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Debatte über Rassismus in Italiens Stadien – Boateng: „Für bestimmte Personen ist ein farbiger Mensch ein Affe“

29.12.2018, Italien, Neapel: Fans halten Fotos von Neapels Kalidou Koulibaly. Foto: Cesare Abbate/ANSA/AP/dpa

Der letzte Spieltag des Jahres wird in Italien von der Diskussion um Rassismus in Stadien überschattet. Auslöser war das Verhalten von Fans von Inter Mailand, die den Senegalesen Kalidou Koulibaly (früher RC Genk) vom SSC Neapel mit Affenlauten beleidigt hatten.

Immerhin zeigten die eigenen Fans Haltung: Nach rassistischen Beschimpfungen gegen den Senegalesen Kalidou Koulibaly verteidigten die Fans des SSC Neapel ihren Abwehrchef.

Bei der Partie gegen Bologna am Samstag hielten die Neapel-Anhänger Fotos von Koulibaly und Transparente mit der Aufschrift „Stopp Rassismus“ hoch. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass der italienische Fußball das Problem Rassismus und Gewalt nicht in den Griff bekommt.

Koulibaly war am zweiten Weihnachtstag bei der Partie gegen Inter Mailand im San Siro-Stadion mit Affenlauten beleidigt worden, was kein Einzelfall war. Der ehemalige Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng beklagte, dass in den letzten Jahren kaum Fortschritte beim Kampf gegen Rassismus in Stadien gemacht worden seien.

Der ehemalige Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng. Foto: Shutterstock

„Für bestimmte Personen ist ein farbiger Mensch ein Affe“, sagte Boateng der Zeitung „Corriere della Sera“. Der Fußballer, der derzeit beim italienischen Serie-A-Club Sassuolo Calcio spielt, wurde während seiner Zeit beim AC Mailand 2013 ebenfalls rassistisch beschimpft.

Boateng wurde in Berlin geboren, sein Vater stammt aus Ghana. Es sei gut möglich, dass sich die Situation verschlimmert habe, sagte der Ex-Eintracht-Frankfurt-Spieler. „Wenn man bedenkt, dass sich einst über mich 50 Fans hermachten. Im San Siro waren es letztens 10.000.“ Auch in Deutschland sei die Lage nicht viel anders.

In anderen Ländern sei man strenger, in Italien würden Regeln missachtet, sagte der ehemalige Nationalspieler Alessandro Nesta, der auch in den USA gelebt hat, laut Nachrichtenagentur Ansa. „In Amerika verhaftet man dich, wenn du zu einer farbigen Person ein unangebrachtes Wort sagst.“

Seit dem Regierungswechsel im Sommer kommt ein ausländerfeindliches Klima hinzu. Vor allem Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega wettert gegen Migranten und ist mit seinem Motto „Italiener zuerst“ im Umfragehoch. „Im Stadion spiegelt sich das Klima im Land, es verstärkt sich“, sagte Renzo Ulivieri vom Trainerverband Assoallenatori.

Man-City-Trainer Pep Guardiola: Rassismus ist überall

Auch in der englischen Premier League ist Rassismus im Fußball immer mehr ein Thema. Pep Guardiola sieht allerdings Rassismus nicht nur als fußballspezifisches Problem. „Es ist überall“, sagte der Trainer des Premier-League-Zweiten Manchester City, nachdem Stürmer Raheem Sterling über rassistische Anfeindungen geklagt hatte.

12.12.2018, Großbritannien, Manchester: Raheem Sterling von Manchester City spielt den Ball. Foto: Uwe Anspach/dpa

Sterling sagt, er sei im Spiel beim FC Chelsea (0:2) aus dem Publikum beleidigt worden. Das hatte in England eine neue Debatte über Rassismus im Fußball ausgelöst.

“Die Leute konzentrieren sich nur auf Fußball, aber es passiert leider nicht nur im Fußball“, mahnte Guardiola. Immigranten und Flüchtlinge in der ganzen Welt seien rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. „Wir müssen dafür kämpfen, eine bessere Situation für alle zu erreichen.“

Sterling hatte außerdem der britischen Presse vorgeworfen, sie würde das Klima befeuern, indem sie dunkelhäutige Fußballer anders als weiße behandeln würde. Guardiola wollte das nicht bestätigen. „Ich weiß nicht. Als ich hier angekommen bin, habe ich mit ihm gesprochen, weil er in den sozialen Medien so aktiv war“, erklärte der frühere Bayern-Trainer. „Ich hab ihm gesagt, er soll sein Privatleben schützen (…). Ich hoffe, das hat er getan.“ Guardiola betonte allerdings, die Medien hätten viel Macht, „also haben sie auch eine Verantwortung“. (dpa)

Eine Antwort auf “Debatte über Rassismus in Italiens Stadien – Boateng: „Für bestimmte Personen ist ein farbiger Mensch ein Affe“”

  1. Idée fixe

    Der letzte Satz ist mir wohl abhanden gekommen.

    Von den Italienern ist nichts anderes zu erwarten. Die dortige Verblödung hat seit dem Ende des römischen Reiches noch nicht ihren Abschluss gefunden.

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