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Adolf Christmann zauberte „magische Momente in Eupener Wohnzimmer“

Preisträger Adolf Christmann und seine Frau Heidi am Freitag im Eupener Rathaus. Foto: Edgar Hungs

„Er hat es verstanden, magische Momente in die Eupener Wohnzimmer zu zaubern“. BRF-Redakteur Rudolf Kremer hob in seiner Laudatio auf Adolf Christmann die starke Hinwendung des neuen Trägers der August-Tonnar-Medaille zu seiner Vaterstadt hervor. Am Freitag wurde der Kulturpreis an den Maler und Künstler im Eupener Rathaus verliehen.

Zahlreiche internationale und nationale Ehrungen und Auszeichnungen hat der heute 90-jährige Christmann schon erhalten und erfahren dürfen. Doch die Verleihung der August-Tonnar-Medaille hat für den Sohn eines Bäckermeisters einen ganz besonderen Stellenwert.

In seiner Heimatstadt, gleichzeitig auch der Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens, erhält er nun die Ehrung für seine kulturellen Verdienste für die Stadt Eupen und seines jahrzehntelangen Wirkens als Maler und freischaffender Künstler.

Bürgermeister Karl-Heinz Klinkenberg (links) überreicht Adolf Christmann die Auszeichnung. Foto: Edgar Hungs

Der Eupener Kulturpreis zeigt die hohe Qualität seiner Werke, die sowohl weltweit wie auch in der Region unumstritten ist. Adolf Christmann ist der 10. Träger der August-Tonnar-Medaille. 2005 erhielt Christmann die Goldene Feder der Exprinzen der Stadt Eupen-Kettenis.

Adolf Christmann wurde am 6. Juli 1927 als ältestes der vier Christmannkinder geboren. Er ist ein Schüler des Collège Patronné und erhielt bis zum Ende des 2. Weltkrieges privat Malunterricht.

Schon als kleiner Junge wurde er magisch von der Malerei angezogen. Erste Versuche entstanden in der Backstube seines Vaters. Er kopierte Abbildungen und Fotos von Backwaren. Doch eine Mehlallergie stoppte das Bestreben seines Vaters, Christmann in die Bäckerlehre zu schicken.

Ehrung für einen Vorzeigekünstler

Dank der Unterstützung seiner Mutter konnte er seinen Wunsch erfüllen und mit den Kunststudien beginnen. Diese führten ihn nach Lüttich, Antwerpen und Paris. 1954 beschließt Christmann, fortan als selbstständiger Künstler zu arbeiten.

Für Bürgermeister Karl-Heinz Klinkenberg (PFF) ist Christmann ein Vorzeigekünstler. Er schafft es „(…) einen gelben Fleck in die Sonne zu verwandeln. (Picasso)“.

Feierstunde im Eupener Rathaus zu Ehren von Adolf Christmann. Foto: Edgar Hungs

Christmann gilt als Botschafter der Stadt Eupen-Kettenis und wirkt identitätsstiftend für die Eupener Kultur, so Klinkenberg weiter. Seine Gemälde zieren Räumlichkeiten der belgischen Königsfamilie und hängen in so manchem Eupener Wohnzimmer. Die Stadt Eupen kaufte seiner Zeit eines der ersten Bilder des Künstlers: das Klösterchen.

Zu Beginn seiner Schaffenszeit waren die Gemälde Christmanns nicht für jedermann erschwinglich. Doch irgendwie hat er es geschafft, dass er in vielen Eupener Familien den Weg ins Wohnzimmer schaffte.

Mit seinem eigenen Stil und die farbenreiche Gestaltung seiner Gemälde konnte er begeistern. Auch mit den dargestellten Objekten konnte die hiesige Bevölkerung sich identifizieren, zeigten diese immer eine Eupener Besonderheit aus Architektur, Kultur oder Leben. Es war schon magisch, wie er eine Anziehungskraft ausstrahlte, so Kremer weiter in seiner Laudatio.

