Leute von heute

Ganz in Weiß für ein bisschen Frieden: Vor genau 50 Jahren das „Bed-In“ mit John Lennon und Yoko Ono in Amsterdam

Das „Bed-In“ von John Lennon und Yoko Ono vor genau 50 Jahren wurde im Wachsfigurenmuseum Grevin im kanadischen Montreal verewigt. Foto: Shutterstock

Es ist eine der skurrilsten Friedens-Demos der Geschichte. Das legendäre „Bed-In“ von Beatle John Lennon und Yoko Ono in Amsterdam vor 50 Jahren. Doch von Sex und Rock ’n‘ Roll keine Spur.

Das Brautpaar trug Weiß, die langen Haare waren sorgsam geföhnt, als es aus dem creme-farbenen Rolls Royce stieg. Es war fast Mitternacht, und doch drängten sich Dutzende von Fotografen vor dem Hilton-Hotel in Amsterdam: Die Blitzlichter flackerten auf.

Es war der 24. März 1969, der Beginn eines der legendärsten Happenings der 1960er Jahre. Das „Bed-In“ von John Lennon und Yoko Ono.

Sieben Tage lang im Bett

Der Beatles-Star und die japanische Konzeptkünstlerin hatten wenige Tage zuvor geheiratet und waren von Paris aus mit der Luxus-Limousine nach Amsterdam gefahren, um dort das zu tun, was Frischverliebte am allerliebsten tun: im Bett bleiben. Und das sieben Tage lang.

25.03.1969, Niederlande, Amsterdam: Kurz nach ihrer Hochzeit geben der ehemalige Beatle John Lennon und seine Frau, die japanische Künstlerin Yoko Ono, am 25. März 1969 in einem Bett im Hilton Hotel in Amsterdam sitzend eine Pressekonferenz. Foto: AnP/epa/dpa

Doch sie schlossen nicht etwa Türen und Gardinen, sondern luden die Weltpresse ein. Ihre Flitterwochen sollten eine Demonstration gegen den Krieg sein, vor allem den in Vietnam. „Wir bleiben im Bett für den Frieden“, erklärte Beatle Lennon vom breiten Doppelbett aus.

Die Suite 902 war bis auf das Bett fast völlig leer geräumt. Täglich hielt das berühmte Paar Audienz. Dutzende Journalisten aus aller Welt saßen auf der Bettkante, dazu kamen zahlreiche Fans, sie wollten Autogramme oder brachten Geschenke wie ein Fahrrad und Tulpen.

An das goldene Jubiläum des Happenings wird nun mit Ausstellungen und Konzerten in Amsterdam erinnert. Und Augenzeugen – Fotografen, Reporter oder auch frühere Zimmermädchen – erzählen, wie das damals zuging in Suite 902. Die vollen Aschenbecher, Essensreste, Poster und Zeichnungen an den Wänden sind natürlich längst verschwunden.

Heute ist die Honeymoon-Suite schick gestylt, mit echten Lennon-Zeichnungen an den Wänden, und äußerst begehrt bei Gutbetuchten. Unzählige Fotos und Filme bezeugen diese skurrile Friedensdemo. Lennon selbst setzte ihr musikalisch mit der „Ballad of John und Yoko“ ein Denkmal.

Dabei war eigentlich gar nichts passiert: Sieben Tage lang saßen und lagen John und Yoko im Bett. Ans Fenster hatten sie Poster geklebt: „Hair Peace“ und „Bed Peace“. „Wir bringen die Botschaft von Love und Peace“, sagte Lennon den Reportern. Und Yoko zwitscherte mit ihrer Klein-Mädchen-Stimme: „Amsterdam ist so ein inspirierendes Zentrum für junge Leute“.

Amsterdam war ein magisches Zentrum der Protestjugend

Da hatte sie nicht ganz Unrecht. Die niederländische Metropole war 1969 ein magisches Zentrum für die Protestjugend aus Europa. „In Amsterdam war alles möglich“, erinnert sich der damalige Society-Journalist Henk van der Meijden. Hippies schliefen in den Parks, machten Musik, Marihuana war frei zu kaufen.

