Gesellschaft

Noch während viele Eupener schliefen, sammelten Ahmadiyya-Muslime den Müll der Silvesternacht ein

Foto: Gerd Comouth

Während viele Eupener vielleicht gerade erst von ihrer Silvesterfeier zurückgekehrt sind oder noch ihren Rausch ausschlafen, streifen am Morgen des Neujahrstages fleißige Leute in gelben Westen durch die Stadt, um die Reste der Feuerwerke und sonstigen Abfall der Silvesternacht einzusammeln.

Dabei handelt sich keineswegs um eine Aktion der „Gelbwesten“, die in den letzten Wochen vor allem in Frankreich, aber auch in der Wallonie und in Brüssel, mit Protestaktionen Aufsehen erregten. Vielmehr sind es Mitglieder oder Helfer der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde – und die wollen nicht protestieren, sondern Gutes tun.

Die Müllsäuberungsaktion wird in Städten auf der ganzen Welt durchgeführt. Seit rund zehn Jahren gibt es sie auch in Eupen.

Die Ahmadiyya-Gemeinde sieht sich dem Islam zugehörig. Vonseiten der meisten anderen Muslime wird die Ahmadiyya-Lehre indes als Häresie betrachtet und abgelehnt. In islamischen Ländern werden die religiöse Gemeinde und deren Aktivitäten entsprechend bekämpft, was zu Beschränkungen und Verfolgung in diesen Ländern führte.

Foto: Gerd Comouth

Zur Ahmadiyya-Gemeinde bekennen sich rund zwei Millionen Muslime weltweit. Die ersten von ihnen kamen vor 40 Jahren nach Belgien. Heute sind es rund 4.000. Die meisten kommen aus Pakistan, wo sie ihre Religion nicht frei ausüben können. Drei Familien in Eupen gehören zu dieser Reformbewegung des Islams. Zum Freitagsgebet versammeln sie sich im Ephata-Zentrum gegenüber der Bergkapelle.

Die Bewegung fühlt sich vom Propheten dazu aufgerufen, humanitäre Dienste zu leisten. Dazu gehört eben auch die Säuberung der Straßen in Eupen am Morgen des Neujahrstages. Bereits um 5 Uhr ging es los, bis ungefähr 11 Uhr war alles fertig.

Unterstützt wurde die Aktion durch die Stadt Eupen, die Greifzangen und Müllsäcke sowie einen Lieferwagen zur Verfügung stellte. (cre/brf.be/wikipedia)

Nachfolgend noch einige Fotos von unserem Fotografen Gerd Comouth von der Säuberungsaktion der Ahmadiyya-Gemeinde am Neujahrsmorgen (Zum Vergrößern Bild anklicken):

 

 

29 Antworten auf “Noch während viele Eupener schliefen, sammelten Ahmadiyya-Muslime den Müll der Silvesternacht ein”

  1. Kompliment an die Gemeinschaft, die den Müll der anderen aufhebt.
    Ich finde es jedoch bedauerlich, dass es als selbstverständlich gilt wenn Jedermann seinen Raketen- und BöllerMüll einfach auf der Straße herumliegen lässt.

  2. Ekel Alfred

    Landwirte müssen auch den ganzen Müll in ihren Wiesen entsorgen, den die Anwohner über Silvesternacht hinterlassen haben und auch noch den der Fahrzeuginhaber, die ihren Müll im vorbeifahren ständig aus dem Fenster schmeissen….

  3. Peter Müller

    Ich finde es beschämend Ausländische Gäste so eine Arbeit verrichten zu lassen. Wo waren unsere Gemeindearbeiter die dafür da sind. Und wenn schon, dann sollte man Langzeitarbeitslose dafür einsetzen.

    • Ansar Bhatti

      Also 2009 war ich Leiter der ahmadiyya Jugend Gemeinschaft in Eupen und wie jedes Jahr wurde mir die Erlaubnis für die Säuberung der Stadt abgelehnt mit der Begründung, dass wir nicht an die kolonial Geschichte der belgien erinnert werden möchten, daß Ausländer unser Dreck säubern.. Daraufhin habe ich argumentiert, dass ich nicht ihren Dreck sauber machen werde, sondern meine Stadt sauber machen möchte, denn ich bin genau so ein Belgier wie Sie. Außerdem möchten wir das neue Jahr mit einer Wohltat beginnen. Seit dem dürfen wir im Neujahr die Stadt putzen.
      Liebe Grüße aus Heidelberg.

    • Fakt ist...

      Ich bin, unfreiwillig, lange arbeitslos. Mehrmals habe ich mich bei der Stadt Eupen, erfolglos, für eine Stelle beworben. Abfall, Dreck weg machen, alles kein Problem für mich. Habe nur negative Antworten erhalten. Habe ebenfalls beim Arbeitsamt nachgefragt doch Stellen zu schaffen wo , nicht nur ich, für Sauberkeit usw sorgen könnte. Antwort ist das dies nicht möglich ist!! Der Ruf nach den Arbeitslosen ist berechtigt aber dann bitte auch Fakten, Arbeitsstellen, schaffen. Es gibt viele Arbeitslose die zu alt(?!), kaum Ausbildung und andere Hemnisse haben, aber sehr wohl endlich arbeiten möchten.

