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WM-Boykott? Ex-Fifa-Boss Blatter an Fans: „Bleibt weg von den USA!“ – Platini enttäuscht von Infantino

25.03.2025, Schweiz, Muttenz: Der ehemalige Fifa-Präsident Joseph (Sepp) Blatter kommt zur Urteilsverkündung vor dem Sonderberufungsgericht in Muttenz. Foto: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

AKTUALISIERT – Die Frage nach einem Boykott der Fußball-WM wird kontrovers diskutiert. Ein Schweizer Experte rät Fans von einer Reise in die USA ab – und bekommt Unterstützung vom früheren Fifa-Boss Sepp Blatter.

Der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter hat sich in die als Reaktion auf den Kurs der US-Regierung entbrannte Debatte um einen Fan-Boykott der Fußball-WM im Sommer eingemischt. Der 89-Jährige verbreitete auf dem Portal X ein Zitat des Strafrechtlers und ehemaligen Fifa-Kommissionspräsidenten Mark Pieth aus einem Interview des Schweizer „Tagesanzeigers“ und schrieb dazu: „Ich denke, Mark Pieth hat Recht damit, diese WM infrage zu stellen.“

25.03.2025, Schweiz, Muttenz: Der frühere Fifa-Präsident Joseph (Sepp) Blatter (M) und sein Anwalt Lorenz Erni (r) bei der Urteilsverkündung vor dem Sonderberufungsgericht. Foto: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

Pieth hatte in dem vor wenigen Tagen erschienenen Interview gesagt: „Wenn wir jetzt alles zusammennehmen, worüber wir geredet haben, gibt es für die Fans nur einen Rat: Bleibt weg von den USA! Ihr seht es am Fernseher sowieso besser. Und: Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.“

– Blatter und Pieth zur gleichen Zeit bei der Fifa: Blatter war von 1998 bis 2015 Präsident der Fifa, der amtierende Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ist sein Nachfolger. Blatter war im Zuge von Korruptionsermittlungen zurückgetreten. Pieth war von 2011 bis 2013 Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance bei der Fifa und zuvor von 1989 bis 2013 Vorsitzender der Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Korruption der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In Deutschland gab es zuletzt vereinzelt Forderungen, die WM in den USA, Mexiko und Kanada zu boykottieren. DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich brachte wegen des Kurses von Präsident Donald Trump eine Diskussion darüber ins Spiel. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält nichts von einem Boykott, andere Verantwortliche und auch Spieler aus der Bundesliga äußerten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.

05.12.2025, USA, Washington: Fifa-Präsident Gianni Infantino (l) macht ein Selfie mit US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

– US-Regierung in der Kritik: Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Trumps offensiv vertretenen Forderungen zur Annexion Grönlands durch die USA gab es auch aus der Politik Stimmen, dass man eine WM-Teilnahme überdenken sollte. Trumps radikale Abschiebe-Politik und die tödlichen Schüsse von Bundesbeamten auf protestierende US-Bürger in Minneapolis fachten die Kritik weiter an.

– Anhänger einiger WM-Teilnehmer können nicht einreisen: Fans der WM-Teilnehmer Iran und Haiti können wegen einer Einreisesperre der USA gegen ihre Heimatländer ohnehin nicht zu Spielen in den Vereinigten Staaten reisen. Auch für Anhänger der Elfenbeinküste und des Afrika-Meisters Senegal, die keine zweite Staatsbürgerschaft haben, würde sich eine Reise zur WM sehr schwierig gestalten. US-Präsident Trump hatte das mit „Defiziten bei Checks und Überprüfungen“ begründet.

Platini-Kritik an Infantino: Zu einem Autokraten entwickelt

Der frühere UEFA-Präsident Michel Platini hat seinen ehemaligen Weggefährten Gianni Infantino deutlich kritisiert und hofft auf ein stärkeres Engagement aus Europa gegen den FIFA-Chef.

„Er war eine gute Nummer zwei, aber er ist keine gute Nummer eins. Er hat sehr gut bei der UEFA gearbeitet, aber er hat ein Problem: Er mag reiche und mächtige Menschen, die mit Geld“, sagte der 70 Jahre alte Franzose über den Präsidenten des Fußball-Weltverbands dem „Guardian“. „Das ist sein Charakter. Er war so als Nummer zwei, aber damals war er nicht der Boss.“

25.03.2025, Schweiz, Muttenz: Der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini (M) reagiert nach der Urteilsverkündung vor dem
Sonderberufungsgericht in Muttenz. Foto: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

In der Zeit von Platini als Anführer der Europäischen Fußball-Union war Infantino von 2009 an Generalsekretär. Als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter und Platini während der Skandaljahre im Weltfußball gesperrt wurden, stieg Infantino 2016 zum Chef des Weltverbands auf. Im Prozess um eine Millionenzahlung wurden Blatter und Platini in der Schweiz zuletzt rechtskräftig freigesprochen.

– Platinis Hoffnung auf den UEFA-Präsidenten: Infantino steht unter anderem wegen seines Umgangs mit Donald Trump in der Kritik. Dem US-Präsidenten hatte der Weltverband zuletzt den neu eingeführten FIFA-Friedenspreis verliehen. „Leider hat sich Infantino seit der Pandemie immer mehr zu einem Autokraten entwickelt. Er hat das Spiel verloren. Es gibt weniger Demokratie als zu Blatters Zeiten“, sagte Platini.

