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Geschäftsführer Henkel: „Die AS ist ein Talentclub“

AS-Generaldirektor Christoph Henkel vor fast 10 Jahren, als das Engagement von Aspire gerade erst begonnen hatte. Foto: OD

6 Spiele, nur 6 Punkte, Tabellenplatz 14: Die Bilanz der AS Eupen ist enttäuschend. Das behaupten jedenfalls die Fans und die Journalisten, doch die Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten sind ganz entspannt – so zum Beispiel Geschäftsführer Christoph Henkel, der sich am Freitagmittag den Fragen von „Ostbelgien Direkt“ stellte.

Am Sonntag um 17 Uhr (Nachbericht und Analyse kurz nach 19 Uhr auf „Ostbelgien Direkt“) trifft die AS auf Spitzenreiter Boussu Dour. Am Kehrweg hofft man natürlich auf den zweiten Saisonsieg, doch sollte es auch diesmal nicht dazu kommen, wäre dies nach Auffassung von Geschäftsführer Henkel (48) mit Sicherheit keine Katastrophe. „Unser Projekt ist mittel- und langfristig angelegt“, sagt der Kölner im folgenden Interview.

Tiefgreifende Veränderungen gut gemeistert

OD: Herr Henkel, wenn man berücksichtigt, wie die Erwartungen vor dem Start in die Saison waren, muss da die Vereinsführung der AS Eupen nicht doch langsam nervös werden?

Henkel: Nein, überhaupt nicht. Es mag Unterschiede geben zwischen den Erwartungen der Fans und der Medien einerseits und den Erwartungen der Verantwortlichen der AS Eupen andererseits. Was den Integrationsprozess der vielen jungen Spieler betrifft, so befinden wir uns im Soll. In dieser kurzen Zeit haben wir sehr viele Dinge geschafft.

OD: Was ist zum Beispiel geschafft worden?

Henkel: Wir haben zu Saisonbeginn 16 Nicht-EU-Transfers getätigt. Diese Spieler mussten nicht nur transferiert werden, sondern für sie mussten Wohnungen gesucht werden, sie mussten integriert werden. Das Leben hier ist für diese Spieler eine große Umstellung. Sie kommen aus einem ganz anderen Kulturkreis. Sie haben einen ganz anderen sportlichen Ablauf gehabt. Sie kommen aus der Jugend. Es gibt noch viele andere Dinge, die auf diese jungen Spieler eingestürzt sind. Und sie haben diese tiefgreifenden Veränderungen bisher gut gemeistert.

Maximale Punktzahl ist nicht das Ziel

OD: Alles verständlich und nachvollziehbar, aber sechs Punkte in sechs Spielen sind einfach zu wenig, oder nicht?

Henkel: Es ist nicht unser Ziel, die maximale Punktzahl zu erreichen. Wir wissen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, einige könnten noch in der A-Jugend spielen. Was diese jungen Spieler in diesen ersten sechs Spielen gezeigt haben, war genau das, was man von ihnen erwarten durfte. Wir haben spielerische Dominanz ausgeübt…

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Pressekonferenz am Freitag vor dem Spiel gegen Boussu Dour. Rechts: AS-Trainer Bartolomé Marquez Lopez. Dritter von links: Christoph Henkel. Foto: OD

OD: …für die spielerische Dominanz kann man sich nichts kaufen…

Henkel: …Das ist richtig, aber wir befinden uns ja in einem Prozess. Wir sind nicht angetreten, um zu sagen: „Wir gewinnen ab morgen alle Spiele“. Wir spielen mit einer ganz jungen Mannschaft. Ich glaube, im Profibereich gibt es auf der ganzen Welt keine jüngere. Und diese junge Mannschaft zeigt, wie ich finde, spieltechnisch einen hervorragenden Fußball. Sie hat auch das Potenzial, um Erfolg zu haben. Das alles wird von Spiel zu Spiel besser werden. Das gilt nicht zuletzt für die Effektivität, die in den letzten Spielen noch zu wünschen übrig ließ.

