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Aachen ist in Deutschland schon seit Jahren eine „Autoknacker-Hochburg“

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In Aachen werden mehr Autos gestohlen als in den meisten anderen deutschen Städten. Die Kaiserstadt ist mit mehr als 250 geklauten Fahrzeugen pro 100.000 Einwohner eine der größten „Autoknacker-Hochburgen“ der Bundesrepublik, wenn nicht sogar die größte.

Wenn man die Einwohnerzahl als Vergleichswert nimmt, liegt Aachen sogar einsam an der Spitze, noch vor Berlin. Die Bundeshauptstadt bringt es auf eine „Klau-Rate“ von fast 209 Fahrzeugen auf 100.000 Einwohner.

Zum Vergleich: Hamburg kommt auf 130 Diebstahlanzeigen auf 100.000 Einwohner, München auf knappe 14, die Autometropole Stuttgart auf gerade mal 10.

Fahrzeuge in einer x-beliebigen Straße in Aachen. Das Risiko, dass eines dieser Autos entwendet wird, ist im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland groß. Foto: Shutterstock

Aachen liegt auch über dem Schnitt von anderen deutschen Städten wie Wolfsburg (139), Magdeburg (124) oder Leipzig (120), die wegen ihrer guten Verkehrsanbindung an Osteuropa von Autodieben „bevorzugt“ werden.

Wenn man nicht die Zahl der Einwohner, sondern die der Kraftfahrzeug-Zulassungen als Maßstab nimmt, hat Aachen zwar nicht die höchste „Klau-Rate“ in Deutschland, nimmt aber dennoch einen Spitzenplatz ein.

Nur Städte wie Görlitz, Berlin, Cottbus und Frankfurt an der Oder liegen wegen ihrer kurzen und schnellen Anbindung an Polen, wahres Drehkreuz auf dem internationen Autoschiebermarkt, noch vor Aachen.

Dass die Aachener Region für Autodiebe so verlockend ist, hat ebenfalls mit ihrer geografischen Lage zu tun, und zwar mit ihrer Nähe zu den Niederlanden.

Im Schnitt werden in Aachen pro Tag fast zwei Fahrzeuge als gestohlen gemeldet. Das war nicht immer so. 2013 waren es nur halb so viele.

Grenznähe ist das Hauptproblem

Doch in den letzten Jahren haben professionelle Hehlerbanden aus den Niederlanden die Stadt hinter der Grenze als Fanggebiet entdeckt. Sie schieben die Fahrzeuge dann entweder weiter oder schlachten sie aus und bieten die Teile im Internet an.

Zu befürchten haben sie wenig: Innerhalb weniger Minuten sind die Autos in den Niederlanden, und da darf die deutsche Polizei nicht auf eigene Faust ermitteln.

Die Nähe zu den Niederlanden ist der Hauptgrund, weshalb Autodiebe so oft in der Aachener Region ihr Unwesen treiben. Foto: Shutterstock

Anders als in Deutschland herrscht in Holland kein Strafverfolgungszwang. Die Polizei muss den Taten also nicht unbedingt nachgehen, und oft tut sie das auch nicht, weil sich der Schaden für die Betroffenen in Grenzen hält. Die Fahrzeuge sind meist versichert, oft handelt es sich um Firmenwagen und die Besitzer bekommen schnell Ersatz.

Die Aufklärungsquote in Aachen liegt somit nicht per Zufall nur im einstelligen Prozentbereich, deutschlandweit erreichte die Polizei in den letzten Jahren um die 25 Prozent.

Indes könnte sich der Wille der Sicherheitsbehörden von Deutschland, den Niederlanden und Belgien, beispielsweise in der Bekämpfung des internationalen Terrorismus enger zusammenzuarbeiten, auch auf den Autodiebstahl in der Grenzregion positiv auswirken.

Schon heute stellt man fest: Wenn an einem Tag an den Grenzen kontrolliert wird, wird in Aachen kein Auto gestohlen.

Im gerade veröffentlichten „Lagebild Kfz-Kriminalität“ erklärt das Bundeskriminalamt, wo die Fahrzeuge landen, wenn sie nicht in Deutschland bleiben.

Über Osteuropa in alle Welt

Wagen wie die aus Aachen, die zunächst in die Niederlande gehen, werden von dort aus weiter bis nach West- und Nordafrika verschifft. Über Osteuropa werden die Fahrzeuge vermehrt auch in zentralasiatische Staaten wie Tadschikistan oder Usbekistan geliefert. Außerdem gewinnt die Balkanroute an Relevanz.

Autos, die den Weg über die Türkei nehmen, kommen ebenfalls in Zentralasien an, aber auch im Nahen und Mittleren Osten.

Im Visier von Autoknackern sind vor allem jene Automodelle, die derzeit auf den internationalen Märkten besonders gefragt sind, nämlich schwere Geländewagen und SUVs. Im Jahr 2015 waren dies Range Rover, Toyota LandCruiser, Audi Q7, Lexus RX 350 oder BMW X6. (cre)

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