Der frühere Weltklassefußballer setzt auf die UEFA mit Präsident Aleksander Ceferin, um den Einfluss der FIFA im Weltfußball einzudämmen. „Die UEFA war immer etwas Wichtiges: Es war ein Gegengewicht zu den dummen Sachen, die die FIFA macht. Du musst energischer sein, wenn du die Werte des Fußballs verteidigst“, sagte Platini und meinte mit Blick auf den Slowenen Ceferin: „Ich habe keinen Kontakt zu ihm und will mich nicht einmischen, aber ich denke, das ist der einzige Weg, Infantino zu stoppen, etwas Dummes zu tun.“ (dpa)

31 Antworten auf “WM-Boykott? Ex-Fifa-Boss Blatter an Fans: „Bleibt weg von den USA!“ – Platini enttäuscht von Infantino”

  1. Gute Frage, ich habe die schnelle und zutreffende Antwort dazu. Nein! Denn dieses Rückgrat hat der „Wertewesten“ nur, wenn es um Russland geht, aber sicher wird die USA nie wirklich ähnlich sanktioniert werden. Der Schwanz wackelt nicht mit dem Hund!

  2. ….
    Damit steht weniger der Fußball selbst auf dem Spiel als die Frage, ob die WM ihrem Anspruch als globales, offenes Ereignis noch gerecht werden kann.
    ….
    ////
    Habe gelacht… Geben Sie einmal bei Google den Suchbegriff „Fussball WM Katar skandale“ ein, dann haben Sie Lektüre für ein ganzes Wochenende, mindestens. Sportliche Grossereignisse sind „Pourri jusqu’à l’os“, auch ganz ohne den bösen Trump….

  3. BÄRENHUNGER

    Letzte fakenews:
    Trump verlegt die Fussball-WM nach Grönland. Das Finale wird als Eishokey gespielt. Infantino fÜttert die Eisbären und findet für Schmiergeld keine Bank. Putin rutscht als Ehrengast auf die Insel und bestätigt Trump ebenfalls Bärenhunger zu haben. Die Eskimos schauffeln den beiden ein Despotengrab, garantiert hitzefrei, Die Verleihung des Nobelpreises wird von Oslo nach Grönland verschoben. Der EU-Chor probt „Schlittenfart im Schnee“. Merz und Macron machen zur Abschreckung gemeinsam Winterurlaub in Davos . Frau von der Leyen verstaut sich beim Schlittschulaufen. Wieder im Tresorkeller der FIFA verkündet Infantino: „Die nächste WM in San Marino“:

  4. Gerad van Oche

    Wenn so weiter macht, wird es gar keine Visa für Ausländer geben, weil diese alle potentiell Terroristen für Trump sind.
    So wie ohne Nobelpreis eben ein Kriegspräsident werden muss, weil niemand Lust auf Frieden hat. Wird Zeit das die Repa mal was dazu sagen und beitragen..

    • Der Alte

      Sie wissen aber schon, dass Soccer in den USA und in Kanada nicht den Stellenwert hat, den Fußball in Mexiko (und in Europa) genießt ? Damit wären vor allem die Mexikanischen Fans gestraft (ohne von den Fußballfans aus Europa und Südamerika zu reden, die teuer Geld für Karten ausgegeben haben).

        • Vielleicht läuft die deutsche Mannschaft ja mit Regenbogenbinde auf und machen noch eine Aktion.

          Ich dachte man wäre sich nach Katar einig, dass Pokitik nichts mehr im Fussball zu suchen hat.
          Es gibt andere Formen des Boykott.
          Kaufe nur noch europäisch und melde dich bei Facebook, Istagramm,X,…ab. zuWhatsapp gibtes Alternativen

  5. Realpolitik

    Wer glaubt das es in internationalen Sportverbänden nur nach Recht und Gesetz zugeht, der glaubt auch das die Cosa Nostra ein rühriger Verband zur Förderung der italienischen Oper ist.

  6. Fabienne

    Ich denke, das es Trump wenig jucken würde, ob die WM da in den Staaten stattfindet oder nicht!
    Erstens spielt er dabei nicht mehr den Mittelpunkt, zweitens hat er da nix von, drittens interessiert ihn Fußball kaum. Ich glaube, er denkt darüber nach, wie er die WM für sich instrumentalisieren könnte, um eine seiner verrückten Forderungen durch zu bringen

    • @Fabienne: Da haben Sie aber nicht Trump bei der letzten Club-WM.in den USA gesehen. Wie der sich da zusammen mit Fifa-Chef Infantino. ins Rampenlicht buhlte, war schon peinlich. Ganz zu schweigen von seinem Auftritt mit Infantino bei der Gruppenauslosung für die WM 2026 im Dezember.

  7. Fabienne

    @ Diabolo
    Na der Trump hatte ja auch so einiges von Infantino zu erwarten, oder?
    Zuerstmal konnte er sich gewiss sein, dass ihm wieder mal mit Anlauf in den Hintern gekrochen wird, und das TV trächtig, vor seinen Landsleuten, zum zweiten diese dümmliche Friedensmedaille, alles sehr medienwirksam für Trump!
    Das war es, was ihn interessierte, nicht der Fußball an sich! Der war doch nebensächlich! Trump war die Hauptperson! So wie er es mag!

  8. Pieth: „Bleibt weg von den USA! … Und: Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.“ Ich rechne die USA wie die UdSSR und jetzt Russland schon Jahrzehnte als Land, wo man nicht weiß, ob man von einer Reise dahin zurückkommt. Aber die WM findet ja auch noch in Kanada und Mexiko statt.

  9. Werner Radermacher

    Warum geht es Herrn Blatter? Ich bin überzeugt, der möchte nur sein Image aufpolieren und seinem ungeliebten Nachfolger Infantino eins auswischen. Nein, die Politik von Hernn Trump ist nicht gut – im Gegenteil. Aber auch kein Grund die WM zu boykotieren, denn die USA sind immer noch eine Demokratie. Ausserdem würden dann Mexiko und Kanada auch bestraft.

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