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Aachener Gebäckhersteller Lambertz machen Gaspreise zu schaffen: Firmeninhaber sieht Arbeitsplätze in Gefahr

Am Produktionsstandort Aachen von Lambertz Printen und Cookies hergestellt. Foto: Shutterstock

Mit Printen, Christstollen, Lebkuchen und Cookies ist die Aachener Firma Lambertz eine große Nummer in der deutschen Süßwaren-Industrie. Das Traditionshaus setzt bei seiner Produktion vor allem auf Gas. Den kommenden Monaten sieht der Firmenchef sorgenvoll entgegen.

Dem Gebäckhersteller Lambertz („Aachener Printen“, „Dresdner Christstollen“…) machen die gestiegenen Gaspreise schwer zu schaffen. „Auch für uns sind die exorbitanten Preiserhöhungen im Sektor Energie von existenzieller Bedeutung“, erklärte Firmeninhaber Hermann Bühlbecker am Dienstag in Aachen.

Mit Blick auf die gesamte deutsche Süßwaren- und Gebäckbranche mit ihren rund 50.000 Beschäftigten sagte Bühlbecker, dass mehr als 60 Prozent der in Deutschland gefertigten Süßwaren in den Export gingen. „Wir laufen Gefahr, diese starke Position und damit viele Arbeitsplätze zu verlieren.“

Hermann Bühlbecker bei einer Pressekonferenz der Lambertz-Gruppe im Steigenberger Parkhotel in Düsseldorf am 11. Oktober 2018. Foto: Lambertz-Gruppe

In den nächsten Monate bestehe „das übergroße Risiko, dass die mittelständische Wirtschaft in Deutschland einen massiven Schaden erleidet“, sagte er. Das Unternehmen mit rund 4.000 Beschäftigten setzt bisher vor allem auf Gas als Energieträger.

Im Gegensatz zu internationalen Großkonzernen könne die heimische Süßwarenbranche ihre Produktion nicht einfach ins Ausland verlagern, sagte Bühlbecker. Lambertz und andere Firmen der Branche „sitzen hier fest und sind den Gegebenheiten komplett ausgeliefert“. Die Grenzen der Belastbarkeit seien „längst erreicht und eigentlich schon überschritten“.

„Viele Unternehmen in Deutschland und auch wir müssen uns fragen, ob sich ein Weiterbetrieb in der derzeitigen Extremlage und auf dem bisherigen Produktionsniveau überhaupt noch rechnet“, sagte der Alleingesellschafter. „Kein Unternehmen überlebt auf Dauer, wenn es nahe am oder im Minus produziert sowie seine Ware mit ganz schmalen Margen oder gar mit Defizit verkaufen muss.“

Sollte Lambertz nicht die benötigten Gasmengen bekommen oder sollte es einen Stromausfall (Blackout) geben, wären die Konsequenzen „katastrophal“. „Angesichts der derzeitigen Entwicklungen kann die Sicherheit und Sicherung dieser vielen Arbeitsplätze […] ins Wanken geraten.“

Dem Handel und dem Konsumenten drohten dann leere Regale. In Richtung Berlin sagte Bühlbecker: „Ich rate dringend, dass die Bundesregierung eine Politik macht, die den Unternehmen hinreichend Gas und Strom zur Verfügung stellt.“

10.10.2018, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Blick in die Produktion von Aachener Printen in der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Lambertz hat seinen Sitz in Aachen, wo Printen und Cookies hergestellt werden. In Werken in Nürnberg und Neu-Ulm werden Lebkuchen gefertigt und in Dresden Stollen. Die Hälfte des Umsatzes macht die Firma mit Herbst- und Weihnachtsgebäck und die andere Hälfte mit Backwaren, für die es ganzjährig eine Nachfrage gibt. Sein Russland-Geschäft stellte Lambertz nach Beginn des Ukraine-Krieges ein. Im Geschäftsjahr 2020-2021 kam das Unternehmen nach eigenen Angaben auf einen Umsatz von 656 Millionen Euro.

