Sport

Mehmet Scholl nicht mehr Fußballexperte der ARD

Fußballexperte Mehmet Scholl (rechts) mit ARD-Sportmoderator Alexander Bommers am 27. Mai 2017 beim DFB-Pokalfinale zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund in Berlin. Foto: dpa

Mehmet Scholl und die ARD beenden ihre Zusammenarbeit. Der Vertrag des 46-Jährigen als TV-Experte werde mit sofortiger Wirkung aufgelöst, teilte die ARD am Donnerstag mit.

Beim Confed Cup hatte es zuletzt Ärger um Scholl gegeben. Der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler hatte an zwei Sendungen nicht teilgenommen, weil es Streit um einen Doping-Beitrag gegeben hatte.

Konkret war es vor den Halbfinalspielen zwischen Deutschland und Mexiko sowie Chile und Portugal um einen Bericht über Doping in der russischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM vor drei Jahren gegangen.

Dieses schon etwas ältere Bild (von März 2013) zeigt Mehmet Scholl (rechts) mit Reinhold Beckmann. Foto: dpa

Im Bayerischen Rundfunk hatte Scholl erklärt, er habe damals gesagt: „Ich möchte, dass diese Story für diesen schönen Tag draußen bleibt. Da haben die gesagt, die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da habe ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen.“

Stattdessen war Thomas Hitzlsperger an der Seite des Moderators Matthias Opdenhövel eingesprungen.

„Wir bedanken uns bei Mehmet Scholl für die großartige Zeit mit einem meinungsstarken, streitbaren und originellen Experten, der unsere Sendungen extrem bereichert hat“, wird ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky in einer ARD-Mitteilung zitiert: „Er hat den Zuschauern einen tiefen Einblick in den Fußball ermöglicht und sie bestens unterhalten.“

Wer Scholls Nachfolger als Fußballexperte der ARD wird, steht noch nicht fest. „Mit dieser Thematik werden wir uns in den nächsten Wochen ganz in Ruhe beschäftigen und zu gegebener Zeit darüber informieren“, sagte Sportkoordinator Axel Balkausky auf dpa-Anfrage am Donnerstag. (dpa/cre)

    • Ostbelgien Direkt

      @Logisch: Unabhängig davon, ob man Mehmet Scholl mochte oder nicht, die Fußballanalyse allgemein bei ARD und ZDF ist im internationalen Vergleich nur Mittelmaß. Die Analyse auf VRT, RTBF UND Club RTL, aber auch auf VOOsport und Proximus11 ist besser.

      Das gilt übrigens nicht nur für den Fußball, sondern auch für den Radsport. Bei der Tour de France konnte man den Kommentaren von Rodrigo Beenkens auf der RTBF stundenlang zuhören, ohne sich zu langweilen.

      Im belgischen Fernsehen bedient man sich bei der Fußballanalyse modernster grafischer Methoden. Das Geplaudere von Beckmann, Delling oder Bommes mit Mehmet Scholl ist überholt. Das war schon zur Zeit von Netzer und Delling so. Da gibt es keine richtigen taktischen Analysen anhand von Fallbeispielen. In der Halbzeit gibt es die Tagesthemen oder das Heute-Journal, da bleibt fast keine Zeit für Analyse.

      Dann haben ARD und ZDF nur einen Kommentator ohne Co-Kommentator. Das gibt es mittlerweile bei wichtigen Spielen nur noch in Deutschland. Im Ausland (nicht nur in Belgien, sondern auch in Frankreich und Italien) ist stets ein Experte Co-Kommentator, um dem Chefkommentator auch während des Spiels mit sachkundigen Analysen beiseite zu stehen. Dazu steht meistens ein weiterer Reporter am Spielfeldrand. Gruß

      • Mischutka

        @ Ostbelgien Direkt :
        Bravo ! Genau auf den Punkt gebracht. Wenn Beckmann, Bommes & Co. anfangen zu diskutieren, weshalb der Spieler X den Ball nicht dem Spieler Y zugespielt hat …. dann lieber umschalten oder sich die Werbung für die besten Weichspüler und den besten Joghurt ansehen ….. Nach einem Fußballspiel, vor ein paar Wochen, haben die doch tatsächlich über 20 Mal (!!!) ein Tor wiederholt gezeigt. Und dazu palavert, mit welchem Teil des Fußes der Spieler den Ball geschossen hat. „Spannung pur“.
        MfG.

