Das Urteil gegen Grégory Lenoci sorgt in Belgien für heftige Reaktionen. Das Strafgericht von Namur verurteilte den Angeklagten wegen versuchten Mordes an seinem Nachbarn Marc P. zu 17 Jahren Haft sowie zu weiteren zehn Jahren unter Aufsicht des Strafvollstreckungsgerichts.
Lenoci verdächtigte seinen Nachbarn, den sechsjährigen Sohn seiner Freundin sexuell missbraucht zu haben. Der Mann war in der Vergangenheit wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige verurteilt worden und befand sich auf Bewährung in Freiheit.
Lenoci hatte den Mann zu sich nach Hause eingeladen und ihn dort brutal zusammengeschlagen. Das Opfer wurde bewusstlos in einer Blutlache aufgefunden. Es überlebte die schweren Verletzungen, befindet sich aber fast ein Jahr später noch immer in einem halbvegetativen Zustand.

Vor dem Strafgericht in Namur versammeln sich am Donnerstag, dem 20. August 2026, Demonstranten, um Grégory Lenoci vor der Urteilsverkündung im Prozess gegen ihn wegen versuchten Mordes an seinem Nachbarn Marc P. zu unterstützen. Foto: Belga
Bei der Urteilsverkündung kam es zu lautstarken Protesten von Zuschauern im Gerichtssaal, die das Urteil als ungerecht und skandalös bezeichneten.
Bereits vor der Urteilsverkündungen hatten sich vor dem Justizpalast Menschen mit dem Angeklagten solidarisiert. Einige hielten Plakate mit der Aufschrift „Je suis Grégory Lenoci“ oder „Solidarität mit den Opfern“ in der Hand.
Auch politisch löste die Entscheidung Kritik aus. Georges-Louis Bouchez, Vorsitzender der liberalen MR, bezeichnete die Strafe auf X als „ungerecht und unverhältnismäßig“. Selbstjustiz komme selbstverständlich nicht infrage und eine Verurteilung sei notwendig, erklärte Bouchez, doch angesichts der Fakten des Falles und der Langsamkeit der Justiz werfe eine Haftstrafe von 17 Jahren Fragen auf.

MR-Parteichef Georges-Louis Bouchez (r) bezeichnete das Urteil gegen Grégory Lenoci als „ungerecht und unverhältnismäßig“. Foto: Belga
Zugleich kündigte der MR-Präsident einen Gesetzentwurf an, wonach eine Anzeige wegen Pädophilie gegen eine bereits zuvor verurteilte Person eine 48-stündige Untersuchungshaft auslösen soll, damit die Justiz die Gefahrenlage unverzüglich prüfen könne.
Damit geht die Debatte inzwischen über die strafrechtliche Verantwortung Lenocis hinaus. Im Zentrum steht auch die Frage, ob Polizei und Justiz im Vorfeld ausreichend schnell auf die gegen Marc P. erhobenen Vorwürfe reagiert haben.
Die Verteidigung hat unterdessen angekündigt, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Lenoci habe in keinster Weise die Absicht gehabt, seinen Nachbarn Marc P. zu töten. Damit ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.
Der Fall entfacht somit weiterhin eine kontroverse Diskussion über die Grenzen der Selbstjustiz, den Schutz von Kindern, die Geschwindigkeit der Justiz und die Verhältnismäßigkeit von Strafen. (cre)
Eigenartig. Die Justiz möchte es nicht schaffen, freilaufende Straftäter aus der Politik festzunehmen, aber sieht anscheinend hier eine Chance, Recht und Ordnung zu demonstrieren.
Ob in anderen Vergleichsfällen, die Strafen auch so hoch sind, kann ich nicht beurteilen.
Vergleiche sollte man aber in Erwägung ziehen,
damit niemand einen Show Prozess vermuten kann, bei dem man absichtlich eine Diskussion verursachen möchte, um vom politisch Kriminellen Weltgeschehen abzulenken.