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Eddy Merckx kann es auch im hohen Alter nicht lassen: Der erfolgreichste Radsportler aller Zeiten wird heute 75

06.07.2019, Belgien, Brüssel: Eddy Merckx (l), ehemaliger Radrennfahrer aus Belgien, winkt beim Start der Tour. Foto: Kristof Van Accom/BELGA/dpa

Der erfolgreichste Radrennfahrer der Geschichte wird 75. Eddy Merckx gewann je fünf Mal die Tour de France und den Giro d’Italia. Insgesamt feierte er 525 Siege, was bis heute unerreicht ist. Seinen Sturz im Oktober 2019 hat er gut überstanden.

Am Sonntag steigen die Belgier aufs Rad. Anlässlich des 75. Geburtstages von Eddy Merckx gibt es in Brüssel einen Parcours mit Anekdoten und Erinnerungen an den erfolgreichsten Radrennfahrer der Geschichte, der im Vorort Woluwé-Saint-Pierre aufgewachsen ist.

Merckx selbst, der am Mittwoch seinen Ehrentag im Kreise der Familie feiert, wird dann wohl nicht dabei sein. Der bescheidene Volksheld steht nicht so gerne im Mittelpunkt. Rein sportlich würde Merckx aber die paar Kilometer locker wegstecken.

Eddy Merckx bei seinem 5. Sieg bei der Tour de France im Jahre 1974. Foto: Belga

Seinen Trainingssturz im Oktober 2019, als Merckx auf den Kopf fiel und sogar ins Krankenhaus musste, hat er gut überstanden. „Ich kann mich nicht beschweren. (…) Im Augenblick muss sich niemand um mich Sorgen machen. Ich habe keine besonderen Folgen von dem Unfall davongetragen“, sagte Merckx dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch-Ausgabe) und fügte gleich hinzu: „Ich fahre längst schon wieder Fahrrad, und zwar viel. Ich bin letzten Samstag und Sonntag gefahren, ein paar Stunden. Ich fahre so zwei-, dreimal die Woche, das sind immer so zwischen 50 und 70 Kilometer pro Runde.“

So kennt die Radsport-Welt den „Kannibalen“, wie er einst bezeichnet wurde. Denn Edouard Louis Joseph Baron Merckx, kurz Eddy, war in seiner Karriere auf dem Rennrad unersättlich und erbarmungslos.

525 Siege – bis heute eine unerreichte Marke

Der Sohn eines Lebensmittelhändlers hasste nichts mehr als zu verlieren – was allerdings nicht oft vorkam. Je fünf Mal gewann Merckx die Tour de France und den Giro d’Italia, sieben Mal triumphierte er bei Mailand-Sanremo. Alle weiteren Klassiker gewann der Patron mindestens zweimal, wurde dreimal Profi-Weltmeister und stellte 1972 in Mexiko-Stadt mit 49,431 Kilometern einen Stunden-Weltrekord auf.

22.07.2000, Frankreich, Paris: Die fünffachen Tour de France-Sieger Eddy Merckx aus Belgien (l-r), Bernard Hinault aus Frankreich und Miguel Indurain aus Spanien stehen an der Spitze von 10.000 Freizeitradlern, die in den Gelben, Grünen und gepunkteten Trikots der Tour de France 28 Kilometer durch die französische Hauptstadt fahren. Foto: Gero Breloer/dpa

Schier unglaubliche 525 Siege fuhr Merckx zwischen 1966 und 1978 auf der Straße ein – bis heute eine unerreichte Marke. Auch seine 34 Etappensiege und 96 Tage im Gelben Trikot bedeuten noch heute Tour-Rekord.

Sein erster Toursieg 1969 war eine reine Machtdemonstration. Er gewann alle Wertungen, holte auch das Grüne und das Bergtrikot und hatte in der Endabrechnung fast 18 Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Franzosen Roger Pingeon.

Von den Gegnern gefürchtet, von den Fans geliebt. Als die Tour de France zu seinen Ehren 2019 in Brüssel startete – exakt 50 Jahre nach seinem ersten Triumph – feierten ihn 75.000 Radsport-Fans mit „Eddy, Eddy“-Sprechchören, was dem bodenständigen Pedaleur eher unangenehm war.

Das änderte nichts daran, dass er vom belgischen König 1996 in den Adelsstand erhoben wurde. Natürlich trägt auch in Brüssel eine Metro-Station seinen Namen und bei einer Fernseh-Wahl zum größten Belgier aller Zeiten landete Merckx 2005 auf dem dritten Platz.

Eine Tour ohne Publikum fände er „erbärmlich“

Sein Wort ist in Belgien Gesetz, zu widersprechen vermag ihm niemand. „Eddy Merckx hat das Recht, jemanden in die Schranken zu weisen. Man muss sich nur seine Karriere anschauen“, sagte jüngst das Supertalent Remco Evenepoel, nachdem er vom Altstar kritisiert worden war.

Merckx widmet jeher sein Leben dem Radsport, auch nach seiner Karriere. Er gründete eine Firma, mit der er Rennräder herstellt. Merckx war zudem Sportdirektor von Rennen, trat und tritt als Kommentator und Botschafter auf.

Vorstellung eines Bildbandes über Eddy Merckx. Eddy Merckx (Bildmitte) mit Roger Pingeon (links) und Raymond Poulidor (rechts). Pingeon verstarb 2017, Poulidor 2019. Foto: Belga

“Ich habe schnell realisiert, dass Radsport immer Teil meines Lebens ist“, sagte der Radstar. An seine Erfolge kam keiner heran, auch nicht sein Sohn Axel, der ebenfalls Radprofi war und 2004 Olympia-Bronze gewann.

Neben Eddy Merckx gibt es nur drei Fahrer (Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain),  welche die Tour de France fünfmal gewannen. Lance Armstrong wurde bekanntlich aus den Siegerlisten als siebenmaliger Champion wegen Dopings gestrichen.

Gut möglich, dass Chris Froome in diesem Jahr dem exquisiten Kreis mit einem weiteren Tour-Sieg beitritt – wenn denn die Frankreich-Rundfahrt in Corona-Zeiten überhaupt stattfindet.

Merckx hat da eine klare Meinung. Die Tour sollte nur mit Zuschauern stattfinden. „Die Fans gehören zur Tour. Ich verstehe, dass es für die Fahrer und die Teams wichtig ist. Aber ich persönlich würde eine Tour ohne Publikum erbärmlich finden“, sagte Merckx jüngst der flämischen Zeitung „Het Nieuwsblad“. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

4 Antworten auf “Eddy Merckx kann es auch im hohen Alter nicht lassen: Der erfolgreichste Radsportler aller Zeiten wird heute 75”

  1. Eric mit C

    Ist schon eine Leistung als Asthmatiker die Alpen und die Pyrenäen Hinauf zu strampeln den….

    „ Viele der weltbesten Radsportler leiden unter Asthma. Der Spanier Oscar Pereiro gehört dazu, der bei der Tour de France im vergangenen Jahr hinter dem des Dopings überführten US-Amerikaner Floyd Landis Zweiter wurde. Pereiros Landsmann Igor Gonzales de Galdeano, einer der schnellsten Zeitrennfahrer, der seine Karriere 2005 beendete, ist Asthmatiker.

    Und auch der ehemalige deutsche Radprofi und Toursieger Jan Ullrich konnte in seiner aktiven Zeit ein Attest vorweisen, das ihm erlaubte Asthmapräparate zu nehmen. Die Tatsache, dass etwa jeder zweite Radprofi ein ärztlich attestiertes Asthma hat, gibt immer wieder Anlass zu Dopingspekulationen. (…)“

    https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Viel-zu-viele-Asthmatiker-im-Kampf-ums-Gelbe-Trikot-397083.html

    Sind schon super unsere Ärzte mit dem hypokritischen Eid den die aufsagen um als Halbgötter den Weiße Kittel tragen zu dürfen.

    Nichtsdestotrotz bleibt Eddy einer der Größten Sportler aller Zeiten 🙂

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