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Merz, Spahn oder „AKK“: Wer übernimmt bei der CDU die Merkel-Nachfolge? Entscheidung am Freitag

22.11.2018, Sachsen-Anhalt, Halle/Saale: Friedrich Merz (l-r), ehemaliger Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU, Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Generalsekretärin, und Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, sitzen im Podium auf der Regionalkonferenz der CDU für Sachsen-Anhalt und Sachsen in Halle (Saale). Foto: Hendrik Schmidt/ZB/dpa

In Deutschland geht die Ära Merkel dem Ende entgegen. Die Kanzlerin, die nur noch bis Abschluss der Wahlperiode regieren will, verzichtet nach 18 Jahren auf den CDU-Vorsitz. Das Rennen um die Nachfolge ist spannend. Entscheidung am Freitag.

Das sieht man bei der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands (CDU) äußerst selten: Gleich mehrere prominente Politiker bewerben sich um den Parteivorsitz.

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet hat, nicht noch einmal zu kandidieren, wird es einen Wechsel an der Spitze der stärksten deutschen Regierungspartei geben. Wer beim Parteitag an diesem Freitag (7. Dezember) in Hamburg gewählt wird, hat auch Chancen, früher oder später Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland zu werden.

Eine Frau und zwei Männer sind es, auf die sich jetzt alle Augen richten: Die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (56), kurz „AKK“, der frühere Chef der Parlamentsfraktion Friedrich Merz (63) und Gesundheitsminister Jens Spahn (38). Neben ihnen treten bei der alle zwei Jahre anstehenden Wahl des Vorsitzenden noch einige weitgehend unbekannte Bewerber an.

Die Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union (CDU) von 1950 bis heute, Reihe oben, l-r: Konrad Adenauer (Foto von 1963), Ludwig Erhard (Foto von 1972), Kurt Georg Kiesinger (Foto von 1980). Reihe unten, l-r: Rainer Barzel (Foto von 1969), Helmut Kohl (Foto von 1998), Wolfgang Schäuble (Foto von 1996). Und rechts Angela Merkel (Foto von 2015). Foto: dpa Team/dpa

Merkel hat die CDU mehr als 18 Jahre lang geführt, und sie ist seit 13 Jahren Bundeskanzlerin. Die Flüchtlingskrise 2015 kostete sie viel Zustimmung, was sich schon im Wahlergebnis bei der Bundestagswahl 2017 niederschlug.

Von „Kanzlerdämmerung“ ist daher in Deutschland schon länger die Rede. Nach den schweren Verlusten der CDU und ihrer Schwesterpartei CSU bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern im Oktober erklärte Merkel dann, dass ihre vierte Amtszeit als Kanzlerin ihre letzte sei und sie auf den CDU-Vorsitz verzichte.

Kramp-Karrenbauer wurde schon eine Weile als mögliche Nachfolgerin gehandelt, denn Anfang dieses Jahres hatte Merkel die damalige saarländische Ministerpräsidentin als Generalsekretärin ins Konrad-Adenauer-Haus nach Berlin geholt.

„AKK“ gilt zwar als etwas farblos, blickt aber auf viel Regierungserfahrung auf Landesebene zurück. Als Ministerpräsidentin zeigte sie Durchsetzungskraft und holte bei der Landtagswahl 2017 eindrucksvolle 40,7 Prozent. „Die eiserne Faust kann man auch klug im Samthandschuh verbergen“, skizzierte die bisweilen unterschätzte Mutter dreier Kinder in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ihren Führungsstil.

05.12.2018, Hamburg: Schwarze, rote und gelbe Farbbahnen werden in der Messehalle für den 31. CDU-Parteitag ausgelegt. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ihr Rivale Merz versucht nach Jahren an der Seitenlinie das große Comeback auf dem Spielfeld der deutschen Politik. Als Oppositionsführer gegen die rot-grüne Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) bekannt geworden, hatte ihn Merkel 2002 als CDU/CSU-Fraktionschef aus dem Amt gedrängt. Im Bundestag blieb Merz bis 2009, dann konzentrierte sich der Jurist ganz auf seine gut dotierten Posten in der Wirtschaft.

In Erinnerung blieb Merz mit seiner umstrittenen Aussage, dass es eine deutsche „Leitkultur“ gebe, an der Einwanderer sich ausrichten sollten, und seiner Forderung nach einem Steuerkonzept, das auf einen Bierdeckel passt. Für konservative Christdemokraten, in deren Augen Merkel die CDU zu weit nach links rückte, blieb Merz all die Jahre ein Hoffnungsträger.

Spahn, der Jüngste im Trio, gehört wie Merz zum konservativen Parteiflügel. Er hat sich unter anderem als Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik einen Namen gemacht. Wohl um ihn in die Regierungsdisziplin einzubinden, machte die Kanzlerin ihn im März zum Bundesgesundheitsminister. Für einen konservativen, katholischen Christdemokraten eher ungewöhnlich, ist Spahn mit einem Mann verheiratet. Der Großteil seiner Partei hatte die „Ehe für alle“ in der Vergangenheit immer abgelehnt.

