Das erste Gelbe Trikot winkt: Kann das Red-Bull-Team um Olympiasieger Remco Evenepoel und Deutschlands Hoffnungsträger Florian Lippowitz zum Tour-Auftakt siegen? Der große Favorit auf den Gesamtsieg ist Vorjahressieger Tadej Pogacar.
Die 113. Tour de France beginnt mit einem Mannschaftszeitfahren in der spanischen Metropole Barcelona. Auf dem 19,6 Kilometer langen Kurs durch die Stadt sind die Favoriten um Vorjahressieger Tadej Pogacar und Zeitfahr-Weltmeister Remco Evenepoel am heutigen Samstag (17.05 Uhr) direkt gefragt.
Nach einem flachen Beginn endet die Etappe mit zwei kurzen Anstiegen. Anders als bei früheren Mannschaftszeitfahren bei der Tour wird die Zeit bei jedem Fahrer einzeln genommen. Das Red-Bull-Team von Evenepoel und Lippowitz gilt ebenso als Favorit auf das erste Gelbe Trikot wie Pogacars UAE-Mannschaft.

02.07.2026, Spanien, Barcelona: Der Slowene Tadej Pogacar vom Team Emirates spricht auf einer Pressekonferenz vor dem Start der Tour de France am 4. Juli. Foto: Matteo Secci/ZUMA Press Wire/dpa
Der Slowene peilt seinen fünften Gesamtsieg an und würde dann mit den Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen. Sein ärgster Konkurrent dürfte wieder der Däne Jonas Vingegaard sein, aber auch der Franzose Paul Seixas sowie Lipowitz, im Vorjahr Dritter, und Evenepoel gelten als Mitfavoriten. Die dreiwöchige Rundfahrt endet am 26. Juli in Paris.
– Was ist anders als bei früheren Mannschaftszeitfahren? 2019 gab es die Disziplin zuletzt bei der Tour auf der 2. Etappe in Brüssel. Dieses Mal wird die Zeit aber bei jedem Fahrer einzeln genommen. Das bedeutet, dass für die Zeitnahme nicht mehr eine Mindestanzahl von Fahrern eines Teams über die Ziellinie rollen muss. Das eröffnet einige taktische Möglichkeiten. „Mit den neuen Regeln wird es etwas einfacher, die Aufgaben aufzuteilen, sodass man die schwereren Fahrer loswerden kann, sobald man die Anstiege in Angriff nimmt“, sagte Remco Evenepoel, der bei Red Bull mit Lipowitz eine Doppelspitze bildet. Der Modus wurde schon bei Paris-Nizza und der Mallorca Challenge getestet.
– Wie stehen die Chancen von Red Bull? Evenepoel ist der beste Zeitfahrer seiner Generation, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger. Der Belgier gewann in den beiden Vorjahren je ein Einzelzeitfahren bei der Rundfahrt. Das Team hat weitere gute Zeitfahrer am Start und investiert viel.

10.12.2025, Spanien, Binissalem: Radsport: Media Day Team Red Bull-Bora-hansgrohe, Red Bull-BORA-hansgrohe Radrennfahrer Remco Evenepoel (Bild) nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: Clara Margais/dp
„Wir haben echt extrem viel Arbeit reingesteckt und es wird auf jeden Fall ein spezieller Start von der Tour“, sagte Lipowitz. „Ich glaube, am Ende kann man bei Mannschaftszeitfahren mehr verlieren, als man gewinnen kann.“ Spannend wird, wie lange die Teams in einer größeren Gruppe zusammenbleiben und wann sich die besten Zeitfahrer absetzen.
– Wie ist der Kurs? Vom Meer aus geht es über mehrere lange Geraden zur Sagrada Família. Im Anschluss wird es etwas technischer, ehe im Finale zwei Anstiege am Montjuïc, dem Hausberg Barcelonas, bewältigt werden müssen. Die sind anspruchsvoll aber recht kurz, also nicht nur für die Kletterspezialisten gut zu bewältigen.
– Spannungskiller Pogacar? Wenn alles normal läuft aus seiner Sicht, wird es verdammt schwer, Tadej Pogacar überhaupt herauszufordern», sagte Red-Bull-Teamchef Ralph Denk über den Weltmeister. „Es ist schon beeindruckend, wie er fährt“, fügte er hinzu.
Viele fürchten, dass nur ein Sturz oder eine Erkrankung den Star stoppen kann. „Jedes Jahr weiß man am Start, dass in drei Wochen alles passieren kann“, sagte Pogacar. Das mache die Tour so besonders. „Die Tour de France ist jedes Jahr die größte Herausforderung der Saison und gleichzeitig das Rennen, das uns am meisten motiviert.“ Er fühle sich gut und freue sich auf die Tour, stellte er klar.

