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Lastwagenfahrer, Gemüse und Türsteher: Was den Briten nach der Corona-Krise und dem Brexit so alles fehlt

08.07.2021, Großbritannien, Datchet: Ein Lastwagen fährt auf der Autobahn M4 bei Datchet. Corona und der Brexit haben in Großbritannien den Arbeitsmarkt und die Lieferketten auf den Kopf gestellt. Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa

Corona und Brexit haben den Arbeitsmarkt und die Lieferketten auf den Kopf gestellt. Das zeigt sich in diesen Wochen in Großbritannien an Ecken und Enden. Die Liste des Mangels ist ziemlich lang.

Kaum ein Wort kommt in britischen Medien derzeit wohl häufiger vor als „Shortages“, also auf Deutsch „Engpässe“. Es vergeht keine Woche, ohne dass eine Branche über mangelnde Bewerber oder fehlende Güter klagt.

Zwar sind die Lieferketten nach dem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Corona-Krise weltweit gestört. Doch Großbritannien trifft es besonders hart, denn mit dem Brexit kommt ein weiterer herber Schock hinzu.

Lastwagenfahrer:

„Alles, was wir in Großbritannien haben, kommt auf der Ladefläche eines Lkws zu uns“, betont Rod McKenzie von der Road Haulage Association immer wieder. Deshalb trifft der Mangel von geschätzt 100.000 Fernfahrern die Briten besonders hart. Tankstellen können nicht mit Kraftstoff beliefert werden, große Supermärkte müssen auf regelmäßigen Nachschub verzichten, weshalb immer wieder Lücken in den Regalen entstehen. Viele EU-Fahrer sind während der Pandemie in ihre Heimatländer zurückgekehrt und können nach dem Brexit nicht einfach wieder in Großbritannien arbeiten. Außerdem gehen jeden Monat mehr Fahrer in Rente, als Nachwuchs ausgebildet wird.

30.09.2021, Großbritannien, London: Eine Frau steht vor teilweise leeren Regalen in einem Supermarkt. Foto: Frank Augstein/AP/dpa

Frisches Gemüse und Obst

Frisches Gemüse und Obst lässt sich nicht lange lagern, daher entstehen immer wieder Lücken in den Regalen, wenn Supermärkte vergeblich auf Lieferungen warten. Um frustrierte Fotos von Kunden in sozialen Medien zu vermeiden, sind einige britische Supermärkte kreativ geworden. So hat etwa die Kette Tesco auf Karton gedruckte Bilder von Lebensmitteln in einige Regale gestellt, wie der „Guardian“ berichtete. „Mmmh, leckeres Foto von Spargel“, kommentierte ein Nutzer auf Twitter. Tesco sagte auf Anfrage allerdings, es benutze die bedruckten Kartonagen schon länger.

Busfahrer

Weil Logistikbetriebe alle umwerben, die einen Lastwagen steuern können, sind die Löhne in der Branche gestiegen. Das Nachsehen haben die britischen Busfahrerinnen und Busfahrer, obwohl auch sie unter langen Schichten und fehlenden Toiletten leiden. „Daher denken sich die Leute jetzt, wenn wir weiter unter diesen viktorianischen Bedingungen arbeiten müssen, dann können wir auch für 20 Pfund die Stunde einen Lastwagen fahren, statt für zehn Pfund die Stunde einen Bus“, erklärte Gewerkschafter Bobby Morton. „Daher gehen die Busfahrer gerade in Scharen in die andere Branche.“ Der Confederation of Passenger Transport UK zufolge fehlen derzeit rund 4.000 Busfahrer, auf manchen Strecken fallen bereits Verbindungen aus.

27.09.2020, Großbritannien, London: Polizeibeamte stehen vor der Bar Soho – einer „late-night bar“. Foto: Victoria Jones/PA Wire/dpa

Türsteher

Der britischen Club-Branche fehlen die Türsteher. Während der Pandemie, als Clubs und Bars für viele Monate geschlossen blieben, hätten viele die Branche verlassen und sich Jobs mit angenehmeren Arbeitszeiten gesucht, sagte der Chef der Night Time Industries Association, Michael Kill, dem Sender Sky News. „Auch der Brexit hat nicht geholfen, auch wenn er nicht der einzige Faktor ist, der hier eine Rolle spielt.“ Der Branche zufolge hatten bis zum vergangenen Monat rund einer von fünf Club- oder Gastronomiebetrieben in Großbritannien geschlossen oder die Öffnungszeiten eingeschränkt, weil es an Personal fehlte.

Schlachter

Schwein essen viele Briten nach wie vor gern – aber es gibt immer weniger Menschen im Land, die bereit sind, sie auch zu schlachten. Britische Schweinebauern warnten in den vergangenen Wochen, dass rund 120.000 gesunde Tiere auf den Höfen getötet und in den Müll geworfen werden müssten, wenn sich die Situation nicht entspanne. Bis Jahresende können sich bis zu 800 ausländische Fachkräfte für Arbeitsvisa bewerben, mit denen sie bis zu sechs Monate im Land bleiben dürfen. Auch für die Geflügelindustrie gibt es maximal 5.500 Visa. Zuvor hatte der größte britische Geflügelproduzent gewarnt, dass Truthähne zu Weihnachten knapp werden könnten.

In Großbritannien sind Pflegekräfte derzeit schwer zu finden. Illustrationsfoto: Shutterstock

Pflegekräfte

Vor allem Menschen mit Behinderungen, die Hilfe bei alltäglichen Aufgaben brauchen, haben nach dem Brexit Probleme, entsprechende Pflegekräfte zu finden, wie der „Observer“ am Sonntag berichtete. Mittlerweile müsse man regelmäßig Anträge zurückweisen, so Peter Henry von der Organisation Origin, die Pflegekräfte für Menschen mit Wirbelsäulenleiden vermittelt. Auch Katy Etherington, die die Datenbank für persönliche Pflegekräfte PA Pool betreibt, berichtete, britische Bewerber könnten die fehlenden europäischen Kräfte nicht ausgleichen.

