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Belgischer Fußballskandal: Präsidenten, Topmanager, Berater und Schiedsrichter sollen angeklagt werden

Geld und Fußball… Foto: Shutterstock

Der Betrugsskandal im belgischen Fußball, auch „Footbelgate“ oder „Operation Zero“ genannt, droht jetzt regelrecht zu eskalieren. Die Justizbehörden kündigten am Freitag an, 57 Verdächtige anklagen zu wollen, wie diverse Medien berichteten.

57 Personen werden demnach unter anderem des Betrugs, der Geldwäsche, der Spielmanipulation sowie der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation verdächtigt. Unter den Verdächtigen sind unter anderem Präsidenten und Manager mehrerer Top-Proficlubs, Berater und Schiedsrichter.

Im Visier der Justiz sind unter anderen der Präsident und der Manager des FC Brügge, Bart Verhaeghe und Vincent Mannaert, der Manager von AA Gent, Michel Louwagie, der ehemalige Sportdirektor und der heutige Präsident von Standard Lüttich, Olivier Renard und Bruno Venanzi, sowie der ehemalige Präsident des Fußballverbandes und amtierende Geschäftsführer von Sporting Charleroi, Mehdi Bayat.

Der beschuldigte Schiedsrichter Bart Vertenten (l) gewährte dem RFC Antwerp in der Saison 2017-2018 im Spiel gegen die AS Eupen einen Elfmeter, der keiner war. Zum Glück für Eupen hatte die Fehlentscheidung für Eupen keine gravierenden Folgen. Foto: Belga

Gegen einige ehemalige Vereinsmanager von KV Mechelen und Waasland Beveren wird wegen Korruption ermittelt. Dies betrifft den bereits bekannten Fall von Spielmanipulationen beim Spiel KV Mechelen-Waasland-Beveren, dem entscheidenden Spiel im Kampf gegen den Abstieg in der Saison 2017-2018, dem die AS Eupen nach dem 4:0-Sieg gegen Excel Mouscron am 11. März 2018 entkommen konnte.

Die föderale Staatsanwaltschaft sieht auch bei den Schiedsrichtern Sebastien Delferière und Bart Vertenten Hinweise auf Korruption. Delferière war ein enger Freund von Dejan Veljkovic und soll in den Genuss von privaten Vergünstigungen gekommen sein, während sein damaliger Kollege Vertenten in der Partie der AS Eupen beim RFC Antwerp, ebenfalls im Abstiegskampf der Saison 2017-2018, gegen Eupen einen Elfmeter pfiff, der keiner war.

Ehemalige Trainer und Clubmanager laufen ebenfalls Gefahr, angeklagt zu werden. Dazu gehören der ehemalige Trainer des FC Brügge und des RFC Antwerp, Ivan Leko, und der frühere Anderlecht-Manager Herman Van Holsbeeck.

Mogi Bayat (Bildmitte) auf der Ehrentribüne des RSC Anderlecht bei einem Spiel gegen den SC Charleroi im April 2018. Foto: Belga

Auch die Namen der Trainer Peter Maes, Glen De Boeck und Yannick Ferrera sind in der Klage zu finden, ebenso der von Erwin Lemmens, derzeit Torwarttrainer der Nationalmannschaft und Mitglied im technischen Stab von Nationaltrainer Roberto Martinez.

Die 57 Personen im Visier der Justiz hatten eine enge oder entfernte Verbindung zu den Praktiken der beiden Spielervermittler Mogi Bayat und Dejan Veljkovic. Bayat wird wegen Urkundenfälschung bei verschiedenen Transfers strafrechtlich verfolgt.

Veljkovic hingegen genießt einen Status als Kronzeuge und wird deshalb nicht strafrechtlich verfolgt, was auch sehr umstritten ist, aber andererseits den Ermittlungsbehörden geholfen hat, den mutmaßlichen Betrügern auf die Spur zu kommen.

Nachdem sich der belgische Profifußball sportlich schon länger auf Talfahrt befindet, wie der Absturz in der 5-Jahreswertung der UEFA zeigt, und wahrscheinlich ab der Saison 2023-2024 den gesicherten Startplatz in der lukrativen Champions League verlieren dürfte, droht jetzt der Jupiler Pro League durch den sich ausweitenden Skandal auch noch ein weiterer empfindlicher Imageverlust im In- und Ausland. (cre)

18 Antworten auf “Belgischer Fußballskandal: Präsidenten, Topmanager, Berater und Schiedsrichter sollen angeklagt werden”

  1. Tiefes Sumpfloch

    Ein gefundenes Fressen für die Anwälte! Es wird ein Monate-, nein, Jahrelanges Wirwar und Hin und Her geben! Und zum Schluss Freisprüche am laufenden Band bzw Accords von Einmalzahlungengen mit den Richtern! Wetten das!? Was für ein Sumpf? Fast nicht zu glauben?

      • Walter Keutgen

        5/11, Tiefes Sumpfloch meint sicher „transactions à l’amiable“, „minnelijke schikking“. Müssten wir alle von Verkehrsübertretungen kennen. Der Staatsanwalt verzichtet gegen Geldzahlung auf Verfolgung. Ob das bei solchen schweren Taten klappt, bezweifele ich. Jedenfalls hat die Staatsanwaltschaft in einigen Fällen von eigener Verfolgung abgesehen und übergibt die Akten an das Finanzamt. Das wird auch mit denen jener geschehen, deren Verfolgung die Ratskammer einstellt.

        • Karlchen

          Einfach mit Zwangsimpfung drohen.
          Dann hören solche Machenschaften sofort auf.

          Als nicht AS Eupen Fan oder Bewunderer.
          Machen da endlich ein paar Verschwörungstheorien und Schiri-Fehlentscheidungen Sinn

  2. Piersoul Rudi

    Wer glaubt die „Einflußreichen“ werden irgendwann zur Rechenschaft gezogen wird des Besseren belehrt werden…in ein paar Jahr…
    Am Ende wird die Putzfrau des FC Nimmersatt(Fiktiever Verein) verurteilt weil, zuviel Seife durch den Gully gelaufen ist…
    Aber all die bis jetzt Genannten werden es in jeden Fall nicht sein…
    Dieses Schmierentheater hatte man schon mal…
    MfG.

      • Corona2019

        @ – Piersoul Rudi

        Wenn ihre Vermutung Wirklichkeit wird, dann muss man aber davon ausgehen , das vom Staatsanwalt über Richter bis hin zu manchen Politikern ,die Finger mit im Spiel haben.

        Und wenn das bei uns so ist, kann man davon ausgehen das in anderen Ländern das gleiche Spiel läuft.

        Es geht sich ja auch nur um ein paar Millionen jede Woche die das Resultat des Spiel Endes je nach Wetteinsatz bestimmen.

        Der Wirecard Skandal wäre in der Gesamtsumme jedenfalls ein Witz gegen diesen Skandal , wenn man alles zusammen zählt.

          • Corona2019

            @ – ma 6:36

            Und wenn sie die Spieleinsätze von jeder Woche zusammenzählen seitdem die Fans betrogen werden? .
            Persönlich bin ich ja kein Fußball Narr, aber ich habe das Gefühl vielen Fans ist es auch egal, hauptsache das Spiel sieht spannend aus.

        • Also in der Wirecardbranche wird täglich mehr betrogen als 10 Jahtre Fussball Wetten und Ablösesummen zusammen! Gehen sie allein von Cum-Ex Ex-Cum on der EU von 600-700 Milliarden pro Jahr aus! Das ist dann auch nur die Spitze vom Eisberg!

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