EURO 2024

Unruhige Zeiten beim FC Bayern: Tuchel sauer auf den Schiri („Note sechs“) – Fans sauer auf Vereinsführung

19.04.2023, Bayern, München: Fans des FC Bayern haben ein Banner ausgepackt: „Ziele dürfen verfehlt werden, Werte des Vereins nicht! Führungspolitik hinterfragen!“ Foto: Christian Kunz/dpa

AKTUALISIERT – Thomas Tuchel schönt das Champions-League-Aus des FC Bayern gegen Manchester City. Oliver Kahn blickt entschlossen nach vorn und glaubt an erfolgreiche Zeiten mit dem neuen Trainer. Die Fans üben deutliche Kritik an der Vereinsführung. Der deutsche Rekordmeister hat schon bessere Zeiten erlebt.

Thomas Tuchel saß immer noch vollgepumpt mit Adrenalin im großen Mediensaal der Allianz Arena und tat sich extrem schwer, den Champions-League-K.o. seines FC Bayern gegen Manchester City als verdient und leistungsgerecht zu akzeptieren.

„Ich bin sehr zufrieden mit den beiden Spielen. Wir waren komplett auf Augenhöhe mit der im Moment besten Mannschaft in Europa“, referierte der Trainer am Mittwochabend. Dabei sprachen die Ergebnisse eine andere Sprache: 0:3 in Manchester, 1:1 in München – in der Summe also 1:4.

Trotzdem befand Tuchel: „Wir hatten sie am Haken!“ Aber die Bayern hatten im Viertelfinale der Champions League nicht die Form und auch nicht die Klasse, die nötig ist, um große Spiele für sich zu entscheiden.

19.04.2023, Bayern, München: Bayern-Trainer Thomas Tuchel nimmt nach dem Spiel an der Pressekonferenz teil. Foto: Sven Hoppe/dpa

Nach Erling Haalands Führungstor (57. Minute) reichte es nur noch zum Ausgleich durch einen verwandelten Handelfmeter von Kapitän Joshua Kimmich (83). Haaland hatte vor der Pause einen Strafstoß für City verschossen (siehe Spielbericht unten).

Knallharte Kritik übte Tuchel am Schiedsrichter. Clement Turpin gab er die „Note sechs“. Der Franzose hatte ihn wegen Reklamierens auf die Tribüne verwiesen. Tuchel lehnte es dagegen ab, von „einem Klassenunterschied“ seines Teams im Vergleich mit Pep Guardiolas Mannschaft zu sprechen. Er sprach von einem Unterschied im Selbstvertrauen und der Form.

„Für das, was wir zugelassen haben in beiden Spielen, sind wir brutal bestraft worden“, sagte der 49-Jährige nach dem zweiten verspielten Titel nach dem DFB-Pokal. Man sei „nicht die schlechtere Mannschaft gewesen“, meinte auch Kimmich. Er sprach an, was fehlte, die Effektivität: „Wir brauchen die Führung, damit sie zu wackeln beginnen.“

Von Vorstandschef Oliver Kahn gab es diesmal keine Kritik am Team oder gar Vorwürfe. „Es war insgesamt eine starke Leistung von der Mannschaft, insbesondere in der ersten Halbzeit. Wenn wir da in Führung gehen, wird es ganz eng für Manchester City“, sagte der 53-Jährige. Auch er benannte die Chancenverwertung als zentrales Manko. „Die Jungs haben alles reingeworfen. Jetzt hat es halt nicht gereicht“, resümierte der ehemalige Nationaltorhüter.

19.04.2023, Bayern, München: Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn beim Interview vor dem Spiel. Foto: Sven Hoppe/dpa

Kahn verließ die Allianz Arena kämpferisch. „Wir werden in der nächsten Saison wieder angreifen“, kündigte er an. Den Trainerwechsel von Julian Nagelsmann zu Tuchel mitten in der entscheidenden Saisonphase hält er weiterhin für die absolut richtige Entscheidung. „Wir sind total überzeugt, dass wir mit Thomas Tuchel früher oder später wieder dort sind, wo wir alle hinwollen, nämlich ganz nach oben – auch in Europa“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Kahn und Tuchel richteten den Blick noch in der Nacht auf das einzige verbliebene Saisonziel. „Jetzt gilt vor allem die Konzentration dem, was wir noch erreichen können, das ist die deutsche Meisterschaft“, sagte Kahn. Der Serienmeister führt die Bundesliga sechs Spieltage vor Saisonende mit zwei Punkten vor Borussia Dortmund an. „Die Meisterschaft ist alles andere als in der Tasche“, mahnte Tuchel. Die nächste Aufgabe am Samstag bei seinem Ex-Club FSV Mainz 05 erhob er flugs zur „Charakterprobe“.

Kahn erwartet den elften Meistertitel in Serie als Trostpflaster. Das Spiel gegen Man City habe ihm gezeigt, „zu was die Mannschaft fähig ist. Ich habe heute vieles gesehen, was wir jetzt auch in den letzten Spielen der Fußball-Bundesliga brauchen werden, um diesen Titel zu holen“.