        • Libertaner

          @ Nanu Mischutka ; Wäre das keine Angelegenheit für Sie , dort als Experte aufzutreten ? Das wäre mal was anders als nur von Mutti und den Stundenmarsch mit dem Bläcki zu kommentieren .

          • Mischutka

            @ Libertaner :
            Nanu Libertaner …. wohl geträumt während der letzten Nacht (und dann tagsüber weiter) ? Wann bitte habe ich das letzte Mal von „Mutti“ und „Bläcki“ berichtet ? Ich als „Experte“. Nee danke – was ich nicht kann (bzw. gelernt habe) würde ich nie machen. Bin mal echt neugierig auf die „Erscheinungsdaten“ dieser von dir genannten Kommentare….. (wird wohl ewig dauern). Dann weiter gute Nacht und träume schön brav.
            MfG. (trotzdem).

        • Ostbelgien Direkt

          @Wahnsinn: Ich war die letzten Jahre – mit Ausnahme des Sommers 2017 – jedes Jahr in Deutschland in Urlaub. Ich schaue täglich deutsches Fernsehen, lese die deutschen Zeitungen, habe in der Vergangenheit mehrere Jahre in Deutschland gearbeitet und war noch länger für deutsche Medien tätig. Deutschland ist ein fantastisches Land. Vielleicht weil ich dieses Land so gut kenne, sehe ich auch manche Schwächen. Und es muss noch erlaubt sein, auch das eine oder andere zu kritisieren. Das tun übrigens die Deutschen, die ich kenne, oft auch selbst. Gruß

          • Kommentator

            Richtig OD, ein einziger Kommentator 90 Minuten lang ist nicht mehr zeitgemäß. Ein Ko-Kommentator macht die Übertragung viel lebendiger und informativer. Ich verstehe auch nicht, warum das bei ARD und ZDF nicht gemacht wird. Bei den Formel-1-Übertragungen hat RTL auch zwei Kommentatoren mit Heiko Wasser und Christian Danner. Warum also nicht auch im Fußball?

        • Ostbelgien Direkt

          @Habe ich behauptet, dass Mehmet Scholl schuld daran ist, dass die Fußballanalyse in Deutschland zu wünschen übrig lässt? Natürlich nicht. Wer regelmäßig Fußball im deutschen und im belgischen Fernsehen schaut, der versteht schon, was gemeint ist. Gruß

  1. Rundes Leder

    Da kann man wie bei so vielem, geteilter Meinung sein!? Jedenfalls war der Mehmet ein besserer Experte, gerade drum weil er auch ein guter Spieler war. Sei’s drum, das Leder ist rund!

    • Gerd Liebertz, Scholl nahm kein Blatt vor den Mund? Das Gegenteil war der Fall. Er war dagegen, dass ein Bericht über Doping im russischen Fußball gezeigt wurde, obwohl er als Fußballexperte nicht zu bestimmen hatte, was für Beiträge gesendet werden sollten.

      • Gerd Liebertz

        Ich spreche von den Analysen der Spiele. Vielleicht haben sie u.a. auch die Aussagen über Gomez und Götze mitbekommen, dann wissen Sie, dass er sich nicht schäute, auch mal den Finger in die Wunde zu legen, was andere nicht machen.

      • @ Diabolo

        Was haben die Halbfinalspiele zwischen Deutschland und Mexiko sowie Chile und Portugal mit Doping in der russischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM vor drei Jahren zu tun?
        Die ARD hat seit einem Jahr gefühlt zwei mal im Monat eine 45 Minuten dauernde Sendung über die Dopingproblematik im Programm.
        Selbst dem, der es nicht verfolgt dürfte nicht entgangen sein das die ARD sich hier sehr engagiert. Die Eigenwerbung hat aber da Grenzen wo sie völlig aus dem Kontext gerissen sich verselbstständigt.

