Gesellschaft

Entsetzen in Frankreich: Lehrer bei Paris enthauptet – Wieder waren Mohammed-Karikaturen das Motiv

17.10.2020, Frankreich, Conflans-Sainte-Honorine: Schüler gedenken vor einer Schule, auf der der Schriftzug „Liberté - Egalité - Fraternité“ (Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit) zu lesen ist, einem Lehrer, der bei einer mutmaßlich terroristisch motivierten Tat ermordet wurde. Foto: Michel Euler/AP/dpa

AKTUALISIERT – Schock und tiefes Entsetzen in Frankreich: Wieder hat ein Angreifer wegen Mohammed-Karikaturen auf brutalste Weise zugeschlagen. Der Täter hat in einem Pariser Vorort einem Lehrer aufgelauert und ihn anschließend enthauptet.

Die Republik sei vom islamistischen Terrorismus in ihrem Herzen getroffen worden, erklärte Premierminister Jean Castex. Mehrere Menschen, unter anderem aus dem Umfeld des mutmaßlichen Angreifers, sind festgenommen worden. Zahlreiche Menschen gingen am Samstag im ganzen Land aus Solidarität mit dem Getöteten auf die Straße.

Bei dem mutmaßlichen Angreifer handelt es sich laut Staatsanwalt Jean-François Ricard um einen 2002 geborenen Mann russischer und tschetschenischer Herkunft. Er sei als Flüchtling nach Frankreich gekommen und habe seit diesem Frühjahr eine Aufenthaltsgenehmigung. Die Polizei erschoss den Mann kurz nach der Tat.

17.10.2020, Frankreich, Conflans-Sainte-Honorine: Die Teilnehmer einer Kundgebung vor einer Mittelschule halten nach einer brutalen Messerattacke Rosen und Schilder mit der Aufschrift „Ich bin Lehrer – Ich verteidige die Meinungsfreiheit“. Foto: Bertrand Guay/AFP/dpa

Nach der Ermordung des Lehrers hatte der Angreifer noch ein Foto des Opfers im Netz veröffentlicht und richtete eine Nachricht an Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, den er als „Anführer der Ungläubigen“ bezeichnete. „Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es wagte, Mohammed herabzusetzen.“

Der Vorfall hatte sich am späten Freitagnachmittag im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ereignet. Dort tötete der Angreifer den 47 Jahre alten Lehrer – seine Leiche wurde enthauptet mit zahlreichen Wunden an Oberkörper und Kopf aufgefunden. In der Nähe des Tatorts fanden die Ermittler zudem ein rund 30 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer.

Staatsanwalt Ricard äußerte sich ausführlich zum mutmaßlichen Hintergrund der Tat. Dem Angriff seien bereits Drohungen gegen den Lehrer und die Schule vorausgegangen.

Thema Meinungsfreiheit im Unterricht aufgegriffen

Der Lehrer hatte Anfang Oktober im Rahmen des Unterrichts das Thema Meinungsfreiheit aufgegriffen. Anlass war die erneute Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen seitens des Satiremagazins „Charlie Hebdo“. Der Lehrer zeigte im Unterricht entsprechende Karikaturen.

Daraufhin veröffentlichte ein Vater Posts in sozialen Netzwerken, beschwerte sich bei der Schulleitung und machte gegen den Lehrer mobil. Der Vater wurde Medien zufolge von einem bekannten Islamisten in die Schule begleitet, der nun wie der Vater ebenfalls in Polizeigewahrsam ist.

16.10.2020, Frankreich, Conflans Sainte-Honorine: Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, spricht in der Nähe des Tatorts nach einer brutalen Messerattacke. Foto: Abdulmonam Eassa/POOL AFP/AP/dpa

Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude von „Charlie Hebdo“ in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt – auch hier hatte der Täter Mohammed-Karikaturen als Motiv angegeben.

Auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hatte es im Januar 2015 einen verheerenden Mordanschlag gegeben, bei dem die wichtigsten Zeichner des Blattes getötet wurden. Aktuell läuft in Paris der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der islamistischen Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Die Redaktion befindet sich heute aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort.

