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Entsetzen in Australien – und nicht nur dort – nach dem tödlichen Hüpfburg-Unglück

17.12.2021, Australien, Devonport: Menschen legen vor der Hillcrest-Grundschule Blumen und Gedenksteine ab. Foto: Ethan James/AAP/dpa

AKTUALISIERT – Viele Australier sind nach der Tragödie bei einem Schulfest fassungslos: Fünf Kinder sind tot, weitere kämpfen noch um ihr Leben. Wie konnte es dazu kommen?

Nach dem tödlichen Hüpfburg-Unglück im Bundesstaat Tasmanien herrscht in Australien Entsetzen. Drei Kinder lagen am Freitag noch immer in kritischem Zustand im Krankenhaus. „Sie kämpfen um ihr Leben“, berichtete der Sender „9News“. Ein verletztes Kind sei mittlerweile nach Hause entlassen worden.

Am Donnerstag waren bei einem Schulfest fünf Kinder ums Leben gekommen, als die aufblasbare Burg durch Windböen in die Luft gerissen wurde. Mehrere Schülerinnen und Schüler stürzten Augenzeugen zufolge aus bis zu zehn Metern Höhe in die Tiefe.

17.12.2021, Australien, Devonport: Der Polizeipräsident von Tasmanien, Darren Hine, spricht zu Journalisten. Foto: Ethan James/AAP/dpa

Bei den Opfern handele es sich um drei Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen 11 und 12 Jahren, hieß es. Wie viele Kinder sich zum Unglückszeitpunkt auf der Hüpfburg befanden, ist noch unklar. Insgesamt sollen 40 Kinder an der vorweihnachtlichen Feier teilgenommen haben.

Wegen der Corona-Pandemie veranstaltet die Schule seit vergangenem Jahr einen „Big Day In“ mit zahlreichen Aktivitäten, statt wie in früheren Jahren ein Schulpicknick außerhalb des Geländes zu organisieren.

An der Hillcrest Primary School in der Stadt Devonport legten zahlreiche Bürger Blumen und Teddybären nieder, viele zündeten Kerzen an. Die Anteilnahme für die betroffenen Familien war riesig. „Es besteht kein Zweifel, dass dieser Unfall Spuren hinterlassen wird, und ich weiß, dass Menschen aus dem ganzen Land ihre Gedanken und Gebete senden“, sagte Polizeikommissar Darren Hine. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, war weiter unklar. Laut Hine sollen die Ermittlungen den Hergang und alle offenen Fragen klären.

Die Bürgermeisterin der 30.000-Einwohner-Stadt, Annette Rockliff, erklärte, viele Einwohner könnten noch gar nicht begreifen, was passiert sei. „Wir alle kennen jemanden, der betroffen ist“, sagte sie. „Dies ist eine der schlimmsten Zeiten, die wir je erlebt haben.“ Rockliff lobte die Arbeit der Rettungskräfte. Auch für sie habe es sich um einen schrecklichen Einsatz gehandelt.

16.12.2021, Australien, Devonport: Beamte von Worksafe Tasmania (l) inspizieren die Hüpfburg an der Hillcrest Primary School. Foto: Grant Wells/AAP/dpa

Der australische Premierminister Scott Morrison sprach von einer „entsetzlichen Tragödie“ und erklärte: Unsere Ersthelfer werden jeden Tag trainiert, um mit einigen der unvorstellbarsten Dinge umgehen zu können, aber dieses Mal geht es über das hinaus, was sie sich hätten vorstellen können.“

Nach Angaben des Sender ABC war es nicht das erste schwere Unglück mit Hüpfburgen in Australien. 2001 war eine Achtjährige ums Leben gekommen, als eine solche Burg in Südaustralien ebenfalls durch Wind in die Luft gehoben wurde. Das Mädchen fiel aus sieben Metern Höhe auf den Boden. Damals soll das Gebilde nicht genügend im Boden verankert gewesen sein.

Im vergangenen Jahr mussten im Bundesstaat New South Wales an der Ostküste zwei verletzte Kinder operiert werden, nachdem auch ihre Hüpfburg durch eine Böe meterhoch in die Luft geschleudert wurde. (dpa)

3 Antworten auf “Entsetzen in Australien – und nicht nur dort – nach dem tödlichen Hüpfburg-Unglück”

  1. Corona2019

    Eine wirklich tragische Geschichte.
    Und eine traurige zugleich.
    Unverständlich auch eigentlich, weil man aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt hat.
    Seile und Pflöcke die die Hersteller solcher Hüpfburgen vorschreiben, sind vielleicht nicht ausreichend, aus dem Grund dass die Bodenbeschaffenheit hier auch wahrscheinlich eine große Rolle spielt.
    Ist der Boden zu weich, braucht es keinen starken Wind, um solche Burgen loszureißen.
    Auch große Zelte werden ja nicht umsonst mit zusätzlichen Betonblöcken gesichert.
    Ich denke das Dach und sonst seitlich keinen Schutz solcher Hüpfburgen ist das Hauptproblem.
    Pakt der Wind unter das Dach, dann ist ein abheben durch das leichte Gewicht nur vermeidbar mit noch mehr Sicherheitsseilen und Betonklötzen als bei einem Zelt, das vom Eigengewicht ja schon viel schwerer ist, und seitlich geschlossen.
    Eine ungewöhnlich auftretende Windböe wird wohl auch eine Rolle gespielt haben .Das kann aber überall und jederzeit passieren, deshalb sollten solche Burgen in Zukunft besser gesichert sein, bzw hätte in diesem Fall schon so sein sollen.

  2. Sehr tragisch. Auch mein Beileid an den Eltern der tausenden Kinder, die jeden Tag am Hunger versterben. Leider gibt es darüber keinen so langen und einfühlsamen Bericht. Hat das vielleicht etwas mit unserer Abgestumpftheit zu tun?

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