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Bringen Donald Trumps Drohungen und Eskapaden Fußball-WM in USA, Mexiko und Kanada in Gefahr?

05.12.2025, USA, Washington: Fifa-Präsident Gianni Infantino (l) macht ein Selfie mit US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli gemeinsam von den USA, Mexiko und Kanada ausgerichtet werden soll, steht schon lange vor ihrem Anpfiff unter besonderer Beobachtung. Spätestens mit der erneuten Präsidentschaft von Donald Trump stellt sich die Frage, inwieweit seine Politik das Turnier gefährden könnte – politisch, organisatorisch und sportlich.

Bis zum Eröffnungsspiel am 11. Juni im Aztekenstation von Mexiko City sind es zwar noch knapp fünf Monate, doch hat man in den letzten Wochen sehen können, wie schnell sich die Ereignisse in der Weltpolitik überstürzen können. Vor allem hat Trumps Forderung nach einer Einverleibung Grönlands in die USA Europa auf den Plan gerufen. Und wenn Europa noch auf einem Feld eine führende Rolle spielt, dann im Fußball.

Hinzu kommt, dass die USA mit Mexiko und Kanada zwei Co-Gastgeber haben, mit denen sich ihr eigenwilliger Präsident schon mehrfach angelegt hat. Wenn es nach Trump ginge, wäre Kanada heute der 51. Bundesstaat der USA.

05.12.2025, USA, Washington: FIFA-Präsident Gianni Infantino (l-r) steht mit US-Präsident Donald Trump, der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum und dem kanadischen Premierminister Mark Carney auf der Bühne. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Im Zentrum der Sorgen steht weniger der sportliche Ablauf als vielmehr die Einreise- und Visapolitik der Vereinigten Staaten. Trumps restriktiver Kurs gegenüber bestimmten Herkunftsländern kann dazu führen, dass Fans, Journalisten und Teile des Begleitpersonals nicht oder nur unter großen Hürden in die USA einreisen können.

Zwar ist davon auszugehen, dass Spieler, Trainer und offizielle Delegationen durch Sonderregelungen geschützt werden, doch die Fußball-WM lebt nicht nur vom Spielbetrieb, sondern von ihrer globalen Öffentlichkeit. Wenn große Fangruppen faktisch ausgeschlossen werden, leidet die Atmosphäre in den Stadien ebenso wie die internationale Wahrnehmung des Turniers. Die WM droht in diesem Fall als selektives, nicht wirklich offenes Großereignis wahrgenommen zu werden – ein Imageproblem, das die FIFA nur begrenzt kontrollieren kann.

Politisch wächst damit auch der Druck auf europäische Verbände und Regierungen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Rolle der UEFA diskutiert. Zwar gibt es vereinzelt Forderungen nach klaren Konsequenzen gegenüber den USA, doch ein tatsächlicher Boykott durch europäische Nationalmannschaften gilt als äußerst unwahrscheinlich.

05.12.2025, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump (l) erhält den Fifa-Friedenspreis von Fifa-Präsident Gianni Infantino. Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Die Kosten eines solchen Schrittes wären enorm: Vertragsstrafen, sportliche Nachteile, eine Verzerrung des Wettbewerbs und innenpolitische Konflikte innerhalb der Verbände.

Realistischer sind symbolische Formen des Protests, etwa politische Distanzierungen, reduzierte Fanpräsenz oder eine stark kritische mediale Begleitung des Turniers.

Immer wieder wird auch spekuliert, ob die FIFA den USA im Extremfall sogar die Ausrichtung entziehen könnte – möglicherweise auf Druck europäischer Verbände. Dieses Szenario gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich.

Die WM 2026 ist ein Drei-Länder-Projekt mit langfristigen Verträgen, milliardenschweren Investitionen und komplexer Infrastrukturplanung. Ein Entzug der Gastgeberrechte wäre juristisch riskant, finanziell extrem teuer und organisatorisch kaum zu bewältigen. Zudem würde die FIFA damit einen Präzedenzfall schaffen, der sie künftig bei jeder politischen Krise angreifbar machen könnte. Historisch zeigt sich, dass der Weltverband eher versucht, politische Konflikte administrativ zu umschiffen, als Turniere neu zu vergeben.

05.07.2025, USA, East Rutherford: Das MetLife Stadium, in dem am 19. Juli 2026 das Finale der WM stattfindet. Foto: Pamela Smith/FR172156 AP/dpa

Außerdem hat Trump in der Person von FIFA-Präsident Gianni Infantino einen hochrangigen Fürsprecher. Erinnert sei nur an die Abgehobenheit und Unverfrorenheit, mit der Infantino am 5. Dezember 2025 bei der Auslosung Trump umschmeichelte und dem US-Präsidenten sogar einen FIFA-Friedenspreis überreichte.

Als mögliches, wenn auch schwieriges Zwischen­szenario gilt die Verlagerung einzelner Spiele aus den USA nach Kanada oder Mexiko, falls sich Einreiseprobleme massiv zuspitzen sollten. Auch das wäre jedoch nur mit großem organisatorischem und vertraglichem Aufwand umzusetzen und käme eher einer Notlösung gleich als einer strategischen Alternative.

In der Gesamtbetrachtung lässt sich festhalten, dass Donald Trump die WM 2026 nicht in ihrer Existenz bedroht, wohl aber in ihrem Selbstverständnis. Die Durchführung des Turniers als solches gilt weiterhin als sehr wahrscheinlich, ein massenhafter Boykott von Nationalmannschaften oder ein Entzug der Ausrichtung als extrem unwahrscheinlich.

Die eigentliche Gefahr liegt in der politischen und moralischen Dimension: in einer Weltmeisterschaft, die zwar stattfindet, aber von Debatten über Abschottung, Ungleichbehandlung und politische Spannungen begleitet wird. Damit steht weniger der Fußball selbst auf dem Spiel als die Frage, ob die WM ihrem Anspruch als globales, offenes Ereignis noch gerecht werden kann. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

4 Antworten auf “Bringen Donald Trumps Drohungen und Eskapaden Fußball-WM in USA, Mexiko und Kanada in Gefahr?”

  1. Gute Frage, ich habe die schnelle und zutreffende Antwort dazu. Nein! Denn dieses Rückgrat hat der „Wertewesten“ nur, wenn es um Russland geht, aber sicher wird die USA nie wirklich ähnlich sanktioniert werden. Der Schwanz wackelt nicht mit dem Hund!

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