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer bezeichnete die Tat als Angriff auf die Trennung zwischen Religion und Kirche. „Es gibt eindeutig Feinde der Republik, sie sind gegen die Republik und damit gegen die Schule, denn die Schule ist das Rückgrat der Republik“, sagte er.

Frankreich hat eine lange laizistische Tradition, Kirche und Staat sind seit mehr als 100 Jahren getrennt. In der Verfassung für die fünfte Republik von 1958 ist zudem die Religionsfreiheit festgeschrieben.

Bildung zentrales Element im Kampf gegen Islamismus

Frankreichs Präsident Macron hatte bereits kurz nach der Tat von einem islamistischen Terrorakt gesprochen. Es sei kein Zufall, dass ein Terrorist ausgerechnet einen Lehrer ermordet habe, weil er das Land in seinen Werten habe angreifen wollen, sagte der sichtlich getroffene Staatschef in der Nähe des Tatorts. Eine nationale Gedenkveranstaltung sei geplant, hieß es aus dem Präsidialamt.

16.10.2020, Frankreich, Conflans-Sainte-Honorine: Emmanuel Macron (M), Präsident von Frankreich, besucht den Tatort nach einer brutalen Messerattacke. Ein Geschichtslehrer ist ersten Erkenntnissen zufolge in der Nähe von Paris von einem Angreifer enthauptet worden. Foto: Michel Euler/AP/dpa

Im Kampf gegen radikalen Islamismus hatte Macron zuletzt vor allem auf die Bildung als zentrales Element gesetzt. Der Fernunterricht von Kindern, die zu Hause bleiben, soll etwa vom kommenden Sommer an strikt eingegrenzt werden. Unterricht sei vom Alter von drei Jahren an verpflichtend. „Die Schule bildet den freien Geist, aufgeklärte Bürger – und genau das ist es, was die Islamisten, die von Dummheit, Unwissenheit, Indoktrination und Hass leben, nicht tolerieren können“, sagte die Beigeordnete Ministerin im Innenministerium, Marlène Schiappa dem Sender Franceinfo.

Auch international gab es nach dem brutalen Angriff große Anteilnahme. „Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen“, schrieb der deutsche Außenminister Heiko Maas auf Twitter. „Meine Gedanken sind auch bei den Lehrern, in Frankreich und in ganz Europa. Ohne sie gibt es keine Bürger. Ohne sie gibt es keine Demokratie“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Der tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow verurteilte die Tat und schrieb im Nachrichtenkanal Telegram an Frankreich gerichtet: „Ich kann Ihnen versichern, dass die Tschetschenen damit nichts zu tun haben.“ Der 18-Jährige habe fast sein ganzes Leben in Frankreich verbracht. „Es ist nicht das erste Mal, dass Frankreich versucht, alle seine Probleme auf die Tschetschenen abzuwälzen“, meinte er.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei. (dpa)

48 Antworten auf “Entsetzen in Frankreich: Lehrer bei Paris enthauptet – Wieder waren Mohammed-Karikaturen das Motiv”

  1. Schulschließungen wegen Corona begünstigen weiter die Bildung radikaler Parallelgesellschaften. Die islamische Jugend war bisher nur schwer für unser Bildungssystem erreichbar, jetzt wird sie noch mehr sich selbst, oder besser gesagt ihren Imamen, überlassen. Noch so ein Kollateralschaden einer Corona-Politik die wie das Kanninchen auf die Schlange auf die PCR Testresultate („Infizierte“) starrt – und im Maske tragen in der Einkaufsstraße das wichtigste Problem unserer Gesellschaft sieht….

  2. Manz Hannelore

    Das ist das Resultat davon,wir verlangen von anderen respektiert zu werden, selbst aber nicht mal imstande die Religion der anderen zu respektieren. Ich bin absolut kein Anhänger der Moslems, da ist so manches was ans Mittelalter erinnert. Aber wir sollten das auch nicht provozieren, erinnere mich gerne meiner Oma, zu der Zeit waren die Katholiken noch sehr gläubig, wenn ich ihr eine solche Karikatur von Jesus gezeigt hätte, das wäre mir nicht gut bekommen, dann hätte es „geknallt“.

