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Fußball-EM in 12 Städten: Kritik wird lauter – UEFA arbeitet an Ersatz-Szenarien

2021 soll im Londoner Wembley-Stadion das EM-Finale stattfinden. Foto: Catherine Ivill/Pool Getty/AP/dpa

AKTUALISIERT – Darf man im nächsten Pandemie-Sommer ein Fußball-Turnier in 12 Ländern ausrichten? Womöglich sogar mit Zuschauern? Gut vier Monate vor dem geplanten EM-Anpfiff mehren sich die kritischen Stimmen. Die UEFA hält sich bedeckt, arbeitet aber intensiv an Ersatz-Szenarien.

Hinter Europas großem Fußball-Sommer steht ein dickes Fragezeichen. Corona droht die historische EM in 12 Ländern ein zweites Mal unmöglich zu machen.

Es wären sogar 13 Länder, wenn Belgien nicht außerstande gewesen wäre, in Brüssel das neue Eurostadium zu bauen.

30.11.2019, Rumänien, Bukarest: Die Trainer der Mannschaften der Gruppe F (Group F) mit dem EM-Pokal: Fernando Santos (l), Nationaltrainer von Portugal, Didier Deschamps (r), Nationaltrainer von Frankreich, und Joachim Löw, Nationaltrainer von Deutschland. Foto: Christian Charisius/dpa

Allen kritischen Expertenaussagen zum Trotz ist eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Die Entscheidungsträger der UEFA brüten in Hinterzimmern der Sportpolitik über Ersatzpläne und Notvarianten. Zumal keine der zwölf Ausrichterstädte unabhängig von teilweise gravierenden Pandemie-Beschränkungen freiwillig verzichten will. Das macht es für die UEFA komplizierter.

Von Rom bis Kopenhagen und Dublin bis Baku, niemand will sich jetzt die Blöße geben. Auch München rechnet weiter mit seinen vier Spielen, inklusive der Kracher von Deutschland gegen Frankreich (15. Juni) und Portugal (19. Juni). Aus mehreren Ländern ist zu hören, man stünde für mehr als die bislang geplanten Partien bereit. Russland drängte sich schon zum Jahresende als alleiniger Gastgeber auf.

Auch in England, wo im Londoner Wembleystadion sieben Partien inklusive beider Halbfinals und des Endspiels am 11. Juli geplant sind, fühlt man sich bereit für eine größere Turnierverantwortung, berichtete zuletzt die Zeitung „The Telegraph“. Dabei macht gerade die Corona-Mutation aus Großbritannien die Planungslage schwieriger.

Wie in England kommen die Turnier-Kritiker noch eher aus der zweiten Reihe des Fußballgeschäfts ohne Entscheidungsrelevanz. „Eine EM in 12 Ländern ist in diesem Jahr vollkommen unverantwortlich. Die UEFA sollte sie stattdessen in nur einem Land austragen und darüber nachdenken, ob dieses Land nicht Deutschland sein muss“, schrieb Effenberg in seiner Kolumne bei „t-online“.

Der EM-Pokal neben dem Logo für die UEFA EURO 2020. Die EM 2020 wurde wegen des Coronavirus in den Sommer 2021 verschoben. Foto: Facundo Arrizabalaga/EPA/dpa

Ebenfalls bei dem Internetportal äußerte sich Vogts: „Es macht mich fassungslos, dass man von der UEFA, die das Turnier ausrichtet, aktuell nichts hört. Deshalb appelliere ich als ehemaliger Bundestrainer nun selbst an den Verband: Verschiebt die EM. Reagiert jetzt. Sonst ist es zu spät“, forderte der 74-Jährige, der 1972 als Spieler und 1996 als Trainer die EM gewann.

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach rechnet mit einem generellen Ausfall. „Ich glaube, dass die EM komplett abgesagt wird, weil wir im März eine Situation haben werden, die in vielen Ländern Europas schlechter sein wird als heute.“

Von diesen Stimmen wird sich UEFA-Chef Aleksander Ceferin kaum leiten lassen. Für den Kontinentalverband steht sehr viel auf dem Spiel. Sportpolitisch darf keiner brüskiert werden, gerade für kleinere Gastgeberverbände wie Aserbaidschan, Rumänien oder Ungarn ist das Projekt von elementarer Bedeutung.

Paradoxerweise mochte man das von Ex-Präsident Michel Platini erdachte Konzept mit einem Dutzend Gastgebern in der aktuellen UEFA-Verwaltung aber noch nie. Und nun wird die extrem teure Ausrichtung des paneuropäischen Großevents von Corona zusätzlich massiv erschwert.