06.12.2016, Nordrhein-Westfalen, Essen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlässt den 29. Bundesparteitag der CDU. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Führungswechsel sind in der deutschen Christdemokratie selten. Altkanzler Helmut Kohl war 25 Jahre CDU-Chef (1973-1998), sein Nachfolger Wolfgang Schäuble musste nur wegen der CDU-Spendenaffäre seinen Posten frühzeitig räumen. Merkel wurde im April 2000 als erste Frau zur Vorsitzenden gewählt.

In Umfragen unter CDU-Anhängern hatte meist „AKK“ vor Merz die Nase vorn. Merz musste sich in Diskussionen wegen seines hohen Einkommens in der freien Wirtschaft rechtfertigen – rund eine Million Euro brutto im Jahr nach eigenen Angaben.

“Ich habe viel gearbeitet, ich habe nichts geschenkt bekommen“, sagte er. Spahn hat nur Außenseiterchancen. Doch wie unberechenbar die Verhältnisse bei den Christdemokraten geworden sind, zeigte im September die von niemandem für möglich gehaltene Abwahl von Fraktionschef Volker Kauder.

In den 69 Jahren der Bundesrepublik Deutschland hat die CDU 49 Jahre lang den Regierungschef gestellt. Merkel will nur noch bis zur nächsten Bundestagswahl regieren. Das wäre regulär 2021. Dass der neue Mann oder die neue Frau an der Spitze der CDU Merkel in der laufenden Wahlperiode ablöst, ist unwahrscheinlich. Denn da müssten auch die Sozialdemokraten mitziehen, der Koalitionspartner der CDU/CSU. Diese würden aber ungern dem nächsten Spitzenkandidaten der Union vor den Wahlen einen „Kanzlerbonus“ verschaffen. (dpa)

18 Antworten auf “Merz, Spahn oder „AKK“: Wer übernimmt bei der CDU die Merkel-Nachfolge? Entscheidung am Freitag”

    • Walter Keutgen

      Törö, im Interview nach ihrer Wahl im Fernsehen der ARD am 7.12. um 22 Uhr hat Annegret Kamp-Karrenbauer durchaus Sachkenntnis gezeigt und, dass ihr bewusst ist, dass auch die Grünen an der CDU nagen. Sie ist sich bewusst, dass man in Sachen Energieumbau nicht stillstehen darf, aber auch behutsam damit umgehen muss.

  1. Ekel Alfred

    Die haben alle drei nur allergrösste Angst vor der AfD…..man will deren Wähler zurückgewinnen….aber wie?….man hat doch kein richtiges Konzept vorzuweisen….auch wenn Schäuble bereits im Vorfeld versucht, dem Bürger den Merz zu suggerieren….so wie bei den Wahlen in OB die PFF, SP und GRÜNE im Wochenspiegel….alles unseriös….

    • Herkules?

      So so, wer sind Sie denn, Herkules? Was wolen Sie zum Besipiel gegen den teufelspakt machen? Nach Marakech fliegen und dort das Ding zerreißen? Es ist ein 68er und sozialistsiches Ding zu glauben, der Einzelne könne etwas bewegen. Verdammt praktisch, für die Politclowns, denn somit sind die nie für etwas verantwortlich, sondern der Einzelne selbst ist für alles verantwortlich.

  2. Klartext

    So weit man das von aussen, als Belgier, beurteilen kann, kommt nur Merz in Frage; besonders da mit dem Posten scheinbar ja auch die Kandidatur für eine spätere Kanzlerschaft einhergeht.
    Frau Kramp-Karrenbauer disqualifiziert sich schon wegen ihres Namens; den können „Flüchtlinge“ nicht so gut aussprechen, der ist auch auf dem diplomatischen Parkett einfach zu sperrig, genau wie die Frau selber. Wenn sie redet kämpft man direkt gegen die Müdigkeit an, die einen schlagartig überfällt. . Sie ist keine Merkel 2.0, sondern ein paar Level drunter.
    Spahn geht nicht wegen seiner sexuellen Ausrichtung. Mir ist die egal, aber auch hier machen die Muslime einen Strich durch die Rechnung. Man stelle sich vor, Bundeskanzler Spahn geht mit seinem Mann zu einem wie auch immer gearteten Gipfel nach Marrakesch, Riad oder Damaskus… die Szenen aus “ Das Leben des Brian“ ziehen jetzt an meinem geistigen Auge vorüber.
    https://www.youtube.com/watch?v=54qxBwQFkeo

    Obschon; vielleicht wäre mit Spahn eine Eindämmung der Migrationswelle möglich; welcher aufrichtige Muslim will schon in ein Land flüchten, das von einem Schwulen regiert wird?

  3. Gerd Liebertz

    Man kann nur inständig hoffen, dass nach Mutti Herr Merz das Zepter übernimmt. Er ist derjenige mit den meisten Kenntnissen und würde Deutschland wieder in eine andere, bessere Richtung führen.

