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„Ich musste an die Titanic denken“: Glimpfliches Ende eines Kreuzfahrtdramas vor der norwegischen Küste

24.03.2019, Norwegen, Molde: Das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ erreicht den Hafen in der norwegischen Kleinstadt Molde, nachdem es auf See in Not geraten war. Foto: Ekornesvåg, Svein Ove/NTB scanpix/dpa

AKTUALISIERT – Es ist ein Alptraum auf See: Ein Kreuzfahrtschiff bekommt während eines Sturms vor einer gefährlichen Küste Norwegens technische Probleme. Mehr als 1.000 Menschen verbringen eine unruhige Nacht auf dem Wasser. Nach mehr als 24 Stunden findet der Notfall ein glimpfliches Ende.

Ein Kreuzfahrtschiff gerät in Seenot, nahe einem für Schiffsunfälle berüchtigten Küstengebiet. 1.373 Menschen sind an Bord, die meisten von ihnen müssen über Nacht auf dem Havaristen ausharren. Draußen tobt ein Sturm.

Das riesige Schiff, 227 Meter lang, wird vor der Westküste Norwegens von bis zu 15 Meter hohen Wellen so kräftig durchgeschüttelt, dass Möbel und andere Gegenstände an Deck zu Bruch gehen. Es droht vorübergehend sogar, auf Grund zu laufen. Mehrere Menschen werden in dem Chaos verletzt, drei von ihnen schwer. Erst mehr als 24 Stunden nach dem Notruf findet die dramatische Reise am Sonntag ein glimpfliches Ende.

23.03.2019, Norwegen, Hustadvika: Screenshot aus einem Video von CHC helicopters zeigt Hubschrauber über dem Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“. Foto: Uncredited/CHC helicopters via AP/dpa

Vor der Kulisse schneebedeckter Berge legte die „Viking Sky“ am Nachmittag an einem Pier in der Kleinstadt Molde an, wie im norwegischen Fernsehen zu sehen war. Viele der verbliebenen Menschen an Bord winken von Deck oder dem Balkon ihrer Kabinen. „We made it“, ruft ein Passagier – wir haben es geschafft.

Was eine entspannte Kreuzfahrt entlang der norwegischen Küste werden sollte, ist für Hunderte Passagiere der „Viking Sky“ am Wochenende zu einem Alptraum auf See geworden. Wegen Problemen des Antriebs bleibt das unter norwegischer Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff am Samstag während eines Sturms in dem gefährlichen westnorwegischen Küstenabschnitt Hustadvika liegen – mit 915 Passagieren und 458 Besatzungsmitgliedern an Bord.

Hubschrauber fliegen fast 500 Urlauber an Land, auch in der Nacht. Die meisten von ihnen sind Briten und Amerikaner. Auch zwei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit zählen zu den Passagieren.

Aufnahmen von Bord zeigten dramatische Szenen: Die „Viking Sky“ schwankte heftig, durch die Fenster sahen die Passagiere riesige Wellen. Sessel, Tische und Pflanzen rutschten im Schiff hin und her, einer Frau fiel ein Teil der Decke auf den Kopf. Viele trugen Rettungswesten. Ein Passagier schrieb, die Besatzung mache einen fantastischen Job und sorge dafür, dass alle ruhig und versorgt seien.

24.03.2019, Norwegen, Fraena: Passagiere steigen aus einem Rettungshubschrauber, nachdem sie vom Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ gerettet wurden. Foto: Ekornesvag, Svein Ove/NTB scanpix/dpa

„Ich hatte Angst. Ich habe noch nie so etwas Beängstigendes erlebt“, sagte eine der ersten Evakuierten, Janet Jacob, dem norwegischen Rundfunksender NRK. „Ich habe zu beten begonnen, ich habe für die Sicherheit von allen an Bord gebetet.“

Der Amerikaner Rodney Horgen berichtete, er habe gerade im Restaurant gesessen, als das Schiff heftig zu schwanken begonnen habe. Teller seien von Tischen geflogen, Menschen zu Boden gegangen. Ein Fenster oder eine Tür sei zu Bruch gegangen und eine Welle ins Schiffsinnere geschwappt. „Ich musste an die Titanic denken. Ich dachte, das wäre das Ende.“

Am Sonntag wurde das Schiff mit Hilfe von Schleppern langsam in Richtung Molde gebracht, später kam es aus eigener Kraft vorwärts. Zu dem Zeitpunkt waren noch fast 900 Menschen an Bord. «Sie hatten keine gute Nacht», sagte ein Sprecher der Kommune Fræna.

