Leute von heute

BRF-Wahldebatte zur Provinz: „Mehr für die DG rausholen“ oder sogar „die Provinz zu Grabe tragen“?

V.l.n.r.: Jacques Schrobiltgen (CSP), Alfred Ossemann (SP), Moderatorin Chantal Delhez, Michel Neumann (Ecolo) und Yves Derwahl (PFF). Foto: Screenshot BRF

Nach vier Wahldebatten über eine Gemeinde gab es am Freitag im BRF ein Intermezzo. Es ging diesmal um die Provinz. BRF-Redakteurin Chantal Delhez sprach mit Jacques Schrobiltgen (CSP), Alfred Ossemann (SP), Michel Neumann (Ecolo) und Yves Derwahl (PFF).

Alle Diskussionsteilnehmer plädierten für eine provinzfreie DG, doch solange es diese noch nicht gibt, muss man das beste aus der Situation machen und am meisten Geld für die Bürger in der DG herausholen. Das war der Tenor in der Wahldebatte des BRF zum Thema Provinz.

Es gab dennoch, abgesehen von diesem Tenor, kleinere Unterschiede. So schlug Jacques Schrobiltgen (CSP) vor, im Fall eines Ausscheidens der Deutschsprachigen aus der Provinz Lüttich die Provinzgelder nicht an die DG zu übertragen, wie dies allgemein gefordert wird, sondern an die Gemeinden, weil diese noch näher am Bürger seien.

Jacques Schrobiltgen (l, CSP) und Alfred Ossemann (r, SP). Foto: Screenshot BRF

Zudem wagte sich Yves Derwahl (PFF) von allen in Sachen Provinz am weitesten vor, indem er sagte, an der Spitzenkandidatur auf der Liste der PFF für die Provinz habe ihn vor allem gereizt, aktiv dabei zu sein, wenn die Institution Provinz „zu Grabe getragen“ werde.

Alfred Ossemann (SP) meinte seinerseits, wenn man wolle, dass die Provinz „zu Grabe getragen“ werde, müsse man fürs PDG oder fürs Wallonische Parlament kandidieren, nicht aber für den Provinzialrat, denn dieser habe über eine Abschaffung der Provinz nicht zu bestimmen.

Deshalb hat sich Ossemann auch vorgenommen, im Fall seiner erneuten Wahl in den Provinzialrat in erster Linie projektbezogen zu denken, um auf diese Weise das meiste Geld für die Bürger in der DG herauszuholen.

Michel Neumann (Ecolo) will das auch, jedoch möchte er sich zusätzlich dafür stark machen, dass die Projekte, die von der Provinz Lüttich gefördert werden, auch den Anforderungen genügen, für die sich Ecolo seit jeher einsetzt, nämlich Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit.

Michel Neumann (l, Ecolo) und Yves Dewahl (r, PFF). Foto: Screenshot BRF

Im Gegensatz zur letzten Legislaturperiode, wo nur Alfred Ossemann die vollen sechs Jahre als Mitglied des Provinzialrats durchhielt, weil sich die Vertreter der anderen Parteien nacheinander aus Lüttich verabschiedeten, schienen alle vier Spitzenkandidaten zumindest die Absicht zu haben, volle sechs Jahre, oder im Fall von Ossemann weitere volle sechs Jahre, in Lüttich zu bleiben, sofern die Provinz bis dahin noch besteht.

Michel Neumann von Ecolo gab dafür sogar vor laufender Kamera ein Versprechen ab: Der „junge, neue Neuling“, wie er sich selbst nannte, versicherte in der Runde, er werde auf jeden Fall die sechs Jahre im Provinzialrat bleiben – „und dazu stehe ich auch“.

Bei den anderen Spitzenkandidaten war das nicht ganz so deutlich herauszuhören. Merke: Im Mai 2019 finden noch ganz andere, viel wichtigere Wahlen statt… (cre)

Die Wahldebatten des BRF werden im Fernsehen nach dem „Blickpunkt“ ab 17.45 Uhr mit zweistündlicher Wiederholung gesendet und im Radio auf BRF1 und BRF2 ab 19 Uhr. Diese Debatten sind jederzeit nachzuschauen im Netz auf BRF.be.

Die BRF-Wahldebatten werden in folgender Reihenfolge ausgestrahlt (in Klammern der jeweilige Moderator):

  • Montag, 1. Oktober: St. Vith (Stephan Pesch)
  • Dienstag, 2. Oktober: Raeren (Anne Kelleter)
  • Mittwoch, 3. Oktober: Amel (Judith Peters)
  • Donnerstag, 4. Oktober: Lontzen (Simonne Doepgen)
  • Freitag, 5. Oktober: Provinzwahlen (Chantal Delhez)
  • Montag, 8. Oktober: Eupen (Olivier Krickel)
  • Dienstag, 9. Oktober: Burg-Reuland (Rudi Schroeder)
  • Mittwoch, 10. Oktober: Bütgenbach (Stephan Pesch)
  • Donnerstag, 11. Oktober: Kelmis (Rudi Schroeder)
  • Freitag, 12. Oktober: Gemeinde Büllingen (Volker Krings)

4 Antworten auf “BRF-Wahldebatte zur Provinz: „Mehr für die DG rausholen“ oder sogar „die Provinz zu Grabe tragen“?”

  1. Wo zum Teufel ist der Kandidat der PRO DG ? Die PDB/PRO DG ist ja schließlich aus dem Urknall des ostbelgischen Sprachen- und Identitätskonflikts hervorgegangen. Das Getrommel der am Rockzipfel der wallonischen Mutterparteien hängenden Kandidaten ist nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas.

    • Walter Keutgen

      2012 gab es nur 4 Listen im deutschsprachigen Distrikt. Für jetzt habe ich nur Wahlpropaganda von 4 Listen gesehen, auch ist am offiziellen Brett für solche nur Platz für die 4 Listen vorgesehen.

      Bei jeder Wahl, ob hier oder fern von uns, muss ich leider feststellen, dass die offiziellen Kandidatenlisten immer weniger richtig öffentlich gemacht werden. Bei der Wahl im Mai 2014 hingen sie draußen am Fenster eines Wahllokals. Da es eine Schule ist, darf der gewöhnliche Sterbliche den Hof davor nur am Wahltag betreten.

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern