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Der nächste Schlag: Conti-Reifenproduktion in Aachen vor dem Ende – 1.800 Jobs

15.09.2020, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Blick auf das Continetal-Reifenwerk in Aachen. Foto: Ralf Roeger/dpa

AKTUALISIERT – Bei Continental steht eines der beiden großen deutschen Reifenwerke vor dem Aus. Der Dax-Konzern plant, angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie die Produktion in Aachen – neben dem hessischen Korbach zentraler zweiter Reifenstandort im Inland – mit derzeit rund 1.800 Jobs dichtzumachen.

Der Aufsichtsrat müsse aber noch zustimmen, hieß es. Man gehe von einem Zieldatum Ende 2021 aus.

Die Pläne sind Teil des Anfang September angekündigten verschärften Sparkurses beim zweitgrößten Autozulieferer der Welt. Bisher waren viele Einzelheiten der Kürzungen bei Continental jedoch unklar.

15.09.2020, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Blick auf einen Eingang zum Continetal-Reifenwerk in Aachen. Foto: Ralf Roeger/dpa

Nach und nach wird nun deutlich, dass mehr Standorte geschlossen werden dürften. Die Gewerkschaft IG BCE griff das Management an: Es sei komplett unverständlich, warum es das stabile Reifengeschäft treffe.

Insgesamt kämpft der Konzern aus Hannover mit hohen Verlusten. In einigen zukunftsträchtigen Sparten wie Elektronik und Software werden neue Jobs geschaffen, bei klassischer Technik für Verbrennungsmotoren oder Hydraulik gibt es allerdings auch erhebliche Einschnitte.

Nach jüngstem Stand ging Conti davon aus, dass der Wandel zu E-Mobilität und Digitalisierung Folgen für 30 000 der über 232.000 Arbeitsplätze haben dürfte. Diese könnten «verändert, verlagert oder aufgegeben» werden. 13 000 der fraglichen Jobs sind in Deutschland angesiedelt.

05.03.2020, Niedersachsen, Hannover: Ein Bauzaun mit dem Logo von Continental steht an dem Gelände, auf dem derzeit die neue Konzernzentrale gebaut wird. Continental will noch mehr Standorte schließen als bisher bekannt. In Aachen soll bis Ende 2021 das Reifenwerk dichtgemacht werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Doch die Reifensparte ist bisher vergleichsweise profitabel. „Der Kahlschlag ist weder mit der Transformation der Autoindustrie zu begründen, noch mit der Corona-Krise“, sagte Francesco Grioli, IG-BCE-Vorstand und Conti-Aufseher. „Das ist schlicht Streichen um des Streichens Willen.“

Die Vizechefin der IG Metall, Christiane Benner, kündigte Widerstand an: „Wir werden nicht zulassen, dass ein Traditionskonzern kaputtgespart wird.“ Betriebsräte hatten schon beim grundsätzlichen Sparkurs vor einem „folgenschweren Konflikt“ gewarnt.

In Aachen fertigt Continental unter anderem Reifen für die bis zur Corona-Krise besonders stark nachgefragten SUVs. „Dieses Vorhaben trifft uns ohne jegliche Vorwarnung“, so der örtliche Betriebsrat Udo Bohnhof zu Plänen einer Verlagerung an „Niedrigkosten-Standorte“.

Nach Konzernangaben arbeiten in Aachen auch rund 200 Beschäftigte der Maschinenbau-Sparte Contitech. Ihre Jobs sollen nicht betroffen sein. (dpa)

37 Antworten auf “Der nächste Schlag: Conti-Reifenproduktion in Aachen vor dem Ende – 1.800 Jobs”

  1. Pensionierter Bauer

    Wiedereinmal wird ein tradionsreiches Werk zu Grabe getragen!
    Diese Schließung wird Auswirkungen bis in unsere Gemeinden hier im Norden der DG haben, denn an Conti Aachen hängen auch viele Jobs bei anderen Unternehmen.
    Das ganze Klima- und Coronagebrösele zerstört den von uns und unseren Vorfahren geschaffenen Wohlstand. Unsere Eltern und wir haben in der Nachkriegszeit geackert und gerackert für eine mehr oder minder sorgenlose Zukunft und müssen nun mit ansehen wie unsägliche Gestalten versuchen das Leistungserbe gegen die Wand zu schleudern.

    • Ekel Alfred

      @ PB + Klar, wir benötigen aber doch so sehr ausländische Mitarbeiter!!!….die Produktionen kommen jetzt schon nicht nach!!!….auch bei MAN….8000 Arbeitsplätze stehen zur Disposition….und so wird es weitergehen….die Leute schreien erst dann nach Hilfe….wenn das Kind bereits im Brunnen gefallen ist….