01.07.2026, Spanien, Barcelona: Passanten gehen an Plakaten zum bevorstehenden Start der Tour de France vorbei. Foto: David Zorrakino/EUROPA PRESS/dpa
In den vergangenen Monaten blieb Pogacar von Verletzungen verschont. Vielmehr dominierte er das Radsport-Frühjahr. Überall hinterließ der Weltmeister einmal mehr staunende und ungläubige Gesichter. Er siegte in Italien beim Schotterrennen Strade Bianche, dem Klassiker Mailand-Sanremo, dann bei der Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Lediglich bei Paris-Roubaix musste er sich auf dem Kopfsteinpflaster als Zweiter dem Belgier Wout van Aert geschlagen geben. Nach seinem Sieg bei der Romandie-Tour gewann er auch souverän die Tour de Suisse.
Denk, der jede Etappe der Tour de Suisse verfolgte, zeigte sich beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit Pogacar aufgetreten sei. Zumal er sich auch nicht durch den schweren Sturz seiner Freundin Urska Zigart bei der Frauen-Ausgabe der Tour de Suisse aus der Ruhe habe bringen lassen.
Pogacar kann mit seinem möglichen fünften Gesamtsieg bei der Tour dem exklusiven Club um die Idole Eddy Merckx, Bernard Hinault, Jacques Anquetil und Miguel Indurain beitreten. Zudem wäre es sein dritter Tour-Coup nacheinander, mit dem er seine Übermacht weiter zementieren würde.
– Zweimal nach Alpe d’Huez und am letzten Tag wieder nach Montmartre: Die 113. Tour de France wartet mit einem kolossalen Finale auf, das den starken Bergfahrern, allen voran Superstar Tadej Pogacar, gefallen dürfte: Es geht gleich zweimal hinauf nach Alpe d’Huez.

23.10.2025, Frankreich, Paris: Der Streckenplan ist bei der Präsentation der Strecke für die Tour de France 2026 in der französischen Hauptstadt zu sehen. Foto: Thibault Camus/AP/dpa
Am 25. Juli, dem vorletzten Tag des größten Radrennens der Welt, geht es von Le Bourg d’Oisans am Fuße von Alpe d’Huez zurück in den Wintersportort, der von einer anderen als der gewohnten Seite erreicht wird. Spektakuläre 5.600 Höhenmeter verteilen sich auf 171 Kilometer – und das einen Tag vor Paris. Alpe d’Huez, das vier Jahre lang nicht Teil des Tour-Parcours war, bildet bereits am Vortag das Etappenfinale nach nur 128 Kilometern und 3.500 Höhenmetern. Dann geht es über die klassische Strecke mit ihren berühmten 21 Serpentinen hinauf auf die Passhöhe.
Die Frankreich-Rundfahrt umfasst diesmal 3.333 Kilometer. Den Sprintern bieten sich fünf Gelegenheiten, außerdem gibt es ein Einzelzeitfahren. Auffällig: Nur eine Etappe umfasst mehr als 200 Kilometer – Teilstück 13, das nach 205 Kilometern in Belfort endet.
– Montmartre wieder im Programm: Der Parcours führt diesmal im Uhrzeigersinn von Barcelona über die Pyrenäen, das Zentralmassiv und die Alpen in der dritten und letzten Woche nach Paris.
Erneut hat Streckenarchitekt Thierry Gouvenou den Montmartre in die finale Prüfung integriert, der Berg muss dreimal überquert werden, danach geht es hinunter auf die Champs-Élysées, dem Zielort der 21. und letzten Etappe des Rennens. Zuletzt war der Ausflug auf den von spektakulären Zuschauermengen gesäumten Montmartre bereits ein großer Publikumserfolg. Es gewann der Belgier Wout van Wert in eindrucksvoller Manier. (dpa/cre)