OD: Gibt es in Eupen nicht ein Missverständnis? Die Fans wollen als Ziel die Teilnahme an der Endrunde oder den Aufstieg, während die Vereinsführung sich damit zufrieden gibt, die jungen Spieler besser zu machen, wobei der sportliche Erfolg der Mannschaft insgesamt nur zweitrangig ist. Richtig?

Henkel: Beide Ziele sind wichtig. Zunächst einmal ist die AS Eupen ein Talentclub. Hier werden junge Spieler in ihrer Entwicklung gefördert. Das ist eine ganz klare Zielsetzung. Zweitens wird schon der Aufstieg in die 1. Liga mittelfristig angestrebt, weil wir überzeugt sind, dass die Spieler das Potenzial haben, auch perspektivisch in der höchsten belgischen Liga ihren Mann zu stehen. Aber das wird sicher nicht in diesem ersten Jahr der Fall sein.

Aufstieg im ersten Jahr ist nicht das Ziel

OD: Mit anderen Worten, für die laufende Saison können die Fans den Aufstieg schon abhaken?

Henkel: Im Fußball kann man nie etwas abhaken. Nur ist der Aufstieg im ersten Jahr nie unser erklärtes Ziel gewesen. Unser Konzept ist schon mittel- und langfristig angelegt.

OD: Laufen Sie mit dieser Philosophie nicht Gefahr, dass eines Tages die Fans ausbleiben und die Mannschaft vor leeren Rängen ihre Heimspiele austragen muss?

Henkel: Es ist ja nicht so, dass wir den Erfolg nicht wollen, aber wir wollen den Erfolg mit den Mitteln, die wir einsetzen. Das ist der Punkt. Wie gesagt, die AS ist ein Talentclub.

OD: Das heißt, selbst wenn die AS am Sonntag verliert, und auch am Wochenende danach, am Trainerstab wird nicht gerüttelt?

Henkel: So ist es.

OD: Auch nicht nach zehn Niederlagen in Folge?

Henkel: Das ist schon sehr spekulativ. Ich würde mal so sagen: Wenn wir ein Ausbildungsproblem haben, dann müssten wir uns schon Gedanken machen, ob unsere Arbeitsweise hier die richtige ist. Wenn wir aber sehen, dass die Mannschaft sich weiterbildet und Fortschritte macht, dann können wir mit der geleisteten Arbeit sehr zufrieden sein. (cre)

12 Antworten auf “Geschäftsführer Henkel: „Die AS ist ein Talentclub“”

  1. Reip Freddy

    Ich verstehe diese Frage nicht, laufen uns die Fans davon? In der Bundesliga sind die Stadien der Vereine die im Mittelfeld oder gegen den Abstieg spielen auch gut gefüllt, bis ausverkauftes Haus. Wir sehen attraktiven Fussball einer sehr jungen Mannschaft, warum also nicht ins Stadion gehn?

    • Dieter Schulz

      Die Fans werden doch jetzt schon verarscht! Man weiß jetzt schon,daß die „Integration“ der jungen Spieler wichtiger ist als die Ergebnisse…Aufstieg?Leere Ränge? Scheint den Herren ziemlich egal zu sein…letzte Woche wurde noch getönt,man wolle die Fans mit ins Boot holen… Mit solchen Aussagen können sie vielleicht ein paar Leute auf dem Bananendampfer mitnehmen…
      Viele Leute können sich halt nicht mit dem „Projekt“ identifizieren…kaum belgische Spieler,vom Trainerteam bis zum Investor.
      Talent scheinen ja einige Jungs zu haben,aber wenn ich sehe wie man sich beim Tabellenletzten in Brüssel ausspielen lässt,na ja…
      Aber Hauptsache die „Alliance“ ist schuldenfrei,da spielt man gerne als Spielzeug in diesem Zirkus mit…

