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Atomexperten: Tihange 2 verletzt internationale Sicherheits-Maßstäbe

Blick über die Maas auf die drei Kühltürme des Kernkraftwerks Tihange bei Lüttich. Foto: Rainer Jensen/dpa

Das umstrittene belgische Kernkraftwerk Tihange 2 bei Lüttich verletzt nach Einschätzung eines Experten-Netzwerks international anerkannte Sicherheits-Maßstäbe.

Der Reaktor mit Tausenden Rissen müsse nach dem jetzigen Stand der Erkenntnisse vorerst stillgelegt werden, heißt es in einer Erklärung, die das Netzwerk Inrag bei seiner Fachtagung am Samstag in Aachen verabschieden will.

Aktionen gegen das AKW Tihange gab es schon mehrere, zum Beispiel diese Laser-Protestaktion deutscher Atomkraftgegner Ende September 2016 in Tihange. Foto: epa

Der Betreiber Electrabel widersprach: „Die drei Reaktorblöcke von Tihange werden vollkommen sicher betrieben und erfüllen sämtliche Sicherheits-Anforderungen der Kontrollbehörden.“

Nach Auffassung der Netzwerk-Experten ist die Herkunft der Risse im Reaktordruck-Behälter nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt, wie sie am Freitag in Aachen erklärten. „Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen“, sagte Professor Wolfgang Renneberg, früher Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im bundesdeutschen Umweltministerium.

Ein absoluter Sonderfall

„Ein Reaktorbehälter darf nicht kaputtgehen. Wenn er kaputtgeht, gibt es keine Sicherheitssysteme, die das auffangen“, sagte Renneberg. Darum werde die ganze Sicherheit in die Qualität des Stahls und des Materials gesteckt. „Jetzt hat man den absoluten Sonderfall, dass hier bei einem Reaktordruckbehälter diese Prinzipien offensichtlich verletzt worden sind.“

Die Menschenkette vor den Kühltürmen des AKW Tihange am 25. Juni 2017. Foto: OD

Betreiber Electrabel betont dagegen, dass die Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 und dem zweiten Riss-Reaktor Doel 3 bei Antwerpen nach einer besonders umfangreichen wissenschaftlichen Analyse durch Dutzende von unabhängigen nationalen und internationalen Experten genehmigt worden sei.

Tihange 2 war nach Entdeckung der Risse 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, ging aber 2015 wieder ans Netz.

Auch die deutsche Bundesregierung hatte Zweifel an der Sicherheit in einem möglichen Störfall. Sie hatte Belgien deshalb gebeten, Tihange 2 vorerst vom Netz zu nehmen. Die belgische Atomaufsicht sah aber bisher keinen Grund dafür. (dpa)

15 Antworten auf “Atomexperten: Tihange 2 verletzt internationale Sicherheits-Maßstäbe”

  1. Augen auf!

    Buaaaaah Herr Cremer !
    Wie oft noch?
    Immer die selbe Leier von selbsternannten Atomexperten.
    Alle Atomexperte die warnen sind Experten und alle Experten die behaupten es gäbe keinen Grund zur Sorge sind Lügner. oder werden nicht erwähnt.
    Was für eine einseitige Berichterstattung. Das nennt sich objektive Journalismus ?