Reporter, die sich in Suite 902 pikante Szenen erhofft hatten, wurden allerdings enttäuscht. Noch nicht einmal ein Fitzelchen nackte Haut war zu sehen. John und Yoko hatten die weißen Pyjamas bis oben hin zugeknöpft. Ihre langen Haare wurden immer strähniger. „Es stank ein bisschen“, weiß Journalist van der Meijden noch.

Yoko Ono (86) wiederum erinnert sich vor allem an die „Romantik“. „John und ich hatten doch gerade erst geheiratet“, sagte die Witwe von John Lennon, der 1980 vom Fan Mark Chapman in New York ermordet worden war, einmal in einem Interview. „Dies war unsere Hochzeitsreise.“

Für viele Beatles-Fans war Yoko Ono (heute 86 Jahre, hier ein Foto von 2018) der Spaltpilz der Band, die „Hexe“. Foto: Shutterstock

Aber für viele Beatles-Fans war es viel eher eine „Scheidungsreise“, wie sich der TV-Journalist Paul Wittemann erinnert. Er saß damals als Praktikant auf der Bettkante in der Suite. Für viele Fans war Yoko Ono der Spaltpilz der Band, die „Hexe“. „Wir wollten, dass sie neue Platten machten“, sagte Wittemann dem niederländischen Fernsehen. „Und damals dachten wir, dass sie das verhinderte.“ Tatsächlich sollte die Band ein Jahr später auseinandergehen.

Das mit dem Weltfrieden nahm schon damals kaum ein Reporter dem Pärchen ab. Viele sahen die Aktion als schamlose Selbstinszenierung. Lennon verteidigte sich: „Im Bett bleiben ist die effektivste Weise, um für Frieden zu demonstrieren.“ Tja, wenn man es sich leisten kann, konterten die Kritiker. „Das ist kein Luxus, sondern harte Arbeit, den ganzen Tag eure Fragen zu beantworten“, sagte Lennon und empfahl eine billigere Methode: „Lasst eure Haare wachsen.“

Nach sieben Tagen verließen John und Yoko Bett und Hotel. Den Weltfrieden hatten sie zwar nicht geschaffen. Aber Amsterdam hatte sie auf den Geschmack gebracht. Nur wenige Monate später schrieb Lennon bei einem zweiten „Bed-In“ im Queen Elizabeth Hotel im kanadischen Montreal den Song „Give Peace a Chance“ – bis heute eine Hymne der Friedensbewegung. (dpa)

4 Antworten auf “Ganz in Weiß für ein bisschen Frieden: Vor genau 50 Jahren das „Bed-In“ mit John Lennon und Yoko Ono in Amsterdam”

  1. Werner Bosch

    Was ist an der Aktion so besonderes? Wir haben doch genug, auch in unseren Reihen, die tagelang im Bett liegen. Gut, sie beantworten keine Fragen von Journalisten und machen keine Fotos. Dafür liegen sie aber länger als sieben Tage im Bett. Sie schicken ihre Frauen arbeiten und kassieren Stütze. Voll politisch und so.

    • Werter Herr Bosch,

      Sie betrachten diese Aktion aus heutiger Sicht. Ich kann mich noch gut an die moralische Empörung Einiger erinnern die zwei, völlig bekleidete, Menschen in einem Bett als sittlich verwerflich empfanden und John Lennon empfahlen statt Imagine lieber 10 Ave Maria zu singen.

  2. :-((((((((((

    A picture says a thousand words… Und wenn man die heutige Situation betrachtet und bedenkt, daß er „Imagine there’s no countries“ sang.
    Danke, den 68ern, Danke! :-(((((((((((((

Antworten

Impressum Datenschutzerklärung
Desktop Version anfordern