  2. Der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky meinte:
    „Er hat den Zuschauern einen tiefen Einblick in den Fußball ermöglicht …“

    So wie ich Herrn Balkauskys Worte interpretiere, handelt es sich um einen tiefen Einblick in den Umstand, dass man beim Fußball das Thema Doping nach wie vor am liebsten totschweigt. Denn Herr Scholl ist ja gegangen bzw. gegangen worden, weil er sich geweigert hat, über Doping zu sprechen.

    • @ Lionne
      Es ist ohne Zweifel das Verdienst der ARD das russische Staatsdoping aufgedeckt zu haben.
      Das seither jede Menge Sendezeit für diese Thema und jede neue Entwicklung eingeräumt wurde ist wichtig und verständlich.
      Herr Scholl vertrat, ebenso verständlich, die Meinung das die Berichterstattung über Doping nichts in der Analyse in der Halbzeitpause eines Fußballspieles verloren hat.
      Herr Scholl hat diese Meinung durch Verlassen der Sendung dokumentiert und die ARD hat die Konsequenzen daraus gezogen. Ob sie auch Lehren daraus ziehen bleibt abzuwarten.
      Ob sie einen Experten finden der genauso unverblümt, und ohne Rücksicht auf Verluste, seine Meinung äussert wird die Zukunft zeigen.

      P.S. Herr Scholl hat seinen gut dotierten Trainerjob bei der U23 des FC Bayern hingeworfen weil der Vorstand ihm Aufstellung und Taktik diktieren wollte. Der Mann hat Charakter.

      • Radio Euro

        Scholl war nun mal aber nur freier Mitarbeiter, quasi. Wenn die ARD sagt, wir machen Doping zum Thema hätte er ja ausweichend antworten können. Oder wie immer seine Meinung sagen können. Es steht ihm aber nicht zu, darüber zu entscheiden was Thema ist und was nicht. Warum nicht sagen „Ich verstehe die Vorwürfe, ich kann das nachvollziehen – wir hier heute Abend können darüber kein Urteil fällen, das müssen andere tun“. Doping hat insofern etwas mit dem Sport zu tun, weil man nach außen hin von Fair Play redet; dass vermutlich „alle“ dopen, und nicht nur „der Russe“, davon gehe ich persönlich aus. Und da ist ein Scholl jemand der falsche Ansprechpartner, weil er ja nun selbst sehr soft sehr schwer verletzt war in seiner Karriere. Auch die Journalisten sind nicht so blöd, dass sie nicht wüssten, dass es auch unter deutschen Fußballern welche gibt, die nicht astrein arbeiten. Da hätte Scholl schlicht hinter den Kulissen sagen können: Leute, das Thema ist MIR aus persönlichen Gründen eine Nummer zu heiß. Bringt mich da nicht in die Bredouille, lasst uns einen Weg finden mich da rauszulassen.

  3. Es wäre am besten für den Fußball, wenn es auf jedem Sender, wie früher mal bei Premiere, eine Funktion gäbe, mit der man jeglichen Kommentar abschalten und das Spiel nur mit der Stadionatmosphäre geniessen könnte! Wenn ich Fußball gucke, will ich Fußball gucken und nicht zugetextet werden, weder von einem, geschweige denn von mehreren Moderatoren! Rumlabern können die vor und nach dem Spiel, während des Spiels reicht es völlig aus, die Bilder zu sehen. Schön wäre es halt, wenn man zusätzlich die Stadionatmosphäre ganz ohne Gelaber geniessen könnte!

  4. Sehr geehrter Herr Cremer,

    sehr gut. Ich mag zwar OD nicht. Ich mag auch grundsätzlich diese Art des Journalismus nicht, auch wenn dies in unserer heutigen Zeit „In“ ist. Dennoch sind Sie seit Jahren sicherlich einer der besten Journalisten in unserer Gegend. Schade, dass Sie hier gelandet sind.
    Von Fussball haben Sie Ahnung. Ist schon immer so gewesen. Ihre Fussballberichterstattung ist der Grund weshalb ich öfter in OD reinschaue. Ist OK.
    Gruß
    Fellowes

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