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In Eupen immer mehr Stadtmärkte bzw. Nightshops: Fluch oder Segen?

Links ein leeres Geschäftslokal, rechts daneben ein neuer Stadtmarkt. Foto: OD

Das Eupener Gemeindekollegium hat den Stadtmärkten, die sich immer zahlreicher in der Eupener Innenstadt niederlassen, den Kampf angesagt. Dabei werden diese sogenannten „Nightshops“ zumeist in einem Geschäftslokal eröffnet, das zuletzt längere Zeit leer stand. Trotzdem will die Stadt gegensteuern.

Anlass zu der Diskussion bot vor einer Woche die Eröffnung des „Jasmina Market“ in der Kirchstraße. Das Lokal, in dem früher u.a. das „Phone House“ und ein Blumenladen ansässig waren, war seit einiger Zeit verwaist.

Obwohl die Stadt Eupen in Zusammenarbeit mit dem Rat für Stadtmarketing (RSM) dem Leerstand im Zentrum den Kampf angesagt hat, bisher mit geringem Erfolg, ist man nicht sehr erfreut darüber, dass sich so viele Stadtmärkte niederlassen, zumal diese Läden größtenteils das gleiche Angebot haben.

Das Angebot ist in den meisten Stadtmärkten mehr oder weniger das gleiche. Foto: OD

Stadtmärkte in Eupen – Fluch oder Segen? „Es sind eindeutig zu viele“, erklärte Eupens Schöffe Arthur Genten (Ecolo).

Währenddessen wurde Alain Brock, Geschäftsführer des RSM, in der Tagespresse mit den Worten zitiert: „Für diese Läden kommt kein Tourist nach Eupen“.

Gegenfrage: Kommt denn ein Tourist nach Eupen, wenn das Geschäftslokal leer ist?

Selbst in der Redaktion des Grenz-Echo ist man sich nicht einig, ob die Stadtmärkte ein Gewinn oder ein Verlust für Eupen sind. „Trop is te veel“ schrieb Redakteur Werner Keutgen. Dass die Stadtväter dieser Entwicklung künftig einen Riegel vorschieben wollen, sei „sinnvoll und begrüßenswert – wenn auch etwas spät“, schrieb Keutgen.

Kritik an Stadtmärkten diskriminierend?

Einige Tage später vertrat Keutgens Kollege Martin Klever genau die gegenteilige Meinung. Die Kritik an den Stadtmärkten in Eupen sei „diskriminierend“.

Das Bemühen der Eupener Stadtväter, die Stadtmärkte „ausbremsen“ zu wollen, zeugt laut Klever „von einer Eitelkeit, die sich in Zeiten von allgegenwärtigem Leerstand nur schwer nachvollziehen lässt“.

Nur wenige Meter unterhalb des „Jasmina Market“ befindet sich der „Stadt Markt“. Foto: OD

Derweil machte sich RSM-Geschäftsführer Brock bereits Gedanken, wie es gelingen könne, der Flut an Stadtmärkten Einhalt zu gebieten.

Andere Städte in der Wallonie, so berichtet er im Grenz-Echo, hätten beispielsweise eine Sonderbesteuerung solcher Läden eingeführt und den Verkauf von Alkohol nach Schulschluss untersagt. In Eupen arbeiteten zudem die Stadt, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft und der Rat für Stadtmarketing gemeinsam an der Erstellung einer Einzelhandelscharta, die einen Branchenmix festschreibt und nur eine bestimmte Anzahl gleichartiger Geschäfte zulässt.“

Zudem, so Brock, wolle man sich bemühen, die Eigentümer leer stehender Geschäftslokale mit ins Boot zu nehmen, damit diese nicht jedem Erstbesten, der Miete zahlt, ihre Räume überlassen.

Das Motto der Stadtverantwortlichen lautet also „Leerstandsbekämpfung ja, aber nicht um jeden Preis“. Was Grenz-Echo-Redakteur Klever wiederum zu der Bemerkung veranlasste: „Ob Eupen sich das leisten kann? Schwer zu glauben.“ (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. Es geht hier in Eupen um gerade mal 8 Geschäfte. Mit ist ein Stadtmarkt immer noch lieber als ein leeres Geschäft. Klar, der RSM wünscht sich mehr Modeboutiquen, aber machen die Eupen wirklich attraktiver?

