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Das Fußballmärchen von Sint-Truiden geht weiter

02.05.2026, Belgien, Sint-Truiden: Die Spieler von Sint-Truiden feiern mit ihren Fans den 2:1-Sieg gegen Spitzenreiter Union Saint-Gilloise. Platz 3 ist Ihnen damit so gut wie sicher. Foto: Belga

AKTUALISIERT – Die rund 41.000 Einwohner zählende Stadt Sint-Truiden erlebt in diesen Monaten ein wahres Fußballmärchen. Was sich beim Erstligisten K. Sint-Truidense V.V. abspielt, sprengt alle Erwartungen.

Der Traditionsverein aus der Provinz Limburg mischt in der Jupiler Pro League ganz vorne mit und hat sich auch in den Champions Playoffs überraschend als feste Größe auf dem Podium etabliert.

Mit mutigem Offensivspiel, klarer taktischer Struktur und bemerkenswerter Konstanz hat sich Sint-Truiden in dieser Saison als ernstzunehmender Titelanwärter etabliert. Die Mannschaft überzeugt durch defensive Stabilität ebenso wie durch Effizienz im Abschluss. Gerade gegen etablierte Spitzenklubs tritt STVV selbstbewusst auf und sammelt kontinuierlich Punkte – ein Bild, das man in dieser Form lange nicht mehr gesehen hat.

Besonders bemerkenswert: Erstmals seit langer Zeit wird Sint-Truiden die Saison vor dem großen Rivalen KRC Genk abschließen, der sich in dieser Spielzeit mit den Europe Playoffs begnügen muss.

Trainer Wouter Vrancken, geboren in Sint-Truiden und erfolgreich mit Sint-Truiden. Foto: Belga

Während viele Experten erwartet hatten, dass STVV in den entscheidenden Champions Playoffs einbrechen würde, ist das Gegenteil eingetreten: Die Mannschaft hat ihre Form konserviert, sich weiter stabilisiert und den dritten Tabellenplatz sogar gefestigt.

Damit ist zugleich ein weiterer Meilenstein erreicht: Sint-Truiden wird in der kommenden Saison im Europapokal vertreten sein. Für die „Kanarienvögel“ ist das eine kleine Sensation, denn internationale Auftritte sind in der jüngeren Vereinsgeschichte eine Seltenheit. Zuletzt war man in der Saison 1999/2000 auf europäischer Bühne vertreten – damals im inzwischen eingestellten UEFA Intertoto Cup. Nun winkt eine deutlich prestigeträchtigere Rückkehr nach Europa.

Die aktuelle Erfolgsgeschichte erhält zusätzliches Gewicht durch den Blick in die Vereinsgeschichte: Der bislang größte Erfolg von Sint-Truiden war die Vizemeisterschaft in der Saison 1965/66 – bis heute die beste Platzierung des Klubs in der höchsten belgischen Spielklasse. Jahrzehntelang blieb dieser zweite Platz unerreicht. Nun aber steht fest, dass sich der Verein zumindest in unmittelbare Nähe dieses historischen Erfolgs gespielt hat – vielleicht sogar darüber hinaus.

27.06.2025, Belgien, Sint-Truiden: Das Stadion Daio Wasabi Stayen mit seinem Kunstrasen, Heimstätte von STVV. Foto: Shutterstock

Hinter dem sportlichen Höhenflug steht nicht zuletzt ein Trainer, der eng mit dem Verein verbunden ist: Wouter Vrancken, heute 47 Jahre alt, wurde in Sint-Truiden geboren und begann seine Profikarriere zwischen 1999 und 2004 genau hier beim STVV. Dass ausgerechnet ein „Sohn der Stadt“ nun an der Seitenlinie steht und den Klub zu neuen Höhen führt, verleiht dieser Saison eine zusätzliche emotionale Dimension.

Unterstützt wird diese Entwicklung durch einen klaren strategischen Kurs im Hintergrund. Seit 2017 gehört der Klub dem japanischen Technologie- und Medienunternehmen DMM.com, das langfristig investiert und dem Verein wirtschaftliche Stabilität verschafft hat. Die enge Verbindung nach Japan zeigt sich auch auf dem Platz – etwa durch Offensivspieler wie Keisuke Goto, der mit seinen Treffern maßgeblich zur starken Saison beigetragen hat.

So kann Sint-Truiden den kommenden Spieltag beinahe entspannt angehen: Beim Auswärtsspiel beim neuen Spitzenreiter FC Brügge haben die Limburger nichts zu verlieren. Der dritte Platz ist praktisch abgesichert, der Europapokal bereits gebucht. Was bleibt, ist die Chance, eine ohnehin historische Saison mit einem weiteren Ausrufezeichen zu krönen. (cre)

Führungswechsel: Brügge löst Union Saint-Gilloise als Spitzenreiter ab

Führungswechsel in den Champions Playoffs: Der FC Brügge nutzt die Niederlage von Union Saint-Gilloise und übernimmt vier Spieltage vor Schluss die Tabellenführung.

Einen Tag nach der 1:2-Niederlage der Union Saint-Gilloise in Sint-Truiden am Samstag setzten sich die Brügger am Sonntag bei Anderlecht deutlich durch (1:3) und übernahmen damit den ersten Platz in der Tabelle der Champions Playoffs mit einem Punkt vor dem Titelverteidiger. Damit hätte man nach der Niederlage der Brügger bei der Union Saint-Gilloise am 19. April nicht unbedingt gerechnet.

