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Kelmis verschwindet von Belgiens Fußball-Landkarte – Werner Pelzer: „Die Union hat trotzdem ihr Ziel erreicht“

Das Prinz-Philippe-Stadion des RFC Union Kelmis (Archivbild). Foto: OD

Schon mit dem Abgang von Mäzen Egide Sebastian am Ende der Saison 2017-2018 und dem Abstieg in die 3. Division Amateure war beim RFCU Kelmis eine Ära zu Ende gegangen. Ein Jahr später geht für die Grün-Weißen ein weiteres Kapitel in ihrer Vereinsgeschichte zu Ende.

Zum ersten Mal nach 17 Jahren gehört die Union Kelmis nicht mehr den Nationalklassen an. 2002 war sie von der 1. Provinzklasse in die damalige Promotion D aufgestiegen. Nur zwei Jahre später folgte der Aufstieg in die 3. Division.

2006 stellten die Kelmiser mit dem 3. Platz in der 3. Division sogar einen Vereinsrekord auf. Nur weil keine Lizenz für die 2. Division beantragt worden war, nahm die Union nicht an der Aufstiegsrunde teil.

Jetzt kehren die Grün-Weißen in die 1. Provinzklasse zurück. Was dieser zweite Abstieg in Folge für den Verein bedeutet und welches die Perspektiven für die nahe Zukunft sind, darüber sprach „Ostbelgien Direkt“ mit Union-Kelmis-Experte Werner Pelzer.

OD: Werner Pelzer, zweiter Abstieg in Folge für die Union Kelmis: War damit zu rechnen?

Kelmis Verviers A

Eine Szene aus einem Derby zwischen dem RFCU Kelmis und dem CS Verviers am 11. November 2012. Beide Clubs sind nicht mehr in den Nationalklassen vertreten. Foto: GDS

Werner Pelzer: Es hört sich vielleicht etwas seltsam an, aber der RFCU Kelmis hat sein Ziel erreicht. Nicht sportlich, denn die Mannschaft steigt ja ab. Aber nach dem Abgang von Präsident Egide Sebastian hat der neue Vorstand den Verein vor dem Untergang gerettet. Die neuen Verantwortlichen hätten auch sagen können: „Wir haben kein Geld und keine Spieler, wir fangen in der 4. Provinzklasse neu an.“ Doch stattdessen haben sie das Risiko auf sich genommen, die A- und B-Mannschaft weiter in ihren Klassen antreten zu lassen.

OD: Wieso war das ein Risiko?

Pelzer: Weil ein Fußballverein wie der RFCU Kelmis doch recht kostenintensiv ist. Solch eine Verantwortung wollen nicht viele Menschen übernehmen. Der neue Präsident, Vincent Hubert, hat es getan. Sein Plan war es, die Kosten für Spieler und Trainer so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig nach neuen Einnahmequellen zu suchen. Beides ist ihm und dem neuen Vorstand gelungen.

OD: Der Abstieg der A-Mannschaft schmerzt also nicht?

Der Kelmiser Präsident Vińcent Hubert. „Der neue Vorstand ist schon ein Glücksfall“, sagt Werner Pelzer. Foto: RFCU Kelmis

Pelzer: Natürlich schmerzt er ein wenig. Denn kein Spieler und kein Trainer will freiwillig absteigen. Doch man wusste um die Schwere der Aufgabe. Die neue Mannschaft war in der 3. Division Amateure völlig unerfahren. Bis auf drei oder vier Spieler hatte vorher keiner Erfahrung in dieser Klasse sammeln können. Von Beginn an hatte Vincent Hubert betont, dass es kein Drama sei, wenn die Mannschaft absteigt.

OD: Wie ist die Mannschaft denn für die 1. Provinzklasse aufgestellt? Droht auch dort ein weiterer Abstieg?

Pelzer: Ich bin fest davon überzeugt, dass der RFCU Kelmis nicht ein weiteres Mal absteigen wird. Denn normalerweise wird sich die Mannschaft verstärken. Bisher konnten einige gute Spieler neu verpflichtet werden. Ob es für das erste Tabellendrittel in der 1. Provinzklasse reicht, bleibt abzuwarten. Der Ehrgeiz bei den Verantwortlichen nach diesem ersten schwierigen Jahr nach der Ära Sebastian ist auf jeden Fall intakt.

OD: Jetzt liegt nur noch eine Klasse zwischen Kelmis A und Kelmis B, insofern der B-Mannschaft der Klassenerhalt in der 2. Provinzklasse C gelingt. Wäre da nicht eine Fusion angebracht?

RFCU-Kelmis-Experte Werner Pelzer. Foto: OD

Pelzer: Die B-Mannschaft ist ein wichtiges Standbein für den RFCU Kelmis. Man hat die Mannschaft nicht in dieser Saison fallen gelassen und wird das auch in Zukunft nicht tun. Die „B“ ist ideal, um eigene Nachwuchsspieler an den Erwachsenenfußball heranzuführen.

OD: Trauert man an der Stadionstraße der Ära Sebastian nach? Oder ist es gut so, wie es ist?

Pelzer: Da Egide Sebastian sowieso eines Tages abgetreten wäre und sein Sohn keinerlei Interesse an dem Verein zeigte, ist es gut, wie es gekommen ist. Denn der neue Vorstand ist schon ein Glücksfall. Es hätte auch anders kommen können. Die Zukunft scheint auf alle Fälle in Kelmis gesichert zu sein. Und mit dem starken Jugendbereich im Rücken dürfte der RFCU Kelmis in Zukunft wieder eine ernsthafte Rolle im Regionalfußball spielen, zumindest im Provinzialfußball. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

4 Antworten auf “Kelmis verschwindet von Belgiens Fußball-Landkarte – Werner Pelzer: „Die Union hat trotzdem ihr Ziel erreicht“”

  1. ja, ich drücke dem RFCU Kelmis die Daumen und fände es sehr schön, wenn man in
    Kelmis mit vielen eigenen Spielern weiterhin schöne Fussball-Spiele sehen kann.
    Dann eben eine Klasse tiefer spielen und alles funktioniert.
    👍⚽️

  2. Pensionierter Bauer

    Aus eigenen Kräften, dh. ohne einen Mäzän wie E.S. es war, ist Kelmis prädestiniert für die P1, so wie es in den Zeiten vor Sebastian auch schon immer der Fall war. Für die P2 war Kelmis zu stark und für die Promotion zu schwach. Es ist doch viel besser mit Spielern aus dem geographischen Umfeld in den Klassen zu spielen in denen man hingehört, als mit von weither eingekauften Spielern eine dem Verein nicht zustehende Schow abzuliefern.
    Ich wünsche dem RFCU viel Glück für die Zukunft und dem Vorstand um Herrn Hubert herum eine glückliche Hand, damit auch in Kelmis der Fußball dem Ort wieder viel Freude bereiten mag.

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