Politik

In der EU-Politik ist Macron Merkels Geliebter und Michel ihr treu ergebener Ehemann [Kommentar]

Bild links - 14.07.2019, Frankreich, Paris: Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, begrüßt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel während der großen Militärparade auf den Champs-Elysées zur Feier des französischen Nationalfeiertags. Bild rechts - 14.07.2019, Frankreich, Paris: Mark Rutte (l-r), Ministerpräsident der Niederlande, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Charles Michel, Premierminister von Belgien, unterhalten sich während der großen Militärparade auf den Champs-Élysées zur Feier des französischen Nationalfeiertags. Fotos: Kamil Zihnioglu/AP/dpa - Thomas Padilla/BELGA/dpa

Seit dem Wochenende vom 8. – 9. Dezember 2018 hat Belgien keine Regierung. Premier Charles Michel (MR) kann dies ziemlich egal sein, denn ab dem 1. Dezember 2019 ist der Liberale Ratspräsident der EU – Angela Merkel und Emmanuel Macron sei Dank!

Am 8. Dezember 2018 stürzte die Regierung von Charles Michel, weil dieser unbedingt nach Marokko wollte, um in Marrakesch einen nicht einmal verbindlichen Migrationspakt zu unterzeichnen. Die Loyalität zur deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), einer glühenden Verfechterin des Pakts, schien Michel damals wichtiger zu sein als der Zusammenhalt der föderalen Regierung von N-VA, MR, Open VLD und CD&V.

08.07.2019, Belgien, Brüssel: Charles Michel, Ministerpräsident von Belgien und künftiger EU-Ratspräsident, begrüßt Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin von Deutschland und Kandidatin für das Amt der EU-Kommissionpräsidentin. Foto: Olivier Matthys/AP/dpa

Aus heutiger Sicht könnte man dem belgischen Premier sogar unterstellen, dass es ihm am 10. Dezember 2018 in Marrakesch weniger um die Sache ging als um die eigene Karriere.

Michel sagte damals in Marrakesch, wohin er sich im Gegensatz zu anderen EU-Regierungschefs begeben hatte: „Ich habe zwar keine parlamentarische Mehrheit mehr in meinem Land, aber ich präsentiere mich aufrecht und stolz auf meine Überzeugungen.“

Heute kann Michel tatsächlich stolz sein, aber nicht auf seine Überzeugungen, sondern darauf, dass sich seine Loyalität zu Merkel bezahlt gemacht hat, denn schon bald kann er seinen Posten als Ratspräsident der EU antreten.

Merkel ist immer noch die mächtigste Frau der Welt

Mag sein, dass die deutsche Kanzlerin den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron bei der Begrüßung wie einen Geliebten umarmt, voller Leidenschaft (Foto oben links). Dafür aber darf Michel stramm wie ein treu ergebener Ehemann neben Merkel stehen, sobald sich dazu die Gelegenheit bietet, so wie am 14. Juli in Paris anlässlich der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag (siehe Foto oben rechts).

10.12.2018, Marokko, Marrakesch: Charles Michel, Premierminister von Belgien, kommt zur UN-Konferenz, um den Migrationspakt zu unterzeichnen. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

Angela Merkel mag momentan einige gesundheitliche Probleme haben, wie ihre wiederholten Zitteranfälle vermuten lassen, aber in einem waren sich die politischen Beobachter und Kommentatoren nach dem Postengeschacher mit Ursula von der Leyen als künftige Kommissionschefin und Annegret Kramp-Karrenbauer als neue deutsche Verteidigungsministerin einig: Wenn es um die Verteilung von wichtigen Posten in Berlin oder Brüssel geht, ist die deutsche Kanzlerin immer noch die mächtigste Frau der Welt.

