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Europaparlamentarier fordern Karlspreis für Selenskyj

12.03.2022, Ukraine, Kiew: Auf diesem Bild aus einem Video spricht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew, Ukraine. Foto: Uncredited/Pressebüro des ukrainischen Präsidenten via AP/dpa

Angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat eine Gruppe von EU-Abgeordneten die Verleihung eines Sonder-Karlspreises an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefordert.

Einen Brief mit der entsprechenden Bitte an das Karlspreis-Direktorium in Aachen hätten schon 143 Abgeordnete unterschrieben, teilte der deutsche Grünen-Abgeordnete Daniel Freund mit.

Selenskyj habe die Ukraine den europäischen Idealen näher gebracht und verteidige diese Werte nun gegen die „feigste und ungerechtfertigtste militärische Aggression seit 1945“ in Europa, heißt es in dem Schreiben.

30.05.2019, Aachen: Antonio Guterres (M), Generalsekretär der Vereinten Nationen, erhält bei der Verleihung des Internationalen Karlspreises die Auszeichnung von Jürgen Linden, dem Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums (l), und Marcel Philipp (CDU, r), Oberbürgermeister von Aachen. Der Preis wird seit 1950 am Himmelfahrtstag verliehen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Der Karlspreis 2022 sei zwar schon an oppositionelle Bürgerrechtlerinnen aus Belarus gegangen, aber in der derzeitigen außergewöhnlichen Situation müssten die Beiträge Selenskyjs schnell gewürdigt werden.

Der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, der ehemalige Aachener Oberbürgermeister Jürgen Linden, sagte der dpa, er sei vorab über die Initiative informiert worden. Sobald der entsprechende Brief eingegangen sei, werde man sich zeitnah mit der Forderung auseinandersetzen. Darüber entscheide dann das Direktorium mit seinen 19 Mitgliedern.

Bislang sei nur einmal ein außerordentlicher Karlspreis verliehen worden: im Jahr 2004 an Papst Johannes Paul II. Der Karlspreis wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung vergeben.

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten haben den Hoffnungen der Ukraine auf einen raschen Beitritt zur Europäischen Union einen deutlichen Dämpfer verpasst.

In der Erklärung des EU-Gipfels in Versailles vom frühen Freitagmorgen heißt es zwar: „Die Ukraine gehört zu unserer europäischen Familie.“ Konkrete Zusagen an Kiew mit Blick auf einen schnellen EU-Beitritt wurden jedoch auch nach den rund achtstündigen Gipfel-Beratungen nicht gemacht.

Die Regierungschefs der 27 EU-Staaten versprachen der Ukraine lediglich, die Bindungen weiter zu stärken und die Partnerschaft zu vertiefen, um sie auf ihrem europäischen Weg zu unterstützen. Zudem wurde betont, dass man die EU-Kommission zügig damit beauftragt habe, den ukrainischen Antrag auf EU-Mitgliedschaft zu prüfen.

10.03.2022, Frankreich, Versailles: Alexander De Croo (Mitte l), Premierminister von Belgien, Emmanuel Macron (M), Präsident von Frankreich, und Charles Michel (Mitte r), Präsident des Europäischen Rates, stellen sich mit ihren Amtskollegen zu Beginn eines informellen Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs zum traditionellen „Familienfoto“ auf. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte angesichts des russischen Kriegs gegen sein Land vergangene Woche die Mitgliedschaft beantragt. Er zeigt sich am Freitag ernüchtert. „Die Europäische Union sollte mehr tun. Sollte mehr tun für uns, für die Ukraine. Und für sich. Wir erwarten das. Alle Europäer erwarten das“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft.

Der EU-Beitritt ist ein langer und komplizierter Prozess. Selbst wenn die EU-Kommission den Antrag positiv bewerten sollte, könnte allein der Start der Aufnahmeverhandlungen noch lange auf sich warten lassen, da alle EU-Staaten einverstanden sein müssen.

