Spieler feiern den 1:0-Sieg, während Portugals Cristiano Ronaldo enttäuscht reagiert. Foto: Jose Manuel Vidal/Pool EPA/AP/dpa

Was haben wir Belgier nicht in all den Jahren über die deutsche Fußball-Nationalelf geschimpft, die sich manchmal mit viel Glück in die nächste Runde mogelte und 1980 (EM), 1990 (WM), 1996 (EM) und 2014 (WM) am Ende sogar den Titel gewann! Genau das könnte jetzt auch den Roten Teufeln gelingen.

Erinnern Sie sich noch an die WM 1990 in Italien? Was war das doch für eine tolle belgische Nationalmannschaft damals! Der 3:1-Sieg in der Vorrunde gegen Uruguay war beeindruckend. Enzo Scifo und Jan Ceulemans glänzten. Die internationale Presse war begeistert.

Auch im Achtelfinale gegen England war Belgien klar die bessere Mannschaft. Nach 90 Minuten stand es in Bologna 0:0. Verlängerung! In der 119. Minute aber, als sich die Zuschauer bereits geistig auf ein Elfmerschießen vorbereiteten, das die Roten Teufel mit ihrem Weltklasse-Torhüter Michel Preud‘homme glaubten gewinnen zu können, der Schock!

27.06.2021, Spanien, Sevilla: Belgiens Thorgan Hazard trifft zum 1:0. Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa

Der Engländer David Platt zerstörte mit einem Kunstschuss alle belgischen Träume. England gewann 1:0 und zog ins Viertelfinale ein. Belgien war raus. Völlig unverdient.

Unverdient war auch die Niederlage der Roten Teufel bei der WM 2002 in Japan und Südkorea im Achtelfinale gegen Brasilien, als Belgien den späteren Weltmeister an den Rand einer Niederlage brachte, ein reguläres Tor von Marc Wilmots aberkannt wurde, die Roten Teufel aber am Ende 0:2 verloren.

Und? Wer erinnert sich heute noch daran? Raus ist raus. Wenn du rausfliegst, nachdem du super gespielt hast, bekommst du am darauf folgenden Tag noch eine Mütze Lob – danach verliert niemand mehr über dich ein Wort.

27.06.2021, Spanien, Sevilla: Portugals Ruben Dias bedankt sich bei den Fans nach der Niederlage. Foto: Lluis Gene/Pool AFP/AP/dpa

Am morgigen Dienstag spricht auch kaum noch jemand über Portugal und Cristiano Ronaldo, wohl aber über Belgien, das am Freitag im Viertelfinale auf die Italiener trifft.

Noch vor einigen Jahren hätte Belgien ein Spiel wie das von Sonntag gegen Portugal verloren. Es zeugt von Reife, gegen überharte Portugiesen, bei einem überforderten deutschen Schiedsrichter und fast eine komplette zweite Halbzeit ohne Kevin De Bruyne ein 1:0 über die gesamte Spielzeit zu retten.

Lassen wir die Portugiesen jammern, ebenso die schlauen Sportjournalisten. Solch ein „dreckiges Spiel“ wie das von Sonntagabend ist zweifelsohne eine Titelreife-Prüfung – und die haben die Roten Teufel mit Mühe, aber auch mit Bravour bestanden.

Und gegen Italien? Jedes Spiel muss gespielt werden, jede Serie (auch die der seit 31 Spielen ungeschlagenen Squadra Azzurra) geht irgendwann mal zu Ende. Warum nicht am Freitag in München gegen Belgien? Die Österreicher haben gezeigt, dass auch Italien keine Übermannschaft ist. GERARD CREMER

Zum Thema siehe auch folgende Artikel auf OD:

32 Antworten auf “Mit „dreckigen Siegen“ wie dem gegen Portugal können die Roten Teufel Europameister werden [Kommentar]”