Dessen war sich womöglich auch Charles Michel bewusst, als er am 8. Dezember 2018 den Sturz seiner Regierung billigend in Kauf nahm und zwei Tage später mit seiner Rede in Marrakesch Merkel signalisierte: „Angela, auf mich kannst du dich immer verlassen!“

Eiskaltes Machtkalkül zahlt sich in der Politik immer aus, wenn man sich clever anstellt und sich frühzeitig in Position bringt – so wie Charles Michel. (cre)

31 Antworten auf “In der EU-Politik ist Macron Merkels Geliebter und Michel ihr treu ergebener Ehemann [Kommentar]”

  1. Stalin lebt!

    Ach ist es nicht wunderschön, wie gut sich all diese neokommunistischen Führer verstehen. Es lebe die Diktatur. Naja verständlich, der Plan geht auf, alles klappt wie aus dem Lehrbuch. A
    Das Volk frisst der Führung aus der Hand, die verlangen sogar nach Atmungssteuern. Hammer, Karl Marx wär noch nicht mal auf die bescheuerte Idee gekommen. Naja wenn das Volk es so will….
    Für diejenigen die das System nicht so mögen, da haben die Führer ja auch eine Anzahl von Möglichkeiten, und wenns notfalls Gummiknüppel und Blendgranaten sind. Die Altbewährten halt.
    So ich muss, der Erich hat mich eingeladen. Er wollte mit mir anstossen, auf sein Mädchen.

      • Stalin lebt!

        Stimmt, aber die SED Vergangenheit ist nicht zu verleugnen, auch wenn das in Ihrer Autobiographie nicht so gerne beleuchtet wird von den Qualitätjournalisten. Merkel war ein priviligiertes Mädchen im System, und wirkte überaus motiviert mit. Die Familie Merkel ist damals aus der Brd geflüchtet.

        • Walter Keutgen

          Stalin lebt!, einigen wir uns darauf, dass Frau Merkel es in beiden Systemen weit gebracht hat, weil sie intelligent und sehr anpassungsfähig ist. Die evangelische Kirche hatte den Theologen Kasner – Merkel ist der Familienname ihres ersten Gatten – als Pastor von Hamburg nach Brandenburg geschickt. Er ist mit seiner Gattin und der erst ein paar Wochen alten Tochter Angela dahin gezogen.

          • stalin lebt!

            einigen wir uns darauf, dass Frau Merkel es in beiden Systemen weit gebracht hat, weil sie intelligent und sehr anpassungsfähig ist.
            So nennt man das. Hitler war auch inteligent und anpaaungsfähig, aber trotzdem ein Verbrecher.

            Also Sie betrachten die neoliberale – ich ziehe das Wort ultraliberale vor – Weltordnung als kommunistisch.
            Wenn ich Sie ein Geburtagsgeschenk gebe in Weihnachtspapier verpackt, bleibts immer noch ein Geburtstagsgeschenk.
            Ein Staat der wählen lässt, aber am Ende sich nicht an den Ergebnissen schert und seine Führer selbst ernennt. Ein Staat der ein Parlament hat das nichts entscheiden darf. Ein Staat wo Oppositionelle oder Systemgegner(oder Menschen die die Wahrheit verkünden) Repressalien drohen, hat nichts mit Neoliberalismus oder Ultraliberalismus zu tun.

  2. Vereidiger

    Alles nur Vermutungen („mag sein …“, „womöglich“), um einen Zusammenhang zu konstruieren, den es so nicht gibt, und um zu schlussfolgern, reines Machtkalkül sei die Triebfeder.

    Man kann sich sein Weltbild zusammenbasteln, aber das wenig mit journalistischer Recherche zu tun…

    • Walter Keutgen

      Vereidiger, dass das durch Merkel vertretene Deutschland reines Machtkalkül betreibt, ist verständlich , irgendwie normal. Macron tut das doch auch. Wobei Merkel doch den unsäglichen Schäuble auf das Abstellgleis gesetzt hat.

      Dass Michel nach Marrakesch gereist ist, kann man noch mit der Ehre der Staaten begründen. Wenn man den Migrationspakt von Anfang bis Ende mitverhandelt, dann muss man ihn unterzeichnen. Dass aber ein Erstminister so zu sagen das sinkende Schiff verlässt, ist nur mit eigenem Karrieredenken zu erklären. Zwei solch hohe Ämter zu kumulieren, wäre doch das Letzte. Außerdem könnte er ja den europäischen Posten in 2½ Jahren antreten.

