Politik

DG-Minister Antoniadis (SP) schlägt Studienförderung für mehr (deutschsprachige) Hausärzte vor

Foto: Shutterstock

Antonios Antoniadis (SP), Minister für Gesundheit der DG, hat auf die Kritiken der CSP und der „Jungen Mitte“ von letzter Woche reagiert, in denen unter dem Hashtag #KeinBockaufDeBlock scharfe Kritik an der föderalen Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) geübt und die Einführung einer Landarztquote gefordert wurde (siehe Bericht an anderer Stelle).

Mehrfach seit 2017 habe sich Gesundheitsminister Antoniadis bei seiner föderalen Amtskollegin Maggie De Block für die Einführung einer Landarztquote stark gemacht und ihr hierfür das Land Brandenburg als Modellbeispiel ans Herz gelegt, hieß es in einer Pressemitteilung des Gesundheitsministers der DG.

Wenngleich der CSP diese Forderung seit langer Zeit bekannt sein müsse, freue sich der Minister über die späte Einsicht der CSP und die von ihr angekündigte Unterstützung in diesem wichtigen Anliegen.

DG-Gesundheitsminister Antonios Antoniadus (M) im Gespräch mit Ingrid Mertes, Direktorin der Klinik St. Josef in St. Vith, und dem Direktor des Eupener Krankenhauses, René Jost. Foto: St. Nikolaus Hospital Eupen

„Ich habe diese Forderung im Parlament immer wieder mitgeteilt. Die klare Position der Regierung müsste der CSP demnach eigentlich bekannt sein. Ich würde mir wünschen, dass die CSP die Regierung unterstützt, statt aus wahltaktischen Gründen den Eindruck zu erwecken, die Regierung hätte keine klare Haltung in dieser Angelegenheit“, so der zuständige Minister. Bisher habe sich De Block allerdings nicht auf den Vorschlag eingelassen, mit der Begründung, dass der Beruf ein liberaler Beruf bleiben müsse, so Antoniadis.

Aus Sicht des DG-Gesundheitsministers bringt die von der CSP ins Feld geführte Gesetzgebung aus Nordrhein-Westfalen keine Bewegung in die Sache. Schließlich mangele es nicht an Lösungsansätzen, sondern an der Bereitschaft der föderalen Ministerin, überhaupt eine Landarztquote einzuführen oder in sonst einer Form die Situation der Deutschsprachigen zu berücksichtigen.

Antoniadis warnte aber davor, in einer Landarztquote ein Allheilmittel zu sehen. Sie alleine löse nämlich das Problem der hausärztlichen Versorgung nicht.

Maggie De Block im Parlament. Foto: Belga

„Wir haben zwar mehr Hausärzte als früher in Ostbelgien. Der Beruf ist aber generell im Vergleich zu einer fachärztlichen Ausbildung weniger attraktiv und lukrativ“, so der Minister. An dieser Stelle seien der Föderalstaat und die Gemeinschaften gefordert. Es ist ihre Aufgabe, die Attraktivität der Tätigkeit als Allgemeinmediziner zu steigern.

Eine Möglichkeit, um langfristig mehr deutschsprachige Ärzte zu haben, die sich verpflichten, in der DG zu arbeiten, sieht der Minister in einer besonderen Studienförderung für Medizinstudenten.

„Das wird ohne erhebliche Mehrkosten für die Gemeinschaft nicht möglich sein, aber wir sollten uns einer Diskussion darüber nicht verschließen“, so Antoniadis, der abschließend versprach, bei den anstehenden Gesprächen über die Pläne von De Block zu den Inami-Nummern erneut die Position der DG vorzubringen und eine Sonderlösung einzufordern, die es erlaubt, ausreichend deutschsprachige Ärzte zu bekommen. (cre)

Zum Thema siehe folgenden Artikel auf OD:

18 Antworten auf “DG-Minister Antoniadis (SP) schlägt Studienförderung für mehr (deutschsprachige) Hausärzte vor”

  1. Schickt doch junge Leute zur Ausbildung rüber nach Aachen. Man könnte doch einen entsprechenden Vertrag mit NRW machen. Mit einem guten finanziellen Angebot würde man auch Leute aus D für uns gewinnen. Manche Assistenzärzte in D wären froh sich das niedrige Gehalt dort und die unbezahlten Stunden nicht mehr antun zu müssen.
    Ich selbst wäre allerdings schon etwas beruhigter, wenn unser telefonischer Notruf fließend deutsch spricht, also generell. Damit fängt es ja schon mal an.

