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Die Bundesliga und die Corona-Folgen – Im Fußball geht inzwischen die Angst um

Medienspektakel Bundesliga: Pressefotografen in der VELTINS-Arena in Gelsenkirchen. Foto: Shutterstock

Was macht ein Unternehmen, wenn plötzlich die Geschäftsgrundlage fehlt? Vor genau diesem Problem stehen die Fußballclubs derzeit. Einige finanzielle Stellschrauben haben die Clubs bereits ausgemacht. Letztendlich hängt alles an einer Frage.

Im Fußball geht die Angst um. Die Corona-Krise bedroht Clubs von der Bundesliga bis in die Kreisklasse. Der Satz „Es geht ja nur noch ums Geld“ ist mittlerweile kein Vorwurf mehr, sondern ein Hilferuf.

In der aktuellen Lage geht es nicht in erster Linie um den Fußball als schönste Nebensache der Welt. Es geht um den Fußball als Arbeitgeber für rund 56.000 Menschen alleine in der 1. und 2. Liga – sowie viele weitere Arbeitnehmer in verbundenen Geschäftsfeldern.

Wie groß die finanziellen Auswirkungen der bislang bis mindestens in den Mai anhaltenden Spielpause genau sein werden, weiß keiner. Fest steht aber: So groß war die Prüfung für das Milliardengeschäft noch nie. Steht der Spitzenfußball vor einer Zeitenwende?

26.03.2020, Bayern, München: Herbert Hainer (2.v.l.), Vereinspräsident von Deutschlands Rekordmeister FC Bayern München, verteilt bei der „Münchner Tafel“ Lebensmittel. Foto: FCB/FC Bayern München/dpa

Ohne die Einnahmen aus TV, Ticketing und Sponsoring seien viele Vereine in „akuter Gefahr“, hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach einer Krisensitzung der 36 Proficlubs gesagt und damit noch nicht einmal alle Problemfelder genannt.

Niemand weiß derzeit, wie sich die Krise auf den Transfermarkt im Sommer auswirkt. Clubs, die mit Millioneneinnahmen durch Spielerverkäufe geplant haben, könnten große Probleme bekommen. Zudem bleiben Fanshops und Vereinsmuseen geschlossen, Stadionführungen und andere Veranstaltungen finden nicht statt.

Wie ernst die Lage ist, haben auch viele Spieler erkannt. Durch den Verzicht auf einen Teil ihres Gehalts senken sie die Ausgaben ihrer Arbeitgeber. Einige Clubs haben zudem bei einem Teil ihrer Mitarbeiterschaft auf Kurzarbeit umgestellt. Während die exakten Folgen schwer abzusehen sind, ist die grundsätzliche Rechnung simpel: Wird nicht gespielt, bricht die Geschäftsgrundlage weg. In manchen Club-Bereichen schneller, in anderen langsamer.

Große Reserven sind bei den meisten Clubs nicht vorhanden

Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry spricht von Dimensionen, „die selbst große Vereine nicht lange durchhalten“ könnten. „Was uns als Branche jetzt trifft, war nicht vorhersehbar, nicht planbar und nicht versicherbar“, betont Filbry. Auch Rücklagen hätten da nicht geholfen. „Dafür sind die Beträge, um die es jetzt geht, einfach zu hoch.“

28.09.2019, Sachsen, Leipzig: Der Spielball liegt auf einem Podest im Stadion. Foto: Jan Woitas/dpa

Für die Fußballvereine gilt wie für jedes Wirtschaftsunternehmen mit großer Konkurrenz: Stillstand ist Rückschritt. Um im harten Geschäft mithalten zu können, in der Liga zu bleiben, vielleicht um die lukrativen Europapokal-Wettbewerbe mitzuspielen, wird ein Großteil des eingenommenen Gewinns vor allem reinvestiert.

Große Reserven sind bei den meisten Clubs nicht vorhanden. Wie lange die Vereine ohne Ligaspiele überleben, unterscheidet sich von Verein zu Verein und hängt nicht nur vom aktuellen Vereinsvermögen ab.

Am stärksten von der Corona-Krise betroffen seien „jene Vereine, die in ihrer Finanzstruktur einen hohen Anteil an Zuschauereinnahmen aufweisen“, sagt Sportökonom Christoph Breuer der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind zum Beispiel Traditionsclubs in der 3. oder 2. Liga.“

Auch in der Bundesliga gibt es große Unterschiede. Der VfL Wolfsburg hat als 100-prozentige Tochter des VW-Konzerns bessere Voraussetzungen für die Krise als andere Clubs, wie Geschäftsführer Jörg Schmadtke bereits erklärte.

