Kultur

„Auf dem Marktplatz“: Freddy Derwahl kündigt seine Autobiografie an – 50 Jahre „an allen Fronten dabei“

Freddy Derwahl bei einem Gespräch „auf dem Marktplatz“. So lautet auch der Titel seiner im März erscheinenden Autobiografie. Foto: OD

Nicht im Grenz-Echo Verlag, sondern im kbv Verlag in Hillesheim (Vulkaneifel) erscheint im kommenden Monat die Autobiografie des Eupener Journalisten und Schriftstellers Freddy Derwahl. Das Buch ist 320 Seiten stark und enthält zudem einen Bildteil.

In seiner Autobiografie, die sich „Auf dem Marktplatz“ nennt, geht der 72-Jährige auf ein halbes Jahrhundert Autonomie ein, das er begleitet hat – als BRF-Journalist, Mitarbeiter von „Grenz-Echo“ und „Grenzland-Report“ sowie als Buchautor und Schriftsteller.

„Seit dem Aufbruch in eine ostbelgische Autonomie im März 1968“ sei Derwahl „an allen Fronten dabei“ gewesen, heißt es im Klappentext des Buches, wobei Kritiker ihm womöglich vorhalten werden, dass er nicht nur „an allen Fronten dabei“ gewesen sei, sondern gelegentlich auch „die Fronten gewechselt“ habe.

Die Jungliberalen von 1968 mit u.a. Alfred Küchenberg (3.v.l.), Hans Engels (im Vordergrund) und Freddy Derwahl (r). Foto: Archiv Grenzland-Report

In der Tat gab es einige Turbulenzen im aktiven Berufsleben von Freddy Derwahl. Er begann 1968 als Wahlkämpfer für die PFF von Spitzenkandidat Gert Noël, die Front machte gegen Grenz-Echo und CSP. Nur zwei Jahre später, nach der historischen Stadtratswahl 1970 in Eupen, über die er als junger Interimsleiter der Ostbelgien-Ausgabe der AVZ berichtete, trat Derwahl den Christlich-Sozialen bei. Später wurde er Attaché im Brüsseler Kabinett des Staatssekretärs Willy Schyns (CSP).

In Derwahls Leben hat es so manches Mal geknallt, bevor es irgendwann wieder zur Versöhnung kam, so wie mit PDB-Legende Lorenz Paasch im Wahlkampf 2009, über zwei Jahrzehnte nach Ausbruch der sogenannten „Niermann-Affäre“, nach deren Enthüllung durch Derwahl es zwischen beiden zu einer offenen Feindschaft gekommen war.

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Die BHF-BRF-Redakteure Peter Thomas, Freddy Derwahl und Hans Engels (v.l.n.r.).

Seine lange Freundschaft mit dem ehemaligen Grenz-Echo-Verleger Alfred Küchenberg, der Derwahl immer unterstützte, bevor er ihn als Grenz-Echo-Kolumnist feuerte, um ihn Jahre später wieder zurückzuholen, dürfte in der Autobiografie ebenfalls eine Rolle spielen.

Die Autobiografie sei „eine intime Lebensgeschichte“, die Derwahl „im Stil sehr persönlicher Bekenntnisse erzählt“. Seine eigentliche Berufung sei die Literatur gewesen, heißt es auf dem Klappentext zu dem im März erscheinenden Buch. „Der auf einem Bauernhof in Eupen lebende Vater von zwei Söhnen und drei Töchtern schreibt Gedichte, Romane, Kinderbücher, Krimis und Biografien, die stark beachtet werden.“

Nach schwerer Krankheit beginnt 2003 für Derwahl eine Lebenswende, die sich in spiritueller Lyrik und Tagebuchnotizen äußert. „Während seine ostbelgische Heimat eine vorbildliche Autonomie erhält, zieht es den Autor in die Stille des Hohen Venns, der Eifel und seines Gartens zurück.“

Redaktionsmitglieder des „Grenzland-Report“ 1984 bei einer Besprechung (v.l.n.r.: Gerard Cremer, Werner Barth, Werner Mießen, Freddy Derwahl, Werner Baumgarten und Edgard Belleflamme).

Ursprünglich war es Derwahls Wunsch gewesen, die Autobiografie im Grenz-Echo Verlag (GEV) erscheinen zu lassen. Jedoch erteilte Grenz-Echo-Geschäftsführer Olivier Verdin Derwahl eine Absage, die den Autor heute noch schmerzt.

Eine Veröffentlichung für den ostbelgischen Markt sei „kaum tragfähig“, hatte Verdin sein Nein begründet. „Ein bescheidener bzw. sehr überschaubarer Buchmarkt, verknüpft mit einer ‚kleinen’ Auflage, lassen uns aus wirtschaftlichen Gründen keinen Handlungsspielraum“, so Verdin.