  2. Ach der Herr Renneberg, zeitweise als Professor am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien tätig. Es war dieses Institut welches die „Mögliche radiologische Auswirkungen eines Versagens des Reaktordruckbehälters des KKW Tihange 2“ Studie erstellte. Ich habe damals zu dieser Studie folgendes gepostet:
    Analyse der PP Mögliche radiologische Auswirkungen eines Versagens des Reaktordruckbehälters des KKW Tihange 2.
     Folie 2: Die Studie enthält keine Aussage darüber, wie wahrscheinlich ein Versagen des Reaktordruckbehälters von Tihange 2 ist.
    Kommentar: es handelt sich also um eine rein hypothetische Risikobetrachtung. Genauso gut könnte man über die möglichen Auswirkungen eines Meteoriteneinschlags räsonieren. Eine Risikofolgenbetrachtung ohne Einbeziehung der Eintrittswahrscheinlichkeit ist nichtssagend, in dem Fall reine Panikmache.
     Folie 7: Zugelassene Grenzbelastung für einen kerntechnischen Störfall in Deutschland: 50 Millisievert (mSv) Lebenszeitdosis
    Kommentar: Ein völlig irrealer Grenzwert. In Rom, neben dem Kolosseum z.B., beträgt die Lebenszeitdosis eines 70 – jährigen 165 mSv (0,27 µSv/h); also das 3-fache dieses Grenzwertes.
     Folie 10: Mit welcher Wahrscheinlichkeit würde in der Region der für den Normalbetrieb von Anlagen von Anlagen geltende Wert von 1mSv mehr als dreifach überschritten?

    Kommentar: Das hört sich dann super dramatisch an, 3 mSv/a ist aber unwesentlich mehr als die Dosis in Rom (2,3 mSv/a). Im Schwarzwald gibt es Regionen die kommen auf 10 mSv/a, also das 3-fach vom 3-fachen… Wird der Schwarzwald jetzt evakuiert?

     Folie 11 und Folie 12

    Kommentar: die harmlosen Werte aus Folie 10 in bedrohlichen Farben dargestellt.

     Folie 14 : Wetterbedingte Wahrscheinlichkeit Für eine Kontamination > 1480 kBq Cs-137 ~ 10%

    Kommentar: 1480 kBq Cs-137 entsprechen 19 mSv/a. Das ist ein deutlich erhöhter Wert aber keine Katastrophe. Es gibt bewohnte Gebiete in denen die natürliche Strahlung (Ramsar, Iran) um das 4-fache über diesem Wert liegt. Die verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen fanden keine negativen Effekte auf die Gesundheit. Weder ist die Krebsrateerhöht, noch gibt es Hinweise auf mehr
    genetische Schäden (Chromosomenaberrationen) oder Missgeburten. Das gleiche
    gilt für die vielen anderen High-Rad-Gebiete.

     Folie 15, 16,17 : Welche radioaktiven Belastungen können bei ungünstigen Wetterlagen in der Region Aachen auftreten?

    Kommentar: 7-Tage Dosis > 100 mSv und Lebenszeitdosis bis zu 1000 mSv. Das hört sich dramatisch an, jedoch wurden unterhalb einer akuten Strahlendosis von 250 Millisievert (mSv) noch nie ehrlich Wirkungen auf die Gesundheit beobachtet. Daher fordert u.a. Norbert Rempe, Geologe und Strahlenexperte aus Carlsbad, New Mexico, USA: Um Strahlenexpositionen
    unterhalb von 250 mSv sollte sich keine Behörde kümmern. Und wegen einer Lebenszeitdosis von 1000 mSv würde ich meine Heimat niemals verlassen.

     Folie 18: Strahlenbelastungen für die GroßRegion Aachen wären bei ungünstiger Wetterlage vergleichbar mit Strahlenbelastungen innerhalb der 20 km Sperrzone von Fukushima

    Kommentar: die 20 km Sperrzone von Fukushima ist eine politischen “Todeszone“, aber nicht wegen der Radioaktivität sondern wegen der Toten auf Grund einer völlig unnötigen Evakuierung.

    Fazit: Die Diskussionen werden vorwiegend auf
    der emotionalen Ebene statt auf der sachlichen geführt. Die Gefahren
    werden übertrieben, die Grenzwerte unverhältnismäßig tief angesetzt.

    • Sie sind ein Experte darin, mit Ihren Beiträgen, die 1. so lang sind, dass niemand sie liest und 2. schon der Ankündigung nach Wiederholungen sind, allen Meinungsaustausch zum Erliegen zu bringen.

      Es geht nicht bloß um physikalische Fragen – obwohl auch diese unter Fachleuten strittig sind –, es geht auch um Medizin, Ängste, Zukunft und: Politik.