    • Nun ja...

      Ich bin damit einverstanden dass die Corona-Kriese Auswirkungen hat, allerdings weniger damit, daß es nun an der Corona-Krise liegen soll dass der Wohlstand der vergangenen Generationen zerstört wird. Das haben meiner Meinung nach gewisse vor dem Kapital knieende neoliberalen Politiker in den letzten Jahren in einem wesentliche größeren Ausmaß geschafft als es nun diese Krise schafft (damit möchte ich die Kriese allerdings nicht kleinreden!).
      Ich persönlich glaube auch nicht dass es eine Glanzleistung war die Ausbreitung der „alten EU“ in die ehemaligen Länder des Ostblocks so massiv und schnell vorran zu treiben. Das Resultat davon ist doch sehr deutlich zu sehen – da werden mancherorts Gesetze erlassen mit denen der Justiz ihre Unabhängigkeit genommen wird, Staatschefs bekommen so viel macht dass Parlamente ihrer Kontrollfunktion ad absurdum geführt werden, EU-Regelungen/Gesetze die genehm sind werden befolgt, andere auch mal gerne ignoriert, sodass entweder schwerfällige und langwierige EU-Rechtsverletzungsverfahren angestrengt werden (bis die durch sind und eine Strafe ausgesprochen werden könnte hat sich eh alles wieder 3x geändert), und schließlich wurde und werden Arbeitsplätze aus der Industrie und dem produzierenden Gewerbe massiv in diese Billiglohnländer verschoben – allerdings haben wir (EU-Fördergelder) dann auch noch fleißig vorher die Entwicklung ganzer Landstriche subventioniert, nicht zu vergessen die Ansiedlung dieser Betriebe smit EU-Mitteln auch noch subventioniert…

  2. Continental in Aachen produziert(e) Hochgeschwindigkeitsreifen für die Premium Klasse (Sportwagen, SUV…) also genau die Hassobjekte der Grünen denen man den Garaus machen will. Immer neue, völlig irre Grenzwerte und daraus resultierende Fahrverbote haben der Automobilindustrie schwer zugesetzt.
    Die tollen neuen Arbeitsplätze wie E-Go oder Street-scooter sind schon pleite ehe es richtig los ging und am Ende ist alles weg; E-Autofertigung und Conti! Beim Kohleaustieg wird es genau so laufen, die wegfallenden Industriearbeitsplätze bei RheinBraun ersetzt auch niemand, der „Strukturwandel“ ist eine grüne Propagandalüge für den sozialen Abstieg ganzer Regionen. Gewählt werden die Ökos trotzdem, 35% letzte Woche bei der Kommunalwahl in Aachen. Das dümmste Schwein wählt eben seinen Metzger selbst….

      • Aber keine Hochgeschwindigkeitsreifen wie Conti sie in Aachen herstellt. Die „normalen“ Reifen kommen bestenfalls aus Polen, die auf dem Kleinwagen meiner Frau aus Indien. Auch davon haben Sie keine Ahnung aber damit Sie gehören zu politisch relevanten Mehrheit – wie man an den Wahlergebnissen und Werksschließungen erkennen kann.

        • Pensionierter Bauer

          Vor etlichen Jahren produzierte Ford in Genk die größeren Modelle der Marke und der Föderalstaat wusste nichts besseres zu tun als genau solche Modelle mit einer zusätzlichen Steuer zu belegen. Heute produziert Ford in Belgien kein einziges Auto mehr.
          Die Regeln der FREIEN und sozialen Marktwirtschaft werden heute nur noch mit den Füßen getreten um das ganze in eine grüne Planwirtschaft zu transformieren.
          Grüne sind eben auch nur Kommunisten mit roter Haut und grünem Pelz.

        • Mercedes verdient das meiste Geld mit der S-Klasse, die aktuellen E-Autos der Luxusklassen sind äusserst schnell, usw.

          Dass nunmal ein P0 besser ist als ein Conti ist auch bekannt.
          Schliesslich müsste vielleicht der Autohersteller seine Zulieferer etwas korrekter bezahlen, anstatt die Kunden zu betrügen.
          Die 1,5 Milliarden (!!) die Mercedes jetzt in den USA als Strafe auf den Tisch legt, lägen bei den Zulieferern besser.