Die meisten Ausgaben fallen bei Spielergehältern an

Die Erstligisten nahmen in der Saison 2018/19 direkt durch die Spiele 520,1 Millionen Euro ein – hauptsächlich durch Ticketverkäufe. Das entspricht einem Anteil an den Gesamteinnahmen von 12,9 Prozent, wie aus dem DFL-Wirtschaftsreport 2020 hervorgeht. In der 2. Liga, betrug der Anteil 16,8 Prozent. Tiefere Spielklassen, in denen TV-Einnahmen eine geringere Bedeutung haben, sind noch mehr von Eintrittskartenverkäufen abhängig.

23.03.2020, Niedersachsen, Wolfsburg: Das von VfL Wolfsburg überlassene Foto zeigt die Spieler Kevin Mbabu () und Ismail Azzaoui, die sich auf Spinningrädern fit halten. Foto: -/VfL Wolfsburg/dpa

Die mediale Verwertung hat in der 1. Liga mit 36,9 Prozent (1,48 Milliarden Euro/Saison 2018/19) den größten Anteil an den Einnahmen. Ob die nächsten Tranchen der TV-Gelder wie geplant überwiesen werden, hängt vor allem wohl davon ab, ob der Ball in den nächsten Monaten wieder durch die Stadien rollt. Ob mit Zuschauern oder ohne – was zunächst aller Voraussicht nach die einzige Option sind wird -, ist dabei nur sekundär.

Die meisten Ausgaben fallen bei Spielergehältern an. Der Posten „Personal Spielbetrieb“ machte 36,8 Prozent (1,43 Milliarden Euro) des Gesamtaufwandes der höchsten deutschen Spielklasse 2018/19 aus. Zum Vergleich: „Personal Handel/Verwaltung“ schlägt nur mit 6,9 Prozent in der Bilanz zu Buche.

Im Vergleich zu anderen Top-Ligen in Europa steht die Bundesliga beim Anteil der Spielergehälter an Umsatzerlösen noch gut da. Laut der letzten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte liegt der Anteil der deutschen Eliteklasse bei 53 Prozent, in der Premier League bei 59, in Spanien bei 66 und in der Ligue 1 bei 75 Prozent.

Solidaritätsaktion löblich, wird aber wenig helfen

Aber auch so ist klar: Das größte Einsparpotenzial liegt bei den Spielergehältern. Ob der Verzicht, der bei einigen Vereinen bei rund 20 Prozent liegt, da ausreicht, ist auf Dauer fraglich und hängt ebenfalls entscheidend von der Dauer der Spielpause und weiteren Einnahmemöglichkeiten ab.

Die Solidaritätsaktion der vier Champions-League-Teilnehmer Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen mit insgesamt 20 Millionen Euro für Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga ist löblich, aber wird nachhaltig den betroffenen Vereinen nur wenig helfen.

„Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben“: Uli Hoeneß, ehemaliger Präsident des FC Bayern München. Foto: Sven Hoppe/dpa

Auf der Suche nach neuen Geldquellen könnten Investoren aus Sicht von Sportökonom Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln zunehmend wichtig werden. Die im deutschen Fußball geltende 50+1-Regel schränkt dabei allerdings den Handlungsrahmen der Vereine ein.

„Ich kann natürlich auch mit der 50+1-Regel Investoren suchen, die dann halt nicht die Stimmenmehrheit übernehmen“, sagt Breuer. „Aber es würde zusätzliche Möglichkeiten geben, wenn es die 50+1-Regelung nicht gäbe.“ Im internationalen Vergleich – zum Beispiel mit englischen Clubs – könnte sich der Wettbewerbsnachteil für die Bundesligisten ausweiten.

Bei allen Ungewissheiten und Unwägbarkeiten scheint festzustehen: „Es wird überall Abstriche geben“, wie es Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic in der Tageszeitung „Die Welt“ formulierte. Der 48-Jährige bleibt dennoch zuversichtlich. Der Fußball sei immer erfinderisch gewesen. Er sei sicher, „dass es auch dieses Mal wieder Lösungen geben wird“.