Ein Wendepunkt im Titelrennen? Die Brügger hatten beim Auswärtsspiel im Lotto Park eine Chance zu nutzen und machten aus ihren Absichten bereits vom Anpfiff an keinen Hehl.

Romeo Vermant, Hans Vanaken, Christos Tzolis und Hugo Vetlesen (v.l.n.r.) vom FC Brügge. Foto: Belga

Vanaken & Co. gingen zudem schnell in Führung. Bereits in der achten Spielminute drang Tresoldi in den Strafraum ein und zwang Anderlechts Verteidiger Angély zu einem Eigentor.

Danach drängten die Schützlinge von Trainer Leko weiter nach vorne, konnten aber den Vorsprung nicht ausbauen.

Nach der Pause zeigte sich der Rekordmeister, mit dem zurückgekehrten De Cat, entschlossener, Brügges Schlussmann van den Heuvel, der zwischenzeitlich den verletzten Jackers ersetzt hatte, wirklich in Bedrängnis zu bringen. Die Anderlechter wurden jedoch von den zynischen Spielern des FC Brügge bestraft, die innerhalb von drei Minuten zwei Tore erzielten. Forbs und Tzolis sorgten für eine Vorentscheidung. Anderlecht rettete durch Cvetkovic am Ende der Partie die Ehre, doch am Ausgang des Spiels änderte das nichts.

Christos Tzolis vom FC Brügge. Foto: Spada/LaPresse/AP/dpa

Der FC Brügge übernimmt damit vier Spieltage vor Ende der Champions Playoffs die Tabellenführung und hat obendrein in den letzten vier Begegnungen drei Heimspiele. Für Anderlecht hingegen rückt das Podium in weite Ferne, zumal der KV Mechelen den Brüsselern im Nacken sitzt. Der Rekordmeister muss bis zum Schluss kämpfen, um zumindest den vierten Platz zu verteidigen.

Die große Überraschung dieser Champions Playoffs ist zweifellos die Mannschaft von Sint-Truiden, die nach dem 2:1-Sieg gegen Union Saint-Gilloise Platz drei quasi sicher hat und damit sogar für die Europa League planen kann.

Der RSC Anderlecht hofft derweil darauf, Platz vier halten zu können. Die „Veilchen“ können zudem ihre Saison noch retten durch einen Sieg im rein Brüsseler Pokalfinale gegen den Rivalen Union Saint-Gilloise am Christi-Himmelfahrtstag, 14. Mai, im König-Baudouin-Stadion. (cre)

Der Tagellenstand in den Champions Playoffs vier Spieltage vor Schluss (Spiele – Siege – Tordifferenz – Punkte):

1. FC Brügge 36 25 34 47
2. Union St. Gilloise 36 23 37 46
3. Sint-Truiden VV. 36 21 16 39
4. RSC Anderlecht 36 14 -1 28
5. KV Mechelen 36 13 -7 27
6. KAA Gent 36 13 1 26

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

7 Antworten auf “Das Fußballmärchen von Sint-Truiden geht weiter”

  1. Ich persönlich finde diese künstliche Meisterschaftsverlängerung mit den sog.Play-offs echt bescheuert, um es klar auszudrücken! Ich denke, wenn ein Verein, wie in B nach 30 Spieltagen , oder beispielsweise in der BL nach 34 oder in der PL oder in La Liga gar nach 38 Spieltagen ganz vorne steht, soll er auch verdienter Meister sein. ( Punkt – aus – Micky Maus. (Zitat Rainer Calmund). Die Ungerechtigkeit in diesem System steht schon ganz am Anfang dieser Runde und zwar dadurch, dass die in der regulierten Meisterschaft , also nach 30 Spieltagen, erzielten Punkte halbiert werden! Beispiel : nach Ende der regulären (?) Meisterschaft hat der Erste (also leider nicht der in meinen Augen verdiente Meister), sagen wir als Beispiel 60 Punkte, der Zweite 50 Punkte. Das sieht auf den ersten Blick zwar gut aus für den „Nichtmeister“, hat er doch vermeintlich 10 Punkte Vorsprung. Durch den „künstlichen Eingriff“ der Halbierung der bereits erzielten Punkte seitens des Belgischen Fussballverbandes mit den Play-Offs sind es plötzlich aber nur noch 5 Punkte an Vorsprung. Dass dann Vereine wie Club Brügge durch ihre Power dank der Halbierung des Punktevorsprungs des vermeintlich Ersten noch herankommen oder besser gesagt noch vorbeiziehen und dann Meister werden, ist dann sehr wahrscheinlich. Insgesamt sind es ja 10 Spiele mit Hin-und Rückspiel nach der „Meisterschaft“, die de facto aber keine mehr ist M Meinung nach wird das dieses Jahr, wie schon in vorherigen Spielzeiten, wieder eintreten. PS: Ich habe absolut nichts gegen den FC Brügge, aber wie soll selbst Union St Gilloise Meister werden, wenn ihnen im Vorfeld der „Endrunde“ die Hälfte der Punkte vom Verband „geklaut“ werden, ehe es losgeht und ihnen wie diese Saison der FC Brügge durch dieses System noch näher im Nacken sitzt?

  2. Peter Müller

    Die Können sich die Hand geben mit R.B. Leibzig, Hoffenheim; und natürlich mit der A.S. Eupen. Und der Meisterschaftsmodus ist wie die Nachspielzeit, es wird solange gespielt bis es passt!. .

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