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Belgiens „Kunstpapst“ Jan Fabre werden in einem offenen Brief sexuelle Übergriffe vorgeworfen

Der Künstler Jan Fabre (links) im Gespräch mit dem früheren Direktor des Ikob, Francis Feidler, im Dezember 2012 im IKOB in Eupen. Foto: Gerd Comouth

Jan Fabre ist international einer der bekanntesten noch lebenden Künstler aus Belgien. Jetzt wird der „Kunstpapst“ von 20 ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des Tanz-Ensemble Troubleyn öffentlich an den Pranger gestellt. Dem als „Provokateur“ über die Grenzen hinaus bekannte Künstler, der Ende 2012 in Eupen mit einer Spinnen-Ausstellung im Museum IKOB mit Tierschützern in Konflikt geriet, werden u.a. sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Wie das VRT-Portal flanderninfo.be berichtete, geht es um sexuelle Belästigung, Einschüchterung, öffentliche Erniedrigung und anderes mehr. Die Vorwürfe sind nicht nur gegen den Künstler, Regisseur, Kurator und Choreografen Jan Fabre selbst gerichtet, sondern auch gegen Troubleyn als dessen Arbeitgeber, denn dieser habe „eher weggeschaut“.

Der offene Brief der (Ex-)Mitarbeiter und Praktikanten der Compagnie Troubleyn erschien um Mitternacht auf der Webseite des Kulturmagazins „Rekto:Verso“.

Michel Vandenbosch (links) von der Tierschutzorganisation GAIA (links) Ende 2012 im Gespräch mit dem Künstler Jan Fabre (rechts) bei der Vernissage der umstrittenen Spinnen-Ausstellung im IKOB in Eupen. Foto: Gerd Comouth

Anlass war ein Interview der VRT mit Jan Fabre vom 27. Juni 2018, in dem der Künstler behauptet habe, dass es Zustände, wie in zahlreichen #metoo-Schilderungen weltweit geschildert, in seiner Kompagnie nicht gegeben habe und nicht gebe.

Diese Aussage ist nach Ansicht der Unterzeichner des offenen Briefes eine glatte Lüge. Vielmehr soll Fabre jahreland Tänzerinnen erniedrigt haben, auch öffentlich während Proben. Auch Mitarbeiter, die gegen diese Art des Umgangs mit Kolleginnen protestierten, seien später Opfer von derartigen Angriffen geworden.

Bei Fabre sei es gängige Praxis gewesen, so ein weiterer Vorwurf, dass ohne Sex kein Solotanz gewährt wurde. Hinzu komme noch der Vorwurf, dass Fabre Tänzerinnen dazu genötigt habe, für ihn bei sexuell grenzwertigen Fotoshootings Modell zu stehen. Wer dabei nicht mitgemacht habe, sei im Nachhinein bei der Vergabe von Rollen für Tanzaufführungen benachteiligt worden.

Unterdessen hat Troubleyn bedauert, dass die Vorwürfe über die Medien geäußert würden und nicht in einem Gespräch. Dies sei ein unehrlicher öffentlicher Prozess, in dem Jan Fabre an den Pranger gestellt werde, ohne sich dagegen wehren zu können.

Inzwischen hat der flämische Kulturminister Sven Gatz eine Prüfung der Vorwürfe gegen Jan Fabre angekündigt. (flanderninfo.be/cre)

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