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Fan-Proteste gegen Tönnies – Schalke warnt vor „Hetzjagd“

10.08.2019, Niedersachsen, Drochtersen: Schalker Fans halten Plakate mit dem Namen von Tönnies hoch und haben ein Banner aufgehängt auf dem der Satz "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" zu lesen ist. Foto: Axel Heimken/dpa

Das Thema Tönnies ist auf Schalke noch nicht erledigt. Mitgereiste Fans zeigen dem Clubchef beim Pokalsieg in Drochtersen symbolträchtig die Rote Karte. Sportvorstand Jochen Schneider warnt vor einer „Hetzjagd“. Bei der Saisoneröffnung bleibt es ruhig.

Auf den Rote-Karte-Fanprotest gegen Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies folgte ein friedliches Familienfest. Beim Schalke-Tag am Sonntag nahm sich der von der Aufregung um die als rassistisch kritisierten Aussagen des mächtigen Clubchefs geschüttelte Fußball-Bundesligist eine Auszeit von den Debatten.

Noch am Vortag beim 5:0-Sieg des FC Schalke 04 im DFB-Pokal beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel hatten die 1.500 mitgereisten Anhänger ein Signal gesetzt, als sie rote Plakate mit der Aufschrift „Clemens Tönnies“ in die Höhe reckten.

10.08.2019, Niedersachsen, Drochtersen: Schalker Fans halten ein Banner mit dem Satz „Antirassismus ist mehr als Reden auf der MV. Peters du Heuchler!“. Foto: Axel Heimken/dpa

Sportvorstand Jochen Schneider warnte davor, den Clubpatron dauerhaft an den Pranger zu stellen. „Sie haben ihm die Rote Karte gezeigt für ein grobes Foul. Dafür gibt es im Fußball die Rote Karte, dann hat man eine Sperre zu verbüßen. Das ist der Fall“, sagte Schneider am Samstag. „Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht eine Hetzjagd veranstalten. Dass wir das ein Stück weit versachlichen“, ergänzte Schneider im ZDF-Interview.

Ähnlich äußerte sich am Sonntag der Trainer des FSV Mainz 05 in der Sendung „Doppelpass“ von Sport1: „Wir alle sind in der Verantwortung, dem ‚Menschen‘ eine neue Chance zu geben“, meinte Sandro Schwarz.

Nach tagelangen Diskussionen und einer Anhörung im Schalker Ehrenrat hatte Tönnies eingewilligt, sein Amt für drei Monate ruhen zu lassen. Zuvor hatte er seine Aussagen als Festredner beim Tag des Handwerks in Paderborn als „töricht“ bezeichnet und sich entschuldigt. Er hatte dort Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert und empfohlen, lieber 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte Tönnies.

05.03.2019, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies vom FC Schalke 04 fasst sich bei einer Pressekonferenz an die Nase. Foto: Ina Fassbender/dpa

Mit diesen Worte hat der 63 Jahre alte Fleischfabrikant nach Ansicht vieler Schalke-Fans dem Club Schaden zugefügt. Seit vielen Jahren positioniert sich der Verein gegen Hass, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung und setzt sich für Fairness, Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit ein. Dass Tönnies dieses Bemühen fahrlässig torpedierte, nehmen ihm seine Kritiker sehr übel.

Entgegen einigen Gerüchten gab es auf Schalke aber keine größere Austrittswelle. Nach dpa-Informationen kündigten etwa 150 Anhänger seit der Ehrenratsentscheidung ihre Mitgliedschaft. Insgesamt hat der Großverein derzeit etwas mehr als 160.000 Mitglieder. Am Sonntag kamen nach Clubangaben rund 100.000 Besucher. „Als ich noch Spieler auf Schalke war, sind etwa 30.000 Fans zu den Saisoneröffnungen gekommen. Und das war schon richtig viel. Was heute hier los ist, finde ich einfach überragend“, sagte Trainer David Wagner und versprach den Fans: „Wir sind alle heiß und wollen ein gutes Jahr spielen.“ (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

3 Antworten auf “Fan-Proteste gegen Tönnies – Schalke warnt vor „Hetzjagd“”

  1. peter Müller

    Genau, Hetzjagd. Wieviel von denen, die eine Rote Karte hochhalten sind Asis. Die selbst Spieler, Fans und andere auf das übelste beleidigen. Jeder von denen hat schon mal einen Witz oder sonstigesüber gewisse Mensch los gelassen. Das sind alles Heuchler.

  2. Hans Eichelberg

    „Statt Steuern zu erhöhen, um den Klimawandel zu bremsen, empfahl er lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. Die Begründung: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, berichtet die Regionalzeitung Neue Westfälische.“
    Vernünftige Investitionen in Afrika sind nie falsch, schon gar nicht wenn dann keine Bäume gefällt werden müssen.
    Die Fans verstehen dies noch nicht und sollten erst einige Lehrgänge absolvieren.

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