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Die AS Eupen spielt gegen den letzten belgischen Europapokalsieger

Diese Mannschaft des KV Mechelen (u.a. mit Torhüter Michel Preud'homme) gehörte Ende der 1980er Jahre zu den Topteams in Europa. 1988 gewann sie den Europapokal der Pokalsieger. Foto: stamnummer25.be

Wenn die AS Eupen am Samstag auf den KV Mechelen trifft, dann geht es „nur“ um den Kampf gegen den Abstieg in die 2. Liga, was im Ausland nur ganz wenige Leute interessieren dürfte. Vor 30 Jahren jedoch war der KV Mechelen international eine große Nummer, da interessierte sich ganz Europa für den Klub aus der Erzbistumsstadt.

Der Verein wurde mit finanzieller Unterstützung des Industriellen John Cordier 1987 belgischer Pokalsieger, gewann 1988 den Europapokal der Pokalsieger und den europäischen Supercup und wurde 1989 Landesmeister.

Trainer in dieser Zeit war der Niederländer Aad de Mos. Bekannteste Spieler bei diesem Erfolg waren Michel Preud’homme, Graeme Rutjes, Erwin Koeman, Marc Emmers und Leo Clijsters.

Das Vereinslogo des KV Mechelen.

Höhepunkt war natürlich der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1988. Das Finale in Straßburg wurde gegen Ajax Amsterdam mit 1:0 gewonnen. Es war zugleich der letzte Europapokalsieg einer belgischen Mannschaft.

Die damalige Mannschaft des KV Mechelen: Preud’homme; Clijsters, Sanders, Rutjes, Deferm; Hofkens (73. Theunis), Emmers, E. Koeman, De Wilde (60. Demesmaeker); Den Boer, Ohana.

In der Folgezeit erreichten zwar der RSC Anderlecht (1990 gegen Sampdoria Genua) und der RFC Antwerp (1993 gegen AC Parma) noch ein europäisches Endspiel, jedoch ging das Finale für beide Klubs verloren.

Der KV Mechelen lieferte in der Saison 1989-1990 im Europapokal der Landesmeister ein heldenhaftes Spiel gegen die damalige Übermannschaft des AC Mailand (mit Gullit, van Basten und Rijkaard), doch konnte der Verein in der Folgezeit nicht mehr an die großen Erfolge anknüpfen.

2002 bekam der KV Mechelen sogar schwere finanzielle Probleme. Eine Streichung aus dem Vereinsregister konnte durch eine Sammelaktion von Mark Uytterhoeven, Piet den Boer und Fi Van Hoof verhindert werden. Dennoch stieg der Verein in die 3. Division ab. Dort bestritt man ein Derby gegen Racing Mechelen vor sage und schreibe 11.000 Zuschauern.

Eupen „Europapokalsiegerbesieger“?

In der Saison 2004-2005 wurde das Team Meister und stieg in die 2. Division auf. In der Saison 2006-2007 belegte der KV Mechelen den 2. Platz und schaffte in der Aufstiegsrunde die Rückkehr in die 1. Division, in der er jetzt um den Klassenerhalt kämpft.

Sollte Eupen also am Samstag gewinnen, kann sie sich – in etwa so wie einst die Fans von St. Pauli nach einem Sieg gegen Weltpokalsieger FC Bayern – „Europapokalsiegerbesieger“ nennen… (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. Horst G. Laber

    Nananana, „Europapokalsiegerbesieger“

    St. Pauli hat das ja wohl im gleichen Jahr geschafft, keine 29 Jahre später.

    Ich hoffe, es hat keiner T-Shirts in Druck gegeben ……

  2. anti-aspire

    Beim Anblick des Fotos dieser legendären Mannschaft kommen allerdings nostalgische Erinnerungen an wahrlich andere Zeiten hoch, als noch sämtliche Europapokalspiele mittwochs, oft am Nachmittag ausgetragen wurden und maximal drei Ausländer pro Mannschaft auflaufen durften. Mit Blick auf die laufende Europapokalsaison kann man getrost davon ausgehen, dass auch in den kommenden dreißig Jahren kein belgisches Team an diesen Erfolg mehr anknüpfen kann, zumal die ausländischen Ligen wahre Goldgruben schon für durchschnittlich talentierte Kicker bleiben.
    Den vermutlich augenzwinkernd gemeinten Hinweis auf den möglichen Titel der AS als Europapokalsiegerbesieger im Artikel finde ich allerdings auch überraschend dümmlich, v.a. weil OBD gerade in der Fußballberichterstattung ansonsten viel Sachverstand zeigt.

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