Zum ersten Mal seit der Wiederansiedlung der Tiere in Deutschland hat nach Behördenangaben ein Wolf einen Menschen verletzt. Der Vorfall ereignete sich am Montag mitten in Hamburg, im Stadtteil Altona.
Das Tier habe eine Passantin in einer Einkaufspassage verletzt, teilte die Hamburger Umweltbehörde mit. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presse-Agentur.
Ein Sprecher der Feuerwehr sagte, ein Rettungswagen habe die Frau in eine Klinik gebracht. Nach dpa-Informationen hat sie diese noch am Abend nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Die Einkaufspassage ist nur rund 20 Meter lang – zu beiden Seiten gibt es gläserne Türen, die sich automatisch öffnen und schließen.
– Wolf mit Schlinge aus der Alster gezogen: Der Wolf sei nach dem Vorfall zum See Binnenalster geflüchtet. „Durch die enge Zusammenarbeit und das professionelle Eingreifen aller Beteiligten konnte das Tier am späten Abend an der Alster erfolgreich gesichert werden“, erklärte die Umweltbehörde. Vom Lagezentrum der Polizei hieß es, Beamte hätten das Tier am Schiffsanleger mit einer Schlinge aus dem Wasser gezogen.
Wohin der Wolf anschließend gebracht wurde, ist unklar. Nach Medienberichten soll er im Wildgehege Klövensteen in Hamburg sein. „Der Wolf ist sicher untergebracht und wird derzeit tiermedizinisch versorgt“, teilte die Umweltbehörde mit. Über den weiteren Verbleib des Tiers werde die Behörde zeitnah und in enger fachlicher Abstimmung entscheiden.
– Tier streifte zuvor durch Blankenese: Bei dem Wolf habe es sich um jenes Tier gehandelt, das in den Tagen zuvor im Westen der Stadt gesichtet worden sei. Die Umweltbehörde hatte am Montagvormittag mitgeteilt, der Wolfsexperte Norman Stier von der Technischen Universität Dresden habe ein Video und ein Foto aus der Bevölkerung ausgewertet und zweifelsfrei bestätigt, dass es Aufnahmen eines Wolfes sind.
Die ersten Sichtungen des Tieres seien am Samstag in zwei Parks im Stadtteil Blankenese gemacht worden. Eine Anwohnerin sagte, eine Nachbarin von ihr habe Fußspuren im Garten gesehen, in einer Online-Gruppe sei ein Foto geteilt worden. Innerhalb kurzer Zeit seien immer mehr Postings von Sichtungen gekommen.

31.03.2026, Hamburg: Passanten gehen in die Einkaufspassage an der Straße Große Bergstraße, wo ein Wolf am Montag eine Frau verletzt hat. Foto: Marcus Brandt/dpa
– Laut Experte sollte Wolf getötet werden: Wie es mit dem gefangenen Wolf weitergeht, konnte die Umweltbehörde zunächst nicht sagen. Der Journalist, Jäger und Wolfsexperte Eckhard Fuhr sprach sich im Interview des Fernsehsenders RTL dafür aus, das Tier zu töten. „Ein dauerndes Leben in Gefangenschaft in einem Tierpark kann man diesem Wolf nicht zumuten“, sagt er.
Die Alternative – das Tier wieder freizulassen – halte er für ebenso problematisch. Unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls sowie der öffentlichen Sicherheit sieht der Experte nur eine vertretbare Lösung: „Es wäre die vernünftigste Lösung, den Wolf zu töten.“
Es soll sich um einen noch recht jungen Wolf handeln. „Nach Experteneinschätzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel“, hatte die Umweltbehörde am Montag mitgeteilt. In dieser Phase legen die Tiere meist weite Strecken zurück. Auf der Suche nach einem eigenen Revier sei der Wolf wohl „versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelaufen“, dass er dann nach einem Weg aus der Stadt gesucht habe.
Seit dem Jahr 2013 wurden in Hamburg insgesamt 22 Wolfsnachweise eindeutig bestätigt. Zuletzt wurde Mitte März ein verendeter Wolf auf einer Autobahn nach einem Unfall aufgefunden. Im September vergangenen Jahres hatte ein Wolf zwei Kamerunschafe in der Nähe eines Hofes im Stadtteil Marmstorf gerissen. (dpa)