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Kremlgegner Kara-Mursa zu 25 Jahren Haft verurteilt

27.02.2021, Russland, Moskau: Wladimir Kara-Mursa, Oppositionsaktivist aus Russland, legt am 27.02.21 Blumen in der Nähe des Ortes nieder, an dem der russische Oppositionsführer Boris Nemzow erschossen wurde. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Als erster Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll der Oppositionelle Wladimir Kara-Mursa 25 Jahre in ein Straflager.

Ein Gericht in Moskau verurteilte den 41-Jährigen am Montag in einem nicht-öffentlichen Prozess unter anderem wegen angeblichen Hochverrats und Diskreditierung der russischen Armee zu dieser beispiellosen Haftstrafe.

Kara-Mursa, der Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf kritisiert hatte, wies alle Vorwürfe zurück. Menschenrechtler kritisierten das Urteil als Fall von Justiz-Willkür gegen Andersdenkende. Auch aus dem Ausland gab es scharfe Kritik.

Es ist die höchste Strafe, die bisher gegen einen Oppositionellen in Russland verhängt wurde.

17.04.2023, Russland, Moskau: Dieses vom Moskauer Stadtgericht via AP veröffentlichte Foto zeigt Wladimir Kara-Mursa (r), Oppositionsaktivist aus Russland, mit seiner Anwältin Maria Eismont, vor der Verlesung des Urteils in einem Gerichtssaal des Moskauer Stadtgerichts. Foto: —/The Moscow City Court/AP/dpa

Das Gericht entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die das Strafmaß Anfang April gefordert hatte. Kara-Mursa, der zwei Giftanschläge überlebte, ist gesundheitlich schwer angeschlagen. Er soll in Untersuchungshaft rund 20 Kilogramm Gewicht verloren haben.

Kara-Mursas Anwältin Maria Eismont sagte vor dem Gerichtsgebäude, sie werde um die Freilassung ihres Mandanten aus gesundheitlichen Gründen kämpfen.

Der Familienvater Kara-Mursa, der am 7. September 1981 in Moskau geboren wurde, ist Historiker und hat viele Jahre als Journalist gearbeitet, bevor er sich für eine Karriere als Politiker entschied. Er engagierte sich zuletzt vor allem für die liberale Oppositionspartei Jabloko. Aus Sicherheitsgründen leben seine Frau und die drei Kinder in den USA, wo Kara-Mursa auch eine Aufenthaltsgenehmigung hat.

„Russland wird frei sein, übermittelt das allen!“, sagte Kara-Mursa nach Angaben von Eismont. Er sehe das Urteil als Zeichen dafür, dass der Kreml ihn als besonders gefährlichen Gegner einstufe. Der Oppositionelle hat wie der ebenfalls inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny stets klargemacht, dass es für ihn wichtig sei, in Russland für einen Machtwechsel einzutreten – und nicht im Ausland.

Nawalny kritisierte das Urteil gegen Kara-Mursa nach Angaben seines Teams als „Rache“ des Machtapparats, weil der Politiker die bisherigen Mordversuche überlebt habe. Recherchen der Investigativgruppe Bellingcat zufolge wurde Kara-Mursa von denselben Agenten des Inlandsgeheimdienstes FSB verfolgt, die auch in den Giftanschlag auf Nawalny verwickelt gewesen sein sollen. Der Kreml wollte das Urteil gegen den Putin-Gegner nicht kommentieren. (dpa)

11 Antworten auf “Kremlgegner Kara-Mursa zu 25 Jahren Haft verurteilt”

    • 9102Anoroc

      Was sollen die Putin versteher wohl sagen?
      Alexei Nawalny und hunderte andere politische Gefangene , haben unseren Diktatur Fans schon damals nicht interessiert.
      Ob man Verständnis dafür haben muss, das es Diktatur Fans gibt ?
      nein, muss man nicht.
      Unsere Foren Diktatur Fans allerdings , sind nur Fans, solange die Diktatur nicht auch bei uns Einzug erhält.
      Dass wir auf einer Diktatur zusteuern könnten , wenn diese immer mehr unterstützt wird, bzw eine gewisse Gleichgültigkeit der politischen Gefangenen entsteht , dann muss man sich nicht wundern wenn der Diktatur Abschaum wie z.B Putin auch bei uns eine Chance sieht .

  1. Der 7. Sinn

    Putinversteher finden das sicher alles richtig geil, weil wir hier ja noch viel schlimmer leben, weil hier darfst du deine Regierung ohne Probleme kritisieren und ja sogar gegen diese demonstrieren. Darfst hier sogar sagen das es ein Krieg ist und nicht wie in Russland eine „Spezialoperation“. Hier läuft alles falsch und derjenige verurteilt wird gegn Putin is ja nun mal sicher korrekt und da gibt es keine Zweifel.

  2. @Wasser,Gelinde und Nachgefragt,.

    Etwas Geduld bitte. Es wird noch fleissig nach Gegenteiligem gegoogelt.
    Sicher wird man bald fündig und es folgen 23 Schwurbellinks.

    *Huch, ich habe schon wieder Schwurbel benutzt!

  3. Robin Wood

    Dieses Vorgehen der Russen ist genau so widerlich und menschenverachtend wie das Vorgehen der USA gegen Snowden und Assange. USA droht beiden mit lebenslanger Haft, sollten sie in die USA ausgeliefert werden – Snowden erhielt Asyl in Russland, Assange sitzt in Absprache mit den USA seit Jahren ohne Gerichtsurteil in verschärfter Isolationshaft in GB (siehe UN-Bericht N. Melzer).
    Meine Verachtung gilt sowohl Putin, Biden und allen anderen Machthabern, die Regierungskritiker skrupellos ausschalten.

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