Die kommenden Wochen werden in München aber auch von vielen Debatten geprägt sein, über den Kader, insbesondere einen neuen Mittelstürmer und auch über das Handeln der Vereinsführung.

19.04.2023, Bayern, München: Manchester Citys Erling Haaland und Münchens Dayot Upamecano (r) kämpfen um den Ball. Foto: Matthias Balk/dpa

Fans des FC Bayern München haben beim Viertelfinal-Aus in der Champions League gegen Manchester City am Mittwochabend deutliche Kritik an der Vereinsführung geübt. „Ziele dürfen verfehlt werden – Werte des Vereins nicht! Führungspolitik hinterfragen!“, war kurz vor Ende des Spiels (1:1) auf einem großen Plakat zu lesen.

Damit richtete sich der Unmut offenbar gegen Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Vorstandschef Oliver Kahn, die mit dem Trainerwechsel von Julian Nagelsmann zu Thomas Tuchel nicht die erhoffte Trendwende erzielten.

„Ich weiß, wie das hier ist, wenn Ziele nicht erreicht werden. Ich bin ein sehr reflektierender Mensch. Nur im Moment habe ich wenig Zeit, darüber nachzudenken“, sagte Vorstandschef Kahn. „Jetzt gilt vor allem die Konzentration dem, was wir noch erreichen können, das ist die deutsche Meisterschaft. Wir hinterfragen uns permanent. Jetzt gilt die volle Konzentration dem Titel, den wir noch gewinnen können in dieser Saison.“

Sportvorstand Salihamidzic erklärte, dass man sich immer hinterfrage. „Wir arbeiten für den Club und versuchen, das Beste zu tun. Mit Kritik muss man natürlich leben, weil die Ergebnisse weggeblieben sind“, sagte Salihamidzic. „Trotzdem stehe ich natürlich mit breiter Brust da, weil ich weiß, was wir für eine Mannschaft haben, was wir für einen Trainer jetzt haben und wir werden alles dafür tun, dass der Erfolg auch in allen Wettbewerben wieder zurückkehrt.“ (dpa)

Kein „Wunder von München“: Haaland besiegelt nächsten Bayern-K.o. – Im Halbfinale ein Mailänder Derby Inter-AC

Das „Wunder von München“ bleibt aus, auch der zweite Titel ist für den FC Bayern weg. Bei der „Monster-Aufgabe“ gelingt der Tuchel-Elf nur ein 1:1. Für den endgültigen K.o. sorgt Erling Haaland.

Ein lange verzweifelt anrennender FC Bayern hat ohne den nötigen Tor-Punch das „Wunder von München“ deutlich verpasst. Das erträumte Champions-League-Comeback gegen Manchester City scheiterte am Mittwochabend in der brodelnden Allianz Arena trotz aller Versuche beim 1:1 (0:0).

19.04.2023, Bayern, München: Manchester Citys Kevin De Bruyne und Münchens Dayot Upamecano in Aktion. Foto: Matthias Balk/dpa

Citys Tormaschine Erling Haaland sorgte bei der Rückkehr von Starcoach Pep Guardiola nach München in der 57. Minute für den endgültigen K.o. des deutschen Fußball-Meisters, der das Hinspiel mit 0:3 verloren hatte.

Der verwandelte Handelfmeter von Joshua Kimmich kam zu spät für eine historische Aufholjagd (83.). Für den emotional aufgeladenen Bayern-Coach Thomas Tuchel endete das Spiel gar auf der Tribüne, nachdem er wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte sah (86.).

Im Halbfinale kommt es zu einem vorgezogenen Endspiel zwischen Real Madrid und Manchester City.

Benfica Lissabon hat eine Überraschung in der Champions League verpasst. Die Portugiesen kamen am Mittwochabend nicht über ein 3:3 (1:1) bei Inter Mailand hinaus und verfehlten damit den Einzug ins Halbfinale.

Nicolò Barella (14. Minute), Lautaro Martínez (65.) und Joaquín Correa (78.) trafen für die Italiener, die das Viertelfinal-Hinspiel vergangene Woche mit 2:0 gewonnen hatten. Fredrik Aursnes (38.), António Silva (86.) und Petar Musa (90.+5) machten die Tore für Portugals Rekordmeister. Inter trifft im Halbfinale nun auf den Stadtrivalen AC Mailand. Damit steht fest, dass ein Mailänder Team am 10. Juni im Finale der Champions League steht. (dpa/cre)

21 Antworten auf “Unruhige Zeiten beim FC Bayern: Tuchel sauer auf den Schiri („Note sechs“) – Fans sauer auf Vereinsführung”

  1. Es zeigt sich ein weiteres Mal, das Trainerwechsel so gut wie nie eine Verbesserung bringen. Schon gar nicht im spielerischen Bereich. Das einzige, was ein Trainer bei der Übernahme einer Mannschaft – zum Beispiel bei der AS – machen könnte, ist die Mannschaft ultra-defensiv aufzustellen und auf Konter spielen. Das hat mit attraktiven Fußball natürlich nichts mehr zu tun. Aber das Neuerlernen des Fußballs mit fertigen Spielern funktioniert auch nicht.