Zehn Preisträger – nur Männer…

Für viele Eupener Bürger war der Erwerb seiner Gemälde wahrlich ein magischer Moment, immer dann, wenn es seinen Platz an der Zimmerwand gefunden hatte.

„Auf jeder seiner Ausstellungen suchte er den Kontakt zu den Besuchern, die oft in einem Portrait endeten. Heute ist Christmann selber ein Ausstellungsbesucher“, so Kremer in seiner Laudatio.

Preisträger Adolf Christmann bedankte sich bei seinem Publikum. Er sei von den Eupenern angenommen worden. Doch war er auch froh gewesen, dass zahlreiche Förderer aus seiner Stadt ihn unterstützt haben.

Er hielt die Laudatio: BRF-Redakteur Rudolf Kremer. Foto: Edgar Hungs

Die Feierstunde im Rathaussaal wurde durch musikalische Beiträge des Holzbläserquartetts Musica Mina verschönert.

Bleibt nur noch die Frage offen, wann die erste Frau den begehrten Kulturpreis der Stadt Eupen-Kettenis erhält. Alle bisherigen 10 Ausgezeichneten sind Männer.

Der Kulturpreis der Stadt Eupen ist nach dem Heimatdichter August Tonnar benannt. Er wird Personen verliehen, die aus ihrem eigenen Antrieb heraus Werke schaffen, die das Wesen und die Art der Eupener Bevölkerung darstellen. Sie sollen zu einem besseren Selbstverständnis beitragen.

Die persönliche Kreativität des Kulturschaffenden steht im Mittelpunkt der Juryentscheidung. EDGAR HUNGS

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Die August-Tonnar-Medaille wird in unregelmäßigen Abständen verliehen. Die bisherigen Träger sind:

  • Willy Berens (1982)
  • Pastor Viktor Gielen (1983)
  • Karl Willems (1986)
  • Gottfried Loup (1994)
  • Leo Hermanns (1994)
  • Kaplan Robert Ernst (1997)
  • Leo Kever (2006)
  • Bruno Kalbusch (2008)
  • Hans Wertz (2009).

Adolf Christmann ist der 10. Träger der August-Tonnar-Medaille. Foto: Edgar Hungs

  1. Es wird noch lange dauern, bevor eine Frau die begehrte Medaille erhalten wird.
    Ich prophezeie mal, dass der Schriftsteller Freddy Derwahl der nächste Preisträger sein wird.
    Immerhin hat Freddy Derwahl seine Heimatstadt Eupen in zahlreichen Büchern „verewigt“.

    • Pressekonfekt

      Fragt sich nur in welchen Büchern, Kritiker!? Der Herr Derwahl muss noch lange auf den Orden warten, da gibt es vor ihm noch einige die das mehr verdienten!? So toll war seine Lektüre bis heute nicht!

  2. Zwei Frauen kämen für die August-Tonnar-Medaille in Frage: Irene Kalbusch (Ballett) und Dr. Heidi Christmann (langjährige Leiterin des „Philosophischen Kabinetts“ in Eupen).

  3. Weserstädter

    Die Eupener Stadtväter und der Laudator Rudolf Kremer (BRF-Kulturjournalist und Verfasser der schönen Monographie über den Eupener Kunstmaler) hatten sich bei der Preisverleihung sehr viel Mühe gegeben. Und Adolf Christmann hatte diese hohe Auszeichung mehr als verdient. Gratulation.

  4. Unterstädter

    Weshalb hat man den begnadeten Kunstmaler Adolf Christmann erst jetzt mit 90 Jahren ausgezeichnet? Diese Auszeichnung war doch schon lange überfällig. Oder bedurfte es der beiden Brüder „Jockel“ (Stadt Eupen) und Rudolf Kremer als „Triebfedern“?

  5. Oberstädter

    Adolf Christmann ist wirklich ein grandioser Maler, der seiner Heimatstadt immer treu geblieben ist. Einen Kandidaten für die begehrte „August-Tonnar-Medaille“ ist momentan weit und breit nicht zu sehen. Adolf Christmann hinterlässt in der Tat große Fußspuren …

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