Tannenbäume

Selbst das Weihnachtsfest der Briten steht unter keinem guten Stern: „In dieser Weihnachtszeit wird es schwieriger, einen echten Weihnachtsbaum zu ergattern“, sagte Mark Rofe vom Online-Händler ChristmasTrees.co.uk kürzlich im Interview. Das liegt am angespannten Arbeitsmarkt, aber auch den Kosten für Rohstoffe wie Holz für Paletten oder Dünger. Zugleich steige die Nachfrage nach britischen Tannenbäumen, denn die Importkosten für Bäume aus der EU haben sich seit dem Brexit aufgrund von Bürokratie und Zöllen erhöht. (dpa)

6 Antworten auf “Lastwagenfahrer, Gemüse und Türsteher: Was den Briten nach der Corona-Krise und dem Brexit so alles fehlt”

  1. Corona2019

    Das kommt davon, wenn man die eigene Bevölkerung für blöd verkaufen möchte, und dann lieber Leute ausbeutet aus Billiglohnländern.

    Die Zeiten sind jetzt bei den Briten vorbei, und brauchen etwas Überbrückung bis die Situation normal verlaufen wird.

    Bei uns aber besteht die Gefahr dass, wenn die Leute aus den Billiglohnländern einmal kapiert haben dass sie ganz Europa lahmlegen können, durch den Geiz der Unternehmer, den diese durch den Beweis der Lage in Großbritannien nicht mehr Abstreiten können, dann wird es wesentlich enger für uns als für die Engländer.

    Daran kann man auch gut erkennen, wie blöd manche Politiker von uns sind, die schon seit Jahren auf das mimimimi Gejammer der Unternehmer reingefallen sind, die vom Millionär zum Multimillionär aufgestiegen sind, durch die Ausbeutung der Menschen aus den Billiglohnländern.
    Wobei man natürlich in der Politik , auch zwischen blöd und einfach nur boshaftig bestechlich, unterscheiden muss.

  2. Und welche „Normale Situation“ erwarten Sie nach dieser Überbritung ?
    Falls die Unternehmer wirklich so geizig sind und scharenweise zum Multimillionär aufsteigen, werden die Briten den gleichen Lohn erhalten oder die Preise steigen.

    • Seit wann ist es ein Problem für die Wirtschaft eines Landes wenn die Arbeiter einen hohen Lohn verdienen? In Luxemburg verdienen durch die Bank alle Arbeitskräfte den doppelten Netto-Lohn, zahlen viel weniger Steuern und soziale Lasten. Das Leben ist natürlich dem entsprechend auch viel teurer, aber es läuft dennoch rund. In der Schweiz ist es so ähnlich. Diese Länder locken sogar Firmen aus dem Ausland, mit ausländischem Kapital, ins Land, was dann wiederum die Wirtschaft wachsen lässt. Das sind diejenigen Länder auf dem europäischen Kontinent, die sich um Nichts zu sorgen brauchen, weil diese Länder zusehen, dass das erwirtschaftete Kapital im eigenen Land bleibt!

  3. Corona2019

    @ – 5/11

    Entweder haben sie nichts verstanden von dem was ich geschrieben habe, oder sie möchten es gar nicht verstehen?
    Oder ich habe mich schlecht ausgedrückt.

    Überbritung?
    Ein versehentlicher schriftfehler?

    Meinten sie Überbringung der Nachricht?
    Oder ist das ein von ihnen ein neu kreiertes Wort.
    Dann Glückwunsch, würde ich mir patentieren lassen.-)

    Sie haben aber nichts zu befürchten, mit der Zeit wird man von Brüssel aus, den Druck so erhöhen, das es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Engländer auf den Druck rein fallen werden, und den Wunsch haben werden dem Club wieder beizutreten.

    Diese meine Vermutung ist natürlich stark davon abhängig wer das Zepter in Großbritannien in der Hand hält. Da das Zepter aber immer nur zeitweise jemand in der Hand halten darf, wird sich irgendwann die Situation für die Briten vielleicht schon wieder verschlechtern, bevor sie sich natürlich um ein Vielfaches verbessern hätte können, im Gegensatz zu den restlichen Ländern, die dem Club in Brüssel noch angehören.

  4. Die Wahrheit

    Wenn unsere Politiker noch strengere Gesetze und weitere Bestimmungen für den Lastkraftverkehr verabschieden, dann wird es wohl in naher Zukunft auch bei uns zu Engpässen kommen. Wir finden jetzt schon keine Lkw Fahrer mehr.
    Wie viele Leute haben den LKW Führerschein, aber setzen sich nicht mehr hinters Lenkrad, weil sie keine Lust mehr auf den ganzen Drumherum haben anstatt zu fahren.

  5. Welche Wahrheit?

    Sie verdrehen da was , man sucht seit 20 Jahren keine Fahrer mehr .Die stehen schon vor der Türe, und kommen aus dem Osten Europas . Die Fahrer die es einst gab , haben sich auf andere Tätigkeiten einstellen
    müssen !!! .Und was glauben Sie , was damit gemeint ist , wenn man sagt es wurde sich im Gesundheitswesen kaputt gespart ? Das Spiel ist ähnlich verlaufen .
    Nicht umsonst gibt es hier Unternehmer die hohe Strafen zahlen müssen ,weil sie ihre Mitarbeiter schlimmer wie Hühner im Stall behandelt haben

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