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Deutschland: CDU-Mitglieder wollen Merz als Parteichef

17.12.2021, Berlin: Friedrich Merz (CDU, M) steht zwischen den Mitkandidaten für den Parteivorsitz Helge Braun (CDU, l) und Norbert Röttgen (CDU) nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der CDU Mitgliederbefragung. Merz soll nach dem Willen der CDU-Mitglieder neuer Parteivorsitzender werden. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der frühere Fraktionschef der Union, Friedrich Merz, soll nach dem Willen der CDU-Mitglieder neuer Parteichef werden.

Merz habe bei der Mitgliederbefragung mit 62,1 Prozent die notwendige absolute Mehrheit erhalten, teilte Generalsekretär Paul Ziemiak am Freitag in Berlin mit.

Auf den Außenpolitiker Norbert Röttgen entfielen demnach 25,8 Prozent der Stimmen, auf den früheren Kanzleramtschef Helge Braun 12,1 Prozent. Die Beteiligung an der ersten Mitgliederbefragung in der Geschichte der CDU lag bei 66,02 Prozent.

17.12.2021, Berlin: Friedrich Merz (CDU) steht nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der CDU Mitgliederbefragung. Foto: Michael Kappeler/dpa

Die knapp 400.000 Parteimitglieder konnten erstmals in der Geschichte der CDU eine Vorentscheidung über den Vorsitz treffen. Offiziell muss der neue Parteichef von den 1001 Delegierten bei einem digitalen Parteitag am 21./22. Januar gewählt werden. Es gilt als sicher, dass sich die Delegierten an das Votum der Mitglieder halten. Anschließend muss dieses noch per Briefwahl bestätigt werden.

Die Neuwahl der Parteispitze ist die Konsequenz aus dem Desaster der Union bei der Bundestagswahl am 26. September. CDU und CSU hatten damals ihr historisch schlechtestes Ergebnis von 24,1 Prozent geholt und mussten den Gang in die Opposition antreten. Der als Kanzlerkandidat gescheiterte CDU-Chef Armin Laschet kündigte daraufhin seinen Rückzug an. Er ist jetzt einfacher Abgeordneter im Bundestag und dort Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.

16.01.2021, Berlin: Der unterlegene Friedrich Merz (r) gratuliert Armin Laschet zur Wahl als Parteivorsitzender beim digitalen Bundesparteitag der CDU. Foto: Michael Kappeler/dpa

Die CDU hat mit dem Ende der Ära Angela Merkel gleich mehrere Führungswechsel durchgemacht. Die damalige Bundeskanzlerin hatte Ende 2018 den Parteivorsitz nach 18 Jahren niedergelegt. Ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer warf 2020 das Handtuch. Ihr Nachfolger Laschet gab die Parteiführung ab, nachdem er als Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl im September gescheitert war. Merz war gegen Kramp-Karrenbauer und Laschet jeweils in einer Stichwahl unterlegen.

Der 66-jährige Merz gilt als ein Vertreter des konservativen und wirtschaftsfreundlichen Parteiflügels. 2002 musste er den Fraktionsvorsitz an Merkel abgeben, zwei Jahre später trat er auch als stellvertretender Fraktionschef zurück, und 2009 schied er ganz aus dem Bundestag aus. In diesem Jahr wurde er als Abgeordneter im Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) wieder direkt ins deutsche Parlament gewählt. Sein Abschneiden bei der Mitgliederbefragung bestätigt die Annahme, dass er unter den Mitgliedern populärer ist als unter den Parteifunktionären.

In den 72 Jahren der Bundesrepublik Deutschland stellte die CDU 52 Jahre lang den Kanzler oder die Kanzlerin. Nach den 16 Jahren der Kanzlerschaft Merkels wählte der Bundestag mit seiner neuen Mehrheit aus Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen vorige Woche den SPD-Politiker Olaf Scholz zum neuen Regierungschef. (dpa)

8 Antworten auf “Deutschland: CDU-Mitglieder wollen Merz als Parteichef”

    • Walter Keutgen

      alter weißer mann, gut gesehen. Die CDU-Mitglieder mögen ihn bevorzugen, aber auf die deutschen Wähler insgesamt kommt es an. Bei den letzten Wahlen sind der CDU Wähler weggestorben aber auch massenhaft zur SPD abgewandert. Deutschland ist weiter links als viele glauben wollen. Der von der NRW-CDU angezettelte Aufstand gegen AKW hat der CDU nur geschadet. Der nordrhein-westfälische Landesverband mag zwar in der CDU der größte sein, Nordrhein-Westfalen aber ist ein SPD-Land, wie Deutschland insgesamt ein CDU-Land ist. Da hätte man den Ball etwas flacher halten sollen. Merz habe ich einmal in so einer Gesprächsrunde (Maybritt Illner?) gesehen. Gegen die mit leicht nach oben gerichtetem Blick, immer lächelnde Baerbock kam Merz mit seinem Trauergesicht und der Frage, ob das der deutschen Industrie helfe, nicht an. Der AfD-Mann in der Runde war da viel souveräner.

  1. Krisenmanagement

    Wie soll ich sagen? Merz kommt viele Jahre zu spät. Er ist zu alt, um Erneuerungen zu bringen. CDU hat schon lange fertig, da sie auf Merkel gesetzt hat. Unter Merkel hat diese Partei ihr Profil verloren. Viele CDU Ministerpräsidenten sind absolute Hardliner und er einer Demokratie nicht würdig. Ich denke Merz wird den Abwärtstrend nicht stoppen können.

  2. volkshochschule

    Als Merz 2000 den Kündigungsschutz aufweichen wollte und man ihn gefragt hat, ob die Arbeitnehmer hierzu auch gehört werden sollten. Da sagte er wortwörtlich, wer den Sumpf ( Arbeitnehmerrechte ) trockenlegen will, der sollte nicht die Frösche fragen. Somit ist er kaum ein Mann für die Anliegen der kleinen Leute.

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