    • Belgofritz

      Fr. Mainz, das sind Geschichten von der Oma, welche nur Ihnen eine geknallt hat und nicht anderen, geschweige denn Sie oder andere enthauptet hat!
      Die Provokation des Lehrers bestand übrigens nur darin, anhand der Karikaturen eine Diskussion über Meinungsfreiheit mit Jugendlichen führen zu wollen. Beschwichtigungen und Appelle, bloß doch bitte nicht zu provozieren, machen alles nur noch schlimmer.

    • Büllinger Strasse

      Manz Hannelore :
      Der wohl grösste Mist, den je jemand hier geschrieben hat. Gratulation, auch eine Leistung.
      Wenn Sie diesen Mord rechtfertigen, nur weil jemand sich mit Religion auseinandersetzt, gehören Sie für mich in eine Anstalt.

    • @Frau Manz: Das Oma-Verhalten steht (in sehr abgeschwächter Form) in der früheren christlichen Tradition, Anders- und Nichtgläubigen die Köpfe abzuschlagen, sie zu verbrennen oder sonstwie umzubringen, was auch andere Religionen gekennzeichnet hat und von manchen Muslimen offenbar auch heute noch für richtig gehalten wird. Man sollte dennoch jede Religion achten und ausüben dürfen, aber das heißt nicht, dass die Nicht- oder Andersgläubigen in irgendeiner Weise oder irgendeinem Umfang gehalten sind, die Anweisungen oder Vorstellungen der verschiedenen Weltreligionen zu befolgen. Man darf kraft Meinungsfreiheit Witze über Religionen machen, sie karikieren, belächelt oder für eine Art allgemein anerkannter Massenneurose halten, und zwar alle Religionen. Die Zeit der Allgegenwart und freiheitsbeschränkenden Dominanz von Religion bis in jede Lebensregung der Menschen, selbst bis in die Schlafzimmer, ist vorbei. Frankreich ist zu Recht stolz auf die Errungenschaften seiner Revolution.

  3. Hans Eichelberg

    „Im Kampf gegen radikalen Islamismus hatte der Staatschef zuletzt vor allem auf die Bildung als zentrales Element gesetzt.“
    Bis Bildung gegen radikalen Islamismus hilft, wird es im Gutfall sehr lange dauern, im Schlechtfall handelt es sich um „in die eigene Tasche lügen“.
    Wie viel Zeit Macron hat, muss er selbst wissen.

  4. Hans Eichelberg

    Aus dem Handelsblatt:

    „Eine wichtige Rolle scheint der Vater einer Schülerin von Geschichtslehrer Samuel Paty zu spielen. Der Mann, dessen Halbschwester sich in Syrien dem Islamischen Staat angeschlossen habe, sei aktiv geworden, nachdem Paty die Mohammed-Karikaturen im Unterricht behandelte, so der Staatsanwalt. Sofort danach veröffentlichte er ein Video, in dem er falsche Behauptungen über Paty verbreitete, ihn des Hasses auf Muslime bezichtigte und als „Verbrecher“ beschimpfte, der keine Kinder mehr unterrichten dürfe. Er forderte alle Muslime auf, gegen den Lehrer zu protestieren und dessen Abberufung zu verlangen.

    In den folgenden Tagen suchte er in Begleitung eines anderen Mannes die Schulleiterin auf, die später Drohanrufe erhielt. Gemeinsam mit dem anderen Mann, der den Geheimdiensten bekannt sei, so Ricard, veröffentlichte er weitere Videos gegen den Geschichtslehrer.
    Diese Details sind wichtig, denn sie zeigen: Der Mord war wohl nicht die spontane Tat eines verwirrten Einzelgängers. Zumindest wurden über den Geschichtslehrer mehrere Tage lang Verleumdungen und Beleidigungen verbreitet.
    Im Laufe der Nacht und am Samstag haben die Sicherheitskräfte bereits neun Personen aus dem Umfeld des Russen festgenommen: seine Eltern und Großeltern, seinen jüngeren Bruder, Freunde sowie den Vater der Schülerin und dessen Begleiter.
    Neben den genauen Hintergründen der Tat ist noch offen, an welchem Punkt die Kette der Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen unterbrochen wurde. Der Vorsitzende der Elternpflegschaft hatte exakt den richtigen Reflex und machte die Schulleitung sowie die lokalen Behörden auf das Drohvideo aufmerksam. Doch dann ist, so scheint es jedenfalls bislang, eine weitere Reaktion ausgeblieben. In den französischen Medien wurde am Samstag die Frage aufgeworfen, warum der Verleumdungen verbreitende Vater der Schülerin Patys nicht zur Rede gestellt wurde, zumal Paty Strafanzeige gegen ihn erstattet hatte.“