  2. Bei dieser Flut von neuen „Stadtmärkten“ in letzter Zeit muss man sich doch unweigerlich die Frage nach deren wirtschaftlicher Tragfähigkeit stellen. Da liegt der Verdacht der Geldwäsche oder der Verschleierung sonstiger zwielichtiger Geschäfte doch recht nahe…

  3. Nur weiter so.
    Dann wird bald ganz Eupen davon überschwemmt sein.
    Wieso wird so etwas eigentlich zugelassen um danach wieder darüber zu diskutieren es abzuschaffen ? ?
    Was für eine Planung. Kompliment.

  4. Pensionierter Bauer

    Ich hörte gestern Herrn Brock am Radio. Während des Interviews bekam ich einen Lachkrampf; er beschwerte sich als Geschäftsführer des Rates für StadtMARKETING über die Flut von StadtMARKETS. Eupens Verantwortliche sollen lieber dafür Sorge tragen, dass die Geschäfte konkurrenzfähig und gut ereichbar bleiben ohne dass man gleich die Parkwächter I nnen fürchten muss.

  5. Ich bin kein Freund von vielen Nightshops. Ein paar dieser Shops sollten genügen. Ich frage mich aber, in welcher Zeit die Herren Genten und Brock eigentlich leben. Glauben die wirklich, Eupen könnte sich die Geschäfte aussuchen? Die können froh sein, wenn überhaupt noch Geschäfte in Eupen eröffnet werden.

  6. Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht.
    Natürlich sehen diese Läden nicht schön aus.
    Doch was hat man lieber? Leere Schaufenster oder einen Tante Emma Laden?
    Man sollte lieber vorher überlegen, was man dafür tun könnte, dass Eupen schönere und wichtigere Geschäfte eröffnet, als sich danach zu beschweren, dass zu viele dieser Läden aufmachen.
    Zudem finde ich es gar nicht so schlecht, dass „Ausländer“ sich beschäftigen und Arbeit suchen und auch finden!
    Aber ja, toll sehen die nicht aus! Aber da kann man ja vorher eine Lösung suchen, statt nach dem 8. Kiosk im Radius von 500m anfangen zu meckern ;)

    • Zappel B.

      Definitiv, die Stadt bevorzugt den Leerstand! Ist aber machtlos um den Leerstand wieder aufzufüllen, wie das Verlosungs- oder „Bewerberzinnober“ schon bewiesen hat. Demnächst schließt auch noch der Schuhladen in der unteren Gospertstraße (Salamander Schuhhaus). Bei der Ankündigung dessen langjährigen Betreibers (Betreiber seit 42 Jahren, Schuhaus seit 99 Jahren insgesamt – früherer Betreiber und Eigentümer Schins) per Anzeige im Wochenspiegel vom 25.10. war jedenfalls nichts von einer Übernahme zu lesen.
      Jetzt sollen die Hausbesitzer, durch die vorgesehene städtische Verordnung nicht gleichwelchen Laden als Mieter akzeptieren zu dürfen, wieder dafür bluten. Bin ich froh, unser kleines Geschäftshäuschen „versilbert“ zu haben (an einen Bosnier…), der quasi sofort einen neuen Mieter gefunden hat, nämlich einen Inder mit … entsprechender Kleidung ;). Ich kenne in dieser Richtung keinen Rassismus, wie er sich im Gemeindekollegium auszubreiten scheint …

  7. Der 7. Sinn

    Jeder Vermieter ist froh über einen Mieter bzw der seinen Ladenlokal mietet, egal was der da verkauft, Dildos oder so. Mein Gott, Eupen ist nicht Maastricht, Imgenbroich, Aachen oder Lüttich. Wat ein Luxusproblem, diese Läden nicht in der Stadt haben zu wollen. Das führt langsam aber sicher zu einer Geisterstadt. Aber wat solls….Grössenwahn. Achja grosse Markenläden werden wohl nie wieder in die Innenstadt kommen. Ansonsten macht doch aus Eupen eine Outletstadt wie Bad Münstereifel….wäre doch noch ne Idee. :D

    • Radio Euro

      „Gut§ finde ich solche Läden nicht. Ich brauche die genauso wenig wie Geschäfte für Damenmode oder Frauenfrisöre. Aber stören tun die mich zumindest alle nicht.

