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Aufregung um eine mögliche Bettwanzenplage in Frankreich und Belgien nach Bissen in Kino

Eine Bettwanze beißt in einen Arm. Bettwanzen sind 2023 vor allem in Frankreich, inzwischen aber auch in Belgien, plötzlich ein großes Gesprächsthema. Foto: Sina Schuldt/dpa

Mit ihrem Rücken voller Bettwanzenbisse verlässt eine Pariserin einen Kinosaal. Berichte darüber haben in Frankreich und inzwischen auch in Belgien Aufregung ausgelöst. Sobald irgendwo etwas krabbelt, zücken die Menschen das Handy, fotografieren und fragen sich: Ist das eine Bettwanze?

Sie sind klein, beißen und sind schwer wieder loszuwerden: Bettwanzen sind in Frankreich plötzlich ein großes Gesprächsthema und beschäftigen auch die Regierung. Los ging alles noch in den Sommerferien, als es Aufregung um Wanzen in einem Pariser Kino gab.

Nachdem eine Besucherin der Zeitung „Le Parisien“ schilderte, wie sie mit dem Rücken voller Bisse aus dem Saal kam, sah sich die Kinokette UGC zu einer Entschuldigung veranlasst. Die Wanzen kämen überall vor, wo sich Menschen aufhielten, und man bekämpfe sie. Heißer Wasserdampf werde eingesetzt, ein auf die Insekten spezialisierter Hund inspiziere im Anschluss die Säle, hieß es.

Foto: Pixabay

Berichte über das unangenehme Thema einschließlich Fotos von Wanzen unter dem Vergrößerungsglas haben Teile der Bevölkerung, wie es scheint, nun zu wahren Bettwanzendetektiven werden lassen.

Über die sozialen Medien werden vermeintliche Wanzen gemeldet, wackelige Videobilder inklusive. „10 oder 15 Minuten vor der Ankunft in Lille-Flandres bemerkte ich einen kleinen Käfer, der ein wenig auf dem Sitz herumlief“, schilderte Passagierin Irina dem Sender BFMTV ihre Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug TGV. „Ich fragte mich, ob es vielleicht eine Bettwanze war. Ich habe es gefilmt und an zwei Freunde geschickt, die mir das bestätigt haben.“ Auch aus einem Zug von Marseille nach Paris postete ein junger Passagier eine mutmaßliche Wanze.

Die millionenfach angeklickten Wanzenvideos haben die Staatsbahn SNCF auf den Plan gerufen. In den letzten Monaten habe es keine bestätigte Präsenz von Bettwanzen in den TGV-Zügen gegeben, hieß es. „Dies ist ein Risiko, bei dem wir besonders wachsam sind, wir nehmen jede Meldung ernst und es wird kein Risiko eingegangen“, teilte die SNCF mit. Die Züge würden mit Blick auf Insekten konsequent desinfiziert.

Illustration: Pixabay

Am vergangenen Mittwoch dann gab es eine Wanzenmeldung quasi aus der Herzkammer des Hauptstadtlebens, der Pariser Metro. Ein Fahrer der Linie 8 war sich sicher, einen der Parasiten in der Fahrerkabine entdeckt zu haben. Die Verkehrsbetriebe RATP meldeten, die Bahn sei außer Betrieb genommen worden, weder in dem Zug noch anderen Verkehrsmitteln habe man aber tatsächlich eine Wanze ausfindig gemacht. Längst aber hatten sich die Stadtverwaltung, die Gewerkschaft und Politiker eingeschaltet.

„Der Staat muss dringend alle betroffenen Akteure zusammenbringen, um einen Aktionsplan zu entfalten, der dieser Plage gewachsen ist, während sich ganz Frankreich darauf vorbereitet, 2024 die Olympischen und Paralympischen Spiele auszurichten“, schrieb der erste Stellvertreter der Pariser Bürgermeisterin, Emmanuel Grégoire, an Premierministerin Élisabeth Borne. Angesichts der Wanzen brauche man nicht in eine Psychose zu verfallen, man müsse sich dem Problem aber stellen, sagte der Lokalpolitiker in einem TV-Interview.

In Bezug auf öffentliche Verkehrsmittel nahm Verkehrsminister Clément Beaune sich am Freitag des Wanzenthemas an. Er werde in der nächsten Woche mit den Verkehrsbetrieben über die getroffenen Maßnahmen im Dienste der Reisenden beraten, teilte Beaune mit. Es gehe darum, die Menschen zu beruhigen und zu schützen.

