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UEFA verliert vor dem EuGH im Super-League-Streit – Gibt es in Zukunft drei Europaligen mit 64 Vereinen?

10.06.2023, Türkei, Istanbul: Ilkay Gündogan (M) hält bei der Siegerehrung mit der Trophäe in die Höhe und jubelt mit den Teamgefährten. Links Kevin De Bruyne. Foto: Robert Michael/dpa

AKTUALISIERT – Die Initiatoren der Super League haben ihre Pläne nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zugunsten des Projekts konkretisiert.

Einer der Kernpunkte der neuen Wettbewerbe sei, dass die Fans alle Spiele „live und kostenlos über eine neue digitale Streaming-Plattform verfolgen“ können, teilte die Agentur A22 am Donnerstag mit.

Im Männerfußball geht es um ein dreistufiges Ligen-System mit 64 Vereinen. Auf- und Abstieg sollen jährlich stattfinden, es soll keine festen Mitglieder geben. Bei den Frauen sollen in zwei Ligen insgesamt 32 Clubs mitspielen.

14.12.2020, Schweiz, Nyon: UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti steht neben dem Lostopf und dem Champions-League-Pokal. Foto: Harold Cunningham/UEFA/dpa

„Der Fußball ist frei“, sagte frühere RTL-Manager Bernd Reichart für A22 während einer Präsentation am Mittag. Der freie Zugang vereine „Milliarden von Fans“. Die Finanzierung dafür solle über Werbung sichergestellt werden. Reichart betonte, das Super-League-Modell solle „innerhalb der europäischen Fußball-Familie“ existieren.

Als Unterstützer gelten bislang allerdings nur Real Madrid und der FC Barcelona, am Donnerstag kam zunächst kein weiterer Club dazu. Das Super-League-Modell würde die Wettbewerbe der Europäischen Fußball-Union UEFA schwächen. Die nationalen Ligen würden nicht angetastet werden, sagte Reichart. „Es gibt Vereine, die sehr interessiert sind“, sagte er. Sofort Namen zu nennen, würde aber den Fußball teilen, das sei nicht die Absicht.

Der Europäische Gerichtshof hatte zuvor am Donnerstag geurteilt, dass die großen Fußballverbände FIFA und UEFA andere Wettbewerbe nicht grundsätzlich von ihrer Genehmigung abhängig machen sowie Vereinen und Spielern die Teilnahme nicht verbieten dürfen. Das bedeute allerdings nicht zwangsläufig, dass die Super League genehmigt werden müsse, so die Richter.

Es gebe keinen Rahmen für die Regeln der Verbände, der gewährleiste, dass die Vorgaben transparent, objektiv, nicht diskriminierend und verhältnismäßig seien. Auch die Regeln, die FIFA und UEFA die ausschließliche Kontrolle über die kommerzielle Rechteverwertung der Wettbewerbe einräumen, würden den Wettbewerb in der EU einschränken, hieß es im Urteil. Die FIFA und UEFA würden ihre dominante Marktposition missbrauchen.

11.12.2023, Berlin: Bernd Reichart, Geschäftsführer des Sportprojekteentwicklers A22. A22 stellt die Pläne nach dem EuGH-Urteil vor. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Initiatoren der Super League feierten das Urteil umgehend als großen Sieg. „Das UEFA-Monopol ist vorbei“, sagte der frühere RTL-Manager Bernd Reichart, der das Projekt für die Agentur A22 vertritt. Die UEFA äußerte sich zunächst nicht.

Vorausgegangen war ein zweieinhalbjähriger Streit. 2021 hatten zwölf europäische Topclubs schon einmal die große Revolution geprobt. Die Vereine um Real Madrid, den FC Barcelona und Juventus Turin verkündeten, eine Super League als Konkurrenz für die etablierte Champions League zu gründen.

Der Aufschrei bei Ligen, Fans und der Politik fiel heftig aus – das Projekt scheiterte krachend. Die UEFA drohte mit Ausschluss von allen Wettbewerben, beteiligte Spieler sollten nicht mehr bei Welt- und Europameisterschaften teilnehmen dürfen. Unter anderem die englischen Teams zogen schnell zurück, die Super League war vom Tisch – vorerst. Doch vor allen Real und Barcelona ließen nicht locker.

Die European Superleague Company klagte daraufhin vor einem Madrider Gericht: Sie warf UEFA und FIFA vor, als Kartell zu handeln, weil sie sich der Gründung der Super League widersetzten. Die Fußballverbände missbrauchen demnach ihre beherrschende Stellung auf dem Markt für Fußballwettbewerbe. Dem folgte der EuGH nun größtenteils. (dpa)

11 Antworten auf “UEFA verliert vor dem EuGH im Super-League-Streit – Gibt es in Zukunft drei Europaligen mit 64 Vereinen?”

  1. Ich hätte Mal gerne, dass irgendeine andere Sportart (zB Handball) die öffentlich rechtlichen Sender verklagt auf Wiedergutmachung für 100 Jahre diskriminierende Förderung des Fussball. Es wurden 100. Mio in den Fußball investiert um sie zu senden und andere Sportarten müssten zahlen um gesendet zu werden. Fernsehen hat den Sport erst zu dem gemacht was er jetzt ist …

    • Sie haben recht. Ob Fussball gespielt wurde oder nicht, er ist taeglich in allen Medien vertreten. Dabei ist Fussball eine der unfairsten Sportarten, ermoeglicht Kriminalitaet (Gewalt und Korruption), foerdert ungewollt Rassismus, usw.
      Fernsehsender wuerden trotzdem noch lieber ein Freunschaftsspiel der B-Mannschaften Andorras und Liechtensteins zeigen, als ein hochspannendes Finale einer anderen Sportart, wo ein Belgier moeglicherweise Weltmeister werden koennte.
      Auch schon die Namen einiger Sendungen, z.B. Im deutschen Fernsehen, deuten auf Sport hin (Aktuelles Sportstudio,…), zeigen in Wirklichkeit aber fast nur Fussball.

  2. So schauts aus

    ….Und bei einer eventuellen Klage seitens eines Bundesliga-Vereins beim EuGH gegen die ( übrigens nur in D existierende ) 50+ 1 – Regel, würde diese dann mit Sicherheit auch gekippt werden. Diese Regel entspricht nämlich nicht Europäischem Recht; ob dies gut oder schlecht für die BL wäre, sei mal dahingestellt.

    • So schauts aus

      Im Kicker-Online von heute steht just ein Artikel betreffend diese 50+1-Regel.
      Vermutlich hat ein Redakteur vom Kicker hier bei OD reingeschaut und meinen diesbezüglichen Post vom gestrigen Tag gelesen. (Ironie aus)

  3. Jean Delfloretsky

    Geld regiert die Welt! Alles normal und Tagtäglich im Gebrauch und Umlauf! Der Normalo Mensch merkt es nur nicht immer, aber immer öfters, denn vieles dunkle kommt unerwünscht und unverhofft ans Tageslicht! Hoffentlich bleibt es so, und wird noch vieles besser und Durchsichtiger! Dies hier gilt für viele Branchen, links und rechts und oben und unten um uns herum! Die Betroffenen sollten und müssen es spüren, und nicht zuwenig! Blamage und deftige Strafen, dass sind die besten Folgen davon!

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