      • Peter Müller

        Danke für die Antwort. Man könnte viel bewegen wenn sich die Politiker von Eupen für ihre Bürger einsetzten würden, als sich um Themen zu kümmern, die Sie nichts angehen ,oder nichts von kennen. Und schneller auf alles reagieren, was dem Bürger auf dem Herzen liegt.

      • Ja, das ist wirklich eine traurige Geschichte. Ich hoffe, Sie finden 2019 eine neue Arbeitsstelle.

        Mich würde interessieren, ob Sie auch am 01.01. ohne Bezahlung/Job beim Saubermachen geholfen haben, wie die Mitbürger von der Ahmadiyya. Das fände ich super!

        Vielleicht schreiben Sie noch, was Sie können und was Sie gerne arbeiten möchten. Vielleicht weiß einer hier im Kommentarbereich, wo es so eine Arbeit gibt.

        • Fakt ist...

          Nein ich habe nicht am 01.Januar beim Saubermachen geholfen. Ich halte den Bürgersteig vor unserem Haus sauber, entferne Unkraut, gieße den Baum und entferne Schnee und Eis…und Feuerwerk gibt es bei uns auch nie.
          Ich mache, fast , jede Arbeit.Bin über 50, habe keinen Führerschein und mehrere Bandscheibenvorfälle hinter mir. Traue mir aber trotzdem zu viele Arbeiten erledigen zu können. Ich bewerbe mich wo es nur geht, habe 33 Jahre ohne Unterbrechung gearbeitet. Wie sie sehen reissen sich die Arbeitgeber um Leute wie mich.

    • Ach Gott, Sie sind ein alternativer Fakt!

      Das machen die Mitbürger der Ahmadiyya seit vielen Jahren – wenn ich richtig sehe, sogar in vielen Ländern Europas.

      Vielleicht nehmen Sie den Integrationswillen meist nur nicht wahr, weil er normal und alltäglich ist?!

  4. Ehemaliger Eupener (Athar)

    2001 haben wir zum ersten mal bei der Gemeinde beantragt aber wir bekamen keine Genehmigung. Erst im Jahr 2009 hat uns die Gemeinde Eupen erlaubt, den Silvester Müll zu entsorgen. Seitdem machen wir es jedes Jahr.

    Nicht nur in Eupen, sondern überall auf der Welt wo die Mitglieder der Ahmadiyya Muslime leben, machen ehrenamtlich den Silvester Müll sauber.
    Ausserdem wir organisieren regelmäßig wohltätige Aktionen wie z.b. Altenheim besuchen, Blutspenden usw

  5. Ich war gestern erstaunt, dass die Stadt so sauber war und dachte erst, die Knallköppe wären in irgendeiner Weise zur Vernunft gekommen… Anscheinend leider nicht!! :-(

    Und dann habe ich gelesen, wieso die Stadt so sauber war. Das verdient meinen tiefsten Respekt und meinen Dank!!! Tolle Aktion, danke!!!

  6. Warum können die Leute, die Sylvester Raketen und Böller zünden ihren eigentlich Müll nicht selbst entsorgen? Warum ist es selbstverständlich, dies der Stadtreinigung oder wie hier einer religiösen Gemeinschaft zu „überlassen“?
    Die Aktion der Muslime ist für die hiesigen Drecksferkel beschämend und eine schallende Ohrfeige.

    • In meinem Garten liegen einige Raketen etc. Wir selber und unsere direkten Nachbarn haben jedoch nichts „verballert“. Der Schrott fliegt also schon recht weit. Das kann man wirklich niemandem zumuten mehr als 3 Meter zu gehen in einer Stadt wo jeder 5 Meter mit dem PKW zurücklegt.

  7. afrikanischer Bischoff

    Die Offene Gesellschaft ist der Tod Europas, sagt ein… afrikanischer Bischoff:
    „Vous savez, la plus grande inquiétude c’est que l’Europe a perdu le sens de ses origines. Elle a perdu ses racines. Or, un arbre qui n’a pas de racines, il meurt. Et j’ai peur que l’Occident meure. Il y a beaucoup de signes. Plus de natalité. Et vous êtes envahis, quand même, par d’autres cultures, d’autres peuples, qui vont progressivement vous dominer en nombre et changer totalement votre culture, vos convictions, vos valeurs.“
    http://www.bvoltaire.fr/jai-peur-que-loccident-ne-meure/

    AchGott, EdiG, Der. und Konsorten: Ist der Bischoff ein Rassist? Ein Nazi?

    • Offene Gesellschaft?

      Die „offene Gesellschaft“ hat nichts mit „offenen Grenzen“ zu tun, sondern mit einer demokratischen Gesellschaft, in der individuelle Freiheit, Gleichberechtigung und Humanismus prioritäre Werte darstellen. Andere würden sagen, die Werte des christlichen Abendlandes. Sollte der Bischof von offener Gesellschaft geredet haben, ist er nicht unbedingt ein Nazi aber ein Dummkopf.

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