Mehr Spiele in weniger Spielorten eine gute Alternative

Cluster-Alternativen mit mehr Spielen in weniger Spielorten könnten also eine realistische Lösung sein. Die neuralgischen Reiseaktivitäten quer durch den Kontinent fielen weg.

Die Idee von Effenberg, Nordrhein-Westfalen wie bei der Europa League im August 2020 zur Ausrichterregion zu machen, ist aber unwahrscheinlich. In drei Jahren findet die komplette EM schon in Deutschland statt, und München will als aktueller Gastgeber auch nicht zurücktreten. Man gehe „unverändert davon aus“, dass vier Spiele in der Allianz Arena stattfinden werden, teilte das Referat für Bildung und Sport der bayerischen Landeshauptstadt auf Anfrage mit.

20.09.2017, Schweiz, Nyon: Aleksander Ceferin, Präsident der UEFA, spricht bei der Pressekonferenz nach einem UEFA Exekutivkomitee-Treffen. Foto: Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Das ganze Dilemma beschrieb RB Leipzigs ungarischer Torwart Peter Gulacsi im ZDF-„Sportstudio“ ziemlich gut. „Natürlich hoffe ich sehr, dass wir die zwei Heimspiele, die wir in Budapest haben, zu Hause spielen dürfen“, sagte der 30-Jährige. Das Champions-League-Turnier in der Königsklassen-Blase Lissabon hat Gulacsi aber auch noch in guter Erinnerung. „Wir sind alle gesund geblieben, das hat funktioniert. Es funktioniert jetzt auch in der Bundesliga.“

Erste Antworten wird die UEFA am 5. März in der Fan-Frage geben. Dann will der Dachverband zumindest schon verkünden, ob und in welchem Ausmaß in jedem der Spielorte mit Zuschauern geplant werden kann.

Zur Debatte stehen dabei vier Szenarien: von Vollauslastung bis kompletter Geisterkulisse. Viel mehr Zeit für die generelle EM-Entscheidung haben Ceferin und seine Turnierplaner nicht. 2020 wurde das Turnier am 17. März abgesagt. „Die UEFA wird und muss in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällen, wie und wo das Turnier stattfinden soll“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem „Münchner Merkur“.

Belgien bekommt es in der Gruppenphase mit Russland und Finnland (beide Spiele in St. Petersburg sowie mit Finnland (in Kopenhagen) zuntun. (dpa/cre).

18 Antworten auf “Fußball-EM in 12 Städten: Kritik wird lauter – UEFA arbeitet an Ersatz-Szenarien”

  1. Guido Scholzen

    Wenn schon Fußball-EM, dann im Sommer von Juni bis August, denn dann gibt es in Europa fast keine Atemwegserkrankungen im Vergleich zur kalten Jahreszeit.
    Die Corona-Todesstatistik 2020 zeigt dies deutlich:
    hier einige europäische Staaten: Belgien, Deutschland, Frankreich. Man kann auch 20 andere europäiche Länder nehmen.

    https://i.ibb.co/prrxydZ/corona-belgien.png
    https://i.ibb.co/K0njZ59/Corona-Deutschland.png
    https://i.ibb.co/ydvD03q/Corona-Frankreich.png
    (warum ist ein solches Diagramm für die EU nicht verfügbar?)

    Man erinnere sich, dass in Belgien die Maskenpflicht erst am 12.Juli eingeführt wurde, und die Fallzahlen in Sachen Erkrankte und Tote gingen seit Beginn Mai trotzdem schlagartig zurück. Ergo: In Sommer gibt es (fast) kein Corona, und dies galt schon immer für die Grippe.

    „Die ursprünglich für 2020 angesetzte EM soll vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 in 12 Ländern ausgetragen werden“ steht im Text, und diese sommerliche Zeitspanne sollte beibehalten werden. Es bereits im März zu starten wäre fatal, wie Lauterbach korrekt aussagt.
    Warum diese Atemwegserkrankungs-Statistik nur in Europa in der Nordhalbkugel einen solchen jahreszeitlichen Verlauf hat (mit Grippe ist es genaus so), kann ich leider nicht ausfindig machen.
    Vergleiche:
    In Nordamerika ist dies nicht so, denn dort gab es auch im Sommer genügend Tote, die zu Sommerbeginn nur geringfügig zurückging.
    https://i.ibb.co/TWXfFRV/Corona-USA.png
    Sogar in den nördlichen Bundesstaaten gab es keine deutlichen Rückgang der Fallzahlen wie es in Europa überall zu beobachten war.
    Ähnlich für Russland, keine grosse Entspannung im Sommer
    https://i.ibb.co/r4WTW9L/Corona-Russland.png
    NUR EUROPA (ohne Russland) HAT EINE SOLCHE SITUATION.

