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König Philippe feiert heute seinen 60. Geburtstag, aber ohne die geplante Party – Ein Monarch ohne viel Pomp

König Philippe feiert am 15.04.2020 seinen 60. Geburtstag - die geplante Party wurde wegen der Coronavirus-Pandemie allerdings abgesagt. Foto: Jens Kalaene/dpa

Ehrentag in der Krise: Der belgische König Philippe feiert an diesem Mittwoch seinen 60. Geburtstag – die geplante Party wurde allerdings wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt.

Auf Twitter bedankte sich der Monarch für die Glückwünsche: „Heute bin ich mit ganzem Herzen bei jenen, die leiden. Wir werden diese Bewährungsprobe gemeinsam bewältigen!“

Gefeiert werden sollte eigentlich einen Monat später, am 16. Mai, auf dem Schloss in Laeken – und zwar mit 100 exakt gleichaltrigen Landsleuten.

„60 werden ist etwas Besonderes“, hieß es noch im Februar auf der Facebook-Seite des belgischen Königshauses. Deshalb lade der König 100 Mitbürgerinnen und Mitbürger, die am selben Tag wie er geboren wurden, zur gemeinsamen Feier ein. Ein neuer Termin für das Fest der 60-Jährigen steht noch nicht fest.

Philippe und Königin Mathilde (47) sind seit dem 21. Juli 2013 die Monarchen. Gemeinsam haben sie vier Kinder.

Noch ein bisschen steif, aber akzeptiert

Philippe ist ein Monarch ohne viel Pomp und auch nach fünf Jahren im Amt noch ein bisschen steif. Doch inzwischen haben die Belgier ihren König akzeptiert. Dabei ist ihm eine Eigenschaft zugute gekommen, die ihm sein Volk einst als Schwäche auslegte.

21.07.2013, Brüssel: Der damalige König Albert II. von Belgien (r) und Kronprinz Philippe von Belgien umarmen sich während der Abdankungszeremonie im Königlichen Palast. Foto: Julien Warnand/EPA/dpa

Schüchternheit kann eine Stärke sein. Zurückhaltung auch. Das hat Philippe in den vergangenen fast sieben Jahren gezeigt. Als er am 21. Juli 2013 vereidigt wurde, waren viele Belgier skeptisch. Im Gegensatz zu seinem Vater Albert II. (85) galt Philippe als steif und unbeholfen, alles andere als redegewandt.

Diesen Ruf hat der jetzt 60-Jährige zwar bis heute nicht abgeschüttelt. Doch das Volk hat ihn akzeptiert, wie die belgische Adelsexpertin Brigitte Balfoort sagt. „Die vergangenen Jahre verliefen reibungslos“, meint sie. Mehr noch: Die ungeahnten politischen Herausforderungen für Belgien hat Philippe in den fast sieben Jahren souverän gemeistert, auch wenn die letzte politische Krise noch nicht beendet ist, sondern wegen der Coronavirus-Pandemie nur unterbrochen wurde.

Die Terrorattacke in Brüssel im März 2016 verurteilte er in einer Ansprache an die Nation als widerlich und rief dazu auf, den Terror „mit Entschlossenheit, Ruhe und Würde“ zu beantworten. In Belgien ist es ausgesprochen selten, dass sich der König nach aktuellen Ereignissen direkt an die Bevölkerung wendet.

21.07.2019, Belgien, Brüssel: Prinzessin Eleonore (l-r), Prinz Gabriel, Königin Mathilde, König Philippe, Kronprinzessin Elisabeth und Prinz Emmanuel von Belgien kommen zu einem Gottesdienst Sint-Michiels- und Sint-Goedele-Kathedrale im Rahmen des belgischen Nationalfeiertags. Foto: Benoit Doppagne/BELGA/dpa

Ein Jahr später beeindruckte er viele bei der offiziellen Gedenkfeier für die Terroropfer, als er sagte: „Wagen wir Zärtlichkeit.“ Philippe fand den richtigen Ton. Seine viel kritisierte Zurückhaltung nahmen nun viele als Sanftheit oder Bedachtsamkeit wahr.

„Philippe ist präsent, mit seiner üblichen Zurückhaltung, aber zugleich einer augenfälligen Sensibilität in jeder seiner Gesten“, formulierte es die Journalistin Sophie Lagesse Anfang Juli im „Soir Mag“, dem wöchentlichen Magazin der belgischen Tageszeitung „Le Soir“. Mit 200 bis 300 offiziellen Terminen pro Jahr im sozialen Bereich sei er allgegenwärtig. Die Bilanz seiner bisherigen Regentschaft sei „mehr als positiv“.

Schon bei der Parlamentswahl 2014 hatte Philippe umsichtig gehandelt. Der belgische Regent hat zwar wenig Macht, spielte aber als Vermittler bei der damaligen Regierungsbildung eine wichtige Rolle.

