Gesellschaft

Ex-Papst Benedikt warnt: Zölibat darf nicht aufweichen

21.12.2018, Italien, Rom: Papst Franziskus (l) und der emeritierte Papst Benedikt XVI unterhalten sich im Kloster „Mater Ecclesiae“. Foto: -/Vatican Media/dpa

Der emeritierte Papst Benedikt hat sich aus dem Ruhestand erneut zu einem heiklen Thema in der katholischen Kirche zu Wort gemeldet und sich gegen eine Aufweichung des Zölibats ausgesprochen.

In einem Buch spricht er gemeinsam mit dem konservativen Kardinal Robert Sarah von einer „dunklen Zeit“, die das Priestertum durchschreite, wie es in einer Mitteilung des Verlags Ignatius Press heißt.

„Ich glaube, dass der Zölibat eine große Bedeutung hat“, schreibt der 92 Jahre alte Benedikt nach Angaben der französischen Zeitung „Le Figaro“, die vorab einen Auszug veröffentlichte. Das Buch mit dem Titel „Des profondeurs de nos cœurs“ soll am Mittwoch zuerst in Frankreich erscheinen – am 20. Januar dann auf Englisch. Zölibat bedeutet die Ehelosigkeit von Priestern.

01.06.2018, Vatikan, Vatikanstadt: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. Foto: Daniel Karmann/dpa

Benedikt war vor sieben Jahren zurückgetreten und lebt eigentlich zurückgezogen in einem Kloster im Vatikan. Allerdings sorgt er immer wieder mit Wortmeldungen für Aufsehen. So schrieb er zum Beispiel nach Franziskus‘ Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan im vergangenen Jahr, dass die 1968er-Revolution einer der Auslöser für Pädophilie war.

Bei der letzten Bischofssynode im Vatikan im Herbst ging es unter anderem um die Frage, ob Priester in Ausnahmefällen in der Amazonas-Region auch verheiratet sein können. Dafür hatte sich die Mehrzahl der Teilnehmer ausgesprochen, um den extremen Priestermangel in der lateinamerikanischen Region zu bekämpfen. Kritiker sahen das als Einfallstor, den Zölibat ganz abzuschaffen.

Franziskus hat das immer wieder zurückgewiesen. Er will in Kürze ein postsynodales Schreiben zur Synode veröffentlichen. Umso bemerkenswerter, dass sich Benedikt nun noch vor dieser Veröffentlichung des Pontifex‘ dazu äußert. (dpa)

35 Antworten auf “Ex-Papst Benedikt warnt: Zölibat darf nicht aufweichen”

  1. Marcel scholzen eimerscheid

    Das Zwangszoelibat ist durch nichts zu rechtfertigen. Papst Benedikt zeigt mal wieder, das er keinen Realitaetsinn hat. Ein totaler Théoretiker eben. Zum Glueck ist Glaube mehr als Kleriker und Kirchenorganisation. Es geht notfalls auch ohne dieses Beiwerk. Daher sollte man die Aeusserungen von Benedikt nicht zu Ernst nehmen, ist das Werk eines hochintelligenten Intellektuellen, geeignet fuer Studierstuben und nicht fuer die Praxis.

    • Einverstanden bin ich mal gerade mit Ihrem ersten Satz.

      Danach geben Sie sich einige Mühe, den Wert des Satzes zu unterminieren.
      Realitätssinn: in Notzeiten muss man fringsen.
      Theoretiker: Benedikt ist ein Instutionswächter und Volksverächter. Die „Traditionen“ sind im wichtiger als das Neue Testament.
      Glaube ist mehr …: … als der Präsident der Glaubenskongregation?
      Haben Sie da noch weitere Ambitionen, wenn Sie mit Ihrem Lieblingsthema durch sind?
      Die Klammerfrage erklärt sich aus „Beiwerk, Studierstuben, nicht Praxis“.

  2. Kleriker

    Ein Bild wie aus längst vergangenen Zeiten, als zwei oder drei Päpste um die Macht stritten.
    Jetzt haben wir wieder zwei Heilige Väter, die die Kirche regieren wollen.
    Wird es ein neues Schisma geben? In Avignon steht jedenfalls ein Papstpalast bereit.

  3. Päpste waren früher besser

    In der langen Geschichte der Kirche besaßen Päpste früher zumindest die Höflichkeit, zu sterben oder ermordet zu werden, ehe sie ihren senilen Blödsinn verbreiten. Allein schon in Ostbelgien gäbe es einige sehr sozial engagierte Christen als Pfarrer/in, wenn katholische Priester heiraten oder auch Christinnen die Weihe erhalten könnten.

