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Irrfahrt von Benfica-Fans ins falsche Frankfurt? Agentur dpa fiel auf Inszenierung des Magazins „11Freunde“ herein

Kein Benfica-Fan, sondern ein Berliner Schauspieler posierte vor dem Ortsschild der ostdeutschen Stadt Frankfurt (Oder), in die sich angeblich zwei Fans von Benfica Lissabon, die nach Frankfurt am Main wollten, verirrt hatten. Foto: Twitter

AKTUALISIERT – Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat am Freitag eine Meldung über eine angebliche Irrfahrt von Benfica-Fans auf dem Weg zum Viertelfinale der Europa League in Frankfurt zurückgezogen.

Dass die Fans aus Lissabon – wie in der auf Basis einer Instagram-Story entstandenen Meldung dargestellt – nach einer Autofahrt über Paris in Frankfurt (Oder) statt in Frankfurt am Main ankamen, ist falsch. Es handelt sich vielmehr um eine Inszenierung eines Berliner Schauspielers im Auftrag des Fußballmagazins „11Freunde“.

Für die Story war der Darsteller tatsächlich lediglich von Berlin nach Frankfurt (Oder) gefahren. Als bei der dpa am Freitag wegen der Nachfrage eines anderen Mediums erste Zweifel an der Korrektheit der Meldung aufkamen, zog die Agentur die Berichterstattung zurück.

Der Verdacht bestätigte sich kurze Zeit später in Gesprächen mit dem Schauspieler und dem Chefredakteur des Fußballmagazins, Philipp Köster.

Foto: Shutterstock

Nachdem dpa auf die Instagram-Story aufmerksam geworden war, schaute sich ein dpa-Redakteur den Instagram-Account an. Er prüfte die Story auf Plausibilität, hörte dafür unter anderem mit Hilfe Portugiesisch sprechender Kollegen den O-Ton ab und checkte Geolocation-Zuordnungen.

Er überprüfte auch, ob es das im Video gezeigte Straßenschild von Frankfurt (Oder) wirklich gibt, und fand dazu ähnliche Fotos. Auch über die Verifikation des Geländes des Stadions der Freundschaft in Frankfurt (Oder) kam er zu dem Schluss: Der „Fan“ war in der Oderstadt.

Ob vorher die in der Story dargestellte Irrfahrt wirklich stattgefunden hatte, prüfte dpa dagegen nicht ausreichend. Versäumt wurde außerdem, denjenigen zu kontaktieren, der die Story gepostet hatte. Auch wurde nicht gecheckt, was derjenige vorher auf Instagram veröffentlicht hatte. Schließlich wurde das Video nicht ausreichend auf mögliche Fehler oder Ungereimtheiten angeschaut.

Hätte die Inszenierung auffallen können? Ja, behauptet dpa selbst. Folgende Punkte hätten Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Instagram-Story hervorrufen müssen:

    • Der Instagram-Account, auf dem die Story erschien, war erst Anfang April eingerichtet worden.
    • Laut einem Geo-Tag auf der Karte der angeblichen Fahrtroute war der Autor ein Tag zuvor im Osten Deutschlands, nicht aber in Portugal oder auf dem Weg von dort nach Deutschland.
    • Der Schauspieler trug kein Benfica-Trikot.
    • Auf einem Bild der Story spiegelt sich die Titelseite einer Ausgabe von „11Freunde“.

Was unternimmt die dpa, um künftig solche Fehler zu vermeiden?
dpa hat sich in diesem Fall in Teilen nicht an ihre eigenen Standards zur Verifikation einer viralen Geschichte gehalten. Bei einer angemessenen Prüfung wären früher Zweifel aufgekommen. Die dpa werde diesen Fall intern gründlich aufarbeiten, hieß es.

Was sagten „11Freunde“ zu der Aktion ?

„11Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster bestätigte der dpa, dass die Redaktion einen in Berlin ansässigen Schauspieler für die Aktion engagiert hatte.

„Wir wollten die Medienmechanismen zeigen: dass egal, was auf einem Dorfplatz passiert, als Meldung ungeprüft in die Öffentlichkeit getragen wird.“ Köster sprach von einer „lausigen Story“, die hätte auffallen müssen, und nannte einige Fehler darin.

Zur Resonanz in den Sozialen Medien sagte Köster: „Alle haben es gierig aufgegriffen.“ Und: „Ich bin mir sicher, dass uns das auch hätte passieren können.“ (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

6 Antworten auf “Irrfahrt von Benfica-Fans ins falsche Frankfurt? Agentur dpa fiel auf Inszenierung des Magazins „11Freunde“ herein”

    • Richtig schlimm ist aber das der arme Kerl jetzt ducrh sämtliche Foren und asoziale Netzwerke gejagt wird. Auf Twitter geht er schon viral. Früher wären das drei Zeilen in der lokalen Presse wert gewesen heute wird er zum Gespött der ganzen Welt gemacht.

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