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Ausschreitungen begleiten Hamburger SV in Liga 2

12.05.2018, Hamburg: Feuerwerkskörper brennen vor dem Abpfiff auf der Tribüne, während Polizisten auf dem Spielfeld stehen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

AKTUALISIERUNG – Den Hamburger SV, der seit der Gründung der Bundesliga nie absteigen musste, hat es jetzt auch erwischt. Trotz eines 2:1-Erfolgs am 34. und letzten Spieltag müssen die Hanseaten in die zweite Liga. Der VfL Wolfsburg kann sich nach einem 4:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln über die Relegation noch retten.

Entsetzen, Tränen und am Ende Randale im Volksparkstadion. Der Hamburger SV hat das Fußball-Wunder verpasst und steigt erstmals in seiner 55-jährigen Bundesliga-Geschichte in die Zweitklassigkeit ab.

12.05.2018, Hamburg: HSV-Spieler Matti Steinmann verlässt den Platz. Foto: Axel Heimken/dpa

Zwar gewannen die Hanseaten ihr Heimspiel am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:1 (1:1), aber der ebenfalls vom Direktabstieg bedrohte VfL Wolfsburg rettete sich mit einem 4:1 (1:1) gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln und verteidigte damit den Relegationsplatz.

Kurz vor dem Ende ließen einige Anhänger Pyrotechnik zünden und steckten Pappen an. Hundertschaften der Polizei kamen auf das Feld, auch um einen möglichen Platzsturm zu verhindern. Die überwiegende Mehrheit der Fans rief: „Wir sind Hamburger, und ihr nicht!“ und „Holt sie raus!“.

Gänsehaut im Volksparkstadion

Die Spieler beide Teams standen gemeinsam auf dem Platz. Nach einer Unterbrechung von einer guten Viertelstunde beendete Schiedsrichter Felix Brych dann auch offiziell.

Der HSV blieb trotz des Sieges Vorletzter und ist damit der zweite Direktabsteiger. Die Tore für die Gastgeber erzielten Aaron Hunt per Elfmeter (11. Minute) und Lewis Holtby (63.). Für die Gäste traf Josip Drmic (18.). HSV-Stürmer Bobby Wood musste mit Gelb-Rot in der 71. Minute vom Platz.

12.05.2018, Hamburg: Mönchengladbachs Fans halten ein Transparent mit einem Countdown. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Die Gladbacher wurden Tabellenneunter und verpassten die Qualifikation für die Europa League. Ihre Trauer hielt sich im Vergleich zu der der Gastgebern aber in Grenzen.

Bis zu den Ausschreitungen hatte die meisten HSV-Fans ihre Mannschaft für eine erneut starke Leistung gefeiert. Doch der Saisonendspurt unter Trainer Christian Titz mit nun 13 Punkten in acht Spielen kam zu spät.

Schon vor der Partie gegen Gladbach hatten tausende Anhänger das Team mit Jubel am Stadion empfangen. Mit einem Spalier erwarteten sie den Mannschaftsbus, um den Profis ihre Unterstützung zu signalisieren und ihnen Mut zuzusprechen. „Niemals 2. Liga“, schallte es.

Das Spiel hatte noch nicht begonnen, da tauchten die 57.000 Zuschauer die ausverkaufte Arena mit Sprechchören und Gesängen in eine Endspiel-reife Atmosphäre. Eine Choreographie mit zuvor ausgelegten 50.000 blau-weißen Raute-Pappen sorgte für Gänsehaut. Alles war gerichtet für die Rettung in die Relegation.

Von Jubel bis Niedergeschlagenheit

Doch die Party-Stimmung ebbte plötzlich ab. Grund: Langsam sprach sich auf den Rängen die Kunde von der 1:0-Führung der Wolfsburger nach nur 45 Sekunden herum. Für Stimmung sorgte fortan nur die Nordtribüne mit den Hardcore-Fans.

Mehr Leben kam auf durch einen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Brych nach Videobeweis. Dem Gladbacher Denis Zakara war ein Handspiel unterlaufen. Den Strafstoß verwandelte Hunt sicher (11. Minute) und löste damit einen Jubelsturm aus.

12.05.2018, München: Thomas Müller von Bayern München jubelt nach dem Spiel mit der Meisterschale. Foto: Sven Hoppe/dpa

Mit dem Ausgleich der Gladbacher per Konter durch den Ex-HSV-Spieler Drmic sieben Minuten später schwand jedoch wieder die Zuversicht. Die Zuschauer mussten zwei Geschehen gleichzeitig im Blick behalten: das auf dem Rasen vor ihnen und jenes auf ihren Smartphones, das Auskunft über den Spielstand in der 185 Kilometer entfernten Wolfsburger Volkswagen-Arena gab. Denn die Videowand zeigte nichts.

Die Stimmung kehrte erst wieder zurück, als die Kölner in Wolfsburg den Ausgleich (32.) erzielten. Frenetisch trieben die Fans ihr Team nach vorn. Die Gastgeber waren die spielbestimmende Mannschaft, vergaben aber einige Möglichkeiten überhastet. Die konterstarken und schnellen Gladbacher blieben stets gefährlich. Sie hatten zuvor drei Partien nicht verloren und traten entsprechend selbstbewusst auf.

Der HSV warf alles nach vorn. Tatsuya Ito wuchtete den Ball kurz nach Wiederanpfiff aus 16 Metern aufs Tor, Yann Sommer im Gladbacher Kasten musste sich strecken. Dann vergaben Matti Steinmann (56.) und Filip Kostic (58., 62.) die Führung.

Hoffenheim und BVB in Champions League

Mittlerweile führte Wolfsburg mit 2:1. Langsam wurde es wieder ruhiger in der Arena. Dann haute Holtby (63.) den Ball ins Gladbacher Tor zum verdienten 2:1 und der Lärmpegel schnellte blitzartig in die Höhe. Doch als Minuten später das 3:1 für Wolfsburg fiel, war die Hoffnung dahin.

Wenigstens ein Mutmacher bleibt dem HSV: Der Neuaufbau in der 2. Liga erfolgt unter dem Kommando von Trainer Titz. Der 47-Jährige soll demnächst einen über zwei Jahre laufenden Anschlussvertrag unterschreiben und sein Team schnell in die Eliteliga zurückführen. Doch erst einmal muss sich der HSV auf eine empfindliche Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einstellen.

Wolfsburgs belgischer Nationalspieler Divock Origi (r) spielt gegen Kölns Dominique Heintz. Foto: Swen Pförtner/dpa

Während der VfL Wolfsburg die Relegation gegen Holstein Kiel bestreitet, schaffte der SC Freiburg den Klassenerhalt direkt dank eines 2:0-Sieges gegen Augsburg.

Spannend auch der Kampf um die Plätze in der Champions League und der Europa League.

Hoffenheim qualifizierte sich durch einen 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund erstmals für die Gruppenphase der Champions League, die trotz der Niederlage auch der BVB bestreiten wird – zu Lasten der Mannschaft von Bayer Leverkusen (3:2 gegen Hannover), die sich aufgrund der schlechteren Tordifferenz mit der Europa League begnügen muss – ebenso wie RB Leipzig (6:2 gegen Hertha BSC).

Derweil verlor Serienmeister Bayern München eine Woche vor dem Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt 1:4 gegen den VfB Stuttgart. (dpa/cre)

  1. Alfons Van Compernolle

    Idioten gibt es ueberall, auch in meiner Heimatstadt !! Bitte nun, den Strafrichter mit diesen Idioten zu konfrontieren, damit er ein Reiseticket mit etwas laengerer Unterbringung nach Santa Fu verkuendet!

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