  8. Willy Bosch

    Die Frage stelle ich wohl mal, in der Innenstadt gab es früher in der Kirchstrasse ein Tante Emmaladen wo die Leute nur kaufen gingen wenn sie was in den Supermärkten vergessen hatten. Also kein Tante Emmaladen sondern ein Notnagelladen, die haben dann auch die Segel streichen müssen.
    Nun haben wir 8 Geschäfte wie geht das denn??

  9. Jeder der sich ein wenig mit Rentabilitätsberechnungen auskennt kann nur staunen wie es möglich sein soll dass auf kleinstem Raum in Eupen diese Läden wirtschaftlich bestehen können. Jedes Traditionsgeschäft in Eupen klagt über kaum noch tragfähige Umsätze, und da stehen ein paar Dosen im Regal, Chips, und vielleicht noch Obst und Gemüse, und das soll funktionieren, 8- fach im Umkreis von 500 m??! Das einzige Geschäftsmodell das mir dazu einfällt ist eine Wäscherei. Man deklariert Umsätze, die gar nicht anfallen, um Geld von Leuten, die hier keiner kennen will, in den legalen Wirtschaftskreislauf zu bringen. Ist aber nur so eine Vermutung von mir, vielleicht ist ja alles ganz anders…

  10. Genres sprach im Grenz Echo dass man aufpassen müsste Eupen nicht kaputt zumachen .Die haben Eupen kaputt gemacht mit weniger Parkmöglichkeiten und Einbahnstraße der Kirchstrasse und Schulstrasse. Der Genten wäre auch nicht begeistert wenn seine Neustrasseczur Einbahnstraße würde. Und jetzt werden diese Gemeindemöchtegerne auch noch zum Rassist . Dann müssten die Friseurläden die in Eupen wie Pilze außen Boden schießen ebenfalls mitveinervZusatzsteuerctaxiert werden oder ist da ein Unterschied ,ach stimmt Einheimische . Lieber Nightshops als Sozialempfänger !!!!!

  11. Out of Memory

    Kann sich hier noch jemand an die Frau von Herrn Brock erinnern, die ein Ladenlokal in Kettenis gesponsort bekam, weil die einen Preis „Zur Belebung der Eupener Innenstadt“ gewann.

    Hilft das denn wirklich, Herr Brock?

    „In ein paar Monaten kann sich keiner mehr daran erinnern!“ War damals ihre Aussage.

    Stimmt: Das Ladenlokal in Kettenis gibt es nicht mehr, …

    Ein paar Aussagen vom Mobilitätsschöffen, die damals auf den Bürgerversammlungen bei der Renovierung der Klötzerbahn getroffen wurden, runden das Bild ab…Moment…von den Teilnehmern der Versammlungen sind ja fast alle mittlerweile nicht mehr da.

    Vieleicht hatte Herr Brock ja recht: Es ist einfach niemand mehr da, der sich erinnern kann, …mit wieviel Unverfrohrenheit einige Mitbürger sich profilieren wollten und die eigenen Interessen durch Stadtpolitik durchsetzten wollten.

    Das Bild, das Eupen heute abgiebt ist eine Konsequenz, der die damaligen Treiber heute den Kampf ansagen. Sind mal wieder bald Wahlen?

  12. Keine Kontrolle in Nightshops

    Dürfen die alle in Belgien selbständig sein? Haben die alle die notwendigen Diplome (Buchhaltung, Geschäftsführung,…)? Versuche Du mal Dich in Belgien selbständig zu machen ohne diese Diplome. Wer kontrolliert das? Oder was dürfen die, was Belgier nicht dürfen?

  13. René Knippert

    Also ich würde es begrüssen ein paar Tabledancebars nach Eupen zu holen. Das würde die Innenstadt beleben. Dann noch 2 oder 3 Vitrinenbars und ihr glaubt nicht was dann alles durch Eupen spaziert. 😎😎

        • Noch viel schlimmer wäre es gewesen wenn Pilatus tatsächlich Recht gesprochen hätte und den Angeklagten „an dem er keine Schuld erkennen konnte“ frei gesprochen hätte. Kein Kreuzigungstod, keine Auferstehung und unsere Seele wäre der ewigen Verdammnis preis gegeben. So konnte aus Unrecht die Erlösung entstehen. Mist, ein moralisches Oxymoron, zudem nicht auflösbar. Es sei denn man ist Atheist, dann hat sich die Sache erledigt; nur ein Märchen eben…

    • Genieße das Leben

      Immer wieder witzig. 25 Eupener hier im Forum die lamentieren wie Sch**sse Eupen ist, kommt dann ein Eifeler vorbei und gibt ein bischen Kritik fühlen sie sich aufm Schlips getreten. :)
      Probiert mal euer Nest da oben im Norden wieder in Schuss zu bekommen, in unserem Nest hier unten im Süden lässt es sich gut leben! habt ihr eigentlich jetzt ein vernünftiges Kino da oben?