  1. Einer Meinung

    Ich bin glaube nicht oft Ihrer Meinung Herr Cremer, aber diese hier teile ich.
    2018 hätten wir dieses Spiel 1:0 verloren. Heute gewinnen wir es 1:0. Was hilft fulminanter Fußball, wenn am Ende dabei nichts rum kommt. Ich habe es lieber, dass unsere Mannschaft so unspektakulär spielt wie Frankreich 2018 und eine Chance auf den Titel hat, anstatt früh auszuscheiden. Am Ende zählt der Titel, wie er erreicht wird, ist zweitrangig. Daher: Weiter so! Die vor dem Turnier schon löchrig geschriebene Abwehr hat gestern super gegen offensiv extrem starke Portuguisen gehalten. Mit KDB wäre das Spiel auch schon vor dem Abpfiff bei einem der Konter entschieden worden und niemand würde heute faseln sondern dann würde es heißen, dass die Belgier clever auf die Kontermöglichkeit gewartet haben und dann den entscheidenden Nadelstich gesetzt haben. Auf Expertenmeinungen muss man nicht viel geben, die ändern sich je nach Windrichtung…
    Beste Grüße und auf einen weiteren Sieg am Freitag!!

  2. Fred vom Jupiter

    Sehr richtig,Herr Cremer.
    Wenn wir jetzt mal, trotz Brych, das Momentum auf unserer Seite hatten, machen wir es doch einfach so wie andere Nationen. “ Fantastische Chancenverwertung, denkwürdige Abwehrleistung der roten Teufel, die Portugiesen clever abgekocht, was für eine überragende Leistung,….“ oder so.
    In Italien höre ich niemand über den Zittersieg jammern. Das glückliche 2:2 der Deutschen gegen Ungarn ist auch vergessen. Heute liest man nur wie souverän England geschlagen wird.

  3. Ossenknecht

    Oberste Fußballregel ist, dass gewinnt, wer am Ende die meisten Tore geschossen hat. Alles andere sind Dramatisierungen der Medien und der Zuschauer, Klatsch und Tratsch. Eine Wertung einer spielerischen, optischen oder statistischen Überlegenheit gibt es im Fußballsport schlicht nicht, das bedeutet eine absolut unsportliche Hinzufügung einer Regel, unter der die Teams nicht angetreten sind. Redlich und verdient gewonnen hat immer genau der Kader mit den meisten Toren. Ohne Wenn und Aber.

    Ich bin gespannt, auf wen wir am 11. Juli im Wembley-Stadion treffen.

  4. Fußballkritiker

    Nein, Herr Cremer, Ihren Optimismus kann ich leider nicht teilen. Gestern hatte Belgien sehr viel Glück. Am Freitagabend gegen Italien brauchen wir mehr als Glück. Selbst wenn wir das schaffen sollten, wartet im Halbfinale Frankreich oder Spanien. In meinen Augen ein Ding der Unmöglichkeit.
    Ich respetiere Ihren Optimismus, aber ich befürchte, dass bereits nächsten Freitag Schluss ist.

  5. Man kann sich offenbar echt alles schön reden. Klar zählt unterm Strich nur das Ergebnis, aber das Ergebnis von gestern war zum größten Teil einfach Glück – weil die Portugiesen gegen eine überforderte belgische Mannschaft auch nichts auf die Kette bekommen haben. Ähnlich übrigens die deutsche Mannschaft, die ist auch mit mehr Glück als Verstand irgendwie ins 8tel Finale getaumelt. An irgendeiner versteckten „dreckigen Klasse“ lag es sicher nicht.

    • Im Fussball ist vieles Glück, Glück ist für einige Mannschaften hier überhaupt weitergekommen zu sein. Belgien hat 3 Spiele in der Vorrunde gewonnen, konnten sie gegen das Gemetzel und mit dem Schiedsrichter gegen sich anders spielen als nach ihrem 1-0 zuzumachen? Glaube nicht, haben gut abgewehrt, sonst hätte Portugal ja ein Tor geschossen. Und davon abgesehen haben sie jedesmal halb Europa zu durchquerren, die Zuschauer gegen sich, da ihre Fans nicht in überzahl sind und bei 35° noch abends in Sevilla zu spielen, ist auch nicht das Wahre. Und glauben Sie dass Portugal anders gespielt hâtte, wenn Portugal in Führung gewesen wäre? Ich glaube nicht.