Philippe hielt sich aus öffentlichen Debatten heraus, verhinderte aber im Hintergrund mit seinen Mitarbeitern ein politisches Chaos. In etwas mehr als vier Monaten stand eine neue Regierung. 2010/11 hatte das mühsame Prozedere unter Albert II. eineinhalb Jahre gedauert. Damals drohte das Königreich mit den niederländischsprachigen Flamen im Norden und den französisch sprechenden Wallonen im Süden auseinanderzubrechen.

15.07.2018, Brüssel: König Philippe (vorne Mitte l) von Belgien und seine Frau Mathilde, Königin von Belgien, stehen mit der belgischen Nationalmannschaft vor dem Königspalast in Laeken. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

Diese sprachliche und kulturelle Zerrissenheit ist für den König die vielleicht größte Herausforderung – und aus Sicht der Adelsexpertin Balfoort auch ein Grund für Philippes mangelnde Redegewandtheit. „Er muss seine Worte genau abwägen, immer zu gleichen Anteilen auf Niederländisch und Französisch sprechen. Er muss darauf achten, dass er in keiner der beiden Sprachen ein Wort mehr als in der anderen sagt.“ Schließlich komme dem König die Aufgabe zu, das Land zu einen.

Philippe ist der siebte König der Belgier, hat Politik studiert, ist Kampfpilot und Langstreckenläufer. 1999 heiratete er die damalige Gräfin Mathilde (47), eine standesgemäße Hochzeit im europäischen Hochadel. Die ausgesprochen leutselige Mathilde wirkt öffentlich wie die charmante bessere Hälfte des oft steifen Philippe.

Doch beide seien sehr ernst, sagt Balfoort. „Sie hassen es, wenn die Leute über sie tratschen. Doch das Volk will auch schöne Kleider und Glamour sehen – das gelingt dem niederländischen Königspaar deutlich besser.“ Die beiden seien nicht besonders zugänglich, schreibt Lagesse. „Die belgischen Herrscher hüllen sich mitunter nicht nachvollziehbar in Schweigen, mit einer extrem verschlossenen Kommunikation.“

16.03.2020, Belgien, Brüssel: König Philippe (l) empfängt Premierministerin Sophie Wilmès (r) zu einem Treffen im Königspalast. Foto: Benoit Doppagne/BELGA/dpa

Als Paar geben sich Philippe und Mathilde bodenständig, bringen etwa ihre vier Kinder bisweilen selbst zur Schule. Thronfolgerin ist die 18-jährige Elisabeth.

Die Jugend des Königs sei einst nicht so rosig gewesen, meint Balfoort. „Er ist nicht in einer warmen Familie aufgewachsen. Man darf nie vergessen, dass die Kinder sich quasi selbst aufgezogen haben.“ Sie spricht damit die bewegte Vergangenheit von Philippes Eltern Albert und Paola an, denen beiden außereheliche Affären nachgesagt wurden.

Ganz anders Philippe. „Die Leute sagen immer, er sei der am härtesten arbeitende Mensch im Palast“, sagt Balfoort. Er sei jemand, der nicht durch sein glamouröses Auftreten auffallen wolle, sondern durch Inhalte.

Seine vorläufig letzte Bewährungsprobe hatte Philippe nach den Parlamentswahlen vom 26. Mai 2019. Bis heute ist es in Belgien nicht gelungen, eine neue föderale Regierung zu bilden.

Wegen der Corona-Krise wurde die geschäftsführende Regierung, an deren Spitze Sophie Wilmès ihren im Dezember 2018 zurückgetretenen Parteifreund Charles Michel abgelöst hat, im Amt bestätigt, allerdings nur vorübergehend und mithilfe der Unterstützung von sieben Oppositionsparteien.

Wie es nach der Corona-Krise weitergehen soll, weiß niemand – auch der nunmehr 60-jährige belgische König nicht. (dpa/cre)

Nachfolgend ein Tweet des Königspalastes zum 60-jährigen Geburtstag von König Philippe:

6 Antworten auf “König Philippe feiert heute seinen 60. Geburtstag, aber ohne die geplante Party – Ein Monarch ohne viel Pomp”

  1. besserwisser

    Herzlichen glückwunsch SIRE zum runden Geburtstag, lang lebe der König, lang lebe Belgien.Sie sind
    ein netter König, volksnahe und intelligent.
    Wir sind stolz auf Sie und auf unser kleines Belgien

  2. Hoffe sein Geburtstag ist genau so Langweilig wie meiner war!!! Ohne Familie und Angehörige!!! Bis auf das ich Arbeiten muss,halte ich mich wenigstens an die Quarantäne und Vorschriften.

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