    • Fussballbegeisterter

      @Gielen Robert: Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht Herr Gielen!!! Es wird überall von der AS gesprochen. Wieviel Eupener (nein besser) Ostbelgische Fussballer spielen dort. Wenn wir auf 20% kommen ist das viel, oder aber beweist mir das Gegenteil. Richtig gute Arbeit (DG Orientiert) wird in anderen Vereinen gemacht!! Ob es in der Eifel oder aber im Norden ist. Kurze Beispiele : FC Web : Es haben sich mehrer Klubs zusammen getan um die Jugend zu fördern, mit grossem Erfolg! KFC Amel : Hat ihre Jugendarbeit wirklich hervorragend verbessert und sind in allen Altersklassen gut besetzt RFC Raeren : Mit vielen Ostbelgischen Spielern und einer jungen Mannschaft mischen sie die P1 auf Fc Eupen : Ein Apparat mit 400!! Jugendspieler aus Eupen und Umgebung Das sind die wahren Talentschuppen, die für unsere Gesellschaft von Bedeutung sind!!! Wenn diese Vereine die gleichen finanziellen Mittel zu Verfügung gestellt bekämen, würde das ganze anders aussehen. Die AS Eupen stand schon 3 Mal vor dem Abgrund und wurde immer wieder von (Geldgierigen) Leuten gerettet. Auch nun geht es doch nur ums Geld. Wenn ein Spieler im Alter von 18 Jahren nicht das Niveau erreicht hat, europäisch zu spielen, wird dieser wieder zurück geschickt wo auch immer und muss sehen das er klar kommt. An den Anderen wird GELD verdient. Abscheuliches Verhalten, was auch noch von einigen Leuten gutgeheissen wird…. Ich betone, ich bin absolut kein AS-Hasser, im Gegenteil ich ging regelmässig Spiele schauen, als es noch Spass machte Spieler zu kennen!!! Einen Frank an der Seitenlinie laufen zu sehen, der sich dann auch gerne in der Woche beim Franz Jupp ein Bierchen und CL anschauen ging. Das waren Symbolfiguren!!! Wo sind diese Jetzt??? Schade ist es… Um aber nochmal zurück zu kommen auf das Thema. Die Arbeit der obengenannten und natürlich auch anderen Vereinen, wird viel zu wenig geschätzt!! Das sind Talentschmieden für unsere Gesellschaft!!!

      • @Fussballbegeisterter: ich stimme Ihrer Aussage zu 100% zu. In den kleineren ostbelgischen Vereinen wird in der Tat eine super Jugendarbeit geleistet. Meine Wunschvorstellung wäre dennoch, dass es in Ostbelgien einen Verein geben würden, bei welchem sehr talentierte, aus der region stammende Spieler die Chance erhalten würden höherklassig ( beispielsweise 3. Division) zu spielen. Vor einigen jahren waren ja einige ostbelgische Talente im A Kader der AS Eupen. Als die ausländischen Geldgeber kamen und die As „sich verkauft“ hat, war deren Zeit schnell gezählt. Er wäre meiner Meinung nach viel besser, wenn die AS in der 3. Division mit 5-6 Ostbelgiern spielen würde. Dann wäre das Stadion auch wieder besser besucht.

        • Werner Pelzer

          @Eifler, Sie meinen „Er wäre meiner Meinung nach viel besser, wenn die AS in der 3. Division mit 5-6 Ostbelgiern spielen würde. Dann wäre das Stadion auch wieder besser besucht.“ Das ist kein Garant, wie das Beispiel Kelmis zeigt. Fast alle Spieler sind aus der Region Kelmis-Verviers-Welkenraedt. Und wieviel Zuchauer kommen die Spiele schauen? Keine 200. Und zum Thema Talent: Zwischen Fussball in den Provinzklassen und 2. Division wie Eupen liegen Welten. Beispiel Michael Lallemand und Sven Biermanns. Beide sind bei Erstdivisonklubs ausgebildet worden, haben ihre gesamte Jugend geopfert und sind jetzt noch immer nirgends. Dennoch Hut ab vor der Arbeit, die all die kleinen Klubs machen.