  6. Peter Müller

    So schnell dreht die Fahne. Deutschen nur Glûck, Frankreich im W.M Halbfinale nur hinten drin gestanden. Der E.M Sieger Grieschenland nur gemauert und mit Glück. Merkt ihr was ? genau das beansprucht ihr jetzt für uns. Jetzt ist jedes Mittel Recht. Gestern haben wir schon mal Glück gehabt, dass wird aber nicht immer reichen. Gestern war das erste Spiel wo ein Gegner auf dem Platz stand, der uns die Grenzen aufgezeigt hat. Das heisst jetzt aber nicht, dass wir keine Chance haben.

  7. Peter Müller

    Herr Cremer. Das wir Ostbelgier bei unserem Nachbarn immer nur das schlechte suchen ist ja normal. Wenn man ihren Artikel liesst, muss schon sehr viel Frusst und Neid vermuten. Freuen Sie sich doch einfach über unsere Mannschaft, und lassen die Nachbarn mal in Ruhe. Sie schreiben, dass England mit einem Kunstschuss unverdient gewonnen hat. Jetzt frage ich Sie ,wie war das mit dem Kunstschuss von T. Hazard gestern. Ich glaube es gehen die Pferde mit ihnen durch.

    • Ostbelgien Direkt

      @Peter Müller: Natürlich ist auch das Tor von Thorgan Hazard ein Kunstschuss – wie der von David Platt im Achtelfinale der WM 1990. Das ist ja gerade der Punkt. Was 1990 dem Gegner der Roten Teufel gelang, gelingt jetzt den Roten Teufeln selbst. Auch der Sieg der Engländer damals war „ein deckiger Sieg“ – wie der von Belgien gegen Portugal. Gruß

    • Peter Müller, wieder nichts verstanden? Schlimm. Oder wollten Sie einfach nur meckern? Ich habe sogar das Gefühl, Sie treten hier nur zum Schein als Belgier auf. Sie sind Deutscher, aber als Belgier lässt es sich leichter auf Belgien herumhacken. Aber egal, von Fußball haben Sie herzlich wenig Ahnung.

  8. Schwächste Mannschaft

    Belgien war von den bisherigen Achtelfinalisten die mit Abstand schwächste Mannschaft.
    Wenn eine Mannschaft neben einem Sonntagsschuss nicht in der Lage ist, sich auch nur eine einzige Torchance zu erarbeiten, hat sie im Viertelfinale im Prinzip nichts verloren.
    Belgien wird gegen Italien aufgezeigt bekommen, dass der Hype um diese „Goldene Generation“ erneut völlig unbegründet ist. Die Spieler haben ihren Zenith längst überschritten.
    Die Schweiz hat gestern gezeigt, wie moderner und herzerfrischendet Fußball aussehen kann. Dies hat Belgien in allen 4 Spielen nicht ansatzweise gezeigt.
    Man könnte sich auch für die Leistung der Belgier schömen, statt vom illusorischen Titel zu träumen.

    • Peter Müller

      Schwächste Mannschaft
      Sie verwechseln Spass für den Fan, und Zielorientierter Fussball. was ist ihnen lieber, schön verlieren oder auch mal scheisse spielen, und gewinnen.
      Nach der E.M. können sie sich noch mal melden.

  9. Ich denke Europameister sollte der werden, der am Ende aller Spiele am meisten Ballbesitz hatte! Warum sollte diese Prozentquote sonst so oft erwähnt bzw. eingeblendet werden? Bringt doch sonst nichts das zu berechnen.

  10. Peter Müller

    Ja Experte, für einen normalen Fan ist da auch uninteressant. Aber für Leute die mit Fussball zu tun haben ist das schon wichtig. Z.b. wenn du als Spieler nur eine Passgenauigkeit von 30 oder 50 % hast, biste schnell draussen.

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