Standpunkt

Fall Thissen: Entschuldigung war überfällig

Mike Thissen wird sich wohl noch lange an diese Woche nach der offiziellen Vorstellung der CSP-Liste für die Eupener Stadtratswahl erinnern. Urplötzlich ist dem „Spaßvogel“ der Spaß vergangen, und aus dem „Einpeitscher auf der Stehtribüne“, wie der Präsident des AS-Fanclubs „Zebras“ genannt wurde, ist quasi über Nacht ein vermeintlich schüchterner Junge geworden.

Mit Sicherheit hätte Mike Thissen auf die ganze Publicity liebend gerne verzichtet. Die CSP ebenso. Man wird wahrscheinlich erst am Wahltag erfahren, ob der Fall Thissen den Christlich-Sozialen eher genützt als geschadet hat. Normalerweise hat von so einer Geschichte niemand etwas.

Zu „Mea culpa“ durchgerungen

Ohne eine Entschuldigung hätte sich der Kandidat Thissen womöglich nicht einmal bis zum Ablauf der Meldefrist für die Hinterlegung der CSP-Liste halten können. Mit so einem Problemfall in den Wahlkampf zu ziehen, wäre für die Christlich-Sozialen ein zu großes Wagnis gewesen. Gleichwohl würde sich die CSP bis auf die Knochen blamieren, wenn sie ihren Kandidaten Thissen fallen ließe. Dann hätte sie ihn erst gar nicht auf die Liste setzen sollen.

Natürlich wäre es für alle besser gewesen, wenn sich Thissen schon am Sonntag zu einem „Mea culpa“ hätte durchringen können, statt sich als Opfer einer „Verleumdung“ darzustellen.

Eine neue Chance hat jeder verdient

Mike Thissen versuchte zunächst, die Sache herunterzuspielen, doch ist ihm danach wohl klar geworden, dass ihm vielleicht noch mehr Ärger droht, wenn er nicht eingesteht, Fehler begangen zu haben – beispielsweise indem er sich in die Nähe von Leuten begab, deren Gesinnung ihn nicht zu stören schien. Und bei dem Video, das ihn in einem Zugabteil mit anderen volltrunkenen AS-Fans zeigt, die rechtsradikale Gesänge grölen, gab es nun wirklich nichts zu beschönigen. Eine Entschuldigung war überfällig.

Eine neue Chance hat indes jeder verdient. Im Übrigen kann einer, der bei den letzten Sozialwahlen im Eupener Kabelwerk zum Gewerkschaftsdelegierten gewählt wurde, kein schlechter Kerl sein…

GERARD CREMER

 

7 Antworten auf “Fall Thissen: Entschuldigung war überfällig”

  1. Bernd Theves

    Dann kann ja nichts mehr schiefgehen! Herr Thissen und die CSP haben die Absolution von G. Cremer. Man fragt sich, wie dieser Kommentar ausgefallen wäre, wäre hier ein Kandidat einer anderen Liste betroffen.
    Ich persönlich würde sagen: Eine zweite Chance ja, aber nicht im Eupener Stadtrat.

  2. Wer sich mit so einer Geschichte (aus der Vergangenheit….????) in die Öffentlichkeit stellt, muss auch mit Kritik rechnen.
    Nur bitte, wer Fehler macht hat auch die Verantwortung dafür zu tragen, allein!!! Dafür kann seine Familie bitte aus dem Spiel gelassen werden. Es sei wie es sei, man redet jetzt von ihm, ob dies für die Wahlen und der CSP positiv ist, wird man sehen.

  3. Rene Vanaschen

    Bravo, endlich mal eine Berichterstattung die nicht davor zurückscheut heisse Eisen anzupacken.
    Ich bin froh dass es jetzt so etwas in Ostbelgien gibt. Über das Grenz-Echo erfolgt die Informationsweitergabe doch oft verzerrt, und man bekommt stark zu spüren wie parteiisch das GE ist.

  4. Marcus R.

    „Urplötzlich ist dem “Spaßvogel” der Spaß vergangen, und aus dem “Einpeitscher auf der Stehtribüne”, wie der Präsident des AS-Fanclubs “Zebras” genannt wurde, ist quasi über Nacht ein vermeintlich schüchterner Junge geworden“
    Sehr zusammenfassend dieser Satz Herr Cremer.

  5. Ralf Weling

    Das Einzige was hier überfällig ist, ist der Verzicht Thissens auf die Kandidatur. Und zwar verbunden mit einer Entschuldigung der CSP. Denn Thissens Kandidatur ist nach wie vor ein Schlag ins Gesicht aller rechtschaffenen Kandidaten. Mit diesem Kandidaten muss sich die CSP nicht wundern, wenn immer mehr Menschen der Politik angewidert den Rücken kehren.

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