    • Pensionierter Bauer

      @Törö, Sie haben vollkommen recht. Wenn man in Lüttich die Notrufnummer wählt und nach Deutsch fragt, dann heißt es immer „un moment svp.“. Warum ist es nicht verpflichtend, dass diejenigen die dort arbeiten fließend die beiden Sprachen sprechen müssen?
      Wir DGler müssen uns ständog vorhalten lassen, dass wir nur unzureichend Französischkenntnisse haben, aber bei den Französischsprachigen mal mehr Deutsch zu verlangen ist dann schon zuviel verlangt!
      Meine Dame und Herren DG Minister, Eier braucht das Land, keine Angshasen!

      • Hier geht es nicht um die generelle Zweisprachigkeit. Es handelt sich in diesem Fall um einen NOTruf und da MUSS jemand am anderen Ende der Leitung sein der fließend deutsch versteht! Aber nach dem Kindergeld Kram der CSP nun das. Net mulle, werke!

      • Wo wollen Sie denn das zweisprachige Personal für die Notrufzentrale finden? 90% der Europäer können sich in einer Fremdsprache noch nicht einmal einen Kaffee bestellen. Die DG ist da dank ihrer besonderen Geschichte (Versailler Vertrag) eine Ausnahme.

  2. Und Schwups springt der Minister(Lehrling) auf den CSP Zug auf und tut dies dann als Wahlkampfgetöse ab.
    Warum hat man denn nichts von seinen angeblich anhaltenden Forderungen gehört?
    Es ist immer das gleiche. Wenn eine Oppositionspartei etwas verlangt, hat die Regierung es schon längst veranlasst oder beanstandet. Nur gehört hat man davon nie. Lächerlicher Verein.

    • Mithörer

      @Wähler
      Als „Wähler“ sollten sie, statt hier zu polemisieren mal ihre Lesekompetenz erweitern. Was sie bemängeln, ist in den entsprechenden Berichten jedem Interessierten Leser zugänglich. Mein Vorschlag an sie und andere Nörgler, verbessern sie einfach ihre Lesekompetenz ein wenig. Als Wähler sind sie dann besser informiert.

  3. Réalité

    Grosse Worte, von Ihnen, Herr Minister, zum schmunzeln!? Sie nehmen sich an, dass die CSP Sie und die Regierung unterstützen sollte? Ist doch zum lachen, oder nicht!? Was würden Sie denn tun, wenn Sie in der Opposition wären!? Gerade Ihr Parteikollege Herr Lambertz zog sooft grosse Register auf gegenüber diese Partei!
    „Merken Sie sich das“!?
    Dann wurde gekuschelt mit mageren paar % der Stimmen, und schlüpfte in eine Mehrheit, die der Wähler so niemals wollte?!
    Daher, Herr Minister, machen Sie Ihre Hausaufgaben, die Opposition macht die ihren!
    Man siehts auch an den bohrenden Fragen des Herrn Balters und Vivant, siehe die der letzten Tage! Das sind reelle Fragen im Namen der Bürger, sodann erst die Aufklärungen, welche dann notgedrungen raus müssen!
    Die Regierung, voran der MP, die reden sowieso alles bestens, glorreich und Super, obschon es hinter den Kulissen lange nicht so ist.

  4. Antoniadis möchte also (kostengünstige) Förderung von deutschsprachigen Medizenstudenten der Allgemeinmedizin einführen, um das Problem zu lösen. Ja dann mal los.

    Setzen wir mal (großzügige) 20.000 Euro pro Studienjahr an, macht 140.000 Euro. Dann müsste sich der nunmehr ausgebildete Arzt bei uns niederlassen. Zu berücksichtigen:
    – ein Arzt hat Niederlassungsfreiheit
    – man kann dem jungen Arzt nicht verbieten sich trotzdem zu spezialisieren
    – der junge Arzt hat die 7 Jahre hinter sich und möchte nun eigentlich mal Geld verdienen
    – Sklaverei ist abgeschafft.
    Helfen also nur Anreize. Das läuft darauf hinaus, die Studienfinanzierung mit einer Niederlassung in unserer Gegend zu erlassen. Beispiel progressiv für 5-10 Jahre Niederlassung auf 0 runter. Spätestens dann ist er 35 und frei. Andere werden gegen ein solches System klagen (Niederlassungsfreiheit, Berufswahlfreiheit). Noch andere werden es direkt oder nach einiger Zeit vorziehen, das „Darlehen“ zurückzuzahlen.
    Quoten helfen bei der Zulassung zum Studium. Nach Abschluss: Freiheit.
    Studienförderung in DE, AU ggf. CH eröffnen dem jungen Arzt attraktivere Tätigkeitsgebiete.