  5. Hannelore Manz

    Tut mir leid, habe mich falsch ausgedrückt, ich heiße diese Tat absolut nicht gut, ganz im Gegenteil. Was ich sagen wollte ist das wir die Religion anderer respektieren sollten, und diese unsere. Ich bin ganz gewiss kein „Gutmensch“ der Täter hat das bekommen was ihm Zustand. Das ganze Problem in Europa ist das alle diese andersglaubigen vor einigen Jahren in Europa willkommen geheißen sind, aber niemand imstande war diesen Menschen bei zu bringen daß sie sich hier anpassen müssen, und das ist der Fehler unserer Politiker, dieser wir schaffen das, Politik. Kann nicht gut gehen.

  6. Jahn Konopka

    blablablabla bla
    wieder haben nen Haufen leute hier was geschrieben wofür sich 90% der Anwesenden hier nicht interrisiert, das ist Ostbelgien Direkt hier. Nicht das Vlaams Blok Forum oder Stormfront

  7. marcel Scholzen eimerscheid

    Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht und muss verteidigt werden.

    Um die Meinungesfreiheit zu feiern folgender Witz über Greta Thunberg, die ja auch kultisch verehrt wird. :

    Greta Thunberg ist eine weltweit bekannte Persönlichkeit und geht noch zur Schule. Und des öfteren kommen hohe Würdenträger in die Schule, um Greta zu treffen und mit ihr zu sprechen.

    Eines Tages kommt dann auch der schwedische König und trifft Greta. Beide reden miteinander als wären es alte Bekannte. Der Schuldirektor ist erstaunt und denkt: „Greta ist wirklich berühmt. “

    Einige Zeit später kommt der UN- Generalsekretär zu Besuch und spricht auch mit Greta. Es hat den Eindruck als würden beide sich ewig kennen. Der Schuldirektor ist wieder erstaunt und denkt :“Greta ist wirklich berühmt. “

    Einige Tage danach kommt Greta zum Schuldirektor und bittet um ein paar Tage Urlaub. Dieser fragt : „Wohin fährst Du?“
    „Nach Rom.“, antwortet Greta.
    Greta bekommt den Urlaub.
    Der Schuldirektor ist neugierig geworden und fährt auch nach Rom. Wie so viele, die Rom besuchen, macht der Schuldirektor auch einen Abstecher zum Petersplatz, wo Tausende Menschen eng beieinander stehen. Plötzlich fragt jemand den Schuldirektor : „Entschuldigung, wer ist der alte Mann in der weißen Kleidung neben Greta da oben auf dem Balkon?“

  8. Rob-Otter

    Auch Trump verurteilte die mutmaßlich terroristisch motivierte Ermordung eines Lehrers bei Paris und nutzte sie für eine Botschaft an seine Wähler.

    „Einwanderungssicherheit ist nationale Sicherheit“, sagte Trump am Samstagabend (Ortszeit). „Wir brauchen Grenzen. Eine Nation ohne Grenzen ist keine Nation“, sagte er und drückte unmittelbar im Anschluss sein „sehr aufrichtiges Beileid“ an seinen „Freund“ Präsident Emmanuel Macron aus.“

    Warum Beileid an seinen „Freund“ Macron und nicht an die Angehörigen des getöteten Geschichtslehrers?

  9. Maria Heidelberg

    Laut Bibel, der Antichrist. Das bezieht sich aber nicht nur auf den Papst, sondern auf das komplette Papsttum. Aber der putzige Papst st auch ein Kommunist. Sie müssen nur seine Reden anhören. Glauben Sie mir nichts, prüfen Sie es einfach. Sie dürfen auch gerne mal in der Bibel stöbern. Ganz interessantes Buch.

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