    Wenn am Ende des Winters Gesamt-Europa hoffentlich gut durchgeimpft ist, wäre eine EM ein ideales Zeichen für den Start in eine Normalität.

    • Mit Sicherheit ist die Austragung der Fußball-EM (oder nicht) das wichtigste Thema zur „Verarbeitung“ der (ist ja noch nicht vorbei) Corona-Krise. Mir fielen da als Themen ein:
      – Familien- und Freundesbesuche
      – Restaurants- und Kneipen
      – Ausflugstourismus
      – Urlaube
      – Firmen- und Arbeitsplatzerhalt
      – Erholung der öffentlichen Finanzen
      – Konzepte gegen weitere Infektionswellen.

      Zu Ihrer tiefschürfenden Analyse der mangelnden Saisonalität in Nordamerika; was hat man denn dort unternommen, um positive Effekte mitzunehmen?

      • Guido Scholzen

        Sie können soviel Lockdown machen, wie Sie wollen. Wenn es in den USA keinen natürlichen Effekt gegen Grippe+Corona-Verbreitung im Sommer gibt wie in Europa, dann nützt AHA-Regelung oder der beste Lockdown eben weniger.

  2. Rundes Leder

    Es wird höchste Zeit das sich der Fussballsport neu orientiert! Viel zu viele Absahnerei ist da unterwegs! Es fängt bei den Infantinos und Cerferins der FIFA und UEFA an! Die erfinden immer mehr an Turniere, Wettbewerbe usw um sogar eines Tages die Spiele am Frühstückstisch zu übertragen! Damit Fussball übersatt!
    Selbst der DFB kam auf krumme Tour! Nicht verzollte Uhren sind da nur das kleinere Übel! Selbst der Kaiser hat ein Fleckenvolles Hemd an!?
    Nicht zu vergessen die Zahlreichen Agenten, welche Räuberhaft sich der Branche annahmen, um ihre dunklen Geschäfte auszuüben. Was da wohl noch alles im verborgenen liegen mag ist sehr schwer abzuschätzen??
    Dann die Spieler selbst. Man mag darüber streiten, aber da ist einiges total aus geufert und massig übertrieben. Da sollten schnellstens neue Baremas erfunden werden um die Normalität wieder zu finden.
    Der ganze Fussballsport reizt die Massen. Ob es aber so weitergeht wie zur Zeit!? Schwer zu sagen! Hat man nicht auch im Motorsport, die Formel 1 so ausgemolken das u a RTL nicht mehr überträgt!?
    Wenn die Fans nicht mehr in die Stadien gehen, dabei dann das „Herzblut versiegt“, dann kann dies dem Fussball genau so gehen!?…..Wenn nicht bald da sich neu erfunden, und ausgesiebt wird!?

    Im Regionalfussball, den untersten Ligen, ist bereits eine gravierende Minderung fest zu stellen. Spiele und Derbys die vor Jahren vor 1.000 und mehr Zuschauern statt fanden, davon kann man heute nur mehr träumen und nach trauern. Auch hier ist das liebe Geld eine Grosse Ursache und Fehlerquelle, sowie der Grund der Misere.

  3. Boah nee...

    @Rundes Leder:
    Es geht um Folgendes: „Fußball-EM in 12 Städten, in nur einem Land oder überhaupt nicht – mit Fans oder vor leeren Rängen?“
    Was genau hat Ihr Kommentar damit zu tun? Gar nix! Sie scheinen mir eher ein eckiges Leder zu sein!

      • Hausmeister

        „…. zeugt von kotzenswürdiger Arroganz.“
        Erstens haben die Kataren mit Fußball, einem Sport der Ungläubigen nichts am Hut; somit ist es normal, dass die Veranstaltung bei uns stattfindet.
        Zweitens haben Sie sich schon eines auserleseneren Vokabulars bedient, Der-.

  4. Rundes Leder

    @ Boah nee……….., es war meine Idee und Gedanken zum derzeitigen Zustand des Fussballs! Ihr eckiges Gehirn scheckte das nicht!? Schon eine solche Idee war absurd!? Es wäre fast dasselbe wenn die nächste Tour de France in X Ländern und Etappen gefahren würde!? Die Erfinder solcher Art Wettbewerbe denken nur an die Knete, und in keinstem Falle an die Zuschauer und Besucher.

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