    Soweit zu Massnahmen, die mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit nicht greifen werden.
    Was kann angesichts des (eher) hohen Zeitaufwands der Allgemeinmediziner greifen:
    – Höhere Tarife für Visiten (wird aber zur Belastung für öffentliche Kassen und Privathaushalte)
    – Förderung von Gemeinschaftspraxen (auch Hausärzte sind immer mehr Infrastrukturanforderungen ausgesetzt)
    – Polikliniken
    – Reduzierung nicht sinnvoller Visiten (sehr schwieriges Thema).

  5. Marc Van Houtte

    Mehrfach seit 2017 stark gemacht und nichts erreicht ist in meinen Augen versagt.
    Warum sich Brandenburg und nicht NRW zum Vorbild in Sachen Landarzt macht?
    IZOM versagt!
    Regelung für deutschsprachige Studenten versagt!
    Bei einer Regelung wie ZOAST können die beiden Krankenhäuser St Vith und Eupen nicht mitarbeiten weil sie einem frankophonen Netzwerk angehören. Die DG Regierung hat dieser Reglung zugestimmt, obwohl keiner der 9 Gemeinden der DG dies wollte und alle Bürgermeister dies der Regierung in einem Brief mitgeteilt haben, mit der Aussage, es müsse ein deutschsprachiges Netzwerk entstehen. Die Krankenhausnetzwerke waren auch das Werk der Frau De Block. Also müssen jetzt Betten im CHR gefüllt werden und falls wir eine ZOAST hätten, würden die Verträge mit dem CHR wohl hinfällig, weil viele Patienten wohl nach Aachen statt nach Lüttich gehen würden.
    Trägt die DG Regierung hier nicht eine Mitschuld und hat sich von Frau De Block über den Tisch ziehen lassen?
    Belgien wurde vom EuGH verurteilt, weil ein Mörder jahrelang nicht auf Deutsch therapiert wurde.
    Der Arzt oder Facharzt in deutscher Sprache für unbescholtene Bürger wurde von Frau De Block vom Tisch gefegt, die Rechte und das Wohl der Patienten standen wohl nie im Mittelpunkt der Debatte.
    Da geht die Regierung lieber gegen Stromrechnungen vor, die nicht in deutscher Sprache kommen, als für eine maximal medizinische Versorgung in deutscher Sprache zu kämpfen und notfalls einzuklagen.
    Game Set and Match De Block!

  6. So ein Quatsch. Wie will man denn einen Arzt per „Quote“ dazu verpflichten in Hinderhausen eine Praxis aufzumachen? Wer da nicht hin will, den kriegt man auch nicht dahin. Immer zu glauben die Politik hätte für alle Wünsche eine Lösung, das ist nur infantil…..

  7. Glaube,solange wir Belgier sind können wir uns damit Abfinden das wir nie alles auf Deutsch kriegen werden,und das wir nie als deutschsprachige Belgier ansehen finden werden im Restlichen Landesteil.
    Aber uns wieder Deutsche Staatsbürger werden lassen will auch kaum jemand.also müssen wir uns wohl oder übel als Minderheit mit dem Problem abfinden das wir nicht alles auf Deutsch kriegen und auch wenn wir besonderen gesundheitlichen Rat haben wollen eben zu der Wallonie gehen müssen…..
    Und die Deutschen sehen uns auch als Ausländer an,wenn man was bestellen mag usw muss man ne deutsche Adresse haben….