Verdins Argument, dass seine Autobiografie finanziell nicht tragfähig sei, ist für Derwahl nur eine faule Ausrede: „Dass jetzt meine Lebensgeschichte (persönlich, politisch, publizistisch) die Leser nicht interessieren soll, leuchtet nicht ein, zumal sie auch in Brüssel, Aachen und in der Eifel spielt. Vor allem wenn man bedenkt, dass in diesem regional orientierten Grenz-Echo Verlag weitaus bescheidenere Bücher etwa über Steuerwesen, die Kelmiser Koul und Nonnenfürzchen erschienen sind.“ (cre)

18 Antworten auf “„Auf dem Marktplatz“: Freddy Derwahl kündigt seine Autobiografie an – 50 Jahre „an allen Fronten dabei“”

  1. treesche

    Wir wissen doch alle, dass das Grenzecho eine zu grosse Nähe zur Politik hat. Finanziell ist dieser Verlag leider nicht unabhängig. Das ist keine gute Situation. Es ist vielleicht besser, dass Herr Derwahl in einem anderen Verlag publiziert.

  2. Denke auch, dass Freddy Derwahl gut getan hat, sich einen auswärtigen Verlag zu suchen. Die DG ist einfach viel zu klein und Eupen ein ‚Knottervolk‘. Derwahl’s neur Verlag spielt einfach in einer anderen Liga und hat viel mehr Vermarktungspotential als der kleine subventionierte Verlag am Marktplatz.

  3. Freddy Derwahl

    Die von Gerard Cremer angesprochenen kritischen Punkte über wechselnde Fronten werden in mehreren Kapiteln meines Mitte März erscheinenden Buches ausführlich zur Sprache kommen. Es geht darin um Lebenserinnerungen an einem Schnittpunkt nach schweren Krankheiten. Wenn nach 72 Jahren diese Erinnerungen nicht ungeschminkt sind, lässt man es besser sein.

  4. Zaungast

    „Nicht im Grenz-Echo Verlag, sondern im kbv Verlag in Hillesheim (Vulkaneifel) erscheint im kommenden Monat…“

    „Auf dem Marktplatz“ steht dann im Verlagskatalog zwischen Titeln wie diesen hier: „Der Tod klebt ihm an den Sohlen“, „Aachener Gangster“, „Zerrissene Wahrheit“, „So tot wie nie“, „Das Blutspiel“, „Tod unter Gurken“, „Wenn die Eifel brennt“ und u. a.
    https://kbv-verlag.de/

    Dieser Verlag aus dem Eifelörtchen Hillesheim, rund 3000 Einwohner, Verbandsgemeinde Gerolstein, sagt über sich:
    „Mordsgeschichten mit Charakter, Autoren mit einem besonderen Gespür für spannungsgeladene Plots. Diese Mixtur aus Qualität und Originalität, in so manchem Fall zusätzlich mit einer großen Prise tiefschwarzen Humors gewürzt, macht KBV im Bereich der Kriminal-Literatur zu einem der erfolgreichsten Verlage Deutschlands.“ ( https://kbv-verlag.de/ueberuns.html# )

    (Politischer) Mord, Intrigen, Ermittlungen (Niermann), Kampagnen, Prozesse, Justizskandale (je nach Standpunkt), Versöhnungen, Verrat, all dieses Eupener Milieu passt doch zu diesem verlegerischen Umfeld.

    „Derwahl’s neuer Verlag spielt einfach in einer anderen Liga und hat viel mehr Vermarktungspotential als der kleine subventionierte Verlag am Marktplatz.“
    Mag sein, aber ob der Krimifan aus Hamburg oder Berlin sich für die Vita des Herrn Derwahl oder Eupener bzw. ostbelgische Lokalpolitik interessieren wird, darf dann doch bezweifelt werden. Selbst in Monschau dürfte dieses Interesse sich in Grenzen halten.

    Dennoch könnte dieses Buch für Ostbelgien interessant werden, sofern Herr Derwahl darin wirklich die ungeschminkte Wahrheit über sich und seine Widersacher/Freunde bringt.

    • Unter dem Titel „Auf dem Marktplatz“, werden die Lebenserinnerungen des ostbelgischen Autors Freddy Derwahl Ende März/Anfang April bei uns erscheinen. Ein 300 Seiten starkes Hardcover-Buch mit zwei zusätzlichen, vierfarbigen Bildteilen.
      Es wird nicht in der KBV-Krimireihe veröffentlicht werden, sondern in unserem Imprint „Edition Eyfalia“, (www.edition-eyfalia.de) und sich mithin auch nicht zwischen unseren Spannungstiteln wiederfinden, sondern Seite an Seite mit literarischen Werken wie „Eifel“ des preisgekrönten Autors Walter Schenker oder „Michel B. verzettelt sich“des Kulturjournalisten Ulrich Land.

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