    • askiebitz

      Panda, darf ich an die Roten Teufel als ein Gegenbeispiel von vielen hinweisen. Ich behaupte nicht, dass die bei der EM 24 Sensationen schaffen werden, aber allein durch die Nominierungen und Spielweise weht da nun ein komplett neuer Wind, der mit dem siechen Gegurke der letzten drei Jahre absolut nichts mehr zu tun hat. A propos Gegurke,hoffen wir das Beste für Sonntag.

      • @askiebitz: Richtig! Ich denke mit den Trainerwechseln, die meistens nichts bringen, auch eher an Klubs, die nur höchsten 15 bis 18 Spieler mit relativ gutem Niveau haben. Tedesco kann als Nationaltrainer aus mindestens 30 gleichwertigen Spielern eine Auswahl treffen und die Mannschaft auch dementsprechend einstellen. Aber bei einem Trainerwechsel in Eupen, Ostende oder Waregem muss man mit dem gleichen Material auskommen wie der Vorgänger.

    • Manchmal bringt ein Trainer Wechsel durchaus was, ziehe St. Pauli, 10 Siege in Serie nach Trainerwechsel, letztes Spiel dann verloren.
      Manchmal passiert auch das gegenteil, ziehe Chelsea nach Tuchel Entlassung.
      Für 15 Millionen Trainer gekauft, Hunderte Millionen in Spieler investiert und ging weiter bergab.
      Vor 4 Spielen erneu Trainer gewechselt und er hat jetzt den Negativ Record das die ersten 4 Spiele alle verloren gingen.

  2. Thomas Tüchlein

    Das wiederholte Ausscheiden des FCB in der Vorrunde von einem europäischen Wettbewerb und auch das wiederholte Ausscheiden der Nationalmannschaft auf internationaler Ebene, zeigt auf, dass die einstige Vorzeige-Fussballnation Deutschland in die Bedeutungslosigkeit abdriftet. Das Verschwinden der einstigen Industrie- und Wohlstandsnation in die Bedeutungslosigkeit macht halt auch vor dem Fussball kein Halt.

  3. Hans Eichelberg

    „Kahns Entlassung „ist eine Frage der Zeit“

    „Bayerns Vorstandsboss Oliver Kahn gerät zunehmend in die Kritik. Nun könnte seine Ablösung bevorstehen. Sky-Experte Jan Age Fjörtoft schreibt auf Twitter, laut seinen Informationen sei Kahns Entlassung „ein fortschreitender Prozess“ und „eine Frage der Zeit“. (FOCUS Online)“

  4. FC Bayern macht Top-Neuzugang perfekt

    Im Kampf für bessere Bedingungen für seine Profis und gegen den schlechten Rasen in der Allianz Arena hat der FC Bayern offenbar einen echten Transfer-Coup gelandet.

    Wie der „kicker“ berichtet, verstärkt sich der deutsche Rekordmeister mit Peter Sauer, Greenkeeper des VfL Wolfsburg und einer der herausragenden Vertreter seiner Zunft. Bereits zum 1. Mai soll der 50-Jährige seinen Dienst beim FC Bayern antreten, heißt es im Bericht des Fachmagazins.

    Gewinnt Bayern dieses Jahr womöglich keinen Titel, aber sie haben dann immerhin nächstes Jahr einen schönen Rasen :)

  5. Gerad van Oche

    Den Zustand einer Nation, an der Stärke seines Fussballtabellenstand festzustellen, nicht schlecht. Vermutlich so ähnlich wie den BicMac-Index an der Wirtschaftleistung. Leider wurde in den letzten Jahren zuviel öffentliche Gelder bspw. in Fussballstadien gesteckt. Mit der WMvergabe nach Russland und Qatar hat die Jugend das Interesse am Profifußball verloren. Sehe eine Zukunft nur mit SalaryCaps und Draft Möglichkeiten, ähnlich dem US System, allerdings müssten dafür noch einige Regeländerung für einen attraktivern Sport. Noch mehr Auswechselmöglichkeiten und größere Tore oder Spielfeld

  6. Geht Kahn – übernimmt Florian Hoeneß?

    „Es geht nach Informationen der „Bild“ aktuell ein irres Gerücht in München herum. Demzufolge soll Uli Hoeneß (71), Ex-Bayern-Präsident und Aufsichtsratsmitglied, überlegen, seinen Sohn als Nachfolger von Oliver Kahn zu installieren.

    Sein Sohn Florian Hoeneß übernahm vor einiger Zeit den Familienbetrieb „HoWe Wurstwaren KG“ und ist dort als Geschäftsführer tätig. Folgt auf die Würste nun der FC Bayern?

    Beim Bundesliga-Tabellenführer trat der Hoeneß-Sohn bislang in keiner Weise in Erscheinung. Die Installation als Bayern-Boss käme damit definitiv überraschend. Laut der „Bild“ wollte sich Uli Hoeneß auf Anfrage nicht zu dem verrückten Gerücht äußern. (gr)“

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