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Als Horst Heese 1975 im letzten Spiel einen Elfmeter vergab und AS Eupen absteigen musste

Die Mannschaft der AS Eupen in der Saison 1974-1975. Foto: Jubiläumsbuch „60 Jahre AS Eupen“

Wenn die AS Eupen am Sonntag auf Excelsior Mouscron trifft, dann ist den Schwarz-Weißen zu wünschen, dass es ihnen nicht so ergeht wie an jenem 27. April 1975 – ein schwarzer Tag in der Geschichte der Schwarz-Weißen.

In der 2. Division kämpfte die AS Eupen gegen den Abstieg in die 3. Division. Es war die Saison nach dem um ein Haar im letzten Spiel verpassen Aufstieg in die erste Klasse, als die Mannschaft mit Rainer Gebauer in Lokeren verlor.

Im Sommer 1974 wurde das Kehrweg-Stadion umgebaut und mit einer hochmodernen Flutlichtanlage ausgestattet. Die Eupener Vereinsführung war fest entschlossen, auch in der Saison 1974-1975 wieder ganz oben mitzumischen und womöglich im zweiten Anlauf den Aufstieg ins Fußball-Oberhaus zu schaffen.

Horst Heese wenige Jahre nach seiner Zeit bei der AS Eupen, als Trainer des 1. FC Nürnberg (Saison 1980-1981). Foto: dpa/picture-alliance

Um den Verkauf von Topstürmer Rainer Gebauer an den SC Charleroi mehr als nur zu kompensieren, hatte AS-Manager Paul Brossel gleich mehrere Stars aus Deutschland geholt. Der bekannteste von ihnen war Horst Heese, der zuletzt in der Bundesliga für den Hamburger SV und Eintracht Frankfurt spielte.

Außerdem kamen Heinz Bartels (Eintracht Braunschweig) und Reinhard Majgl (VfL Bochum).

Die neue Saison fing denkbar schlecht an: Wegen der Umbauarbeiten im Kehrweg-Stadion musste die AS Eupen das erste Heimspiel auf dem Gelände des Städtischen Stadions bestreiten. Die Eupener verloren gegen Waterschei 0:1.

Es folgten drei weitere Niederlagen. Erst im fünften Spiel gelang der AS der erste Sieg.

Eine verpfuschte Saison

In der gesamten Saison kam Eupen nie richtig auf einen grünen Zweig. Schon relativ schnell wurde klar, dass die Mannschaft nicht wie geplant ganz oben mitspielen würde, sondern ganz unten – gegen den Abstieg.

Am vorletzten Spieltag schaffte Eupen einen 2:1-Sieg gegen den Konkurrenten FC Tilleur. Im letzten Spiel benötigte die AS nur noch einen weiteren Sieg, um den Klassenerhalt am Ende einer verkorksten Saison zu schaffen.

Auszug aus dem Grenz-Echo vom 28. April 1975, dem Tag nach dem verlorenen Spiel gegen Mons und dem Abstieg in die 3. Division. (Zum Vergrößern Bild anklicken).

Gegner war die Mannschaft von Mons, die – so wie Excelsior Mouscron am Sonntag – in der Tabelle jenseits von Gut und Böse lag und im Kehrweg-Stadion auch nicht viel unternahm, um diese letzte Begegnung der Saison zu gewinnen.

Man hatte sogar bisweilen den Eindruck, dass Mons die Eupener gewinnen lassen wollte, jedenfalls schienen die Gäste einen Sieg der AS nicht zu fürchten.

Bis etwas mehr als 20 Minuten vor dem Ende stand es noch 0:0. Eupen brauchte ein Tor, um das Spiel zu gewinnen und die Klasse zu halten.

In der 68. Minute bekam Eupen einen Elfmeter zugesprochen. Wenn der Ball reinging, war es geschafft. Horst Heese, der Startransfer aus der Bundesliga, trat an, die Zuschauer hielten die Luft an …und der Torhüter von Mons den Ball.

So blieb es beim 0:0 bis zum Schluss – und Eupen musste in den sauren Abstiegsapfel beißen.

Das Grenz-Echo schrieb am darauf folgenden Tag: „In der nunmehr beendeten Saison wurde alles falsch gemacht. Nun kann AS man die Bilanz ziehen: ein verpfuschter Platz, verpfuschte Transfers, verpfuschte Taktik und verpfuschte Vereinsleitung. Das niederschmetternde Resultat ist der Abstieg in die 3. Division.“

Mal schauen, was am kommenden Montag nach dem Spiel gegen Mouscron in der Tageszeitung zu lesen ist… (cre)

Zum Thema siehe auch folgende Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

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