  8. Alles Käse
    Würden die Medizinstudenten nicht derart am Studium gehindert (natürlich kann nicht jeder Fritze Arzt werden und es gehört aussortiert) und dieser Nummern Mist einfach abgeschafft oder den Alten die nach Tätigkeitsende entzogen gäbe es schon morgen kein Problem mehr. Arzt ist wer sein Studium erfolgreich abgeschlossen hat-fertig. Dieser darf seiner Ausbildung nach auch behandeln oder eine Praxis eröffnen-fertig.
    Eine Quote löst das Problem sicherlich nicht.

  9. Angesichts der „Bescheidenheit“ Ihres Kommentars, in Bezug auf Inhalt, Stil und Rechtschreibung, glaube ich nicht, dass @Dax mit der Wahl Ihres Nicknamens sehr glücklich ist.
    Alternative Vorschläge für Sie: Gimpel, Simplex, Brot, Feldweg

  10. Alfons van Compernolle

    Ja, Das Problem mit der III.-Amtsprache in Belgien. Kann es sein, dass es ein „Wallonisches-Problem“ ist? Wie komme ich darauf: Auch in Vlaanderen werden in den Schulen nur 1 Unterrichtsstunde auf freiwilliger Basis pro Woche fuer Deutsch veranschlagt ( LEIDER ) ! Hingegen Russisch & Chinesisch als sogenannte „moderne Sprachen“ sehrviel mehr angeboten werden. Aber, wenn ich zum Arzt komme, oder wegen meiner Lungen & Herzkrankheit zum Facharzt ins Krankenhaus muss oder aber zur
    Administration (Rathaus) muss wird mir zu 99% im besten Deutsch geantwortet.
    Ich beherrsche Nederlands ( Niv.9) , habe aber einen typischen Hamburger-Dialekt, was die mich behandelnden Menschen logisch merken. Resultat, man antwortet mir in Deutsch , was bestimmt nicht noetig ist, obwohl ca. alle 5 km hier in Vlaanderen ein anderer Dialekt mit spezifischen Ausdruecken verwendet wird , die ich auch nicht alle kenne ! Selbst meine Gas / Strom / Wasserabrechnung erhalte ich in Deutsch ! Mir ist sehrwohl bekannt, dass gegen „Het Duits“ auch in Vlaanderen noch das eine oder andere geschichtlich bedingte Vorurteil besteht, LEIDER , aber bei weitem nicht so dominant, als es anscheinend in Eurer Region / Provinz der Fall ist !
    Es ist ein sicherlich ein irres politisches Problem in den Koepfen von ein paar vernebelten Gehirnen
    der politischen Elite oder die die sich dafuer halten , zu sein !

  11. Landei such Landarzt

    Letztens hat ein Bekannter einen ganz interessanten Vorschlag gemacht: Man müsste dafür sogen, dass mehr junge Studenten ihr Praktikum bei einem Landarzt machen! Es hat wahrscheinlich noch nie eine daran gedacht, dass man als junger Mensch auf seiner Praktikumsstelle bleibt, wenn es einem gefällt. Was kostet es einem jungen Menschen das Landleben schmackhaft zu machen? Die jungen Leute haben meist kein Auto und müssen irgendwo wohnen. Genau deshalb belieben sie im Uni-Krankenhaus (weil da ein ÖPNV ist und sie im Kot wohnen bleiben). Wenn diese Probleme gelöst wären … Zumindest wär es ein Versuch wert, denn das mit der Studienfôrderung hat man doch schon, oder? Die Förderung kostet viel Geld und bringt doch keinen Städter auf Land, dahin wo Ärzte gebraucht werden.

  12. Pensionierter Bauer

    Als sehr liberal denkender Mensch, verstehe ich nicht warum sich der Schreiner, der Gebäudereiniger, der Bauunternehmer uvm. sich immer gleichwelcher Konkurenz aussetzen müssen während die Ärzte, mit dem Trick der sehr beschränkt zur Verfügung stehenden INAMI Nummern, sich in einem geschützten Raum mit sehr überschaulicher Konkurenz bewegen dürfen. Es ist doch nicht normal, dass man für einen Termin bei einem Facharzt zT. monatelang warten muss. Ich kann mich des Eindrucks nicht entziehen, dass die Politik sich mehr für die Einkommen der Ärzte interessiert als für die Gesundheit von uns Bürgern.
    Ich fordere Frau Ministerin de Block dazu auf, dass jede und jeder der/die das Medizinstudium besteht auch eine freie Arbeitsberechtigung und somit auch eine INAMI Nummer erhält.

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