    • Werter Herr Liebertz

      anders wird die Richtung mit Sicherheit sein, ob sie besser sein wird sei einmal dahingestellt. Sicher ist aber auch das sich einige ihrer größten Kritiker nach kurzer Zeit „Mutti Merkel“ wieder zurück wünschen werden.

      • Gerd Liebertz

        Egal wer das Amt übernehmen wird, muss man der Person einen gewissen Raum an Zeit geben bevor ein Urteil fällen kann. Habe mir aber die Schwerpunkte von Herrn Merz angehört, die gefallen mir aber deutlich besser als die, von den anderen beiden. Da würden noch viele Leute Augen machen, denn das Paradies würde für so einige zunichte gemacht werden.

  4. Ekel Alfred

    @ Gerd Liebertz, die Schwerpunkte von Merz werden wir noch sehr schnell zu spüren bekommen….sollte er denn Kanzler werden….die Verwirklichung des Paradieses wurden doch letztens im deutschen TV bei Adam & Eva sehr verdeutlicht….

  5. Wenn es Merz wird, dann gute Nacht, dann wird es den Deutschen bald wie den Franzosen ergehen, ich fürchte nur, dass der noch schlimmer ist. Wie kann man eigentlich glauben, dass Rotschild Banker oder Black Rock Investment Manager irgendetwas für das gemeine Volk übrig haben.

    • Alfons van Compernolle

      Ich kann Ihnen nur Recht geben. Die Ideen von Merz betr. Rentenreform haben es in sich !
      Die Frage ist, wieviel Provision er von seinem jetzigen Arbeitgeber fuer diesen Reformvorschlag bekommt ? Dieser Mann ist fuer jede Partei gefaehrlich , ganz besonders aber fuer Rentner/innen.
      Mein Wunsch ware, diesen Mann in das 200 Meter vom Tagungsort entfernte Untersuchungsgefaengnis einzuliefern , die haben dort auch das Zentrale Haftkrankenhaus wo Psychiater u.a. Arbeiten.

      • Réalité

        Ich glaube Herr Van Compernolle, Sie wären am besten in Hamburg geblieben!? Da Sie ja gesagterweise auch in Gent residieren(??), so sollten, müssten Sie ganz sicher auch wissen, dass eine solche Idee eines Belgischen Finanzministers, mit Namen de Clercq, Anfang der 80er Jahre ein solches Produkt erfunden hat. Nämlich das Pensionssparen an der Börse. Zu Anfang zahlte das Familienoberhaupt 40.000 Bfrs ein, plus 10.000 Bfrs pro Person zu lasten. Dies waren maximale Summen, welche in Mischfonds, nach strenger Auflage des Staates investiert wurden.
        Die eingezahlten Summen wurden im folgenden Jahre von der zu versteuernden Familieneinkommenssumme abgezogen. Dadurch Steuerverminderung per Saldo und sofort! Das tollste war jedoch die Entwicklung in den Folgejahren, sowie für viele Rentner, bei Eintritt im Rentenalter ein mehr als willkommenes Zubrot! Wer da, wie Sie so Grosskotzig schreiben, zum Psycho muss, da sollten Sie wohl zu aller erst mal selber hin! Viel Gelabber, aber unwahr bis ans Ende!
        Hinsetzen, Herr van Compernolle! Null auf Zehn!

  6. Ostbelgien Direkt

    AKTUALISIERT – Kramp-Karrenbauer und Merz müssen in Stichwahl um CDU-Vorsitz

    Hamburg (dpa) – Im Machtkampf um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel als deutscher CDU-Vorsitzender kommt es auf dem Parteitag in Hamburg zu einer Stichwahl.

    Im ersten Wahlgang bekam am Freitag keiner der drei prominenten Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit.

    Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer holte 450 Stimmen, der füherere Fraktionschef Friedrich Merz 392. Gesundheitsminister Jens Spahn schied mit 157 Stimmen aus dem Rennen aus.

    Merkel hatte Ende Oktober nach den starken Verlusten der CDU und ihrer Schwesterpartei CSU bei den Landtagswahlen in Hessen und Bayern angekündigt, bei der in Hamburg anstehenden Neuwahl nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Als Kanzlerin will sie bis zur nächsten Bundestagswahl im Amt bleiben, die regulär 2021 ansteht.

    Merkel war im April 2000 CDU-Chefin geworden, als die Partei in der Opposition saß und unter den Folgen der Parteispendenaffäre um Altbundeskanzler Helmut Kohl litt. Im Herbst 2005 wurde sie Bundeskanzlerin.

    Die CDU hat in Deutschland rund 420 000 Mitglieder und stellt in sechs Bundesländern den Regierungschef. Sie tritt nur in 15 Ländern an, in Bayern repräsentiert die CSU die Christdemokratie. Im Bundestag bilden CDU und CSU eine gemeinsame Fraktion.

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