      Für mich sollte außer der Deutschen ein estnischer EU-Außenbeauftragter ernannt worden sein und ein finnischer Ratspräsident. Denn diese Länder sind mit ihrer Regierung der durch EU-Vertrag moralisch vorgeschriebenen EVP-S&D-ALDE Koalition am nächsten. De estnische sollte einen oppositionellen Sozialdemokraten ernennen und die finnische einen liberalen Ratspräsident.

      Das EU-Parlament sollte ganz allein ohne Staateneinmischung über seinen Vorsitzenden abgestimmt haben. Das wäre besser als das Führer-Kandidatenmodell, pardon Spitzenkandidatenmodell.

      Die baltischen Politiker wären auch deswegen nützlich, wenn die EU jetzt angesichts der Wahlresultate in der Ukraine jetzt eine Vermittlerrolle anstreben könnte, um Frieden zwischen Russland und Ukraine zu stiften und am Ende eine Annäherung im Europa vom Atlantik bis zum Ural zu bewerkstelligen, mit der China und die USA wirklich rechnen müssten.

      • Hier Walter bringen Sie Ihre Sicht zur Postenbesetzung zum Ausdruck.
        Wie das auf EU-Ebene laufen könnte und sollte ist eine Sache, die harte Realität basiert aber nun mal auf der hohen Machtposition der einzelnen Regierungschefs.
        Eine Reform der EU ist wünschenswert: demokratischer (mehr Parlament) und unvermeidlich in Richtung der Vereinigten Staaten von Europa.
        Bei der letzten angestrebten Reform (EU-Verfassung) verirrte sich D‘Estaing in unendlichen Labyrinthen (statt einer Verfassung der Versuch alles regeln zu wollen). Das Scheitern führte dazu, dass dieselben Regeln in einen Vertrag gepackt wurden; verständlicher wurden sie dadurch nicht.

  3. Die Unterzeichnung des Abkommens von Marrakesch hat tatsächlich nur einem genutzt : Charles Michel. Für ihn war dies ein wahres Marra-Cash. Er konnte sich dort auf Kosten der Belgier als Staatsmann präsentieren der „auf der richtigen Seite der Geschichte“ stand.
    Der Preis? Seit Dezember keine Regierung in Belgien, steigende Staatsschulden und politisches Chaos.
    Aber was solls : nach mir die Sintflut, nicht wahr Herr Michel?

    • Unter Geiern

      @ Joseph , richtig wie sie schreiben “ Seit Dezember keine Regierung mehr , steigende Staatsschulden und politisches Chaos “ . Solange das arbeitende Volk von diesen im wahrsten Sinne des Wortes “ GREIFGEIERN “ verascht und abgezockt werden , schlittern wir immer mehr in die Finanzmisere hinein . Ohne Scham haben diese sich in ihren langen Karrieren an mehreren Stellen an Steuergeldern bereichert , ohne mit den Wimpern zu zücken und halten sich auf ihren alten Tagen immer noch für etwas besonders . Alle Vorteile wussten diese So genannten Helden auszunutzen und profitierten mit ihrem ganzen Harm davon .

    • Dann bin ich aber beruhigt. Nach Unterzeichnung des Migrationspaktes bestand ja die Befürchtung, dass auf dieser Grundlage zig Millionen Wirtschaftsflüchtlinge die Legitimation zur Plünderung Europas erhalten.

      Endlich kommt heraus, dass das Ding lediglich zum Vorteile Michels gedacht war. Dann hätten wir uns die damaligen Emotionen ja sparen können.

  4. Bei allem guten Willen Herr Cremer.
    Wenn ich den Titel lese, kommt mir der Gedanke, daß bei den Temperaturen der Einsatz einer Klimaanlage der schlüssigen Titelsuche durchaus förderlich wäre. (Anmerkung mit einem Schuss Humor)
    Ansonsten immer weiter schön fleißig in die Wunden.
    😎😎😎😎😎

  5. Feststellung

    Es bleibt nur zu hoffen , das unsere gierigen Politschleimer heute morgen die Presseschau mit Roger Pint am BRF mitbekommen haben worin dieser klipp und klar verlauten ließ , das unser Land am finanziellen Kollaps endet .

    • Ekel Alfred

      @ HAGeN, die NVA hat nur den Willen des Volkes vertreten….Michel klemmt sich an Merkel aus rein wirtschaftlichen Gründen….Belgien wir doch grösstenteils nur noch von DEUTSCH-AMERIKANISCHEN und CHINESISCHEN Unternehmen über Wasser gehalten….