  14. Erfahrener

    Das Problem besteht nicht nur in Eupen, das ist auch anderswo. Die grossen Geschäfte und der Internethandel machen die kleinen Geschäfte kaputt, ganz einfach. In der Landwirtschaft besteht doch das gleiche Problem. Und wenn keine kleinen Geschäfte mehr da sind, dann bekämpfen sich die Grossen. Und der Stärkere siegt. Auch in Aachen schliessen immer mehr kleine Läden und die Oberhäuter haben jetzt schon Angst, dass die Städte veröden. Das ist eben unsere heutige Entwicklung, da kann man eben nichts dran machen. Nobel geht die Welt zu Grunde.

    • Zaunkönig

      @ Erfahrener: meines Erachtens endlich mal ein vernünftiger Kommentar.
      Das Problem besteht doch überall. Die Geschäfte, die früher in den Stadtzentren waren, gibt es jetzt gebündelt in großen Kaufhäusern. Und da geht man hin, weil es so praktisch (und preisgünstiger?) ist. Oder man bestellt im Internet. Die Marktwirtschaft diktiert schließlich die Spielregeln. Welche konkreten Vorschläge haben denn die Kommentatoren, die die „Eupener Stadtführung“ oder „die Politiker“ so vehement kritisieren? Muss man die Einzelhandelsgeschäfte unter eine Art Denkmalschutz stellen? Oder Großkaufhäuser verbieten? Steuern erhöhen um Geschäfte in den Stadtzentren zu unterstützen?

      • Reiner Mattar

        Klar gehen (bzw. fahren!) viele lieber in den Supermarkt: ist bequemer, man kann leichter parken, und: es herrschen verbraucherfreundlichere Öffnungszeiten!
        Die „alteingesessenen“ Geschäftsleute (viele – nicht alle) klappen früh die Bürgersteige hoch, selbst wenn in der Stadt etwas los ist.
        Dann ist es natürlich ein Dorn in manchem Auge, wenn da auf einmal jemand einen Laden aufmacht und den auch noch abends offen hält!
        Ich kann mich an meine Kinderzeit erinnern, als es in Klosterstraße und Umgebung eine ganze Reihe von Tante-Emma-Läden gab, aber ich kann mich nicht erinnern, dass das jemanden gestört hat…
        Wenn es unter den Betreibern der StadtMärkte schwarze Schafe gibt, die z.B. Alkohol an Minderjährige verkaufen oder wo es den begründeten (!!!) Verdacht gibt, dass andere illegale Geschäfte getrieben werden, dann können und sollten die Behörden einschreiten.

  15. Doc Mc Stuffins

    In Eupens Innenstadt sollte man doch froh sein wenn sich was tut
    Früher gab es auch Tante Emma Läsen, Unic, Schwan, …
    Klar Zuviel ist auch nicht gut aber Leerstand ist schlimmer
    Das große Problem ist das es die großen Geschäfte raus aus die Stadt zieht
    Würden die bleiben gäbe es auch kredenze so grossen Leerstand

    • Radio Euro

      Wo genau ist der Unterschied zwischen den Eupener „Stadtmarkets“ und den „Büdchen“ aus Köln? Kann mir den jemand erklären? Das eine ist böse, wenn ich das richtig verstanden habe. Das andere ist (deutsches) Kulturgut.

  16. Unsinnig, wie die Politik sich wieder einmischt um über ihr eigenes Versagen hinweg zu sehen.
    Eupen ist nicht attraktiv, das liegt aber nicht an den Stadtmärkten, sondern an dem sonstigen Leerstand. Die sorgen nur für genug Auswahl, der Rest wird das Angebot und die Nachfrage regeln. Aber bitte überprüfen, ob diese „Lädchen“ auch brav ihre Steuern bezahlen. Es gab ja immerhin einen Laden, der wegen Steuernachzahlungen schließen musste. Vielleicht gehen die Kollegen es vernünftiger an.

    Gerade Ecolo sollte sich hier besonders bedeckt halten.

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