Die Ukraine hofft hingegen auf deutlich mehr Tempo. „Es geht nicht darum, dass wir morgen die Mitgliedschaft bekommen. Wir wollen keinen Freifahrtschein. Aber wir wollen, dass das in einem Eilverfahren geschieht, innerhalb von wenigen Jahren“, sagte der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, der Deutschen Presse-Agentur.

Die EU und die Ukraine haben 2017 ein Assoziierungsabkommen geschlossen, das die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen soll. Neben der Ukraine haben zuletzt auch Moldau und Georgien einen Beitrittsantrag gestellt. Der EU-Gipfel verwies darauf, dass man die EU-Kommission auch um eine Einschätzung dieser beiden Anträge gebeten habe. (dpa)

 

24 Antworten auf “Europaparlamentarier fordern Karlspreis für Selenskyj”

  1. Kevin Giebels

    Der Karlspreis ist ein Preis für diejenigen die laut Wikipedia „um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben.“

    Inwieweit der Herr Selenskyj etwas für Europa oder dessen einigung getan hat ist mir fraglich.

    Natürlich respektiere ich den Mann, alleine schon dafür, dass er während des Krieges im Land verblieben ist. Ihm aber einen Preis verleihen zu wollen, dessen anforderungen er nicht erfüllt ist meiner Meinung dann doch unpassend.

    • Joseph Meyer

      @Kevin Giebels,
      hallo Herr Giebels, hier ein interessantes Gespräch mit konkreten Aussagen von Putin am 11.03.2022 zum besseren Verständnis der „Gegenseite“ – vielleicht!
      März 11, 2022
      Äußerst wichtige Aussagen von Putin
      Wie einige von Ihnen wissen, hat Putin ausführlich mit einer Gruppe von russischen Flugbegleitern gesprochen. Diese Aussage ist so wichtig, dass ich einen unserer Dolmetscher (danke E.!) gebeten habe, das Video zu untertiteln. Ich stelle auch die Abschrift unten ein. In diesem Gespräch erläutert Putin recht ausführlich, WAS Russland tut und WARUM es das tut.
      https://uncutnews.ch/aeusserst-wichtige-aussagen-von-putin/

  2. Unpassender geht es nicht. Der Karlspreis passt nicht, wie schon Kevin Giebels geschrieben hat. Und der Ukrainische Präsident fühlst sich sicher total verarscht. Er will kein Taxi, er will keinen Preis, er will, was er jetzt dringend braucht: Waffen! Panzerfäuste und Stinger sind jetzt die richtige Antwort. Und Sicherheit für alle Flüchtlinge aus der Ukraine. Der Soldat an der Front braucht das gute Gefühl, dass eine Familie sicher ist. Also lasst uns wenigstens das schaffen.

    • Richtig, er braucht keinen Preis.
      Falsch, er braucht auch keine Waffen, er verheizt nur unschuldige Menschen, am Ende steht die Großmutter am Gewehr und wird dort ihr Leben lassen wie schon ihr Sohn vorher, die Infrastruktur wird zerstört und es gibt einen Kampf der nicht zu gewinnen ist.
      Wer trichtert Ihnen bloß solche Gedanken ein?

    • Hans Eichelberg

      #Balou

      Berliner Zeitung, gestern:
      „Moskau habe die USA gewarnt, dass das „orchestrierte Hereinpumpen von Waffen durch eine Reihe von Staaten nicht nur ein gefährlicher Schritt ist, sondern diese Konvois auch zu legitimen Zielen“ für Angriffe der Armee mache, sagte der stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow am Samstag im russischen Staatsfernsehen.

      Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine am 24. Februar hatten zahlreiche Länder dem Land Waffen geliefert. Die EU hatte bereits kurz nach der Invasion Militärhilfe im Umfang von 500 Millionen Euro für die Ukraine beschlossen und prüft eine Verdopplung der Summe.“

  3. Guido Scholzen

    Europa rückt zusammen…
    denn der Feind meines Feindes ist mein Freund.
    der gemeinsame Feind Putin.
    Wäre es nicht besser mit der Vergabe des Karlspreis an Selenskij, wenn dieser Krieg vorbei ist?