          • Lustige Klischees

            Sie meinen wohl beide wurden bei kleinen Vereinen wie Kelmis oder AS Eupen ausgebildet? Ein Jahr bei Anderlecht gespielt zu haben, ist noch lange keine 10-jährige Ausbildung die der Jung bei Kelmis oder Eupen gehabt hatte. Ebenso wie Lallemand, so lange hat er auch nicht in Lüttich gespielt. „Eigenprodukte“ wie Christian Brüls waren auch nur für eine kurze Spielzeit bei der AS, vorher haben sie auch lange bei FC Eupen oder GW Amel gespielt. Carlo Evers ebenfalls, der wurde auch in Kelmis ausgebildet. Das hier in der DG eine gewisse Ablehnung gegenüber französischsprachige Spieler, wie diese momentan in Kelmis vorhanden sind, herrscht, war schon immer so. Ostbelgier wollen halt Ostbelgier spielen sehen. Nicht umsonst sind die Derbys in der Eifel oder im Norden „sehr gut“ besucht. Nicht umsonst sind damals eine ganze Horde Eifeler zum Pokalfinale gefahren weil Brüls dort mitspielte statt Kelmis gucken zu gehen. Ich denke schon, dass die Anwesenheit von Symbolfiguren eine Rolle spielt in den Zuschauerschnitten. Ich muss dem Fußballbegeisterten recht geben.

        • Fussballbegeisterter

          @Eifler : Das wäre in der Tat super und wirklich eine gute Idee. Ich denke diese Idee wäre schwer umzusetzen, aber möglich wäre sie. Kelmis ist meiner Meinung nach wieder etwas ganz anderes. Dort spielen 4-5 Spieler der Region Kelmis-Welkenradt als Stammspieler. Ich betone, ich finde die Arbeit von Kelmis lobenswert und natürlich auch den unermüdlichen Einsatz von Präsident und Geldgeben Sebastian. Ich bin aber der Überzeugung, so wie es „Eifler“ ist, dass wenn wir die besten Ostbelgischen Spieler aller Provinzmannschaften zusammen legen würden wir eine sehr gute Truppe zusammen bekämen und diese würde mit Sicherheit verfolgt werden!!! Leider ein Wunschdenke, jedoch ein Verein wie die As Eupen könnte aus dem Wunsch ein Realitätsdenken machen, wenn das so einfach wäre :-)

  2. Alain Klever

    Ich habe einige Vorbereitungsspiele, alle Heimspiele und das Auswärtsspiel in Brüssel gesehen und kann von einer Leistungssteigerung sprechen. Last den Verantwortlichen und den Spielern etwas Zeit. Ein kleines Wunder wie in der vergangenen Saison ist wohl nicht jedes Jahr zu erwarten, schließlich haben wir zum ersten Mal richtige Profis ( nichts gegen die alte Führung)
    an der Vereinsspitze.
    Übrigens, init. Brüssel war Zuschauertechnisch gähnende Leere im Vergleich zu unseren Heimspielen.
    Fazit: Wer technisch guten Fußball sehen will kommt ins Stadion, der Erfolg wird sich einstelle.

    • Fussballbegeisterter

      Ich will aber auch Symbolfiguren sehen!!! Technischen Fussball sehe ich am Fernseher!!! Ich gehe ins Stadion, weil ich ein Fan bin. Weil ich die Jungs (nicht persönlich natürlich :-) ) kenne!! Weil ich einen Trainer habe, der mir als Fan ein gutes Gefühl gibt… Weil der Verein einfach GEIL ist… Und da hat die AS einiges an Schein verloren … LEIDER

  3. Werner Pelzer

    Ganz richtig steht im heutigen GE-Vorbericht, wenn die AS gegen Heist, Visé und Brussels gewonnen hätte, was nach Spiel- und Chancenanteilen verdient gewesen wäre, wäre sie jetzt Spitzenreiter. So nahe liegen Erfolg und Misserfolg zusammen. Mal schauen, wie es morgen gegen den Spitzenreiter läuft.

    • Dieter Schulz

      Hätte,wäre,wenn….Fakt ist: Es ist eine naive Truppe von Kindern die noch oft verlieren wird diese Saison.Apropos Kinder: Talent/Ausbildungsclub? Das ich nicht lache! Unserer eigenen Jugend wird doch doch schon der Weg nach oben versperrt,die eigene Jugend hat doch kaum Chancen…nicht umsonst spielen EUPENER KINDER in anderen Vereinen (zb FC Eupen)…mit EUPEN hat diese AS doch gar nichts mehr zu tun…einfach nur traurig…

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