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Ex-Vatikan-Finanzchef Kardinal Pell vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern freigesprochen

07.04.2020, Australien, Geelong: George Pell, Kardinal, verlässt das HM-Gefängnis Barwon in Geelong. Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Kardinal ist überraschend auf freien Fuß gekommen. Foto: James Ross/AAP/dpa

Überraschendes Ende eines spektakulären Prozesses. Australiens höchstes Gericht kippt das Urteil wegen Kindesmissbrauchs gegen Kardinal George Pell. Der einstige Finanzchef des Vatikans gibt sich nach seiner Entlassung versöhnlich.

Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Kardinal George Pell ist überraschend auf freien Fuß gekommen. Das höchste australische Gericht gab am Dienstag dem Berufungsantrag des 78-Jährigen statt.

Die einstige Nummer Drei des Vatikans wurde daraufhin nach rund 13 Monaten in Haft aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Melbourne entlassen. Aufgrund der Coronavirus-Beschränkungen wurde das Urteil in einem fast leeren Gerichtssaal in Brisbane von der Obersten Richterin Susan Kiefel gesprochen.

26.02.2019, Australien, Melbourne: Kardinal George Pell (M) kommt zum County Court in Melbourne. Foto: Andy Brownbill/AP/dpa

Australische Medien zeigten, wie Pell in einem Autokonvoi davonfuhr. Wohin, war zunächst nicht bekannt. In einer ersten Reaktion bezeichnete der 78-Jährige die Entscheidung des Gerichts als Heilmittel gegen die „ernsthafte Ungerechtigkeit“, die ihm widerfahren sei.

Er hege aber „keinen Groll“ gegen seine Ankläger, sagte er in einer Presseerklärung. Er wolle nicht, dass sein Freispruch zum Schmerz und zur Bitterkeit, die so Viele fühlten, beitrage. Zudem betrachte er seinen Prozess nicht als Referendum über die katholische Kirche oder über den Umgang der australischen Kirchenbehörden mit Pädophilie. „Es ging darum, ob ich diese schrecklichen Verbrechen begangen hatte, und das habe ich nicht“, betonte Pell.

Das Gericht befasste sich seit März mit dem letzten möglichen Einspruch des 78-Jährigen. Bei seiner Entscheidung folgte das Gericht den Argumenten der Verteidigung, die auf Schwächen in Zeugenaussagen hingewiesen hatte.

Vorwurf des Missbrauchs von zwei Chorknaben

Im März 2019 war der frühere Erzbischof von Melbourne wegen des Missbrauchs von zwei Chorknaben in den 1990er Jahren zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er weist alle Vorwürfe zurück.

07.04.2020, Australien, Kew: Das Tor des Karmeliterklosters, in dem der Kardinal Pell untergebracht ist. Der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt Kardinal ist überraschend auf freien Fuß gekommen, nachdem er mehr als 400 Tage hinter Gittern verbracht hat. Foto: David Crosling/AAP/dpa

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans ist der ranghöchste Geistliche in der Geschichte der katholischen Kirche, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Die Aussage eines früheren Chorknaben, der heute Mitte 30 ist, war dabei maßgeblich.

Pells Verteidiger argumentierten, dass diese nicht ausreichend war, um die Schuld des Kardinals zweifelsfrei festzustellen. Noch eines der Argumente: Nach einer Sonntagsmesse sei es unmöglich gewesen, dass ein Erzbischof fünf oder sechs Minuten in der Sakristei mit zwei Chorknaben alleine war – so soll es bei einem Übergriff gewesen sein.

Bei dem anderen Fall, für den Pell verurteilt wurde, waren laut seiner Verteidigung keine Zeugen dabei. Die Anklage habe zudem die Beweislast umgedreht: Statt dass sie Pells Schuld beweist, musste die Verteidigung seine Unschuld beweisen.

Pells erster Versuch, das im März 2019 gesprochene Urteil von einem Berufungsgericht aufheben zu lassen, scheiterte im August. Demnach hätte Pell frühestens im Oktober 2022 aus der Haft entlassen werden können. Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts legten die Anwälte des Geistlichen beim obersten Gericht Einspruch ein, so dass sich dieses nun damit befasste.

Nach Freispruch: Papst betet für ungerecht Verurteilte

Nach der Freilassung des zunächst wegen Missbrauchs beschuldigten Kardinals George Pell hat Papst Franziskus für unschuldig Verurteilte gebetet. In seiner täglichen Frühmesse sagte der Pontifex am Dienstag: „In diesen Tagen der Fastenzeit haben wir gesehen, welche Verfolgung Jesus erdulden musste (….): Er wurde von Menschen voller Hass verurteilt, obwohl er unschuldig war. Ich möchte heute für alle Menschen beten, die unter einem ungerechten Urteil leiden.“

Der Vatikan reagierte offiziell zunächst nicht auf das Urteil in Australien. Pell kam überraschend auf freien Fuß.

Unklar ist, welche Folgen der Freispruch nun im Vatikan für Pell hat. Pell ist nicht mehr Teil des Beratergremiums des Papstes. Der Vatikan hatte immer betont, mit Entscheidungen in dem Fall bis zum Ende des Berufungsverfahrens warten zu wollen. Es wird nicht damit gerechnet, dass Pell in den Job als Finanzchef zurückkehrt. (dpa)

10 Antworten auf “Ex-Vatikan-Finanzchef Kardinal Pell vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern freigesprochen”

  1. Hat man sich noch nie gefragt, warum im NSU Terrorfall, man Kinderspielzeug gefunden hat, dort wo man die Täter tot gefunden hat.
    Warum beim Mordfall Peggy Spuren gefunden hat von den NSU Täter, dort wo die Leiche gefunden wurden.
    Warum im Fall Dutroux etliche Zeugen und Ermittler auf mysteriöseweise starben.
    Warum im phedofilen Skandal von Gladbach etliche Beweismittel verschwanden.
    Warum Prinz Andrew trotz Kontakt mit Epstein, und Zeugenaussagen, in Ruhe in sein Schlösschen weiterlebt, ohne das irgendetwas hinterfragt wird.
    Warum soviele Kinder spurlos verschwinden.
    Es bleiben noch soviele Fragen offen. Aber wahrscheinlich alles Zufälle und Misverständnisse.
    Jeder der keine Antworten auf all diesen Fragen verlangt und relativiert, macht sich Schuldig.

  2. Marina K.

    In den Nachrichten war zu hören, dass der Papst froh darüber war, das dieses Urteil gekippt wurde. Ist sowas zu fassen?
    Von wegen der Papst geht gegen die *irre geleiteten * Schäfchen seiner Herde vor?!
    Für die Opfer ist das wieder ein Schlag ins Gesicht!

    • Warum soll der Papst nicht froh sein dass ein zu Unrecht Verurteilter rehabilitiert wird?
      Es genügt anscheinend einen Geistlichen als Pädophilen zu bezeichnen und schon ist er verurteilt.
      Gott sei Dank ist Volkes Dummheit nicht ausschlaggebend.

  3. Friedrich Meier

    Was hat man bei der Wahl dieses Papstes nicht an Hoffnungen hehabt.
    Nich Eine ist erfüllt worden. Dann hätte der Ratzinger auch bleiben können und weiter seine irren, erzkonservativen Ideen zum Schutz der Machterhaltung der alten Männer in Rom weiter fortführen können.

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