  4. Muss denn jetzt unnötig Öl ins Feuer geschüttet werden , und ist es wirklich richtig ,wegen eines Landes einen dritten Weltkrieg zu provozieren . Beide Staatsoberhäupter sind in meinen Augen DIKTATOREN . Sie sollten sich wie sich einfach duellieren und das arme nicht kriegswillige Volk somit verschonen . Der Gewinner solle dann beide Länder führen .

    • Vollkommen Ihrer Meinung.Zudem wird die kriegstreibende Rolle der Medien jeden Tag schlimmer,und das gilt nicht nur für die Boulevardpresse.Viele Medien versuchen mit allen Mitteln einen Kriegseintritt der NATO herbeizuführen.Zum Fremdschämen!

    • Robin Wood

      @Detlef
      Ich stimme Ihnen vollkommen zu.
      Gerade jetzt sollte jede weitere Eskalation der Situation vermieden werden.
      Wenn die NATO in den Krieg eintritt, haben wir den 3. Weltkrieg. Das kann man doch nicht wirklich wollen!?

  5. der heilige josef

    Bush und Blair wären auch sehr preiswürdige Aspiranten für den hochheiligen Karlspreis denn das würde sehr passen. Führte doch auch der Namensgeber des Preises der Kaiser aller Franken und Schwertkämpfer Karl der Große laut der historischen Forschung, unzählige Angriffskriege für die er nie belangt wurde. Seine Opfer ließ er dabei grausam foltern das kennt man ja auch aus dem Irak wo Bushs Schergen ganze Arbeit leisteten. Vielleicht berät sich das Karlspreisdirektorium noch mal, für ein Umdenken ist es nie zu spät.

  6. Klötschkopp

    Einen Mann belohnen der Kinder und alte Männer zur Sicherung seiner Macht in den Krieg schickt!
    Ach So, habe ich vergessen, der Putin ist ja hier das einzige Monster!
    Alles richtig gemacht!

  7. Preis Verleihung

    Dies ist auch wieder ein „Profilierungsmotiv“ der Zuständigen Ansager. Preis? Was ist schon ein Preis gegen dieses unmögliche Gemetzel in der Ukraine? Ihr lieben Ansager, bemüht euch um etwas viçel Besseres und Rationaleres, anstatt um diese Blechkette und Papierfetzen, man sieht förmlich dass ihr nicht zu viel beschäftigt seit.

  8. Ein gutes Bsp. dafür das diese Herrn nichts wirkliches zu tun haben und somit diese Pöstchen schon gestrichen gehören. // Oder hat es einen Hintergrund und man versucht fleißig Öl ins Feuer zu gießen entgegen aller Öffentlichen Aussagen?
    Einen Preis für jemanden der Kinder, Zivilisten usw. an die Waffen schickt der eigenen Profilierung und Gesinnung wegen sein Land zerstört. Tolle Idee, Idio…

  9. Krisenmanagement

    Den Karlspreis an Selenskyi zu verleihen, wäre ein Riesenfehler, der Situation in der Ukraine noch verschärft. Dieser Komiker ist auch kein Engelchen. Es gibt sogar Medien, die behaupten, dass die westliche Politik diesem Konflikt Tür Tor geöffnet hat. Welche Rolle spielten dort westliche Geheimdienste? Was ist mit den angeblichen Biolaboren? Von einer EU-Neutralität kann keine Rede sein.

    • Es gibt sogar Medien, die Echsenmenschen gesehen haben wollen und Leute, die sich täglich von Kinderblut ernähren (vermutlich pädophile Vampire). Und was ist mit… (bitte beliebig ausfüllen) und welche Rolle spielen (bitte beliebig ausfüllen)?

    • „Den Karlspreis an Selenskyi zu verleihen, wäre ein Riesenfehler…“
      Wär ja nicht das erste Mal, dass die Politik riesige Fehler macht. Ich erwarte also, dass Selenskyi der nächste Karlspreisträger wird.

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