          • Die neue E-Mobilität geht ja mit einer Umerziehung einher:
            Aus Auto-Bild:
            ///
            VW e-Golf: Fahrleistung und Fahrverhalten
            Der e-Golf hat einen Elektromotor mit 100 kW Leistung, also rund 136 PS. Das reicht mangels Schaltvorgängen und dank konstant hohem Drehmoment von 290 Newtonmetern für einen Sprint auf 100 km/h in unter zehn Sekunden – falls es bei einem Elektroauto überhaupt darum geht. Maximal sind 150 km/h drin, doch auch darum sollte es dem Elektroautofahrer nicht gehen. Denn die Maximalreichweite von 300 Kilometer erreicht man mit Gasfuß nicht.
            ////
            Der neue Mensch (Elektroautofahrer) braucht keine Hochgeschwindigkeitsreifen mehr….

            • Walter Keutgen

              Dax, Sie wissen schon, dass in den meisten Ländern der Erde Geschwindigkeitsbeschränkungen bestehen. Autos die über 185 km/h fahren sind absurd. Absurd ist auch bei diesen Geschwindigkeitsbegrenzungen, dass die Reifen laut Regel für die Höchstgeschwindigkeit ausgelegt sein müssen. In Belgien halten sich die meisten an die 120 km/h auf der Autobahn und das laut Tacho! Erstaunlich, dass mich immer wieder Elektroautos überholen, wenn ich 125 km/h fahre laut Tacho, was in Wirklichkeit 120 km/h ist. Es sind dann Tesla oder BMW.

            • E-Auto?!

              Wie gut ist denn überhaupt das Produkt E-Auto, wenn man es nur mit Subventionen an den Mann bringen kann?

              Wenn ich mir schon das Gelaber von den Grünen in den Mainstream Medien anhöre … “ Die deutsche Automobilindustrie hat die E-Mobilität verschlafen“ … Die Automobilindustrie hat überhaupt nichts verschlafen, sie lebt aber nicht wie die Politiker von Steuergeldern, sie muss Produkte auf den Markt bringen, die sich verkaufen lassen, sonst können sie den Laden dicht machen!

              • Walter Keutgen

                E-Auto?!, elektrische Automobile sind im Prinzip einfacher. Verschlafen kann man da nichts. Das Schwierige sind die Batterien. Wenn ein deutsches Unternehmen schläft – ich weiß es nicht –, dann der ehemalige mit Chemie und Verhüttung befasste VEB. Hybride sind kompliziert.

            • A propos „Hochgeschwindigkeitsreifen“:
              Bridgestone hat heute in Frankreich zu gemacht. Fast 900 Arbeitslose…
              Und dort wurden nur „preiswerte“ Reifen produziert.
              Es geht zwar alles den Bach ‚runter, aber man kann nicht immer die Grünen für alles verantwortlich machen…
              Der „Nachkriegswohlstand“ ist nun einmal vorbei. Viele haben sich mit dem während des Krieges gemachten Reichtum über Wasser gehalten. Das hält nicht ewig.

              • Nein, die Grünen sind nicht schuld, Trump ist schuld. Und wer etwas anderes sagt ist ein Na**. Und der Wohlstand ist nun mal vorbei, warum nach Schuldige suchen, Schwamm drüber, und die Reichen das waren eh nur die „Kriegsgewinnler“. Sie können nicht nur nicht rechnen….

                • Mein Kommentar bezog sich auf die Zeit, wo noch „Familien“ das Sagen hatten. Spätestens nachdem Conti aufgekauft wurde war klar, dass es so nicht weiter gehen würde. Im übrigen sind die Reifen mittlerweile ein winziger Teil des Umsatzes. Es besteht nicht die geringste „Bindung“ mehr zwischen Belegschaft und Direktion.
                  Wir kennen in Belgien genügend ähnliche Fälle – leider !
                  Weder grün, noch rot, noch schwarz wird daran etwas ändern.

              • Walter Keutgen

                5/11, „mit dem im Krieg gemachten Reichtum“, was soll das denn sein? Alle in Europa sind im Krieg verarmt. Vielleicht Rüstungsproduzenten in den USA; durch die weiterhin da bestehende Marktwirtschaft hatten die USA die besten Waffen.

                Die jetzt begonnene Reduzierung um 30% des Personals der Automobilbranche hat sehr wohl mit den Grünen zu tun. Sie erzwingen den Übergang zu Elektromobilität und Massenpersonenbeförderung.