Wie diese Lösungen dann aussehen und in welchem Ausmaß sie den in Deutschland beliebtesten Sport verändern, ist völlig offen. Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß prognostizierte im „Kicker“ jedoch bereits: „Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben.“ (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

15 Antworten auf “Die Bundesliga und die Corona-Folgen – Im Fußball geht inzwischen die Angst um”

  1. Nach all diesen Jahren der ausufernden Ablösesummen und Gehälter ist es schon lange Zeit das sich dort was ändert. Aber kaum läuft ein paar Wochen nichts wird gejammert und nach dem Staat gerufen dieses kranke Gebilde zu „retten „. ( Nicht der Uli, der konnte denken und wirtschaften)

  2. peter Müller

    Der ganze Fussball kann den Berg runter gehen. Auf die Champions League können wir verzichten. Die Namen der Vereine bleiben weiter bestehen. Dann spielt Standard eben mal wieder gegen Fleron Union, Chaudfontaine, oder Esneux. Werden wohl interessante Spiele mit vielen Zuschauern.
    Was mich interessiert, viele Verträge , ob Bundesliga oder sonst wo, laufen Ende Mai aus. Werden die denn alle stempeln gehen.

  3. Gemein(d)e

    Jahre lang Millionen scheffeln und jetzt um Geld betteln wie armselig , haben die keinen Rücklagen gebildet? Vielleicht können die Spieler die Jahrelang Millionen bekommen haben mal ne Mio. zurück geben.
    Davon abgesehen wenn die Spieler so großzügig posten sie würden einen Monat auf ihr Gehalt verzichten ,.. wenn sie es nicht tun geht der Verein pleite… also purer Eigennutz.

  4. Es wird zwar richtigerweise erwähnt, dass die TV-Gelder einen wichtigen, eigentlich den größten Anteil
    der finanziellen Einnahmen, für die Profivereine der BL, der Zweiten und auch der Dritten Liga ausmachen. Derzeit, bzw.mit etwas Verzögerung, bedingt durch die Corona-Krise, werden die TV-Rechte ab der kommenden Saison für 4 Jahre ausgeschrieben. Und genau hier könnte ein weiteres finanzielles Desaster für die genannten Vereine drohen! Denn bisher wurden die TV-Gelder durch mehrere Bieter, wie Sky, Eurosport/DAZN, usw. gegenseitig in die Höhe getrieben, zum Profit der Vereine .Jetzt könnte es aber passieren, dass die potentiellen TV-Sender die Gunst der Stunde nutzen und versuchen werden, die derzeitigen horrenden Preise nach unten zu drücken! Der eine oder andere Anbieter muss, wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch, dreimal prüfen, wie viel es investieren will und das aus aktuellem Anlass wohl über mehrere Jahre hinaus. Ergo, es wird weniger Anbieter für den Zuschlag der Übertragungsrechte geben und infolgedessen der Preis dementsprechend gedrückt werden, nach dem kaufmännischen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Vielleicht ist dies auch eine gute Sache, da es mit diesen Wahnsinns-Preisen auch nicht mehr so weiter gehen konnte. Bin im übrigen gespannt, wie sich diese Sache in England entwickelt. Die dortigen Bieter, u.a. auch Sky werden, angesichts der weltwirtschaftlichen Lage, auch keine Unsummen mehr, wie bisher geschehen, für die Übertragungsrechte bezahlen wollen. Die nutzen dann eben auch die Gunst der Stunde. Die verwöhnten „Millionäre in den kurzen Hosen“ werden das, wegen dem Schneeball-Effekt dieses Szenarios, auch zu spüren bekommen.

  5. Karli Dall

    Chef-Virologe:
    „Zusätzlich sollte auch weiterhin auf Händeschütteln und auf Großveranstaltungen wie Fußballspiele eine Weile verzichten werden – mindestens bis Ende des Jahres.“

  6. Peter Müller

    Auch für eine Millionen im Jahr würde Messi noch hinter dem Ball laufen. Ausser er hat keine Lust mehr, ist ja auch schon etwas Älter, und hat genug. Aber alle die jungen wollen spielen. Die meisten schon, weil Sie nix gelernt haben, denn wo verdient man schon soviel Geld in einem Jahr. Und das Fussballerische Niveau bleibt das selbe.

  7. propaganda

    Jetzt sieht man mal wie absurd dieser Fussball ist. Gehälter von einer Million pro Monat und der Normalbürger kann seine Miete nicht bezahlen weil er noch nicht mal 2000 Euro bei einem Vollzeitjob verdient. Hoffentlich wird jetzt mal aufgeräumt und vernünftige Summen pro Monat bezahlt. Auch die ganzen Berater, zum Teufel mit denen. Die scheffelen Millonen pro Jahr mit kleiner Leistung. Das ist doch alles so krank. Da kommt ein 14 jähriger schon mit einem Berater an. So konnte es sowieso nicht weitergehen. Ich würde keine 50 Euro für ein Spiel ausgegeben. Die sollten alle 90 % von ihrem Gehalt abgehalten bekommen dann hätten sie noch immer reichlich zum Leben.

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