Auch in Belgien sind die vor Jahrzehnten noch quasi verschwundenen Bettwanzen wieder ein Thema, unter anderem durch mehr Mobilität und das viele Reisen. Die Wanzen saugen Blut und leben in bewohnten geschlossenen Räumen. Sie verstecken sich etwa in Betten, in Möbelfugen oder Ritzen. Sie werden zum Beispiel im Gepäck an andere Orte gebracht, aber auch durch getragene Kleidung. Ihr Biss kann starken Juckreiz verursachen. Experten empfehlen, in Hotelbetten vorab nach Wanzen Ausschau zu halten und Gepäck und Kleidung bei der Rückkehr zu Hause in der Dusche auszuschütteln.

Passagiere verlassen ein Flugzeug am Flughafen Charleroi. Offenbar spielen die Ferien eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Bettwanzen. Foto: Virginie Lefour/BELGA/dpa

Auch in Belgien ist die Zunahme von Bettwanzen eine Realität. „Wir bekommen immer mehr Anrufe wegen dieses Problems. Der Höhepunkt begann im Juli und seitdem hört es nicht mehr auf. An manchen Tagen erhalten wir zwei, drei, vier, bis zu fünf oder sechs Anrufe wegen eines Bettwanzenbefalls“, erklärt der Geschäftsführer der Schädlingsbekämpfungsfirma SOS-Ratting.

In der Sendung „Il faut qu’on parle“ auf LN24 berichtete Rafaël Godfrin, Mitgeschäftsführer von Antinuisible SARL, am Freitag, dass er in den letzten zwei Jahren einen Anstieg des Bettwanzenbefalls um 300 Prozent beobachtet habe. „Das Phänomen ist in den letzten vier/fünf Jahren immer stärker geworden und hat in diesem Jahr noch einmal deutlich zugenommen“, sagte er.

Keine belgische Großstadt scheint verschont zu bleiben. „Wir werden von überall her angerufen: Brüssel, Charleroi, Lüttich … Sie sind überall“, berichtet SOS-Ratting gegenüber der Tageszeitung „La Dernière Heure“.

Offenbar spielen die Ferien eine wichtige Rolle bei dieser Verbreitung. „Die Kunden sagen uns alle ungefähr das Gleiche: Die Probleme begannen zwei oder drei Tage nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub. Sie sind nach Frankreich oder Spanien gefahren, haben in Hotels übernachtet und sind mit dem Verkehr gefahren und haben unbemerkt Bettwanzen aus dem Ausland mitgebracht.“ (dpa/cre)

Nachfolgend Tweets zum Thema Bettwanzen:

22 Antworten auf “Aufregung um eine mögliche Bettwanzenplage in Frankreich und Belgien nach Bissen in Kino”

    • Hans-Werner S.

      Hier entwickelt Anorak wiederum eine Glanzleistung an Humoristik und Schelmenhaftigkeit zugleich. Er nutzt die Doppeldeutigkeit des Begrifffes und schmiedet daraus eine Lachsalve erster Güte. Ohne Rücksicht auf das Zwergfell des unbedarften Lesers zündet er diese Spaßrakete und hinterlässt die vom Lachen fast ohnmächtigen Menschen ihrem grausamen Schicksal. Gott hat ihm diese Gabe vermacht und trotzdem teilt er sie mit uns einfachen Leuten, um uns zu erheitern und uns zu helfen unseren schweren Alltag leichter zu schultern. Selbst Inflation und Krieg sind dann plötzlich wie weggeblasen und tangieren uns nur noch nebenbei. Danke, Anorak, für soviel Humor und Freude an den gesamten Leserkreis.

      • Boah nee...

        @Hans-Werner S.:
        Waren Sie früher etwa bekannt unter @Fanpost, meinem damaligem Lieblingskommentator?
        Denselben Schelm im Nacken haben Sie jedenfalls! 🤣👍:

        „Fanpost 7. September 2016 – 21:17
        Hallo, lieber Freund
        In deinem Blut fluten Humorzellen massenweise, deine Lungen müssen Lachgas ausstoßen, dein Gehirn ist wohl ein Witzknotenpunkt und weiter unten baumelt dann ein Lachsack…anders kann ich mir nicht erklären wie in einem einzigen Menschen ein solches Konzentrat an Witz, schelmischem Augenzwinkern und spassigem Mutterwitz vereint sein kann. Jeder Gagschreiber, bei gleich welchem Sender, findet in dir, lieber Freund, seinen Meister. Kurzum: Danke für deinen unglaublichen , grosszügigen Humor.“