Die Perspektiven sind düster, die Gegenwart hat die Firma nach eigenem Bekunden aber noch im Griff. „Trotz der massiven Probleme konnten wir den deutschen und auch internationalen Lebensmitteleinzelhandel bisher noch ausreichend und verlässlich bedienen“, sagte Bühlbecker mit Blick auf die Auslieferungen des Herbst- und Weihnachtsgebäcks. Er fügte hinzu, dass man die „Kostenexplosionen“, die es bei Logistik, Rohstoffen, Personal und eben auch Energie gebe, „bisher nicht oder nur bedingt an den Handel“ habe weitergeben können. (dpa)

12 Antworten auf “Aachener Gebäckhersteller Lambertz machen Gaspreise zu schaffen: Firmeninhaber sieht Arbeitsplätze in Gefahr”

  1. Eifel_er

    Alles wieder ein Vorwand um Personal loszuwerden.
    Dieses Unternehmen ist ein Traditionsunternehmen, die müssen ausreichend Reserven haben.
    Dann soll der Herr Bühlbecker auch nicht so ablichten lassen als sei er ein König.

    • Noch jemand der glaubt Unternehmer sitzen wie Dagobert Duck auf einem Haufen Geld, sprich „Reserven“. Die Vorstellungen vom Geld der anderen sind noch aberwitziger als die „Energiewende“….

      • Walter Keutgen

        Dax, die meisten Leute wissen noch nicht einmal, dass die Reserven auf der rechten Seite der Bilanz stehen und auf der linken Seite ihnen nicht einmal Geldguthaben gegenüberstehen müssen. Die Reserven, auf der rechten Seite, sind nicht verteilte ehemalige Gewinne und das können auf der linken Seite Maschinen oder Gebäude sein.

      • Weihnachtsbäckerei

        Nicht mal der Herr Bühlbecker selbst leugnet das er ein gut situierter Multimillionär ist. Vielleicht waren sie noch nie auf seinen Partys eingeladen, regelmäßig lässt er dort ganz Hollywood einfliegen auf seine Kosten oder besser gesagt mit dem Geld das seine Mitarbeiter erst mit ihm gemeinsam erarbeitet haben.

  2. Peer van Daalen

    @Eifel_er: Da ich es für schlichtweg NICHT für möglich halte, daß Sie über ausreichend Verstand verfügen, um diesen auch mal für zwei Minuten einschalten zu können, werden Sie auch nie begreifen, was für ein wunderbarer Mensch dieser Herr Bühlbecker ist und in welchem hohem Maße er bei seinem gesamten Personal beliebt ist.

    Gehen Sie bitte in Ihre Eifelhöhle zurück und grunzen dort weiter …

  3. Da hat der Bühlbecker, so wie fast alle Unternehmer, sich wohl bei den Falschen eingeschleimt:
    https://www.bild.de/regional/koeln/koeln-aktuell/annalena-baerbock-trifft-hermann-buehlbecker-im-printen-paradies-67408760.bild.html
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    Beim Aachener Traditionsunternehmen (626 Millionen Euro Umsatz 2018/19, größter Bio-Bäcker Deutschlands) gibt sich die Politik-Prominenz die Klinke in die Hand. Nachdem 2019 CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer vorbeischaute, plauderte nun Grünen-Frontfrau Annalena Baerbock mit dem Süßwaren-Spezialisten.

    Über eine Stunde fachsimpelten die beiden über die Themen Umwelt, Nachhaltigkeit, Klima und Verbraucherschutz sowie die allgemeine Situation der deutschen Süßgebäck- und Süßwarenhersteller.
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    Jetzt bekommt der Bühlbecker die Rechnung präsentiert. Jetzt hat er seine „Nachhaltigkeit“… Alle haben bei der „Energiewende“ und der „Klimarettung“ mitgemacht, nachher will, mal wieder, keiner dabei gewesen sein….

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