    • Der Priestermangel hat gezeigt, dass Kirche trotzdem funktioniert, vielleicht sogar blesser. Die Basis organisiert sich selber. Die Kirche wird zur Laienbewegung. Wie muessen abkommen von dem Gedanken, das Priester unbedingt notwendig sind. Sie stoeren oft mehr wie sie helfen. Engagierte Laien sind ausreichend.

  4. Leo Keutgen

    Zölibat ist wie Alkoholverbot bei den Muslimen.
    Man Stelle sich vor man hat ein ganzes Leben ohne gelebt und am Ende bekommt man erklärt, dass alles kompletter Quatsch ist …
    Wie Geil ist das denn !

  5. Hans Eichelberg

    Nur zur Info – heute von Gabor Steingart:

    „Mit seiner Äußerung über die unauflösliche Verbindung von Priesteramt und Zölibat fällt er Papst Franziskus in den Rücken.

    Der Reformer im Vatikan hatte eigentlich einen sanften Öffnungskurs angedacht. Er brachte die Idee ins Spiel, dass auch verheiratete, erprobte Männer – sogenannte Viri probati – unter bestimmten Bedingungen Priester werden sollten. 2017 im Interview mit der „Zeit“ sagte er: „Wir müssen darüber nachdenken, ob ,Viri probati’ eine Möglichkeit sind. Zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

    Benedikt hält in einem gemeinsam mit Kurienkardinal Robert Sarah veröffentlichten Buch jetzt dagegen: Das katholische Priestertum sei ohne sexuelle Enthaltsamkeit nicht denkbar, der Zölibat dürfe nicht durch eine Art Zweiklassensystem von Priestern entwertet werden: „Der Zölibat wird sogar zur Grundvoraussetzung dafür, dass unsere Annäherung an Gott die Grundlage unseres Lebens bleibt.“

    • Marcel scholzen eimerscheid

      Es gibt doch jetzt schon im kleinem Massstab zwei Sorten Priester, also verheiratet und nicht verheiratet. Und zwar in den Ostkirchen, die den Papst als Oberhaupt anerkennen. Und zusaetzlich gibt es noch katholische verheiratete Priester. Sind aber nur sehr wenig.

  6. Der einarmige Bandit

    Man kann genau noch so an den Nikolaus glauben , als an diese beiden Märchenonkels , der eine kam aus dem Stiefelgoldpalast , der andere lässt es sich noch fürstlich in diesen Gemächern ergehen .

  7. Einst versprachen die Kommunisten das Paradies im Diesseits. Hat nicht geklappt wie vorgesehen. Da war die Kirche ein wenig schlauer. Die versprechen das Paradies im Jenseits. Weil von dort noch keiner zurueck gekommen ist, ist eine Ueberpruefung unmoeglich. Die Wahrscheinlichkeit, das es das Paradis gibt, liegt also bei 50%. Ist mehr als bei den Kommunisten. Deren Versuch, ein Paradies zu errichten, war von vorne herein zum Scheitern verurteilt, Weil die menschliche Nature nicht beruecksichtigt wurde. Eine Wahrscheinlichkeit um die 0%.

  8. Hans Eichelberg

    „Zölibat-Streit: Ex-Papst Benedikt distanziert sich von umstrittenem Buch

    Aktualisiert am 14. Januar 2020, 17:37 Uhr (hub/dpa)
    In einem Buch warnt der Ex-Papst seinen Nachfolger Franziskus, das Zölibat aufzuweichen. Nun distanziert sich das emeritierte Kirchenoberhaupt von dem Buch und will nicht mehr Co-Autor sein.
    Der emeritierte Papst Benedikt hat sich von einem umstrittenen Buch zum Thema Zölibat distanziert und will nicht mehr dessen Co-Autor sein.

    Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein erklärte, dass der Verlag auf Wunsch Benedikts dessen Unterschrift entfernen und sein Bild nicht auf dem Einband drucken solle, zitierten italienische Nachrichtenagenturen den deutschen Kurienerzbischof am Dienstag.“

  9. Alfons van Compernolle

    Und nun erstrecht, weg mit diesem unseeligen Zwangszoellibat , welcher durch nichts gerechtfertigt ist , auch nicht in der Bibel, welche je nach Sichtweise der jeweiligen Paepste umgeschrieben wurde
    und „unliebsames“ schlicht und einfach entfernt wurde.
    Gleichsam auch Frauen sollten Priester/innen werden koennen, wenn sie dieses Beduerfnis haben.
    Wenn die Kirche eine Zukunft haben will, dann sind umfassende Reformen und nicht nur der Erhalt von vermeintlicher Historie angesagt.