Die „Viking Sky“ war seit dem 14. März auf einer Zwölftagesreise entlang der norwegischen Westküste. Sie sollte laut der Webseite Cruisemapper.com am Sonntag eigentlich den Hafen von Stavanger anlaufen und ihre Reise am Dienstag schließlich in London beenden. Eine nächste Reise des Schiffe entlang Skandinaviens Küste und durch den Nord-Ostsee-Kanal wurde abgesagt, wie die Reederei mitteilte.

24.03.2019, Norwegen, Fraena: Der Frachter „Hagland Captain“ ist mit Maschinenschaden im selben Bereich wie das Kreuzfahrtschiff „Viking Sky“ in Seenot geraten. Foto: Ekornesvag, Svein Ove/NTB scanpix/dpa

Im Küstengewässer Hustadvika, das unter anderem wegen zahlreicher kleiner Inseln und Riffe als gefährlich gilt, ist es schon häufiger zu Schiffsunfällen gekommen. Nach Angaben des NRK war das Schiff zeitweise nur noch 100 Meter davon entfernt, auf Grund zu laufen. Die Lage sei am Samstagabend kritisch gewesen, erklärte der südnorwegische Rettungsdienst am Sonntagnachmittag. Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Lage wieder beruhigt.

Die Einsatzkräfte in dem Gebiet hatten am Samstag auch die neunköpfige Besatzung eines ebenfalls in Seenot geratenen Frachters retten müssen. Die „Hagland Captain“ hatte laut dem Rettungsdienst ebenfalls einen Maschinenschaden und bekam Schlagseite – als sie auf dem Weg zur „Viking Sky“ war, um zu helfen. (dpa)

Nachfolgend Tweet smit einem VIDEO aus dem Innern des Kreuzfahrtschiffes:

8 Antworten auf “„Ich musste an die Titanic denken“: Glimpfliches Ende eines Kreuzfahrtdramas vor der norwegischen Küste”

    • TRUCKER bill

      @jr das Schiff ist von 2017 und daher sicherlich mit einer neueren Technick ausgestattet.
      Auch Kreuzfahrtschiffe wie zb die Aida verfügen zum Teil schon Gasantrieb.
      Das Schiff ist mit den neusten MAN Dieselmotoren ausgestattet.
      Und ehrlich, wenn mann es so nimmt, ist doch jede Art von reisen mit Pkw, Bus, Bahn, Flieger eine Umweltsünde

      • „sicherlich“ ist nichts anders als eine Vermutung. Und selbst wenn, dann ist der Verschmuzungsgrad immer noch ein Tausendfaches gegenüber dem Pkw. (Auf pro Person heruntergebrochen). Vom Flugzeug erst garnicht zu reden.
        Klar. Der Mensch ist, neben dem Eigenleben der Natur selbst, das größte Problem. Daher: Abschaffen! Zuerst die Grünen :-)

    • Pensionierter Bauer

      @JR, verstehe ich das Richtig, dass aus Ihrem Post schon etwas Schadensfreude heraus spricht?
      Denn schon oft hatte ich bei den Anhängern der grünen Bewegung den Eindruck dass nur auf die große Katasstrophe gewartet wird um der Welt zu beweisen dass man mit den irren apokalyptischen Vorhersagen doch recht hat.

      • @PB, nicht unmöglich.
        In den Siebzigern und Achtzigern (das war als die Wissenschaftler für 2000 den Kölner Dom im Wasser wähnten, der Wald gestorben sei, Ozonloch, saurer Regen und und) habe ich gerne den Witz weiter verbreitet: Hängt die Grünen solange es noch Bäume gibt… :-)

          • Gemein(d)e

            Die rotten sich durch Dummheit selber aus.
            Erst redet man sich fossile Brennstoffe schlecht, hinterher schaltet man den Atomstrom aus , danach schaltet man die Windräder wegen Insekten sterben ab.
            Methan hat man festgestellt ist ein noch klimaschädlicheres Gas als Co² und wird auch gestoppt. Dann wird CO² aus der Luft rausgefiltert bis man merkt die Pflanzen sterben wirklich ohne CO².
            Der restliche Strom der bleibt ist unbezahlbar und nur noch die Reichen fahren mit ihren sauberen E -Autos durch die Gegend. Dann kommt man auf die Idee die restlichen Wälder hier auch noch illegal abzuholzen, denn es wird kalt.
            Die Ausrottung des Menschen ist schon im vollen Gange.
            So in etwa kann ich es mir vorstellen, wenn man nur auf „Gutmenschen“ hört und sie weitermachen lässt. Diese „Gutmenschen“ haben es ja Gut gemeint. Das Problem daran ist, dass die Menschen Partiel Recht haben, aber nicht die Folgen/Konsequenzen jeder einzelnen Handlung bedenken und das Gleichgewicht erheblich stören.
            Ich kann hier nur auf die Dialektik von Hegel verweisen.

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