          • 9102Anoroc

            @ – Hans – Werner . S

            Sollte ich mal keine Zeit haben einen spannenden Film im Kino zu sehen;
            würden sie bitte für mich den Film schauen ?
            Ich rechne dann zwar hier mit mehreren Seiten von ihnen, die den Film genauestens beschreiben ;
            könnte mir aber vorstellen dass , es spannender und besser beschrieben ist , als das Drehbuch zum Film selber , oder spannender als den Film selbst zu schauen.
            Sage Ihnen dann auch zeitig Bescheid , zu welchem Film , ich das bessere Drehbuch lesen würde.
            Schreiben Sie mir aber bitte nicht , die Namen der Schauspieler falsch.
            Gruß und danke – 9102Anoroc mit oc anstelle von ak –

    • Gastleser

      „Alien“ wollte ich nicht schreiben…
      Ist der Bestand von echten Bettwanzen eigentlich stabil?
      Kann man nicht einen kleinen Zaun ums Bett bauen oder Hütewanzen abrichten.
      Die Entnahme von Problemwanzen ist sicherlich erstmal von Brüssel zu prüfen.

  1. Patrick von Staufenberg

    Nachdem hier viele Leute vielen Blödsinn zum Besten gegeben haben, sollte man das Problem mal objektiv betrachten, denn ganz so lustig ist das wirklich nicht.
    Ich war 2019 in einem Hotel in Antwerpen gewesen, in welchem es einen massiven Bettwanzen-Befall gegeben hatte, von dem uns niemand etwas gesagt hatte. Die Betreiber hatten mit allen möglichen und unmöglichen Insektenvernichtern versucht das Problem selbst zu lösen und das Hotel massiv damit verseucht und dadurch meine berufsbedingte Lungenerkrankung weiter verschlechtert. Wie für Belgien leider üblich, will dafür bis heute niemand aufkommen.

    Es ist ein bekanntes Problem, dass gerade Hotelbetreiber sehr gerne hergehen und mit allen möglichen und unmöglichen Mittelchen versuchen ein Bettwanzen-Problem zu bekämpfen und dabei die Räume mit hoch giftigen Mixturen einnebeln, die das personal und die Gäste schwer schädigen können.
    Es muss in jedem Fall ein System eines öffentlichen Monitoring her, bei dem nicht manipulierbare Bettwanzen-Fallen in den Hotelzimmern installiert werden, in welchen jeder Gast nachsehen kann, ob es dort Bettwanzen-Befall gibt. Auch müssten diese von öffentlicher Hand regelmäßig kontrolliert werden und im Fall eines Befalls dann ein autorisierter Kammerjäger mit der Bekämpfung beauftragt werden. Nur so kann man diesem Problem gezielt und zeitnah Herr werden. Alles andere ist ungeeignet und vor allem gefährlich.
    Zumal zu beachten ist, dass gerade Bettwanzen sehr schnell resistent gegen die geläufigen Insektizide werden können und dann bald nichts mehr dagegen hilft.
    Viele neuere Hotels sind schon so ausgestattet, dass Bettwanzen keine Verstecke mehr finden können und man Ritzen und dergleichen vermeidet. Dort sind die Bettwanzen sehr schnell durch mechanische Reinigung und eine Behandlung der Matratzen in einem im Servicebereich befindlichen Wärmebehandlungsschrank schnell abgetötet. Aber die kleineren Hotels und Pensionen haben so etwas nicht und dort ist der Befall häufig das größere Problem.
    Das es natürlich ein Problem ist die Politik dahin zu bewegen sich Gedanken und vor allem Maßnahmen zu entwickeln ist dabei auch klar. Aber es wird nichts helfen. Denn letztlich werden viele Hotelgäste die Bettwanzen mit nach Hause nehmen und das Problem wird sich dann sehr schnell flächendeckend ausweiten. Da aber gerade beim Thema des Mitnehmen der Bettwanzen aus den Hotels die Gefahr besteht, dass diese dann auch in den Verkehrsmitteln und dabei vor allem Busen und Bahnen sich auf andere Leute und deren Gepäckstücke ausdehnen ist ein weiteres Problem.
    Es sollte also schnell und zielgerichtet gehandelt werden.

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