        • Walter Keutgen

          Dax, ein Tesla S, denke ich mal, braucht auch Hochgeschwindigkeitsreifen und vermutlich eine Klasse höher wegen des Gewichts. Die Produktion soll halt ins Ausland. Da sind sicher auch die meisten Kunden, man denke an China, 40% des VW-Konzernumsatzes. Ich hatte mal Ende letzten Jahrhunderts Conti-Reifen für meinen Wagen der unteren Mittelklasse gekauft; sie kamen aus Südafrika aber „engineered in Germany“. Man hat sicher die Kommunalwahlen abgewartet um den Entschluss zu veröffentlichen.

  3. Sprüche wie „E-Autos brauchen auch Reifen“ gehen vollkommen am Thema vorbei. Es geht sich bei der Werksschließung in Aachen nicht primär um Reifen sondern um das gesamtwirtschaftliche Umfeld – welches die grünen Autohasser dabei sind zu zerstören. Continental ist Teil eines großen Autozulieferers der die Reifenproduktion für die Sportwagen und SUV in Aachen gesamtwirtschaftlich tragen konnte. Jetzt steht der gesamte Konzern unter wirtschaftlichem Druck und muss seine Kosten senken. Damit fällt das Schwert über die Reifenproduktion in Aachen denn das ist eine Produktionssparte mit geringer Wertschöpfung die sich leicht auslagern lässt. Die völlig irre „Klima-Rettungs-Politik“ welche Frau von der Leyen aktuell vor dem EU-Parlament verteidigt, zerstört die industrielle Basis unserer Gesellschaft. Mal sehen ob und wann die Leute merken dass man ihnen gerade die wirtschaftliche Basis entzieht mit dem fadenscheinigen Argument das „Klima“ retten zu müssen…..

    • Walter Keutgen

      Dax, vor fünfunddreißig Jahren war das linksliberale Kleinbürgertum (Spiegelleser) dafür, die minderwertige Arbeit nach China zu verlagern und so dort eine Wohlstand genießende Unternehmermittelschicht, die bei uns hochwertige Waren kaufen und dort die Demokratie einfordern und erhalten wird, zu generieren. Die Arbeit ist weg; die Mittelschicht ist entstanden; sie kauft Luxusgüter hier; keine Demokratie ist entstanden, wozu auch?

      Übrigens auch nach Indien, da ist aber schon Demokratie seit der Unabhängigkeit. Mittlerweile kaufen die Unternehmen Chinas und Indiens unsere auf. So, dass sogar das marktwirtschaftliche Deutschland gesetzliche Barrieren setzen will. Und von wegen minderwertige Arbeit, die Länder sind Europa jetzt technologisch voraus.

  4. Der nächste Heuchler am Start:
    https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/autozulieferer-laschet-attackiert-continental-wegen-geplanter-werksschliessung-/26191868.html
    Laschet attackiert Continental wegen geplanter Werksschließung
    Der Reifenhersteller will sein Werk in Aachen dichtmachen. Der NRW-Ministerpräsident übt scharfe Kritik an den Plänen …
    /////
    Seine Partei ist doch eifrig dabei die irren „Klimabeschlüsse“ von Paris 2015 umzusetzen. Seine Kanzlerin propagiert doch die „Dekarbonisierung der Wirtschaft“. Seine EU Ratspräsidentin VdL will doch die „große Transformation“. Soll er doch einmal im eigenen grünen Stall den Mist ausfegen statt jetzt die Folgen seiner eigenen Politik lauthals zu beklagen. Natürlich nicht ohne die Schuld auf andere zu schieben….

  5. Hans Eichelberg

    „Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die Continental-Führung wegen der geplanten Schließung des Reifenwerks in Aachen heftig kritisiert. „Die Art und Weise, wie die Continental AG die beabsichtigte Schließung des traditionsreichen Reifenwerks in Aachen kommuniziert hat, ist für die Landesregierung inakzeptabel“, sagte Laschet dem Handelsblatt.“

    Die „Art und Weise“ der Kommunikation……lol.
    Demnächst wird anders kommuniziert, „das Spiel ist aus“ oder wie sonst?
    „Herr Laschet, wir schließen das Werk, Sie können die Mitarbeiter verbeamten“……

  6. Wahl, Joachim

    Bei aller sozialen Härte, welche die Betroffenen erleiden, wird der Irsinn der „Klimarettung“ so langsam deutlich. Das ist erst der Anfang. Die Unternehmen, die können, sind schon weg nach Asien, USA oder Südamerika, die anderen folgen. Der irre Klimaspuk wird die EU in den Abgrund ziehen. Unsere Politiker, runter bis auf Gemeindeebene, sitzen da, wie das Kaninchen vor der Schlange und „erfüllen“ Klimarettungsprogramme, von irgendwelchen absurden Instituten „erarbeitet“. Widerstand, um den Bürger zu schützen, sieht anders aus!

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