      • Dies erkennend hat das Volk der NVA mit prächtigen Wahlergebnissen für den VB gedankt. Zugegeben das waren die Flamen, die die NVA am besten verstehen sollten. Sie meinten sicher das wallonische Volk, das aufgrund der technischen Gegebenheiten des belgischen Konstrukts die NVA nicht Wählen kann.

      • Walter Keutgen

        Ekel Alfred, zu ausländischen Investitionen in Belgien gibt es von Zeit zu Zeit Nachricht. Über Jahrzehnte scheint es mir gefühlt so, als ob sie proportional zu den Grenzlängen sind, also vor allem sind sie französisch und niederländisch, dann deutsch und britisch (Küste als Grenze genommen). Nicht zu vergessen die USA, deren Investitionen in der Größenordnung der französischen und niederländischen sind. Flandern hängt als Zulieferer stärker von der deutschen Wirtschaft ab, Grund für die anhaltende Lohnkontrolle in Belgien. Neuerdings erhofft sich Wallonien die Rettung dank chinesischer Investitionen.

  6. Na sowas!

    „In der EU-Politik ist Macron Merkels Geliebter und Michel ihr treu ergebener Ehemann“

    Also betrügt der Macron den Michel. Kann ja durchaus sein. Beide sind übrigens Schaumschläger!

  7. @OD
    Mit Verlaub Herr Herausgeber, das war aber ein äusserst seltsames Werk der Meinungsäußerung.

    Beginnend mit einem Titel der Kategorie „sex sells“ bringen Sie die Bilder eines Liebesverhältnisses neben dem Eheverhältnis. In Ihrem Text umarmen sich Merkel und Macron „wie ein Liebespaar, voller Leidenschaft“ und verweisen auf ein Foto. Um besagte Leidenschaft auf dem Foto zu erkennen, muss man schon wahhabitischer Prediger sein. Flugs wird auch noch der betrogene (?) stramm daneben stehende Ehemann bemüht.

    Kommen wir dann zu Michel:
    – Loyalität schien im wichtiger zu sein
    – Aus heutiger Sicht könnte man unterstellen
    – Heute kann Michel stolz sein
    – Dessen war sich Michel womöglich bewusst
    Fünf suggestive Anmerkungen, vorsichtigst in juristisch unanfechtbarer Sprache verpackt. Zum Finale die generelle Aussage: „Eiskaltes Machtkalkül … zahlt sich immer aus … frühzeitig in Position …“. Diese Aussage steht da erst isoliert, nüchtern, kritisch. Der Einschub „- so wie Charles Michel“ zeigt nach aller Suggestion den möglichen Plan auf.
    Ja Herr Cremer, das kann man so sehen. Mit dem Griff in die unterste Schublade rhetorischer Stilmittel – ich kann aber nicht umhin anzumerken, dass Sie nur ganz vorne reingegriffen haben – lässt sich jede Verschwörungstheorie argumentieren.

    Bleibt noch ein dritter Erzählstrang zu beleuchten: die belgische Regierung. Michel setzte die Einheit der belgischen Regierung aufs Spiel. Vernachlässigen wir mal das „offensichtlich“ niedere Motiv des Migrationspaktes und das „mögliche hintergründige“ Karrierekalkül.
    Erstmalig hatte Belgien eine Regierung mit dir einst „unsäglichen“ NVA, erstmalig ohne Beteiligung von Sozialisten. Die NVA-Minister konnten durch Fleißarbeit und auch durch rechte Positionen Punkten. Die ablehnende Position der NVA zum Migrationspakt führte zum Ende der Regierung. Bei den folgenden Wahlen wurde die NVA nicht belohnt sondern massiv rechts überholt.

    Ohne den vierten zu vergessen: Postengeschacher um vdL und AKK. Von mir aus Postengeschacher, jedoch eines auf EU-Ebene und das andere auf bundesdeutscher Ebene. Warum aber dann „die mächtigste Frau der Welt“ zu diesen Ebenen bemüht wird erschließt sich jedoch nicht. Hammers auch en bisschen kleiner?

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