      Zudem ist es falsch, die INRAG auf dem im Übrigen international angesehenen Herrn Renneberg zu reduzieren.

      • „Es geht nicht bloß um physikalische Fragen – obwohl auch diese unter Fachleuten strittig sind –, es geht auch um Medizin, Ängste, Zukunft und: Politik.“
        Sehen Sie Lionne, genau da ist der Fehler. Es geht sehr wohl um technische Fragen und Sicherheit und nicht um Ängste und Politik. Da man kein technisches Problem findet verursacht man Ängste um so die Politik zu beeinflussen. Genausogut könnte man morgen die Angst vor dem Zahnarzt (die ja viele Menschen haben) dazu nutzen die Zahnärzte abzuschaffen. Klug?

        • Es geht sehr wohl um technische Fragen und Sicherheit……

          @ Joseph

          Es geht auch um Vertrauen in die Technik.

          Die Reaktoren sind 40 Jahre in Betrieb. Flugzeuge aus dieser Zeit dürfen mittlerweile in Europa nicht mehr fliegen.Die Boeing 747 bekommt selbst als Frachtmaschine keine Lizenz.
          Das minderwertige Materialien verbaut wurden ist inzwischen sogar gerichtsfest bestätigt.
          Ein Wohnhaus wäre längst abgerissen und der Bauherr mit einer dicken Geldstrafe belegt worden.
          Auch das ständige Abschalten wegen technischer Defekte wirk sich enorn vertrauensbildend aus.

          • Aber Edig !
            40 Jahre in Betrieb. Und dann? Wollen Sie dass wir alle Talsperren in Ostbelgien abreissen, schliesslich allemal älter als 40 Jahre oder?
            Die gleichen die auf das Alter der AKW hinweisen wollen unsere 40 Jahre alten F16 Kampfflugzeuge (mit Atomwaffen ausrüstbar) noch viele Jahre weiterfliegen lassen.
            Minderwertige Materialien gerichtsfest bestätigt ? Dann verlinken Sie mal.
            Und das einem die offene Kommunikation negativ ausgelegt wird ist wohl inzwischen modern. Jedesmal wenn ein unbedeutender Wasserhahn tropft wird dies mitgeteilt. Die Belgier sollten es vielleicht wie die Deutschen machen und gar nichts mehr mitteilen.

      • „Es geht nicht bloß um physikalische Fragen – obwohl auch diese unter Fachleuten strittig sind –, es geht auch um Medizin, Ängste, Zukunft und: Politik.“
        ….
        Richtig. Und Ängste schüren ist die politische Grundlage der Öko-Parteien. CO2, NO2, Acrylamid, Fipronil, Glyphosat, Atomstrahlen, Waldsterben, Microplastik…. ich könnte noch lange weiter schreiben um alle die Säue zu benennen die von der grünen Angstindustrie durch’s Dorf getrieben werden um das Stimmvieh in den eigenen Stall zu locken. Natürlich geht es nicht um Physik, damit könnte ja jemand den nackten Kaiser entlarven. Dumm, dümmer, Öko. Wer’s nicht glaubt:
        https://www.tichyseinblick.de/meinungen/focus-interview-mit-annalena-baerbock-gruene-parallelwelt-mit-robotern-und-klimafluechtlingen/

  3. Zu dem von mir erwähnten Vortrag hatte ich bereits am 01.11.2016 beim „Büro für Atomsicherheit“ (Geschäftsführer Wolfgang Renneberg ) folgendes nachgefragt:
    …..
    Zu meinem Verständnis bitte Ich Sie um eine Auskunft zu den Folien 16 und 17.
    Dort wird eine Freisetzung von 119 PBq Cs-137 angegeben. Worauf basiert diese Zahl?

    Das ist eine enorm hohe Zahl, in Fukushima z.B. geht man an vier Reaktoren von 15 PBq Cs-137 aus, bei Tschernobyl von 80 PBq Cs-137.
    Ich habe bis heute keine Antwort darauf erhalten! Warum wohl nicht…..

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