Standpunkt

In memoriam Ferdel Schröder

Ferdel Schröder war eigentlich ein atypischer Politiker. Verantwortungsvolle Ämter wurden ihm relativ spät anvertraut. 1994, als er bereits 47 Jahre alt war, wurde er Schöffe in Eupen, ein Jahr später Regionalpräsident der PFF. Erst im Februar 2010 schlug seine Stunde wirklich: Ferdel Schröder wurde PDG-Präsident und zum ersten Mal in seinem Leben Berufspolitiker – mit 62 Jahren. Daran sieht man: Dem verstorbenen Parlamentspräsidenten ist nichts geschenkt worden. Er hat sich alles hart erarbeiten müssen.

Selbst 2009, obwohl er da schon seit 14 Jahren Parteichef war, hat Schröder bis zum Umfallen kämpfen müssen, um für die PDG-Wahl zum Spitzenkandidaten der PFF nominiert zu werden.

Natürlich hatte er Ziele, die er unbedingt erreichen wollte, wofür er auch sehr hartnäckig und konsequent zu Werke ging. Jedoch war er kein „Ellenbogen-Politiker“, der sich zu Hieben nach links und rechts verleiten ließ, um sich einen Weg an die Macht zu ebnen. Schröder setzte auf Konsens und Dialog.

In schweren Zeiten Standhaftigkeit bewiesen

Nur einmal hat er dies nicht oder zu wenig gemacht: Nach der PDG-Wahl von 2004 hatte sich der damalige PFF-Präsident für eine Koalition mit der CSP stark gemacht, doch fand diese Option bei einer Abstimmung im Regionalvorstand der Liberalen keine Mehrheit. Schröder wurde überstimmt, eine Gruppe um Fred Evers setzte ein Bündnis mit SP und PJU-PDB durch.

Doch selbst in dieser für ihn bitteren Stunde bewies Ferdel Schröder Standhaftigkeit. Statt enttäuscht vom Parteivorsitz zurückzutreten, blieb er im Amt – zwar geschwächt, aber immerhin. Auch das hat ihn ausgezeichnet: Schröder konnte Niederlagen einstecken und überwinden. Wahrscheinlich hat ihm seine Ausbildung als Pädagoge und Psychologe über so manche Hürde hinweggeholfen.

Das Amt des PDG-Präsidenten war vielleicht nicht unbedingt das, was er wollte. Es hieß, ein Ministerposten wäre ihm lieber gewesen. Allerdings hat Ferdel Schröder den Job am Eupener Kaperberg in diesen fast drei Jahren mit viel Enthusiasmus ausgeübt. Dem Umzug des Parlaments widmete er sich mit großer Hingabe. Sein viel zu früher Tod hat ihn leider daran gehindert, die Eröffnung des neuen Parlaments im ehemaligen Sanatorium als Präsident in vorderster Front zu erleben.

Ein Mann mit Fairplay

Sicher, so mancher hätte sich von ihm mehr Durchsetzungsvermögen gewünscht, wenn es darum ging, die Autonomie des DG-Parlaments gegenüber der omnipotenten DG-Regierung zu verteidigen. Jedoch wird Ferdel Schröder seine Gründe dafür gehabt haben, dies nicht als gravierendes Problem zu betrachten. Vielleicht glaubte er auch, die Zeit werde schon alles richten – die Zeit, die ihm selbst nicht gegönnt war, wie wir inzwischen alle wissen.

Es bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der durch Volksnähe und Jovialität bestach und von dem ich persönlich in all den Jahren nie ein böses Wort gehört habe. Ferdel Schröder war ein Mann mit Fairplay. Ein Gentleman.

GERARD CREMER

Siehe dazu auch Artikel „Zum Tode von Parlamentspräsident Ferdel Schröder: Viel zu früh aus dem Leben gerissen”

 

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