  10. Guido Scholzen

    man lese den 1. brief des apostels paulus an timotheus, vers 1 bis 3:

    „Der Geist Gottes sagt ausdrücklich, dass am Ende der Zeit manche vom Glauben abfallen werden. Sie werden auf betrügerische Geister achten und den Lehren dunkler Mächte folgen getäuscht von scheinheiligen Lügnern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. Diese Lügner VERBIETEN DAS HEIRATEN und fordern den Verzicht auf bestimmte Speisen, die Gott doch geschaffen hat, damit sie von denen, die an ihn glauben und die Wahrheit erkannt haben, mit Dankbarkeit genossen werden.“

    niemand muss heiraten, aber ein ZWANGS-ZÖLIBAT ist in der bibel ausdrücklich verboten!

  11. Maria Heidelberg

    Durch die Regelung des Zölibats verhindert die Kirche, dass ihre Macht und ihr Vermögen verloren gehen, was passieren würde, wenn Priester „Kirchenbesitz“ an ihre Kinder vererben würden. Darüber hinaus hätten verwitwete Priestergattinnen einen Anspruch auf eine Rente. Mit der Abschaffung des Zölibats müsste die reichste, schuldenfreie Institution, die auf diesem Planeten ihr Unwesen treibt, den Kuchen ja teilen. Mal abgesehen davon gibt es genügend Priester, die Kinder haben. Unterhaltszahlungen werden von der Kirche dann wohl auch geleistet.

    • Das @mh war eine rasante Achterbahnfahrt zwischen Wahrheit, Dichtung und Fiktion.

      In den Zeiten der Verquickung von kirchlichen und weltlichen Ämtern und im Umfeld des Lehnsrechts diente der Zölibat der Wahrung der jeweiligen Rechtsansprüche von Kirche und Fürsten; obwohl es diesbezüglich nicht an Auseinandersetzungen mangelte.

      Gut 1.000 Jahre später sieht das aber etwas anders aus.
      – Der Priester wird nicht zum Eigentümer der Kultgegenstände (Kirche und sakrale Gegenstände), des Pfarrhauses und ggf. eines Obstgartens. Er kann diese Dinge also nicht vererben.
      – Die Rente seiner (hypothetischen) Angetrauten würde nicht zu Lasten des spirituellen Arbeitgebers gehen. In BE werden Priestergehälter durch den Staat bezahlt; Sozialzuwendungen ergeben sich daraus. Auch kein anderer Unternehmer muss die Rente der Ehefrau eines Arbeitnehmers zahlen.
      – Somit kommt es nach Abschaffung des Zölibats nicht zu irgendeiner Umverteilung.
      – Auf welcher Grundlage Sie Gestellen, dass es „genügend Priester gibt, die Kinder haben“ erschließt sich nicht. Es gibt welche, ja; ob das genug sind?
      – Inwieweit die Kirche Unterhaltszahlungen leistet, stellen ja sogar Sie auf eine hypothetische Ebene.

      • Walter Keutgen

        Der., ein bisschen hat Maria Heidelberg schon Recht. In der Ausstellung zum 800-jährigen Jubiläum Eupens in der St-Nikolaus wurde erklärt, dass der Bischof der St-Nikolaus-Kirche einen Priester genehmigte, nachdem eine Stiftung mit genügend Landbesitz gegründet worden war, um dem Priester sein Gehalt zu bezahlen. Mit Familienanhang müssten die Summe wohl größer sein. Ähnliches habe ich in einem Buch über die Geschichte des Fürstbischoftums Lüttich gelesen. Also die Gemeinden hatten die Last zu tragen und die Zölibatregelung verringerte sie. Ein anderer Aspekt ist die Vererbung des Lehens. Das traf dann aber nur auf Bischöfe und Äbte zu. Da sie offiziell keine Kinder hatten, gab es auch keine rechtmäßige Erben, wenn man von den Nebenästen absieht. Der Kaiser konnte also die Bischöfe mit weltlicher Macht gemäß politischen Kriterien wählen.

  12. karlh1berens

    @Lehmboy
    Orthodoxe Priester dürfen heiraten.
    Im Übrigen glaube ich, dass das 2. Vatikanische Konzil ähnlich verheerende Folgen für die katholische Kirche hatte wie die Ära Gorbatschow für die Sovietunion bzw. Jelzin für Russland.

    • Nicht ganz korrekt.
      Verheiratete orthodoxe Männer werden als Priester geweiht. In der Praxis beenden die ihr Studium, heiraten und lassen sich dann weihen. Ab Bischof aufwärts gilt auch dort der Zölibat.
      Auf dem Papier gibt es dieses Verfahren – wenn ich mich recht erinnere – auch in der katholischen Kirche; irgendein Papst hat das aber ausgesetzt.

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